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Zum Schluss auf den Merkur

Deutschland, Baden-Baden
Von Stephan Landgraf   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Nordic Walking in Baden-Baden: nicht nur mondän, sondern einfach traumhaft
Bislang hat Baden-Baden als mondäne Kurstadt für Furore gesorgt. Im Tal der Oos kann man aber nicht nur prima baden. Auf aussichtsreichen Nordic-Walking-Strecken lässt sich der Nordschwarzwald erkunden. Und nach der Tour locken die heißesten Thermen Europas.
Im lieblichen Tal der Oos hat die Natur ganze Arbeit geleistet. Auf drei Seiten halten Schwarzwaldberge raue Winde ab. Von Westen schickt das Rheintal milde, sonnenbegleitete, südliche Lüfte. In Baden-Baden, so heißt es, sei die Millionärsdichte so hoch wie nirgendwo sonst in Deutschland. Und es gibt sie tatsächlich, die Wohnviertel, in denen die Remisen eine Größenordnung zu erreichen scheinen, mit der andernorts Einfamilienhäuser gemessen werden. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Da fährt der Nachwuchs schon mal im Bentley auf dem Trottoir der In-Kneipe Garibaldi am „Leo“-poldsplatz vor. Das feine Sakko mit Schlips ist nichts Außergewöhnliches. Als Korrektiv bläst der hier beheimatete Radiosender unaufhörlich die SWR-3-Gegenwart in den überlieferten Glamour.

Aber es existiert auch ein anderes Baden-Baden. Denn die Stadt ist nicht allein Domizil der Reichen und Immer-noch-Schönen. Im urigen Wirtshaus mitten in der Altstadt treffen Schauspieler und Sozialarbeiter aufeinander, begegnen sich Intellektuelle, Einwohner jeder Couleur. Wer die Mühe nicht scheut, hinter die Fassaden zu schauen, lernt Gegensätze kennen. Baden-Baden ist keineswegs die erstarrte Eleganz von vorgestern, die Stadt an der Oos lebt. Und gerade ihre vielfältigen Facetten machen die Kurstadt entdeckenswert.

Seit kurzem gibt es hier Nordic-Walking-Strecken. Und zwar nicht nur für Sahneteilchen-belastete Wellness-Sportler. „Die schwarze Tour zum Battertfelsen ist ein Traum“, verspricht Klaus-Peter Müller. Klaus-Peter ist der Nordic-Walking-Spezialist der Stadt. Rent-a-sportsman nennt der freundliche Enddreißiger sein Metier. Meist findet der Personaltrainer sein Klientel in den Hotelpalästen vom Schlage „Brenner’s Parkhotel“ oder im „Europäischen Hof“. Heute ist er mit uns unterwegs. Wir treffen uns einen Steinwurf vom berühmten Kurhaus entfernt, im Schatten der hohen Bäume der Lichtentaler Allee.

Quer durch die Fußgängerzone der Altstadt ist die Caracalla-Therme, der Ausgangspunkt der Nordic-Walking-Strecken, in kurzer Zeit erreicht. Direkt vor dem Eingang des modernen Badetempels startet unsere Tour. Über die Seufzer-Allee geht’s das Rotenbachtal hinauf. Nach fünf Minuten beginnt ein spürbarer Anstieg. Am Rotenbächle entlang führt der Trail ins Gelände. Über drei steile Rampen steigen wir hinauf zum ersten Highlight der Tour. Bis zu zwölf Prozent Steigung bringen den Kreislauf in Schwung.

Nach rund einer halben Stunde haben wir die prächtige Felskulisse der Teufelskanzel erreicht. Bald 200 Höhenmeter sind bis hierhin bewältigt und rechtfertigen einen kräftigen Schluck aus der Flasche. Via Wolfsschlucht laufen wir unter den Felsen der Engelskanzel hindurch. An der Badener Straße zweigt die Alternativ-Route der Tour B ab zurück ins Tal.

Wir wollen die nächsten 100 Höhenmeter bezwingen. Nach einer knappen Stunde ist die rund 500 Meter hoch gelegene Batterthütte erreicht. Fünf Kilometer haben wir bis zu diesem höchsten Punkt auf waldreicher Strecke zurückgelegt. Auf leicht abschüssigem Pfad kündigen sich die nächsten Felsungetüme an. Bis zu 60 Meter ragen die Battertfelsen empor. Die gewaltigen Felstürme aus Quarzporphyr präsentieren sich als gigantischer Klettergarten. Dass das Bezwingen nicht ungefährlich ist, bezeugt die Geröllhalde, die bis nah an unseren NW-Parcours heranreicht.

Kaum haben wir uns an den Battertfelsen sattgesehen, nähern wir uns der nächsten Sehenswürdigkeit. Vor uns liegt das Alte Schloss. Zwar wurde es bereits im 15. Jahrhundert aufgegeben, doch das hoch aufsteigende, mächtige Mauerwerk gibt eine gute Vorstellung von den ehemaligen Ausmaßen der gigantischen mittelalterlichen Anlage: In seiner Glanzzeit bestand das Schloss aus mehr als 100 Räumen!

Unser Weg schwenkt jetzt zurück ins Tal. Am Eberbrunnen vorbei laufen wir durch den Steinwald zum Hungerberg. Unser Appetit nach Aussicht wird hier bestens gestillt. Nach Süden erstreckt sich ein toller Ausblick über das Neue Schloss auf die Kurstadt. Über die weiten Wiesen des Gartenschaugeländes erreichen wir den Schlosspark. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung hinab in die Altstadt. Hier, unterhalb des Hungerbergs, können müde Nordic Walker nach rund 1,5 Stunden auf der schwarzen 8,3 Kilometer langen Tour den Akku wieder aufladen.

Mit frischer Kraft sollte man auf jeden Fall dem Merkur noch einen Besuch abstatten. Der berühmte Aussichtsberg von Baden-Baden ist absolut lohnend. Die 500 Höhenmeter Aufstieg werden belohnt ... Man beginnt die Nordic-Walking-Tour zum 668 Meter hohen Merkurgipfel beim Wanderparkplatz Wolfsschlucht, im Ortsteil Lichtental oder, so unsere Empfehlung: direkt im Stadtzentrum. Wer schlappmacht, kann es den Paraglidern gleichtun und die letzten Höhenmeter mit der Standseilbahn zurücklegen. Beim Gipfelblick auf Baden-Baden, den Schwarzwald und das Rebland sind alle Anstrengungen vergessen.

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