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Zofingen

Schweiz, Zofingen
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"Zofingen" (schweizerdeutsch "Zofige", franz. "Zofingue") ist eine Kleinstadt und Einwohnergemeinde in der Schweiz und der Hauptort des gleichnamigen Bezirks im Kanton Aargau. Sie liegt im äussersten Südwesten des Kantons im Wiggertal, an der Grenze zum Kanton Luzern, und bildet den südlichen Schwerpunkt eines Ballungsgebietes, das sich über Oftringen und Aarburg und bis nach Olten und Trimbach im Kanton Solothurn erstreckt. Die Stadt liegt nahe dem Kreuzungspunkt der wichtigsten Nord-Süd- und West-Ost-Verkehrswege der Schweiz. Mit mehr als 10"000 Einwohnern ist Zofingen die siebtgrösste Gemeinde des Kantons. Das benachbarte Mühlethal wurde am 1. Januar 2002 eingemeindet.

Geographie
Die mittelalterliche Altstadt liegt am Rand des Wiggertals. Östlich davon erheben sich vier durch kleine Täler getrennte Hügel. Von Nord nach Süd sind dies der Bärenhubel, der Finkenherd, der Heitern und das Bergli. Diese vorspringenden Hügel gehören zu einem lang gestreckten, breiten und stark gegliederten Hügelzug, der das Wiggertal vom angrenzenden Uerkental trennt. Zwei Täler reichen weit nach Osten in den Hügelzug hinein, das über einen Kilometer lange Riedtal an der luzernischen Kantonsgrenze sowie das knapp drei Kilometer lange Mühletal an der nördlichen Gemeindegrenze. In letzterem liegt das ehemals eigenständige Dorf Mühlethal. Die östlichen zwei Drittel des Gemeindegebiets sind (mit einigen Ausnahmen) fast vollständig mit Wald bedeckt.

Zofingen im Siegfriedatlas (1884)
Westlich der Altstadt erstreckt sich eine flache, bis zu zwei Kilometer breite Ebene. Entlang der Bahnlinie verläuft der Altachenbach. Dieser fliesst in einem durchschnittlichen Abstand von 600 Metern parallel zur Wigger, welche die westliche Stadtgrenze bildet. Das Gebiet westlich der Altstadt ist dicht besiedelt und weist im nördlichen Teil eine ausgedehnte Industriezone auf. Das überbaute Gebiet ist mit demjenigen von Oftringen und Strengelbach zusammengewachsen, wobei das Oftringer Gemeindegebiet bis etwa zweihundert Meter an den nördlichen Rand der Altstadt heranreicht.

Die Fläche des Stadtgebiets beträgt 1107 Hektaren, davon sind 480 Hektaren bewaldet und 316 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf dem 661 Meter hohen Rottannhubel an der östlichen Stadtgrenze, die tiefste Stelle liegt auf 421 Metern an der Wigger.

Nachbargemeinden sind Oftringen im Norden, Safenwil im Nordosten, Uerkheim und Bottenwil im Osten, das luzernische Wikon im Süden, Brittnau im Südwesten sowie Strengelbach im Westen.

Geschichte
Vor der Stadtgründung
Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus der Jungsteinzeit, wie einzelne Funde von Faustkeilen und anderen Steinwerkzeugen beweisen. Im 3. Jahrhundert v. Chr. siedelten sich die Helvetier an und gründeten ein Dorf, das sich bald zu einer Priestersiedlung entwickelte. Es war wahrscheinlich eines jener 400 helvetischen Dörfer, die Julius Caesar in "De Bello Gallico" erwähnte.

1826 fand der Amtsschreiber am Südwesthang des Heiternhügels die Überreste eines römischen Gutshofes. Er war im späten 1. Jahrhundert n. Chr. entstanden und diente zur Lebensmittelversorgung des Legionslagers in Vindonissa (heute Windisch). Das Herrenhaus erreichte nach zahlreichen Erweiterungen eine Länge von 120 Metern; der Zofinger Gutshof ist somit der grösste, der bis jetzt auf dem Gebiet des Kantons Aargau entdeckt worden ist.Martin Hartmann, Hans Weber: "Die Römer im Aargau" (S. 213–214). Verlag Sauerländer, Aarau 1985. ISBN 3-7941-2539-8. Im Jahr 259 durchbrachen die Alamannen den Obergermanisch-Rätischen Limes und zogen plündernd und mordend durch das Mittelland. Die römischen Truppen mussten sich über die Alpen zurückziehen und konnten die Invasoren erst im Jahr 270 wieder zurückdrängen. Etwa um diese Zeit wurde der Gutshof aufgegeben. Zwischen 401 und 406 zogen sich die Römer endgültig über die Alpen zurück.

Ein paar Jahrzehnte später begannen die Alamannen mit der Besiedlung des fast völlig entvölkerten Mittellands. Die Wortendung «-ingen» lässt darauf schliessen, dass die Siedlung Zofingen während der ersten Besiedlungsphase etwa um das Jahr 500 herum entstand. Der Ortsname leitet sich vom alemannischen Begriff für «bei den Leuten des Zobo» ab. Die Siedlung wurde bald zum religiösen Zentrum der Region und um 600 entstand die erste Pfarrkirche. Bei Grabungen in den Jahren 1979 und 1980 stiessen Archäologen auf zwei Steinkistengräber alemannischer Adeliger mit goldenen Beigaben aus dem 7. Jahrhundert.

Frohburger und Habsburger
Turm der Stadtkirche
Ein befestigter Hof neben der Kirche gilt als erster Stammsitz der Grafen von Frohburg. Diese zogen im 10. Jahrhundert in die repräsentative Frohburg bei Trimbach und wandelten die Kirche Ende des 12. Jahrhunderts in ein dem Hl. Mauritius geweihtes Chorherrenstift um. Darum herum entwickelte sich ein mit Mauern und Gräben geschütztes Markt- und Verwaltungszentrum am Handelsweg von Basel nach Luzern.

Die erste urkundliche Erwähnung des Chorherrenstifts und Zofingens erfolgte im Jahr 1201. Wann genau das Stadtrecht verliehen wurde, ist nicht bekannt. Bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde in Zofingen mit der Prägung eigener Münzen begonnen, die sich in der heutigen Nordwestschweiz grosser Beliebtheit erfreuten. Um 1250 begann der Niedergang der Frohburger, die sich in drei Linien aufgeteilt hatten. Sie mussten im Jahr 1274 fast ihren gesamten Besitz an König Rudolf I. verkaufen. Im September 1299 erwarben die Habsburger Zofingen, die eigentliche Heimat der Frohburger. 1348 forderte die Pest in Zofingen viele Opfer. Die Juden, welche für die Verbreitung der Epidemie verantwortlich gemachte wurden, wurden aus der Stadt vertrieben.

Bereits unter den Frohburgern war die Stadt vom Amt Aarburg abgetrennt worden und bildete einen eigenen Gerichtsbezirk mit niederer und hoher Gerichtsbarkeit. Unter der Herrschaft der Habsburger erlangten die Zofinger vor allem in wirtschaftlichen Bereichen immer mehr Autonomie, auch ihre Amtspersonen durften sie selbst wählen. Ende Januar 1361 fand in Zofingen ein Lehenstag statt. Sämtliche Inhaber eines Lehens in den österreichischen Vorlanden mussten persönlich in der Stadt erscheinen und ihre Lehen bestätigen lassen; es handelte sich um mehr als 900 Personen aus dem Elsass, aus Süddeutschland, dem Thurgau und dem Aargau. Beim Einfall der Gugler im Jahr 1375 kam Zofingen im Vergleich zu den Regionen weiter westlich relativ glimpflich davon.

Als die Spannungen zwischen Luzern und den Habsburgern immer mehr zunahmen, hielt Zofingen treu zu den Habsburgern und kämpfte am 9. Juli 1386 in der Schlacht bei Sempach an deren Seite. Zwölf Zofinger fielen, darunter Niklaus Thut. Der Alt-Schultheiss soll kurz vor seinem Tod das Zofinger Banner verschluckt und so vor dem Zugriff der Eidgenossen bewahrt haben. Diese Legende entstand im 16. Jahrhundert, seither wird Niklaus Thut als Stadtheld verehrt. 1388 belagerten die Berner die Stadt, konnten sie aber nicht einnehmen. Erst sechs Jahre später wurde ein Friedensvertrag zwischen Habsburg und den Eidgenossen unterzeichnet. 1393 wütete ein Brand in der Unterstadt, 1396 legte ein weiterer Brand fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche.

Herrschaft der Berner
Niklaus-Thut-Platz
Der habsburgische Herzog Friedrich IV. fiel 1415 beim Konzil von Konstanz in Ungnade, nachdem er den Gegenpapst Johannes XXIII. zur Flucht verholfen hatte. Der deutsche König Sigmund forderte die Eidgenossen auf, den Aargau im Namen des Reiches zu erobern. Bern zögerte nicht lange und schickte sofort Truppen los. Die Zofinger liessen die Berner am 18. April 1415 kampflos in die Stadt einmarschieren. Als Gegenleistung für das Entgegenkommen wurden nicht nur die bestehenden Rechte bestätigt, die Autonomie der Stadt konnte erweitert werden.

1444 fanden in Zofingen nach der Schlacht bei St. Jakob an der Birs die Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und der Eidgenossenschaft statt. Die Stadt war noch dreimal von grossen Bränden betroffen: 1423 und 1462 in der Oberstadt, 1473 in der Unterstadt; allerdings waren die Zerstörungen bei weitem nicht so gravierend wie noch 1396. Zofingen besass die niedere Gerichtsbarkeit über Bottenwil, verkaufte diese jedoch im Jahr 1496 an Bern.

Seit dem 15. Jahrhundert existierten vier Zünfte: Die Ackerleutenzunft, die Metzgernzunft, die Schützenzunft und die Gesellschaft zu Schneidern. Neu entstehende Berufsgattungen schlossen sich einem dieser vier Zünfte an, da neue Zünfte nicht mehr zugelassen wurden. Sie besassen keinen politischen Einfluss, sondern waren reine Berufsorganisationen. Der Handel und das Handwerk blühten; Zofingen war weit herum bekannt für die Zinngiesser, die Glockengiesser und die Glasmaler. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor waren die grossen Wälder im Besitz der Stadt, das Zofinger Holz war aufgrund der hohen Qualität sehr begehrt. Besonders hoch gewachsene Tannen wurden bis nach Genua exportiert, wo Schiffbauer sie zu Masten verarbeiteten.

1528 beschloss Bern die Einführung der Reformation und setzte diese Massnahme in allen Untertanengebieten durch. Sämtliche Klöster wurden aufgelöst und deren Vermögen konfisziert, auch das Zofinger Chorherrenstift war davon betroffen. Anstelle der Chorherren verwaltete nun ein von Bern eingesetzter Stiftsschaffner die umfangreichen Güter, das Gebäude diente nun auch als Schule. Die Stadt bemühte sich fast zwanzig Jahre lang vergeblich um einen Anteil am Stiftsvermögen (die Einkünfte des Stiftes waren über zehn Mal grösser als jene der Stadt). Die südliche Stadtgrenze war zugleich Konfessionsgrenze, denn die angrenzenden luzernischen Untertanengebiete waren katholisch geblieben. Oft vergnügten sich die Einwohner Zofingens an Festen in der weit weniger sittenstrengen Nachbarschaft; wer dabei ertappt wurde, dem drohten empfindliche Strafen.

Zofingen im Jahr 1715
Eine grosse Pestepidemie im Jahr 1552 forderte über 800 Tote, etwa die Hälfte der damaligen Stadtbevölkerung. 1611 und 1612 starben nochmals rund 380 Personen an der Pest. Nach dem Schweizer Bauernkrieg von 1653 fand in Zofingen das Kriegsgericht statt, bei dem über mehrere Anführer der aufständischen Bauern das Todesurteil verhängt wurde. Im Ersten Villmergerkrieg von 1656 diente Zofingen als Sammelpunkt der Berner Truppen, die jedoch bei Villmergen vernichtend geschlagen wurden. Beim Zweiten Villmergerkrieg im Jahr 1712 war Zofingen wiederum Aufmarschgebiet, diesmal war die Stadt jedoch auf Seiten der Sieger.

Im 17. und frühen 18. Jahrhundert wurden die Holzhäuser in der Altstadt allmählich durch barocke Steinbauten ersetzt. Reiche Stadtbürger liessen ausserhalb der Stadtmauern repräsentative Landsitze errichten. Um etwa 1640 hatte Bern begonnen, die Herstellung von Textilien gezielt zu fördern. Zofingen war wegen der Nähe zu den wichtigsten Handelsrouten besonders gut für die Ansiedlung von Manufakturen geeignet. Zuerst war die Tuchweberei vorherrschend, ab 1700 erlebten die Herstellung von Leinen und Baumwolltüchern einen Aufschwung, ab 1720 die Seidenbandfabrikation. Nach 1780 wurde die reine Produktion aufgrund zunehmender ausländischer Konkurrenz durch Weiterverarbeitung und Handel ergänzt.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verbreiteten sich die Ideen der Aufklärung in der führenden Schicht. Die Forderungen nach Gleichheit und Menschenrechten, die sich nach Beginn der Französischen Revolution verbreiteten, fanden in Zofingen jedoch allgemein wenig Gehör. Dies ganz im Gegensatz zu Aarau, wo der Widerstand gegen die alte Herrschaftsordnung besonders gross war. Die Zofinger genossen unter der Herrschaft Berns nach wie vor eine besonders weitreichende Autonomie und fürchteten im Falle politischer Umwälzungen den Verlust alter Privilegien.

Die übrigen Städte des Berner Aargaus entzogen sich zu Beginn des Jahres 1798 der Kontrolle Berns und weigerten sich, Truppen zum Schutz vor den herannahenden Franzosen zu entsenden. Zofingen hingegen hielt weiterhin treu zu den «Gnädigen Herren» und bot Ende Februar das städtische Regiment auf. Doch bereits am 5. März kapitulierte Bern. Am 12. April proklamierte der französische General Guillaume-Marie-Anne Brune die Helvetische Republik. Zofingen wurde gegen den Willen der Stadtregierung dem neu geschaffenen Kanton Aargau hinzugefügt, der damals lediglich die ehemaligen Berner Untertanengebiete umfasste.

19. Jahrhundert
Ansicht von 1805
Im neuen helvetischen Zentralstaat waren die Kantone reine Verwaltungseinheiten, die weiter in Distrikte und Munizipalitäten unterteilt waren. Zofingen wurde mit den übrigen Munizipalitäten gleichgestellt und verlor sämtliche Vorrechte. Die Stadt war nun Hauptort des Distrikts Zofingen, der östlich der Wigger dem heutigen Bezirk entsprach. Das Gebiet westlich der Wigger mit den Munizipalitäten Brittnau, Murgenthal, Rothrist, Strengelbach und Vordemwald gehörte aber zum Kanton Bern. Dies war insofern problematisch, als die Stadt dort grosse Waldgebiete besass. Das Aufspüren und die Bestrafung von illegalen Holzfällern wurden dadurch stark erschwert.

Nicht alle mochten sich mit den neuen Verhältnissen anfreunden. Anhänger der alten Ordnung versuchten mehrmals mit Petitionen einen Anschluss an den Kanton Bern zu erreichen, was die Besatzungsmacht jedoch nicht duldete. Als die französischen Truppen sich im Jahr 1802 für einige Monate zurückzogen, hatten die Berntreuen eine Zeitlang die Oberhand und ignorierten die Anweisungen aus Aarau. Die am 19. März 1803 von Napoléon Bonaparte unterzeichnete Mediationsakte beendete alle Wiedervereinigungsträume, Zofingen gehörte nun endgültig zum Kanton Aargau. Das Gebiet westlich der Wigger wurde dem Bezirk Zofingen angefügt.

Der Wiener Kongress bestätigte, dass Zofingen Teil des Kantons Aargau bleiben würde. Der Stadtrat suchte nach Möglichkeiten, Zofingen über den Status eines gewöhnlichen Bezirkshauptorts zu heben. Der Vorschlag, die Tagsatzungen der Eidgenossenschaft hier durchzuführen, war jedoch chancenlos. Nach und nach öffnete sich die Stadt dem Liberalismus und diente als Versammlungsort liberaler Gesellschaften. So wurde hier 1819 die Zofingia gegründet, die älteste noch bestehende Studentenverbindung der Schweiz. Zofingen entwickelte sich zu einer Hochburg der liberalen Kräfte: Bis in die 1960er Jahre blieb die FDP die dominierende politische Partei, bis 2005 wurde kein einziger Vertreter einer anderen Partei zum Stadtpräsidenten gewählt.

Als Zeichen der Öffnung begann 1819 der Abbruch der mittelalterlichen Befestigungsanlagen, der 1825 abgeschlossen wurde. Zwanzig Jahre später waren die Stadttore verschwunden. Doch erst ab 1850 begann sich die Bebauung über das historische Stadtzentrum auszudehnen; zuerst entlang der Hauptstrassen in der Ebene, dann zunehmend an den östlich gelegenen Hügeln. Die Industrie siedelte sich hauptsächlich an der Wigger an.

Die Industrialisierung begann sich im Vergleich zu anderen aargauischen Städten relativ spät durchzusetzen. Hauptgrund war die geringe Wasserkraft der Wigger. 1843 gab es in Zofingen erst eine einzige Fabrik. Dank des zunehmenden Einsatzes von Dampfmaschinen erlebte die Zofinger Industrie ab 1855 eine Blütezeit, in der zahlreiche neue Unternehmen entstanden, vor allem in der Textilindustrie. Parallel dazu sank die Bedeutung der Landwirtschaft und des Handwerks. Damit verbunden war zudem der Niedergang der Zünfte; die letzte löste sich 1871 auf. An Stelle der Zünfte trat der 1837 gegründete Handwerker- und Gewerbeverein. Die Fabrikanten und Kaufleute schlossen sich 1855 im Handels- und Industrieverein zusammen, der ersten Vereinigung dieser Art im Kanton Aargau und eine der ersten der Schweiz.

Nach der Gründung des schweizerischen Bundesstaates im Jahr 1848 war Zofingen weiterhin bestrebt, den Standortvorteil nahe dem Kreuzungspunkt der wichtigsten Handelswege zu nutzen und eine grössere Rolle zu spielen. Die Stadt bewarb sich als Standort des Bundesgerichts, unterlag aber deutlich gegen Lausanne. Eine neue Chance für Prestigegewinn bot sich 1851, als ein nationales Telegrafennetz geplant wurde. Tatsächlich bekam Zofingen 1852 den Zuschlag als Standort des Telegrafenhauptamts.

Der Bahnhof im Jahr 1856
Ab 1853 plante und baute die Schweizerische Centralbahn (SCB) ihr Stammnetz. Die Zofinger Stadtbehörden setzten sich aktiv dafür ein, dass die Stadt der Knotenpunkt der Nord-Süd- und der Ost-West-Hauptlinien werden sollte. Für die Verbindung zwischen Zürich und Bern schlugen sie eine Streckenführung von Olten über Zofingen und Vordemwald nach Langenthal vor. Doch die SCB entschied sich stattdessen für die direkte Route von Olten über Murgenthal entlang der Aare; statt Zofingen wurde somit Olten der zentrale Knotenpunkt. Die Strecke Aarau – Olten – Zofingen – Emmenbrücke wurde am 9. Juni 1856 eröffnet. Die Verlängerungen nach Basel und Luzern folgten 1858 und 1859. Das Telegrafenhauptamt zog bereits 1857 nach Olten um.

Rund zwanzig Jahre nach der Eröffnung der Bahnlinie Basel – Luzern ergab sich für Zofingen doch noch die Möglichkeit, zu einem Bahnknotenpunkt aufzusteigen. Die Schweizerische Nationalbahn (SNB) plante eine «Volksbahn» vom Bodensee an den Genfersee, als Konkurrenz zu den «Herrenbahnen» SCB und NOB. Zofingen beteiligte sich mit 17,5 Prozent am Aktienkapital und war damit der grösste Aktionär. Der Abschnitt Konstanz – Winterthur wurde 1875 eröffnet, der Abschnitt Winterthur – Wettingen – Lenzburg – Zofingen am 6. September 1877. Geplant war eine dritte Etappe von Zofingen über Langenthal und Utzenstorf nach Lyss. Doch dazu kam es nicht mehr, denn bereits im Februar 1878 ging die SNB in Konkurs. Die Stadt litt während Jahrzehnten an den finanziellen Folgen dieses Fiaskos; die letzte Obligation wurde erst im Dezember 1943 abbezahlt.

Der Konkurs war auf zwei Faktoren zurückzuführen: Eine rein nach politischen Gesichtspunkten gewählte Linienführung sowie eine Wirtschaftskrise, die bis weit in die 1880er hinein anhielt. Diese traf vor allem die Textilindustrie hart und zahlreiche traditionsreiche Unternehmen verschwanden. Gegen Ende der 1880er Jahre folgte eine zweite «Gründerzeit». Der Schwerpunkt in der Textilindustrie verschob sich von der Tuchherstellung zur Ausrüstungs- und Bekleidungsindustrie. Zugleich gewannen die chemische und die grafische Industrie immer mehr an Bedeutung.

Trotz der tiefgreifenden Krise machte der Ausbau der Infrastruktur grosse Fortschritte. 1876 nahm das städtische Gaswerk den Betrieb auf, 1888 folgte das Bezirksspital, 1890 die Wasserversorgung. Der Anschluss ans Elektrizitätsnetz erfolgte 1896.

20. Jahrhundert
Luftansicht von Zofingen: Rechts die Altstadt, vorne der Heiternplatz, links das Industriequartier
Die meisten Zofinger Unternehmen profitierten von den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges, weil die ausländische Konkurrenz wegfiel. Wegen der hohen Inflation verarmten jedoch weite Teile der Bevölkerung; bei Kriegsende war ein Fünftel der Stadtbevölkerung auf Lebensmittelnothilfe angewiesen.

Nach einer kurzen Rezession nahm die Zahl der in der Industrie Beschäftigten bis 1929 nochmals um über 50 % zu, von 1500 auf 2300. Die Hälfte dieses Wachstums war auf das Unternehmen Ringier zurückzuführen. Es hatte 1833 als kleine Buchdruckerei begonnen und stieg in den 1920er Jahren zum grössten Arbeitgeber der Stadt auf, einige Jahrzehnte später zum grössten Medienkonzern der Schweiz. Die Textilindustrie, die etwa die Hälfte aller Industriearbeitsplätze anbot, stagnierte hingegen.

1930 wurde eine katholische Pfarrkirche gebaut, damit hatten die Katholiken nach über 400 Jahren wieder ein eigenes Gotteshaus in Zofingen. Die Weltwirtschaftskrise hatte auf die Zofinger Industrie vergleichsweise geringe Auswirkungen, da die besonders betroffene Maschinenindustrie hier kaum vertreten war. Während des Zweiten Weltkriegs herrschte akuter Arbeitskräftemangel, weil viele Industriearbeiter Militärdienst leisten mussten. Von September 1943 bis August 1945 bestand in Zofingen ein Krankenlager für bis zu 180 internierte Soldaten aus verschiedenen europäischen Ländern.

Nach dem Krieg nahm die Bedeutung der Maschinen- und Apparateindustrie rasch zu. Die 1947 gegründete Müller Martini AG stieg innerhalb weniger Jahrzehnte zum weltweit grössten Hersteller von Maschinen für die Druckweiterverarbeitung auf. Mitte der 1960er Jahre arbeiteten mehr als zwei Drittel aller Beschäftigten in der Industrie. Da die Baulandreserven weitgehend überbaut waren, wuchs das Siedlungsgebiet mit jenem der Nachbargemeinden Oftringen und Strengelbach zusammen.

Während der 1960er Jahre versuchte der Kanton, das unaufhaltbar scheinende Wachstum in die richtigen Bahnen zu lenken. Geplant war eine polyzentrische Stadt mit dem Namen Aarolfingen (Aarau – Olten – Zofingen), die 330"000 Einwohner zählen sollte. Doch die Wirtschaftskrise der 1970er Jahre bereitete diesen Grossstadtträumen ein rasches Ende. Die Bevölkerung Zofingens ging leicht zurück und die Textilindustrie brach regelrecht ein. Zahlreiche Unternehmen wurden liquidiert oder wandelten sich zu reinen Immobiliengesellschaften. Mitte der 1990er Jahre betrug der Anteil der in der Textilindustrie Beschäftigten nur noch fünf Prozent. Die wenigen verbleibenden Unternehmen überlebten, weil sie sich auf hochwertige Nischenprodukte spezialisierten.

21. Jahrhundert
Das benachbarte Mühlethal wurde am 1. Januar 2002 eingemeindet. Bereits 1874 war der Anschluss angestrebt worden, doch Zofingen weigerte sich, diese verarmte, fast ausschliesslich landwirtschaftlich geprägte Gemeinde aufzunehmen. Weitere Eingemeindungsgesuche scheiterten 1895, 1897, 1911, 1921 und 1937. Immerhin war die Stadt bereit, jährliche Unterstützungsbeiträge zu zahlen; in den 1960er Jahren beteiligte sie sich am Schulhausneubau. 1970 war es dann aber Mühlethal, das eine Fusion ablehnte, denn dank des neu eingeführten Finanzausgleichs konnten die Steuern spürbar gesenkt werden. Innerhalb der nächsten dreissig Jahre verdoppelte sich die Bevölkerung Mühlethals. Die neu zugezogenen Einwohner waren allerdings eher nach Zofingen orientiert, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Als die Fusionsfrage 1998 wieder auf der Tagesordnung stand, gab es nur noch wenig Widerstand. Bei der Volksabstimmung vom 13. Juni 1999 wurde die Fusion in beiden Gemeinden deutlich angenommen, mit 2669:316 Stimmen in Zofingen und 333:67 Stimmen in Mühlethal. - Website Stadt Zofingen

Im Januar 2008 gaben die Gemeindebehörden von Zofingen und Uerkheim ihre Absicht bekannt, die Machbarkeit einer Fusion der beiden Gemeinden zu prüfen. - azonline.ch - 21. Januar 2008 Sie befindet sich noch in Abklärung. Bei positiver Beurteilung soll sie gemäss Bundesamt für Statistik auf den 1. Januar 2011 in Kraft treten.

Sehenswürdigkeiten
Altstadt
Pulverturm
Die historische Altstadt ist eine der am besten erhaltenen der Schweiz. Sie hat die Form eines unregelmässigen Rechtecks mit einer Länge von 470 Metern und einer maximalen Breite von 225 Metern. Sie wird in Nord-Süd-Richtung von der Hinteren und der Vorderen Hauptgasse durchzogen, mehrere schmale Gassen stellen Querverbindungen her. Zofingen war die grösste der acht Städte, welche die Grafen von Frohburg zur Sicherung ihres Machtbereichs gegründet hatten. Das heutige Erscheinungsbild wurde im 17. und frühen 18. Jahrhundert geprägt, als die Holzhäuser aus dem Mittelalter nach und nach durch Steinbauten im Barockstil ersetzt wurden.

Das zentrale Wahrzeichen ist die Stadtkirche St. Mauritius, die ehemalige Kirche des Chorherrenstiftes. Bei Renovierungsarbeiten sind die Überreste von mehreren Vorgängerbauten aufgetaucht, die ersten Grundmauern wurden um das Jahr 600 errichtet. Die ältesten Elemente des heutigen dreiteiligen Kirchenschiffs stammen aus dem 11. Jahrhundert. Die Westseite wie auch die Ostseite mit dem Chor und der Krypta sind im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert worden. An der Westseite steht der über 60 Meter hohe, im Jahr 1649 errichtete Kirchturm.

Am Kirchplatz steht der St. Urbanhof, die Lehensverwaltung des ehemaligen Klosters St. Urban; die ältesten Teile stammen aus dem 13. Jahrhundert. Östlich der Stadtkirche befindet sich der nach dem Zofinger Stadthelden Niklaus Thut benannte Platz, mit dem im Jahr 1894 von der Studentenverbindung Zofingia gestifteten Niklaus-Thut-Brunnen in der Mitte. An der Südseite des Platzes steht das Rathaus (1795), das bereits 1475 und 1606 völlig neu gebaut worden war. Von den Vorgängerbauten sind der Archivturm (1482) und das angrenzende Weibelhaus (1606) erhalten geblieben.

Folterturm
Die aus dem frühen 14. Jahrhundert stammenden Ringmauern waren im 19. Jahrhundert durch die militärtechnische Entwicklung obsolet geworden und hinderten die Stadt an der Ausdehnung. Deshalb wurden sie zwischen 1819 und 1825 abgerissen und die davor liegenden Gräben eingeebnet. An ihrer Stelle umringt heute eine Gartenanlage die Altstadt. Die Stadttore wurden zwischen 1837 und 1846 abgebrochen.

An der Hinteren Hauptgasse befindet sich die 1602 erbaute Lateinschule. In derselben Gasse ist auch das Stadthaus zu finden. Dieses ist zwar erst 1938 anstelle der abgebrochenen Spitalscheune erbaut worden, fügt sich aber dennoch gut in das Stadtbild ein; heute ist hier ein Teil der Stadtverwaltung untergebracht. Ein zweites Stadthaus befindet sich in der Vorderen Hauptgasse. Es entstand im Jahr 1930; das Erdgeschoss mit den Arkaden war zuvor Teil des alten Spitals gewesen, das sich mindestens seit 1263 an dieser Stelle befunden hatte.

Die Türme der Ringmauer sind erhalten geblieben, von zwei Ausnahmen abgesehen. Der Folterturm (oder Streckturm) befindet sich an der Westseite direkt gegenüber dem Bahnhof und diente während Jahrhunderten als Gefängnis. Der Münzturm an der Nordostseite ist Teil des Münzhofs. In diesem Gebäude waren während der Herrschaft der Habsburger die Zofinger Münzen geprägt worden, die in der ganzen Nordwestschweiz im Umlauf waren, dann jedoch durch die Berner Währung verdrängt wurden. Der Pulverturm (2006 vollständig renoviert) steht an der Südostecke und diente zur Aufbewahrung des Schiesspulvers. Der Stiftsturm an der Ostseite war der Standort der Propstei, der Verwaltung des Chorherrenstiftes. Abgebrochen hingegen wurden der Hafner- und der Hellmühleturm.

Übriges Stadtgebiet
Gemeindeschulhaus (um 1890)
Östlich an die Altstadt schliesst sich eine parkähnliche Zone mit öffentlichen Bauten an. Sie wird dominiert durch das zwischen 1873 und 1876 im Neorenaissance-Stil erbaute Gemeindeschulhaus, eines der monumentalsten Schulgebäude der Schweiz des 19. Jahrhunderts. Flankiert wird das Gebäude einerseits durch das Stadtmuseum (1899–1901), andererseits durch das Alte Schützenhaus (1813–1822).

Auf der Kuppe des Heiternhügels befindet sich der so genannte Heiternplatz. Dabei handelt es sich um einen 200 Meter langen und 150 Meter breiten rechteckigen Platz, der auf allen Seiten von Linden umgeben ist. Er war 1745 eingeebnet worden und diente einst als Musterungsgelände. Heute ist er ein idealer Standort für Volksfeste und kulturelle Veranstaltungen. Oft wird der Heiternplatz als «schönster Festplatz der Schweiz» bezeichnet.

Neben dem Heiternplatz befinden sich der «Hirschpark» und der Obstsortengarten. Der «Hirschpark» ist ein 1897 eröffneter Wildpark mit einer Fläche von 3,5 Hektaren. Neben zahlreichen Hirscharten können Wildschweine und Europäische Mufflons beobachtet werden. Beim Obstsortengarten handelt es sich um ein 9 Hektaren grosses Gelände mit über 700 Hochstamm-Obstbäumen, auf denen nicht weniger als 190 verschiedene Obstsorten wachsen. Der von der Stiftung ProSpecieRara betreute Garten spielt eine wichtige Rolle für den Fortbestand alter und wenig bekannter Obstsorten. Am Südwesthang des Heitern befand sich einst ein römischer Gutshof; besonders gut erhalten geblieben sind dort zwei Mosaikfussböden, die durch neoklassizistische Schutzgebäude aus dem Jahr 1831 vor dem weiteren Zerfall bewahrt werden. Die Mosaiken zeigen geometrische Muster wie Rauten und Rhomben.

1609 entstand im Nordwesten, damals weit ausserhalb der Stadtmauern gelegen, das Siechenhaus. Hier wurden Personen mit ansteckenden Krankheiten versorgt, das Betreten der Stadt war ihnen nicht erlaubt. Weit im Osten an der Grenze zu Bottenwil erhebt sich auf einem Hügel die Ruine der Burg Bottenstein, die im 13. Jahrhundert im Auftrag der gleichnamigen Ministerialenfamilie erbaut wurde. Bereits Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Burg verlassen und zerfiel zu einer Ruine, heute sind nur noch die Grundmauern übrig geblieben.

Wappen
Die Blasonierung des Stadtwappens lautet: «Dreimal geteilt von Rot und Weiss.» Das Zofinger Wappen wurde seit 1387 als Siegel an Urkunden verwendet. Mit den vier Querbalken (rot, weiss, rot, weiss) besitzt es eine grosse Ähnlichkeit mit dem österreichischen Wappen. Damit wird an die Habsburger erinnert, die von 1299 bis 1415 über die Stadt herrschten. Die älteste farbige Darstellung des Zofinger Banners ist in der Tschachtlanchronik des Berner Ratsherren Bendicht Tschachtlan aus dem Jahr 1470 zu finden.Joseph Galliker, Marcel Giger: "Gemeindewappen des Kantons Aargau." Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004. ISBN 3-906738-07-8

Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung (ohne Mühlethal): - Statistisches Amt des Kantons Aargau



Am 31. Dezember 2008 lebten 10"687 Menschen in Zofingen, der Ausländeranteil betrug 15,5 %. Bei der Volkszählung im Jahr 2000 bezeichneten 88,3 % Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,6 % Italienisch, 1,5 % Portugiesisch, 1,4 % Serbokroatisch, 0,9 % Französisch, 0,6 % Spanisch, je 0,5 % Englisch und Türkisch. - Statistisches Amt des Kantons Aargau

Der Anteil der ausländischen Bevölkerung liegt knapp unter dem kantonalen Durchschnitt von 19,3 %. Bis 1950 stieg der Anteil langsam, aber kontinuierlich an. Zwischen 1950 und 1970 erfolgte dann eine Verdreifachung, als vor allem viele Italiener zuzogen. Noch heute bilden die Italiener die grösste Ausländergruppe (rund 4,5 % der Bevölkerung), gefolgt von Portugiesen, Bürgern der ehemaligen jugoslawischen Staaten und Deutschen.

1764 führte Bern erstmals eine Volkszählung durch; damals war Zofingen die grösste Stadt des Aargaus, 1850 war sie immerhin die zweitgrösste nach Aarau. Doch trotz eines kontinuierlichen Wachstums (mit Ausnahme der 1970er Jahre) haben seither weitere Gemeinden Zofingen überholt, da sich die Baulandreserven auf das flache, unbewaldete Drittel im Westen beschränken. Nach der Eingemeindung von Mühlethal stieg die Einwohnerzahl auf über 10"000, damit ist Zofingen statistisch gesehen eine Stadt.

Kirche der Vereinigung Apostolischer Christen
Im 19. Jahrhundert galt Zofingen als reformierte Hochburg, im Jahr 1850 betrug der Anteil der Katholiken lediglich knapp drei Prozent. Dieser Anteil ist nach 1900 aufgrund der Zuwanderung aus der übrigen Schweiz und den Mittelmeerländern kontinuierlich angestiegen und beträgt heute rund ein Drittel. Bei der Volkszählung 2000 (noch ohne Mühlethal) waren 48,8 % reformiert, 31,0 % römisch-katholisch, 3,3 % muslimisch und 1,7 % christlich-orthodox; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. Die Homepage der Stadt Zofingen gibt per 31. Januar 2009 55% Protestanten und 35% Katholiken an. Die Vereinigung Apostolischer Christen hat in Ruhbank an der Ortsgrenze zu Oftringen ihr ersterbautes und grösstes schweizerisches Kirchengebäude.

Politik und Recht
Legislative
Anstelle einer Gemeindeversammlung vertritt der von den Zofinger Stimmberechtigten gewählte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 40 Mitgliedern und wird im Proporzwahlverfahren gewählt. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite; ausserdem kann er Reglemente erlassen. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre.

Bei den bisherigen Wahlen erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:



1 CVP, LdU, GLP (ab 2009) und Parteilose, bis 2005 auch EVP

Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden sowie das Initiativrecht zu.

Exekutive
Ausführende Behörde ist der Stadtrat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Als Vorsteher der Exekutive übt der Stadtammann seine Tätigkeiten im Vollamt aus, die übrigen Stadträte im Nebenamt.

Die sieben Stadträte der Amtsperiode 2006–2009 sind:
* Hans-Ruedi Hottiger (parteilos), Stadtammann
* Urs Schaufelberger (SP), Vize-Stadtammann
* Jürg Bachmann (FDP)
* Annegret Dubach-Lemberg (SP)
* Hansruedi Gilgen (Dynamische Mitte)
* Therese Müller-Widmer (SVP)
* vakant

Judikative
Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Zofingen zuständig. Die Stadt Zofingen bildet einen Friedensrichterkreis.

Wirtschaft
Hauptsitz des Ringier-Konzerns
In Zofingen gibt es rund 9000 Arbeitsplätze, davon 1 % in der Landwirtschaft, 54 % in der Industrie und 45 % im Dienstleistungsbereich. - Statistisches Amt des Kantons Aargau Fast ein Drittel der Arbeitsplätze des Bezirks sind im Hauptort konzentriert. Zofingen ist damit nicht nur das wirtschaftliche Zentrum des südwestlichen Aargaus, auch zahlreiche Gemeinden im Nordwesten des Kantons Luzern zählen zum Einzugsgebiet.

Mehrere international tätige Konzerne haben ihren Hauptsitz in Zofingen. Am bekanntesten ist das Verlagshaus Ringier, der grösste Printmedienkonzern der Schweiz (u. a. Blick, Schweizer Illustrierte, Tele, Glückspost, zahlreiche Beteiligungen in Osteuropa und Asien). Die Müller Martini AG ist der weltweit grösste Hersteller von Systemen für die Druckweiterverarbeitung, sie entwickelt und produziert Anlagen und Systeme für die grafische Industrie weltweit. Die Siegfried Holding ist ein bedeutender Fabrikationsbetrieb für pharmazeutische Wirkstoffe. Die Modehandelskette Tally Weijl hatte von 1996 bis 2006 ihren Hauptsitz in Zofingen. 2008 verlegte die PostFinance der Schweizerischen Post eines ihrer beiden Rechenzentren nach Zofingen. - Die Post, 13. Oktober 2005

Neben diesen Konzernen gibt es noch rund 700 kleine und mittlere Unternehmen, wobei die auf hochwertige Nischenprodukte spezialisierte Textilindustrie einen überdurchschnittlich hohen Anteil aufweist. Diese Unternehmen sind im Gewerbeverein Zofingen und im Handels- und Industrieverein Zofingen zusammengeschlossen. Trotz sinkender Erträge besitzt die Forstwirtschaft noch immer eine gewisse Bedeutung. Die Ortsbürgergemeinde Zofingen besitzt eine Waldfläche von über 14,5 km², die sich auf acht Gemeinden in den Kantonen Aargau und Luzern verteilt; sie ist damit nach dem Kanton die zweitgrösste Waldeigentümerin im Aargau.

Von nationalem Interesse ist der Bio Marché, die bedeutendste Schweizer Bio-Messe, die seit dem Jahr 2000 im Frühsommer in Zofingen stattfindet und jedes Jahr rund 30"000 Besucher aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland anzieht.

Verkehr
SBB-Bahnhof
Zofingen ist verkehrstechnisch ausgezeichnet erschlossen. Zwei Kilometer nordwestlich der Stadt liegt das Autobahndreieck Wiggertal, wo die A2 auf die A1 trifft; die zwei wichtigsten Autobahnen der Schweiz. Die Autobahnausfahrt befindet sich in unmittelbarer Nähe auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Oftringen. Wichtige Hauptstrassen führen über Aarburg nach Olten, über Langenthal und Burgdorf nach Bern und nach Luzern.

Der SBB-Bahnhof befindet sich an der Haupttransitachse Basel – Luzern – Gotthard – Mailand, stündlich halten mehrere Schnell- und Regionalzüge. Seit der Eröffnung der Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist am 12. Dezember 2004 gibt es direkte Schnellzüge nach Bern, ohne Umweg über Olten. Eine weitere Bahnlinie führt von Zofingen über Suhr nach Lenzburg.

Vom Bahnhof aus verkehren Buslinien nach Aarburg, Brittnau, Murgenthal, Richenthal, St. Urban, Schöftland und Vordemwald. Der Betrieb dieser Linien wurde im Jahr 2003 neu ausgeschrieben und an die BDWM Transport vergeben. Die Übergabe hätte im Dezember 2004 erfolgen sollen, doch die bisherige Konzessionsinhaberin Postauto konnte dies mit juristischen Schritten um zwei Jahre hinauszögern.

Kultur
Die Anfänge der Stadtbibliothek reichen bis ins Jahr 1693 zurück. Mit über 100"000 Werken ist sie heute die zweitgrösste Bibliothek des Aargaus, nach der Kantonsbibliothek in Aarau. Seit 1974 ist sie in der ehemaligen Lateinschule untergebracht.

Das im Jahr 1901 eröffnete Stadtmuseum geht auf Schenkungen des Textilindustriellen Gustav Straehl und des Apothekers Hermann Fischer-Siegwart zurück; diese stellten 150"000 Franken (nach heutigem Wert ungefähr 6 Millionen) für den Bau eines Museums sowie ihre Privatsammlungen zur Verfügung. Durch weitere Schenkungen konnte das Museum sukzessive erweitert werden. Heute umfasst es zwei Abteilungen: Die Historische Abteilung befasst sich mit der Stadtgeschichte Zofingens sowie mit der Entwicklung der Druckindustrie und der Geschichte der Zofingia. In der Naturhistorischen Abteilung befindet sich eine umfangreiche Naturaliensammlung.

Das Alte Schützenhaus beherbergt die städtische Kunstsammlung sowie private Sammlungen. Es ist vor allem auf bildende Kunst und moderne Malerei spezialisiert, wobei bevorzugt Werke von Künstlern aus der Region gezeigt werden. Jedes Jahr findet im August in der Altstadt ein Kunstmarkt statt, an dem Künstler aus der ganzen Schweiz ihre Werke ausstellen und verkaufen.

Der Heiternplatz im Oktober 2005
Im Stadtsaal finden regelmässig Theateraufführungen und klassische Konzerte statt, in der «Kleinen Bühne» zusätzlich auch literarische Vorlesungen. Der Kulturverein «OX. Kultur im Ochsen» organisiert im Saal der «Genossenschaft Ochsen» Konzerte verschiedenster Stilrichtungen und fördert die regionale Rock und Rapszene.

1991 fand auf dem Heiternplatz erstmals das «Heitere Open Air» mit bekannten Pop- und Rockbands aus dem In- und Ausland statt, das sich zu einem Grossanlass mit 35’000 Besuchern entwickelt hat. In unregelmässigen Abständen wird auch ein «Classic Open Air» durchgeführt: Zahlreiche Opernstars wie Plácido Domingo und Montserrat Caballé sind schon in Zofingen aufgetreten.

Der «Kulturverein Hirzenberg» veranstaltet seit 2003 im Hirzenberg regelmässig klassische Konzerte mit international renommierten Künstlern. So traten im Rahmen des «Hirzenberg-Festivals» beispielsweise das Casal-Quartett, das Tecchler Trio, Thomas Demenga und Alex Porter auf.

Jährlich am Abend des 4. Dezember findet der Klauseinzug statt. Mehrere Samichläuse ziehen von der Sälistrasse in die Altstadt ein. Begleitet werden sie von ihren Schmutzli, einer Trychler-Gruppe und Geisslechlepfern aus Winikon sowie Zofinger Schulkindern mit Laternen. Auf dem Kirchplatz findet anschliessend die Bescherung der Kinder statt: Nach aufgesagtem Samichlaus-Sprüchlein erhalten diese Nüsse und Mandarinen.

; Zofinger Kinderfest
Kadettencorps mit der erbeuteten Freischarenfahne (rechts), im Hintergrund die brennende Freischarenburg
Den Höhepunkt im Festkalender bildet das Zofinger Kinderfest, jeweils am ersten Freitag im Juli. Es beginnt mit dem vorabendlichen Zapfenstreich-Konzert mit anschliessendem Festbetrieb in der Altstadt. Das eigentliche Fest am Freitag beginnt – nach der Tagwache durch Kanonenschüsse und einem kurzen Konzert der Stadtmusik – mit einem Umzug der Schuljugend durch die Stadt, unterbrochen durch eine Feier in der Stadtkirche. Am Nachmittag folgt auf dem nahe gelegenen Heitern das Kadettenmanöver mit anschliessenden Vorführungen der Schulen. Nach einem Bankett findet das Fest mit einem Fackelumzug hinunter in die Stadt seinen Abschluss. Nicht fehlen dürfen an diesem Tag die traditionellen Wurstweggen, Kinderfestkuchen und zum Bankett der Weisswein aus dem Zofinger Rathauskeller sowie der von der Stadtmusik gespielte Zofinger Marsch.

Das Zofinger Kadettencorps wurde anfangs des 19. Jahrhunderts gegründet und ist neben jenem von Lenzburg eines der letzten in seiner Urform noch existierenden in der Schweiz. Die Schüler können sich für das Kadettenwesen oder andere Wahlprogramme (z. B. Fahnen malen und sportliche Vorführungen) entscheiden. Auch Mädchen sind seit dem Jahr 2000 bei den Kadetten willkommen. Im Jahr 2002 wurde der erste weibliche Kadettenhauptmann erkoren.

Die Kinderfestwoche erfährt ihren inoffiziellen Auftakt inzwischen schon seit Jahren am vorhergehenden Montag durch den weitherum beliebten Anlass «New Orleans meets Zofingen» mit diversen Konzerten aus den Bereichen Jazz und Blues in der Altstadt.

Bildung
Zofingen ist das Bildungszentrum des südwestlichen Aargaus. In den städtischen Schulen werden alle Schultypen unterrichtet, so dass es den Jugendlichen möglich ist, hier ihre gesamte Ausbildung bis zur Erlangung der Hochschulreife zu absolvieren. Über das ganze Stadtgebiet verteilt sind sieben Kindergärten. Die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule werden im 1877 erbauten zentralen Gemeindeschulhaus unterrichtet; das Dorf Mühlethal besitzt ein eigenes Primarschulhaus. Die Bezirksschule ist in einem 1958 eröffneten Neubau neben der Gemeindeschule untergebracht.

Einen markanten Ausbau des Bildungswesens erfuhr die Stadt im Jahr 1977 mit der Eröffnung des Bildungszentrums Zofingen (BZZ). Dort sind die Kantonsschule, die Berufsschule, die kaufmännische Handelsschule, die Heilpädagogische Sonderschule, die Erwachsenenbildung und die Berufsberatung untergebracht; die Pädagogische Fachhochschule (Institut für die Primarstufe) wird mittelfristig aus Zofingen wegziehen.

Sport und Freizeit
Auf der Leichtathletik-Anlage «Trinermatten» fanden schon zahlreiche nationale und internationale Wettkämpfe statt, darunter mehrmals Schweizermeisterschaften. Sehr beliebt sind auch das Schwimmbad sowie die Kletterwand in der Mehrzweckhalle. Mannschaftssportarten sind in Zofingen eher untervertreten. Bekannte Ausnahmen bilden der TV Zofingen, der in der dritthöchsten Handball-Liga spielt, sowie der SC Zofingen in der 1. Liga der Fussball-Meisterschaft. Zofingen ist seit 1989 Austragungsort des Powerman Zofingen, der jährlich im September stattfindenden offiziellen Duathlon-Weltmeisterschaft über die Langdistanz. Für Jugendliche stehen die Freizeitanlage Spittelhof und der Jugendtreff «Planet Z» zur Verfügung. Das Nachtleben ist eher nach Olten und Aarau orientiert.

Persönlichkeiten
* Niklaus Thut († 1386), legendärer Stadtheld
* Hermann Siegfried (1819–1879), Topograph und Kartograph
* Werner Sutermeister (1868-1939), Schüttelreimer
* Walther Geiser (1897–1993), Komponist und Musikpädagoge
* Erich von Däniken (* 1935), Schriftsteller
* Ernst Halter (* 1938), Schriftsteller und Publizist
* Hansjörg Schneider (* 1938), Dramatiker und Schriftsteller
* Johannes Siegrist (* 1943), Medizinsoziologe
* Josef Imbach (* 1945), Theologe und Franziskaner
* Michael Ringier (* 1949), Verleger
* Walter Siegfried (* 1949), Performer
* Therese Frösch (* 1951), Politikerin
* Roger Lille (* 1956), Schriftsteller
* Dieter Ammann (* 1962), Musiker und Komponist
* Andreas Urs Sommer (* 1972), Philosoph

Abgeleitete Namen
* "Zofi" ist der Dackel des Reporters Ringgi in der Kinderbuchserie Ringgi und Zofi.
* "Zofingia" ist der Kurzname des Schweizerischer Zofingerverein.

Literatur
* August Bickel: "Zofingen von der Urzeit bis ins Mittelalter". Sauerländer, Aarau 1992. ISBN 3-906419-09-6 (Geschichte des Raumes Zofingen von den ersten Siedlungsspuren bis zur Stadtgründung)
* Christian Hesse: "St. Mauritius in Zofingen". Sauerländer, Aarau 1993. ISBN 3-7941-3602-0 (Verfassungs- und sozialgeschichtliche Aspekte eines mittelalterlichen Chorherrenstiftes)
* Edith Hunziker, Bruno Meier, Annemarie Roth, Dominik Sauerländer: "Zofingen vom Mittelalter bis 1798 – Eine selbstbewusste Landstadt unter Habsburg und Bern". hier+jetzt, Baden 2004. ISBN 3-906419-83-5 (detaillierte Stadtgeschichte von der Stadtgründung bis zum Ende der Berner Herrschaft, mit zahlreichen Abbildungen)
* Christian Lüthi, Manuela Ros, Annemarie Roth, Andreas Steigmeier: "Zofingen im 19. und 20. Jahrhundert – Eine Kleinstadt sucht ihre Rolle". hier+jetzt, Baden 1999. ISBN 3-906419-02-9 (detaillierte Stadtgeschichte Zofingens als Aargauer Bezirkshauptort, mit zahlreichen Abbildungen, Plänen und Statistiken)
* Kurt Blum, Peter Fehlmann, Rudolf Hunziker: "Zofingen – eine Stadt zeigt ihr Gesicht". Zofinger Tagblatt, Zofingen 2000. ISBN 3-909262-05-8 (Bildband mit Fotos aus Zofingen und Umgebung)
* Kurt Blum: "Gruss aus Zofingen". Zofinger Tagblatt, Zofingen 2001. ISBN 3909262139 (Bildband mit Ansichtskarten aus dem 19. Jahrhundert)
* Franz Oswald, Peter Baccini: "Netzstadt. Einführung in das Stadtentwerfen." Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 2003. ISBN 3-7643-6962-0 (Städtebautheorie, Erläuterung der Netzstadt am Beispiel der «Stadt an der Wigger», bestehend aus Aarburg, Oftringen, Rothrist, Strengelbach und Zofingen)


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