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Zeichen der Verunsicherung

Niederlande
17.11.2015
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Nach Paris nun Terroralarm in Deutschland - Länderspiel abgesagt
Es hatte ein Zeichen gegen den Terror setzen sollen. Aber kurz vor Anpfiff wird das Fußball-Länderspiel in Hannover abgesagt - aus Angst vor einem Anschlag. Zuvor hatte die deutsche Polizei kurz geglaubt, den Pariser Terrorverdächtigen Nummer eins gefasst zu haben.
Galerie
Menschen bilden am 17.11.2015 im Vorfeld des Fußball-Länderspiels Deutschland - Niederlande in der HDI-Arena in Hannover (Niedersachsen) eine Lichterkette. Nach den Terroranschlägen von Paris wurde das Spiel kurzfristig abgesagt, das bereits geöffnete Stadion wurde evakuiert.

Paris/Hannover/Aachen (dpa) - Nach den verheerenden Anschlägen von Paris hat die Terrorangst auch Deutschland erreicht: Wegen konkreter Hinweise auf einen islamistischen Sprengstoffanschlag wurde das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande am Dienstag kurz vor Anpfiff abgesagt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen kamen die Hinweise von einem ausländischen Geheimdienst. Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe sagte der dpa: «Wir haben konkrete Hinweise gehabt, dass jemand im Stadion einen Sprengsatz zünden wollte.»

Das Freundschaftsspiel stand wegen der Pariser Anschläge unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen, hatte aber als Zeichen gegen den Terror stattfinden sollen.

Hinweise auf eine Gefährdung
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Hannover, die Absage gehe auf Hinweise auf eine Gefährdung zurück, diese hätten sich im Laufe des frühen Abends verdichtet. Er bitte um Verständnis dafür, dass er auf Quelle und Ausmaß der Gefährdung nicht weiter eingehen wolle. «Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.» Festnahmen gab es laut Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) nicht. Es sei auch kein Sprengstoff gefunden worden.

Bei den Anschlägen in Paris am Freitag mit mindestens 129 Toten hatten die islamistischen Terroristen auch im Stade de France ein Blutbad anrichten wollen, wo die deutsche Nationalmannschaft gegen Frankreich spielte. Die Extremisten gelangten aber nicht ins Stadion.
Nach den Terroranschlägen von Paris wurde das Länderspiel kurzfristig abgesagt, das bereits geöffnete Stadion wurde evakuiert.

In Hannover waren zum Zeitpunkt der Absage gegen 19.15 Uhr kaum Zuschauer im Stadion. Sie wurden per Lautsprecher aufgefordert, den Stadionbereich zu verlassen. Die Evakuierungszone wurde mit Absperrband mit der Aufschrift «Vorsicht Lebensgefahr» kenntlich gemacht. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Politiker hatten das Spiel besuchen wollen, sie flog zurück nach Berlin.

Nationalmannschaft an sicheren Ort gebracht
Die Nationalmannschaft war im Mannschaftsbus noch etwa fünf Kilometer vom Stadion entfernt, als die Absage kam. Der Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bunds, Reinhard Rauball, sagte, sie sei dann ebenso wie die niederländische Mannschaft an einen sicheren Ort gebracht worden. Inzwischen hätten die Spieler die Heimreise angetreten. «Es ist ein trauriger Tag für den deutschen Fußball.» Auch ein Konzert des Jazz-Saxophonisten Maceo Parker in Hannover wurde abgesagt.

Frankreich bekommt im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) militärische Unterstützung von Russland. Kremlchef Wladimir Putin befahl seinen Streitkräften am Dienstag in Moskau einen gemeinsamen Einsatz in Syrien gegen die Extremisten, die für die Pariser Anschläge verantwortlich sein sollen. Damit kommt der französische Staatschef Hollande bei der Suche nach Verbündeten in dem von ihm ausgerufenen Krieg gegen den IS voran.

Die europaweite Fahndung nach einem der Hauptverdächtigen der Pariser Terrorserie dauerte weiter an. Deutsche Polizisten nahmen am Dienstag im Grenzgebiet bei Aachen sieben Personen fest und gingen zunächst davon aus, sie hätten den mit internationalem Haftbefehl gesuchten Salah Abdeslam (26) gefasst, den Bruder eines der Attentäter.

«Leider ist es wohl nicht der,
auf den wir alle gehofft hatten,
dass er es sein könnte»


«Leider ist es wohl nicht der, auf den wir alle gehofft hatten, dass er es sein könnte», sagte de Maizière in Berlin. Es habe Hinweise gegeben, dass es möglicherweise «ein dicker Fisch» hätte sein können. Die Festgenommenen sollten am Abend wieder freigelassen werden.

Möglicherweise könnte noch ein zweiter Attentäter auf der Flucht sein. Dies sei eine «starke Hypothese», erfuhr die dpa in Paris aus Ermittlerkreisen.

Putin erklärt Frankreich zu Verbündeten
Russlands Präsident Putin erklärte, die Franzosen sollten wie Verbündete behandelt werden. Den Befehl richtete er vor allem an den Kapitän des russischen Kreuzers «Moskwa» im Mittelmeer. Die Franzosen fliegen allerdings schon an der Seite der USA Luftangriffe gegen den IS in Syrien. Russland und die USA waren sich bisher über die Strategie im Bürgerkriegsland Syrien uneins. Hollande will sich kommende Woche mit Obama und Putin treffen.
Ein Peace-Zeichen mit dem Eiffelturm ist am 15.11.2015 auf einen Gehweg in Paris (Frankreich) gemalt.

Die Russen bombardierten am Dienstag zahlreiche IS-Stellungen in Syrien. Hintergrund dafür könnte auch sein, dass die Russen mittlerweile davon ausgehen, dass der Absturz der russischen Passagiermaschine über Ägypten von einer Bombe an Bord verursacht worden ist. Der IS hatte sich kurz nach dem Absturz dazu bekannt. Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte im Sender TF1: «Ich beobachte, dass Russland sich bewegt.»

Als erster EU-Staat überhaupt bat Frankreich offiziell auch um Beistand der übrigen Mitgliedstaaten. Gefragt ist dabei militärische Unterstützung, um den Kampf gegen die IS in Syrien und im Irak zu verstärken, sagte Le Drian in Brüssel. Denkbar sei eine Entlastung französischer Streitkräfte in anderen Krisenregionen, etwa in Afrika. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, die EU habe dazu «einstimmig ihre Bereitschaft erklärt». Hollande hatte auch angekündigt, den UN-Sicherheitsrat anzurufen.

Kampfjets greifen in Syrien an
Am Morgen griffen zehn französische Kampfjets die Miliz erneut in Syrien an. Am Donnerstag soll zudem der Flugzeugträger «Charles de Gaulle» ins östliche Mittelmeer verlegt werden, um die Schlagkraft zu verdreifachen. Frankreich hätte dann 36 Militärflugzeuge in der Region. Die Luftwaffe des Landes fliegt bereits seit September 2014 als Teil einer US-geführten Koalition Angriffe gegen IS-Stellungen im Irak und seit etwa zwei Monaten auch in Syrien.

Auch im Inland geht Frankreich weiter massiv gegen militante Islamisten vor. Nachts gab es weitere Razzien in 128 Wohnungen. Landesweit sind nach Regierungsangaben 115 000 Polizisten und Soldaten im Einsatz.

Frankreich will sich aber trotz der heiklen Sicherheitslage die Fußball-EM im kommenden Jahr keinesfalls nehmen lassen. Sportminister Patrick Kanner schloss eine Absage am Dienstag aus. «In keinem Fall darf der Sport vom Terrorismus gestoppt werden», sagte er.

 

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