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Wetzlar

Deutschland, Wetzlar
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Dom und Altstadt
"Wetzlar", ehemals Reichsstadt und Sitz des Reichskammergerichts, ist ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum sowie der herausragende Industriestandort in Mittelhessen. Seine optische, feinmechanische, elektrotechnische und stahlverarbeitende Industrie brachten es zur Weltgeltung. Das Stadtgebiet liegt in Höhe der Dillmündung in die Lahn.

Wetzlar ist Hauptsitz der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreises und wie sechs weitere größere Mittelstädte in Hessen eine Stadt mit Sonderstatus. Sie übernimmt Aufgaben des Landkreises und gleicht in vielen Bereichen einer kreisfreien Stadt. Sie ist als wichtiges Industrie- und Handelszentrum eines der zehn Oberzentren in Hessen.Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung: Landesentwicklungsplan Hessen 2000. Wetzlar ist als Sportstadt mit bedeutenden Sportlern, Sportveranstaltungen und -vereinen bekannt (darunter einige Bundesliga-Mannschaften).

Geografie
Am Mühlgraben
Wetzlar liegt im Lahn-Dill-Gebiet in Mittelhessen an der Lahn, kurz nach ihrer Richtungsänderung von Süd nach West in Höhe der Dillmündung. Die Stadt erstreckt sich auf meist hügeligem Terrain bis auf die Anhöhen beiderseits des Lahntals. Sie liegt am Trennungspunkt hessischer Mittelgebirge: südlich der Lahn liegt der Taunus; nördlich der Lahn und westlich der Dill beginnt der Westerwald; nördlich der Lahn und östlich der Dill beginnt das Rothaargebirge. Der höchste Punkt des Stadtgebiets ist der Stoppelberg mit einer Höhe von 401 Metern.
Die nächsten größeren Städte sind Gießen (lahnaufwärts, von Zentrum zu Zentrum etwa 12 km), Koblenz 80 km lahnabwärts, Limburg an der Lahn 40 km westlich, Siegen 50 km nordwestlich, Dillenburg 30 km nördlich, Marburg 40 km nordöstlich sowie Frankfurt am Main 60 km südlich.

Wetzlar und Gießen sind die beiden Kerne des mittelhessischen Ballungsgebiets (etwa 200.000 Einwohner). Mit dem nahen Rhein-Main-Gebiet bestehen enge Verflechtungen. In den Tälern von Lahn (Osten und Westen) und Dill (Norden) grenzen dichtbebaute Nachbargemeinden an, die teilweise unmittelbar in Wetzlar übergehen. Die die Stadt im Nordwesten, Nordosten und Süden umgebenden Mittelgebirge sind waldreich und dünn besiedelt.



Klima
Wetzlar weist ganzjährig ein gemäßigtes Klima der mittleren Breiten auf. Aus den Talverläufen und unterschiedlichen Geländehöhen ergeben sich unterschiedliche kleinklimatische Verhältnisse. Die Tagesmitteltemperatur liegt im Sommer bei ungefähr 17 bis 18 °C und im Winter etwa 1 bis 2 °C. Die mittlere Niederschlagshöhe beträgt 600 bis 700 Millimeter und liegt damit leicht unterhalb des Durchschnitts in Deutschland. Auf den Anhöhen südlich und nördlich des Lahntals regnet es mit 800 Millimetern genau den Durchschnittswert.. In: Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie, 2005. Die niederschlagsreichsten Monate sind Juni und Dezember mit 74 und 73,3 Millimeter, der regenärmste Monat ist der Februar mit 49,1 Millimeter.



Nachbargemeinden
Nachbargemeinden, Stadtteile und Stadtbezirke Wetzlars
Wetzlar grenzt im Nordwesten an die Stadt Aßlar (Lahn-Dill-Kreis), im Norden und Nordosten an die Gemeinden Hohenahr (Lahn-Dill-Kreis) und Biebertal (Landkreis Gießen), im Osten an die Gemeinden Lahnau (Lahn Dill Kreis) und Heuchelheim sowie an die Stadt Gießen (beide Landkreis Gießen), im Süden an die Gemeinden Hüttenberg und Schöffengrund sowie im Westen an die Stadt Solms (alle Lahn-Dill-Kreis).

Bevölkerung
Wetzlar hatte am 31. Dezember 2005 nach Einwohnermelderegister der Stadt 52.741 Einwohner (davon sind 21.946 männlich und 24.313 weiblich); 31.022 davon entfielen auf die Kernstadt und 21.719 auf die Stadtteile. Wetzlar ist damit die elftgrößte Stadt in Hessen. Der Ausländeranteil liegt bei 11,6 % (6.371 Einwohner), diese verteilen sich auf 103 Nationen. Die Arbeitslosenquote im Bezirk der Agentur für Arbeit Wetzlar (umfasst die Stadt Wetzlar und 12 umliegende Gemeinden mit 149.135 Einwohnern) lag im Juli 2009 bei 6,9 %, was 11.527 Personen entspricht., 2009.

Stadtgliederung
Der alte Kernstadtbereich von Wetzlar mit 30.684 Einwohnern ist unterteilt in zwölf Stadtbezirke: Altstadt, Neustadt, Hauserberg, Büblingshausen, Sturzkopf, Stoppelberger Hohl, Nauborner Straße, Silhöfer Aue/Westend, Altenberger Straße, Dalheim, Dillfeld und Niedergirmes. Niedergirmes ist mit über 6.000 Einwohnern der größte Stadtbezirk.

Weiterhin gibt es acht Stadtteile, die erst mit der Auflösung der Stadt Lahn 1979 zu Wetzlar kamen aber bis auf Blasbach, Dutenhofen und Münchholzhausen schon lange fest mit der Stadt verwachsen waren. Dies sind östlich der Kernstadt Naunheim (3882), Garbenheim (2080), Münchholzhausen (2.420) und Dutenhofen (3152). Nauborn (3721) liegt südlich der Kernstadt und Steindorf (1704) schließt sich westlich an die Kernstadt an. Nördlich der Kernstadt liegen Blasbach (994) und Hermannstein (3588) (Einwohnerzahlen jeweils in Klammern, Stand 31. Dezember 2007).

Geologie
Wetzlar liegt am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges. Der Untergrund besteht aus geologisch jungen Sedimenten der Lahn und wesentlich älteren devonischen und karbonischen Gesteinen zweier geologischer Haupteinheiten des Schiefergebirges, der Lahnmulde und der sog. Gießener Decke. Den nordwestlichen Teil des Stadtgebietes unterlagern im Lahntal Schluffe, Sande und Kiese, die nur wenig verfestigt sind. Sie wurden von der Lahn abgelagert, deren hier noch bis zu einen Kilometer breites Tal nach Westen immer schmaler und zunehmend tiefer wird. Der Hauptteil der Stadt ist auf teilweise intensiv verfalteten, gestörten und geschieferten Tonschiefern, Sandsteinen, Quarziten und Kalksteinen errichtet. Sie wurden in Devon und Karbon in einem von Inselketten, Vulkanen und Atollen geprägten Meer abgelagert, das während der variszischen Gebirgsbildung zusammengeschoben und von einer durch diese verfrachteten tektonischen Decke überlagert wurde.Walter, Roland et al.: Geologie von Mitteleuropa. 5. Auflage, Schweizerbarth’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1992, ISBN 3-510-65149-9. Die aus den Meeresablagerungen entstandenen Gesteine finden sich im Stadtbild wieder, da sie vielfach als Baumaterial verwendet wurden.


Die östliche Lahnmulde im Umfeld von Wetzlar besteht aus mehreren Untereinheiten und wird dort über große Flächen von der überschobenen Gießener Decke überlagert. Vom Hintertaunus zum Lahn-Dill-Gebiet, also von Südosten nach Nordwesten gesehen, sind folgende geologische Untereinheiten aufgeschlossen:
* Lahnmulde
** Schalstein-Hauptsattel
** Oberdevon der Lahnmulde
** Asslarer Mitteldevonsattel
** Lemptaler Kulm mit Hohensolmser Diabasdecke
* Gießener Decke


Geschichte
→ "Hauptartikel: Geschichte der Stadt Wetzlar"

Vor- und Frühgeschichte
Bereits in der Altsteinzeit war die Wetzlarer Region besiedelt, so auch im Bereich des Stadtteils Dalheim (Wüstungen Dalheim und Wanendorf). Durch die vom Klima begünstigte Lage blieben dort die Menschen auch in der Würmeiszeit vor rund 50.000 Jahren.August Schoenwerk: "Geschichte von Stadt und Kreis Wetzlar." 2. überarb. u. erw. Auflage von Herbert Flender. Pegasus Verlag, Wetzlar 1975, ISBN 3-87619-005-3, S. 14.

Jüngste umfangreiche Ausgrabungen längs der Lahn in Wetzlar-Dalheim haben größere, 7000 Jahre alte Siedlungsreste einer Bandkeramik-Kultur hervorgebracht. Weitere Siedlungen germanischen Ursprungs in der unmittelbaren Nähe werden gegenwärtig freigelegt. Sie stammen zum Teil aus der Zeit um Christi Geburt und waren für die Dauer von zirka 1400 Jahren besiedelt. Auf der Gemarkung Wetzlars bestanden zudem drei keltische Siedlungen.

Schon aus der keltischen La-Tène-Zeit ist die Eisenerzgewinnung und -verhüttung in und um Wetzlar nachgewiesen., Somit hat die Eisenverarbeitung dort eine rund 2500-jährige Tradition.

In Waldgirmes, unmittelbar an der östlichen Stadtgrenze, befand sich eine zivile römische Siedlung im Aufbau (siehe Römisches Forum Lahnau-Waldgirmes) und in Dorlar gab es ein römisches Militärlager.

Das Gründungsdatum der Stadt ist bisher nicht bekannt oder belegt. Der Name "Wetzlar" entstand möglicherweise bis zum 3. Jahrhundert, die Endsilbe "-lar" weist darauf hin (Näheres in der Geschichte der Stadt Wetzlar), nachweislich besteht die Stadt seit dem 8. Jahrhundert. Der Konradiner Gebhard, Graf in der Wetterau und ab 904 Herzog von Lothringen, ließ 897 eine Salvatorkirche (Erlöserkirche) weihen, welche frühere Bauten ersetzte. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts erfolgte die Gründung des Marienstiftes.

Reichsstadt
Burgruine Kalsmunt
Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde Wetzlar das Marktrecht verliehen und damit die Möglichkeit, Marktzoll zu erheben. Im Laufe der Jahre entstand eine Marktsiedlung. Die Vorgänger des Marienstiftes auf dem Domhügel waren sicher mit ein Kristallisationspunkt, an dem sich vor allem an Feiertagen Gläubige, Händler und Handwerker trafen.

Der Hohenstaufenkaiser Friedrich I. Barbarossa schuf im Wetzlarer Gebiet eine Reichsvogtei und stellte 1180 die Bürger Wetzlars den Bürgern Frankfurts gleich. Wetzlar wurde Reichsstadt und blieb es bis 1803. Zum Schutz der Stadt und um die Wetterau als Reichsland zu sichern, baute er hoch über Wetzlar die sehr wahrscheinlich schon bestehende Reichsburg Kalsmunt weiter aus. Es handelt sich um eine Anlage möglicherweise aus der Zeit Karls des Großen. Hier wurden die kaiserlichen Münzen für Wetzlar geprägt. Die Handelsstraße, die bei Wetzlar die Lahn durchquerte, die Wetzlarer Eisenerzeugnisse, von denen heute noch der Eisenmarkt "(forum ferri)" zeugt, Wollweberei und Lederverarbeitung erschienen als eine gute Basis für die weitere Entwicklung der Stadt.

Am 9. Juli 1277 werden in einer Kaiserurkunde erstmals Juden in Wetzlar erwähnt.

Im Jahre 1285 kam der „falsche Kaiser“ Dietrich Holzschuh genannt Tile Kolup, der sich als Friedrich II. ausgab (welcher tatsächlich schon 1250 in Italien gestorben war), nach Wetzlar.Gustav Faber: Reisen durch Deutschland, S. 198 ff, Insel Verlag Ffm und Leipzig 1992, ISBN 3-458-33295-2 Er zog von Neuss kommend dem rechtmäßigen König Rudolf von Habsburg nach Frankfurt entgegen. Als der König daraufhin nach Wetzlar zog, nahmen die Stadtoberhäupter Tile Kolup fest und lieferten ihn aus. Er wurde als Zauberer, Ketzer und Gotteslästerer zum Flammentod verurteilt und am nächsten Tag in Wetzlar hingerichtet.Schoenwerk, A. Geschichte von Stadt und Kreis Wetzlar. 2. Auflage. Wetzlar, 1975

Bis 1250 war der größte Teil der Stadtbefestigung, deren Reste man heute noch besichtigen kann, fertiggestellt. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts wird die Einwohnerzahl der Stadt auf 6.000 Einwohner geschätzt. Sie war damit für diese Zeit, im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland, bereits eine "Großstadt". Um 1350 war der Höhepunkt der mittelalterlichen Stadtentwicklung erreicht.
Die jahrzehntelange Fehde mit den Grafen von Solms, die versuchten Wetzlar zu einer solmsischen Landstadt zu machen, bedrohten die lebenswichtigen Handelsstraßen. Deshalb wurde im Wetzlarer Norden die Burg Hermannstein (1373–79) zum weiteren Schutz der Stadt errichtet. Der Kaiser unterstützte zwar die Stadt, jedoch nicht sehr erfolgreich. Die Stadt verschuldete sich und fiel 1387 unter Zwangsverwaltung, wurde aber in den Rheinisch-Schwäbischen Städtebund aufgenommen. Der Niedergang der Stadt führte bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges zu einer Verringerung der Einwohnerzahl auf nur noch 1500.

Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655
Der ehemalige Sitz der Kanzlei des Reichskammergerichts
Ein Glücksfall für Wetzlar war die 1689 vollzogene Verlegung des höchsten Gerichtes des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, des Reichskammergerichts, nach Wetzlar. Von Mai bis September 1772 war Johann Wolfgang Goethe am Reichskammergericht als Praktikant eingeschrieben. Seine glücklose Romanze mit Charlotte („Lotte“) Buff während dieser Zeit war Stoff für seinen Erstlingsroman „Die Leiden des jungen Werther“, mit dem er Wetzlar weltweit bekannt machte. Das Lotte-Haus am Deutschordenshof in der Lotte-Straße erinnert noch heute daran. Mit der Auflösung des Reichs 1806 endete auch die Existenz des Reichskammergerichts. Das französisch besetzte Wetzlar verlor zudem bereits 1803 seine Reichsunmittelbarkeit im Zuge der Mediatisierung. Nach dem Wiener Kongress fiel das Gebiet 1815 an Preußen und 1822 wurde es Sitz des Landrates des neu geschaffenen Landkreises Wetzlar.

Wetzlar wird Industriestadt
→ "Siehe auch: Lahn-Dill-Gebiet"

Die Eisenerzgewinnung, -verhüttung und -verarbeitung in und um Wetzlar hat bereits eine 2500 jährige Tradition. Die „moderne“ Industrialisierung begann jedoch erst mit der Schiffbarmachung der Lahn im 19. Jahrhundert. Mit der Eröffnung zweier Eisenbahnlinien 1862/63 (Lahntalbahn mit der Strecke Wetzlar–Limburg–Koblenz und Köln-Gießener Eisenbahn), die sich in Wetzlar trafen, sowie der "Berlin Wetzlarer Eisenbahn", der sogenannten Kanonenbahn 1873, fand die Stadt Anschluss an ferne Rohstoff- und Absatzmärkte und wurde Industriestandort. 1869 waren allein im Stadtgebiet 100 Erzbergwerke in Betrieb. Der erste Wetzlarer Hochofen der Gebrüder Buderus wurde 1872 in Betrieb genommen. Über 100 Jahre lang wurde in der "Sophienhütte" das im Bergbau und Hüttenwesen im Lahn-Dill-Gebiet gefundene Eisenerz (Roteisenstein) verarbeitet. Ab 1887 wurden nach und nach Erzbergwerke in Wetzlar stillgelegt, nur kurz unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg. Die danach auf dem Weltmarkt angebotenen, billiger im Tagebau gewonnenen ausländischen Erze, beschleunigten den Prozess. 1926 kam der Wetzlarer Bergbau ganz zum Erliegen. Weitere nennenswerte metallverarbeitende Unternehmen waren Röchling, die Hessischen Berg- und Hüttenwerke, die Carolinenhütte und das Herkuleswerk. Außerdem entstanden Unternehmen der optischen und feinmechanischen Industrie mit Weltruf wie Leitz (Leica), Hensoldt (Zeiss), Minox, Pfeiffer, Philips, Loh, Seibert, Hollmann, Leidolf und viele andere. Diese Unternehmen machten die Stadt zum heutigen Hochtechnologiestandort.

Wetzlar im 20. Jahrhundert
Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung wuchs die Stadt über ihre mittelalterlichen Stadtgrenzen hinaus. 1903 erfolgte die Eingemeindung von Niedergirmes mit seinen ausgedehnten Industrieanlagen und dem Bahnhofsviertel.
Im Ersten Weltkrieg befand sich etwa zwei Kilometer südöstlich des Stadtzentrums, hinter der "Spilburg" (urkundliche Ersterwähnung 1310)Schöber, Knud/Garn, Wilfried: Spilburg, ein Idyll im Dialog zwischen gestern, heute und morgen – Wetzlar: ICD GmbH, 2000 ein Gefangenenlager des XVIII. Armeekorps mit über 15.000 Kriegsgefangenen aus Russland.Doegen, Wilhelm/Kappstein, Theodor: Kriegsgefangene Völker. Berlin 1921, S. 16. Es handelte sich vor allem um ukrainische Gefangene, denen bessere Bedingungen als üblich geboten wurden, um sie als mögliche, spätere Bündnispartner gegen Russland zu gewinnen.Else-Lasker-Schüler-Stiftung, Wuppertal: , Ukrainische Soldaten in Wetzlar. Aus dem Lager entwickelte sich später der Stadtbezirk Büblingshausen.

Zum Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Einwohnerzahl der Stadt von 15.000 überschritten. Aufgrund zunehmender Verkehrsprobleme wurde eine Ringstraße im Westen der Altstadt gebaut und damit die alte steinerne Lahnbrücke durch eine weitere Brücke entlastet. Nach 1933 wurde an der Straße nach Steindorf ein weitläufiger neuer Kasernenkomplex errichtet.
Von 132 Juden, die 1933 in Wetzlar wohnten, lebten 1939 noch 46 in der Stadt. Von den Wetzlarer Juden wurde etwa die Hälfte durch eine Frankfurter Dienststelle der Gestapo in Vernichtungslager deportiert. Die anderen Familien wanderten nach Amerika, Südafrika, Palästina und Frankreich aus. und
Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt als Industrieschwerpunkt (Eisenwerke, optische Industrie) das Ziel schwerer Bombenangriffe, die besonders das Bahnhofsviertel und den Stadtteil Niedergirmes trafen. Die historische Altstadt, mit Ausnahme der Umgebung des Domplatzes, erlitt keine größeren Schäden. Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppenverbände am 27. März 1945 endete in Wetzlar die Zeit des Nationalsozialismus.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt im Rahmen der Neugliederung Deutschlands dem neu gegründeten Bundesland Hessen zugeordnet. Der gewaltige Zuzug von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen führte zu einer Verdopplung der Einwohnerzahl auf über 30.000 zum Beginn der 1950er Jahre. 1957 entstand ein großer Bundeswehr-Standort in den ehemaligen Wehrmachts-Kasernen aus der NS-Zeit. Hier waren zeitweise rund 6000 Soldaten stationiert. Nach der Auflösung des Standortes 1992 verblieb nur noch das für Mittelhessen zuständige Kreiswehrersatzamt.

Am 1. Januar 1977 wurde Wetzlar im Zuge der hessischen Gebietsreform mit der Nachbarstadt Gießen und 14 Umlandgemeinden zur neuen Stadt Lahn vereinigt. Die kreisfreie Stadt hatte zirka 156.000 Einwohner. Aufgrund scharfer Proteste, vor allem von Wetzlarer Seite, wurde "Lahn" zum 31. Juli 1979 aufgelöst und Wetzlar wieder zur eigenständigen Stadt. Die Gebietsreform wurde jedoch nicht rückgängig gemacht, sondern es wurde neu aufgeteilt. So kamen zum alten Stadtgebiet Wetzlars acht neue Stadtteile hinzu. Die Fläche und Einwohnerzahl gegenüber 1976 wurde deutlich vergrößert. Wetzlar ist seither Sitz des aus Teilen der Alt-Kreise Wetzlar und Dillenburg zusammengelegten Lahn-Dill-Kreises.

Religionsgemeinschaften und Nationalitäten
Der Anteil der Religionsgemeinschaften lag 1939 bei 78,4 Prozent Protestanten, 15,7 Prozent Katholiken sowie einem Prozent sonstiger Christen. Die jüdische Gemeinde in Wetzlar bestand bis in die Zeit des Nationalsozialismus und lebte durch die Displaced Persons in der Nachkriegszeit wieder auf. Erst seit im März 1949 die letzten DPs die Stadt verlassen haben, existiert keine Gemeinde mehr.

Die 16 evangelischen Kirchen Wetzlars (einige Gemeindezentren sind für zwei Kirchen zuständig) gehören hauptsächlich zur Evangelischen Kirche im Rheinland, denn Wetzlar ist eine kleine Exklave ganz im Osten dieses Gebietes. Nur die Stadtteile Naunheim und Hermannstein gehören zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Die evangelischen Kirchen in Wetzlar dürften zusammen über mehr als 20.000 Mitglieder verfügen.

Die Stadt Wetzlar und später der umliegende Raum, gehörte von den Ursprüngen an bis 1933 zum Erzbistum Trier. Der Erzbischof war Stiftspropst des Wetzlarer Domes.
Die vier katholischen Pfarreien Wetzlars verfügen über sieben Kirchenbauten und gehören zum "Bezirk Wetzlar" im nordöstlichen Teil des Bistums Limburg. Die Gemeinden des gesamten Bezirks haben ungefähr 31.000 Mitglieder.

Innerhalb der muslimischen Bevölkerungsanteile Wetzlars, für sie stehen zwei Moscheen zur Verfügung, besteht eine alevitische Gemeinde.

Zahlreiche weitere Kirchengruppen sind in der Stadt vertreten, so die Zeugen Jehovas, die Mormonen, die Neuapostolische Kirche usw.

2006 waren Menschen aus 103 Nationalitäten in Wetzlar wohnhaft. Migranten machen einen Anteil von über 11 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Politik
Stadtverordnetenversammlung
Die Stadtverordnetenversammlung wurde zuletzt am 26. März 2006 für eine fünfjährige Legislaturperiode gewählt. Die SPD verlor einen Sitz, die Grünen gewannen einen hinzu. Die Wahlbeteiligung sank von 45,9 % im Jahr 2001 auf 37,2 %. Von 38.918 Wahlberechtigten gingen 14.468 zur Wahl. Die nächsten Kommunalwahlen in Hessen finden im März 2011 statt.


Zusammensetzung des Wetzlarer Stadtparlaments nach der Wahl 2006

Die Mehrheit im Stadtparlament und damit die Etathoheit hat eine Koalition der Fraktionen von CDU, Freien Wählern und FDP. Die Koalition hält wie in der vergangenen Legislaturperiode insgesamt 31 der 59 Sitze. Durch einen Fraktionsübertritt im Jahr 2007 verlor die CDU einen Sitz, die Freien Wähler gewannen einen hinzu.

Oberbürgermeister und hauptamtlicher Magistrat
Direkt gewählter Oberbürgermeister von Wetzlar ist der FDP-Politiker Wolfram Dette. Wetzlar ist damit eine der wenigen deutschen Städte mit einem FDP-Oberbürgermeister. Darüber hinaus gehören dem hauptamtlichen Magistrat Bürgermeister Helmut Lattermann (CDU) sowie die Stadträte Achim Beck (CDU) und Peter Hauptvogel (FWG) an.

Wappen
Blasonierung: In Rot ein goldgekrönter und –bewehrter schwarzer Adler, über dessen rechtem Flügel schwebend ein silbernes Tatzenkreuz.

Bedeutung: Der schwarze Reichsadler auf rotem Grund mit goldener Krone steht für die Reichsunmittelbarkeit der ehemaligen Reichsstadt. Das silberne Tatzenkreuz steht für das ehemalige Münzrecht der Reichsstadt. Das Wappen blieb seit dem 12. Jahrhundert nahezu unverändert.

Blick auf Wetzlar
Gedenktafel zum Abschluss der Städtepartnerschaft mit Ilmenau am Wetzlarer Platz in Ilmenau

Städtepartnerschaften
Wetzlar pflegt bereits seit einigen Jahrzehnten eine Reihe von Städtepartnerschaften. Die erste internationale Städtepartnerschaft ging Wetzlar mit der französischen Stadt Avignon ein. Bereits im April 1960 unterzeichnet, wurde diese Verbindung zu einer der ersten deutsch-französischen Städtepartnerschaften überhaupt. 1969 kam die englische Partnerstadt Colchester hinzu, gefolgt 1974 von Schladming (Österreich) und 1987 von Siena (Italien). Eine weitere Partnerschaft besteht seit 1980 mit Reith bei Kitzbühel in Österreich als Partnergemeinde des Wetzlarer Stadtteils Garbenheim. Die jüngste internationale Städtepartnerschaft entwickelt sich derzeit mit der Stadt Písek in Tschechien.

Wetzlar übernahm bereits 1959 für den Berliner Stadtbezirk Neukölln eine Patenschaft, die später zur Partnerschaft weiterentwickelt wurde. Nach der politischen Wende im Osten Deutschlands wurden Beziehungen in die Goethestadt Ilmenau geknüpft, aus denen 1990 eine offizielle Städtepartnerschaft entstand.

Die Städtepartnerschaften werden intensiv durch gegenseitige Besuche gepflegt, beispielsweise in Form offizieller Delegationen und regelmäßiger Schüleraustausche. Die Partnerstädte werden zudem durch die Namensgebung einer Reihe Wetzlarer Parks gewürdigt, insbesondere wurden die Anlagen rund um die historische Altstadt nach den Partnerstädten benannt. Zur Würdigung ihres großen Engagements in den partnerschaftlichen Beziehungen wurde die Stadt 1990 mit der Ehrenplakette des Europarates ausgezeichnet.

Weitere partnerschaftliche Beziehungen bestehen zur namibischen Hauptstadt Windhuk, zur Stadt Point Pedro in Sri Lanka (durch Vermittlung von Humedica) und zur Gemeinde Nossa Senhora Apareçida in São Paulo, Brasilien.

Neben den Städtepartnerschaften hat Wetzlar eine Reihe von Patenschaften übernommen. Seit 1975 wird die in der Sahelzone gelegene Stadt Dori (Burkina Faso) unterstützt. Im Rahmen dieser Patenschaft konnte eine Reihe von Projekten wie der Bau von Schulgebäuden und die Ausstattung des Krankenhauses gefördert werden. Eine ähnliche Patenschaft besteht zum 8. Bezirk der Stadt Moskau. Mit der im Jahr 1962 übernommenen "Patenschaft für das Ostdeutsche Lied" soll das Liedgut der früheren deutschen Siedlungsgebiete in Osteuropa erhalten und gepflegt werden. Die Stadt unterhält in diesem Zusammenhang ein Archiv mit ca. 1.700 Liederbüchern und einer Liedsuchdatei im Umfang von ca. 63.000 Liedtiteleinträgen."Die Pommersche Zeitung." Nr. 13/2008, S. 3.

Von 1958 bis 1995 war das Minensuchboot WETZLAR, ab 1976 umgebaut zum Minenjagdboot, der Bundesmarine in Dienst.

Seit 1990 trug ein Airbus 310-300 der Lufthansa mit der Kennzeichnung D-AIDH den Namen "Wetzlar". Die Maschine wurde 2003 von der Lufthansa an die inzwischen insolvente Air Madrid verkauft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Blick auf die Altstadt mit Dom und Lahnbrücke bei Nacht
Häuserzeile am Domplatz
In der Altstadt
In der Altstadt
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten befinden sich in der historischen Altstadt mit dem romanischen Dom, den Museen und den behutsam restaurierten Fachwerkhäusern. Die Altstadt zieht sich mit Gassen und kleinen Plätzen terrassenförmig zur Lahn und zur alten Lahnbrücke hinab. Stellenweise ist noch eine gut erhaltene Stadtmauer zu sehen, deren Verlauf größtenteils von Parkanlagen gesäumt wird.

Kulturelle Höhepunkte sind die Wetzlarer Festspiele, die „Internationalen Gitarrentage Wetzlar“ und die Phantastiktage. Der Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar ist ein Literaturpreis, der seit 1983 jährlich vergeben wird. Als kulturelle Einrichtungen sind zu nennen: die Stadthalle mit dem Theatersaal, die Rittal Arena Wetzlar mit Konzerten, Sportveranstaltungen und Shows sowie die Phantastische Bibliothek.

Eine Reihe von Institutionen und Vereinen für Geschichte, Heimat und Brauchtum ist engagiert Bräuche zu erhalten, Geschichte und Geschichten erlebbar zu machen und kulturelle Vielfalt zu schaffen.

Nach einem Kabinettsbeschluss vom 19. Mai 2009 der Hessischen Landesregierung wird 2012 der 52. Hessentag in Wetzlar stattfinden. Bereits im Jahr 1975 war sie Hessentagsstadt gewesen.hr-online:

Historische Altstadt
Brunnen auf dem Domplatz
Das nahezu geschlossene Ensemble historischer Bauwerke und Wohnhäuser in der Altstadt mit Fachwerkhäusern und Steinbauten aus der Zeit der Romanik (Dom), der Gotik, aus Renaissance und Barock ist größtenteils in einem Zustand erhalten und weitgehend restauriert, wie er sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts darstellte. Es bestehen die Plätze "Buttermarkt/Domplatz", "Fischmarkt", "Eisenmarkt", "Kornmarkt" und der ehemalige "Franziskanerhof", jetzt "Schillerplatz". Zu den rund 50 besonders nennenswerten Gebäuden gehören: ein so genannter Wandständerbau aus dem Jahr 1356, die "Alte Münze" am Eisenmarkt, der "Römische Kaiser" (15. Jahrhundert), ein ehemaliges Theater- und Ballhaus; der ehemalige Deutschordenshof, heute Städtisches Museum, das Lottehaus, Wohnhaus der Charlotte Buff, das Jerusalemhaus in dem sich Karl Wilhelm Jerusalem erschoss und so eine traurige Berühmtheit als Werther erlangte, das fürstliche Palais Papius, in dem sich die Sammlung historischer Möbel, zusammengestellt von Irmgard von Lemmers-Danforth, befindet.

Die steinerne Alte Lahnbrücke wurde im Jahre 1288 erstmals erwähnt.

Ansehnliche Reste der Stadtbefestigung aus dem 13. und 14. Jahrhundert sind noch erhalten, zum Beispiel ein als "Schneiderturm" oder "Säuturm" bekannter Befestigungsturm, die "Kalsmuntpforte" als Stadttor zur früheren Vorstadt "Silhofen" sowie große Teile der Stadtmauer.

Auch in den alten Vorstädten "Langgasse" und "Neustadt", durch die "Alte Lahnbrücke" mit der Altstadt verbunden, sind noch einige sehenswerte historische Gebäude erhalten. Jedoch hat insbesondere die Neustadt infolge vierspuriger Straßenbauten im 20. Jahrhundert ihren mittelalterlichen Charakter verloren.

Ein in der Mitte des 14. Jahrhunderts als Rathaus errichtetes Gebäude wurde nach mehrfachem Umbau vom Reichskammergericht (1689 bis 1806) als Sitz und Kanzlei genutzt. Das Gericht zog später in das gegenüberliegende sogenannte "Herzogliche Haus" und danach bis zu seiner Auflösung 1806 ins "Von Ingelheim’sche Palais". Das Gebäude wurde nach einem weiteren Umbau als Kaserne, später als Hauptpost genutzt. Nach deren Auszug dient es unter anderem als Gaststätte und Wohnhaus.

Weitere Baudenkmale und Sehenswürdigkeiten
In den neueren Stadtvierteln rund um die Altstadt befinden sich eine Reihe gutbürgerlicher Wohnhäuser und Villen. Diese stammen vor allem aus der Blütezeit Wetzlars als Leitz-, später Leica-Stadt (Villen von Leitz, Kellner, Barnack) und als Buderus-Standort (beispielsweise die Weiße Villa). Auch einige für die damalige Zeit moderne Meisterhäuser und Arbeitersiedlungen stammen aus dieser Ära.

Die beiden im 14. Jahrhundert auf zwei Höhen östlich und südlich der Stadt erbauten Türme der Landwehren, die Garbenheimer Warte (um 1900 zum Bismarckturm umgebaut) und die Brühlsbacher Warte sind heute Aussichtstürme.

Die Reichsburg Kalsmunt wurde möglicherweise um das Jahr 800 gegründet. Zum Schutz der Stadt und um die Wetterau als Reichsland zu sichern, wurde sie im 12. Jahrhundert weiter ausgebaut. Die Herkunft des Namens der Reichsburg "Kalsmunt" ist nicht eindeutig geklärt. Nicht ausgeschlossen werden kann die folgende Deutung: Kals- = Karls und -munt = Vasall, das heißt ein Lehnsmann des Fränkischen Hofes. Demnach handelte es sich um eine Anlage aus der Zeit Karls des Großen. Auf der Reichsburg Kalsmunt wurden die kaiserlichen Münzen für Wetzlar geprägt. Zur Burg Kalsmunt gehörte schon im späteren Mittelalter der Wirtschaftshof "Magdalenenhausen", der seit 1324 auf der stadtabgewandten Seite des Kalsmunts bezeugt ist. Nach dem Verfall der Burg im Zuge häufiger Besitzerwechsel und des Übergangs an Hessen im 16. Jahrhundert kaufte Graf Bernhard III. von Solms-Braunfels das Hofgut. Der Name des Gutes geht auf die gegen Ende des 17. Jahrhunderts lebende Gräfin Magdalena von Solms-Braunfels zurück.
Das zweigeschossige, repräsentative Fachwerkhaus wurde im Jahre 1693 für die Gräfin errichtet. 1716 legte Graf Wilhelm Moritz um das Gut herum einen Tiergarten an, der aber schon um 1800 wieder aufgegeben wurde. Nach dem Tod der Gräfin Magdalena 1720 wohnte nur noch ein Förster und Verwalter auf dem Gut. 1810 erwarb der letzte Deutschordensamtmann Georg Buff aus Wetzlar das Anwesen. Seit dem 19. Jahrhundert dient das Haus als Gaststätte und Ausflugslokal.

Die Burg Hermannstein ist ein typisches Beispiel einer gotischen Wohnturmanlage nach französischem Vorbild. Sie wurde 1373 bis 1379 für den Landgrafen Hermann I. von Hessen zum Schutz der Stadt errichtet. Die Fürsten von Solms-Braunfels lagen immer wieder in Fehde mit Wetzlar.

Wetzlarer Dom
Wetzlarer Dom
Luftbild von Wetzlar mit dem Dom
→ "Hauptartikel: Wetzlarer Dom"

Der Dom (Marienstift) ist eines der Wahrzeichen von Wetzlar. Baubeginn des Domes, der noch nicht vollendet ist, war 1230. Er ist Nachfolger einer im Jahre 897 geweihten Salvatorkirche und diese bereits in Nachfolge einer Vorgängerkirche. Dom hieß die Stifts- und Pfarrkirche ab Ende des 17. Jahrhunderts. Die Bezeichnung setzte sich in der Zeit des Reichskammergerichts (1689–1806) durch, als der Kur-Erzbischof von Trier "Stiftspropst", der Dom also "Bischofskirche" war.

Das Bauwerk wirkt wie ein „steingewordenes Buch über mittelalterliche Baustilkunde“. Er bietet trotz seiner über die Jahrhunderte dauernden Bauzeit und trotz eines nicht fertig gestellten Turms heute ein geschlossenes Bild. Eine weitere Besonderheit des Doms ist, dass er ökumenisch genutzt wird (zu gleichen Teilen von der evangelischen und katholischen Kirche).

Andere Sakralbauten
Die Michaeliskapelle ist eine Doppelkapelle südlich des Domchores, die etwa um das Jahr 1250 erbaut wurde. Genutzt wurde sie als ehemalige Bauhütte des Domes und später als Karner oder Ossarium. An der Westwand steht eine große Kreuzigungsgruppe (1509).

Die Überreste der Theutbirg-Basilika befinden sich nahe dem Stadtteil Nauborn. Die Kirche der Teutbirg "in loco qui dicitur Nivora" wurde erstmals 778 genannt, sie ist jedoch deutlich vor 778 entstanden. Die Kirche wird wahrscheinlich bis zur Wende zum 9. Jahrhundert bestanden haben. Ihre Mauerreste wurden erst 1927 entdeckt. Auf dem zugehörigen Friedhof wurden neben Knochen einige Gefäßscherben aus der Zeit zwischen 700 und 780 sowie eine Eisenaxt entdeckt.

Die Franziskanerkirche, eine Klostergründung aus dem Jahr 1263, wird auch als "Untere Stadtkirche" bezeichnet. Der Chor wird noch für Gottesdienste genutzt. Das Langhaus der Kirche ist profaniert.

Kloster Altenberg ist ein ehemaliges Prämonstratenserinnen-Kloster. Die etwa um 1260/1270 durch die selige Gertrud, Tochter der heiligen Elisabeth, gegründete Anlage ist Gutshof und Königsberger-Diakonissen-Mutterhaus.

Die Hospitalkirche ist eine in den Jahren 1755–1764 von J. L. Splittdorf errichtete Kirche mit sehenswertem Aufbau von Kanzel, Orgel über dem Altar und dreiseitigen Emporen. Die erste Erwähnung des Hospitals legt die Annahme dass es mit der dazu gehörenden Kapelle in der Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut wurde.

Parks, Anlagen
Die Altstadt wird durch einen nahezu vollständigen Ring von Parks umschlossen, Anlagen genannt, die vornehmlich nach den Wetzlarer Partnerstädten benannt sind. Dies sind die "Avignon-Anlage" und die "Schladming-Anlage" im Süden, die "Colchester-Anlage" im Westen und die "Siena Promenade" im Osten. Geschlossen wird der Ring im Norden durch das "Rosengärtchen", ein historisches Friedhofsgelände. Hier befindet sich unter anderem die nicht näher bezeichnete Grabstätte des Karl Wilhelm Jerusalem, Vorbild für Goethes Werther. Das Rosengärtchen ist Standort der Wetzlarer Freilichtbühne.

Weitere größere Parks in den Außenbezirken der Stadt sind die "Neukölln-Anlage", die "Ilmenau-Anlage" und der "Europapark", Standort des "Europabades".

Denkmale, Kunstwerke, Brunnen
Der dreistufige Obelisk aus Lahnmarmor in Dalheim erinnert an die Schlacht bei Wetzlar, in der 1797 Erzherzog Karl von Österreich die napoleonischen Truppen unter General Hoche/General Jourdan schlug. An Tile Kolup, den "falschen Kaiser" Friedrich II, wird mit zwei Denkmalen erinnert. Das ältere befindet sich im Stadtwald nahe der Friedenstraße, das jüngere wurde als "Flammenthron" in der "Spilburg" errichtet. Die Colchester-Anlage auf der Lahninsel ist aufwendig landschaftsgärtnerisch gestaltet, unter anderem mit einem Stein-Labyrinth und einem Irrgarten. An der Frankfurter Straße befindet sich das Ukrainer-Denkmal, das an verstorbene Lagerinsassen in der Zeit des Ersten Weltkriegs erinnert. Das Jägerdenkmal aus dem Jahr 1877 erinnert in der Hausertorstraße an das Rheinische Jägerbataillon. Im Rosengärtchen, einem heute als Parkanlage genutzten früheren Friedhof, befinden sich eine Reihe alter Grabdenkmale, am bekanntesten ist das der Freifrau von Albini.

Einige Denkmäler stehen in Verbindung mit der industriegeschichtlichen Vergangenheit der Stadt. "Der Giesser" ist eine Buderus-Kunstguss-Skulptur vor der Hauptverwaltung Buderus. Eine andere moderne Guss-Skulptur ist die "Familie" von Ludwig Leitz am Karl-Kellner-Ring (Ecke Ernst-Leitz-Straße). Am früheren Erzbergwerk "Grube Malapertus" ist ein alter Förderturm erhalten, der heute als einer der beiden letzten Fördertürme von der Bergbauvergangenheit im Lahn-Dill-Gebiet zeugt.

Im Bereich der Altstadt sind auch eine Reihe bekannter Brunnenbauwerke erhalten. Der Kornmarktbrunnen auf dem gleichnamigen Platz wurde bereits 1341 erstmals erwähnt. Der Eisenmarktbrunnen ist mit einer Figur der heiligen Barbara verziert. Am Philosophenweg, gegenüber dem Wöllbacher Tor, befindet sich der Goethebrunnen.

Veranstaltungen
Theater und Konzerte
Das Theater- und Konzertangebot in Wetzlar ist breit gefächert. Von überregionaler Bedeutung sind die Kultur- und Musikevents der größten Multifunktionshalle der Region, der Rittal Arena Wetzlar (rund 6000 Zuschauerplätze). Ebenso bedeutsam sind die alljährlich in den Monaten Juni, Juli und August stattfindenden Wetzlarer Festspiele mit Opern, Operetten, Musicals, mit Schauspiel, Konzerten und Kleinkunst, die überwiegend im "Rosengärtchen", im "Lottehof" und im "Hofgut Hermannstein" abgehalten werden.

Daneben dient die "Stadthalle Wetzlar" als Kultur-, Kongress- und Tagungszentrum. Hier ist auch das "Neue Kellertheater Wetzlar" beheimatet, das mit Komödien, Schauspielen oder Musicals unterhält. Weitere kulturelle Höhepunkte sind die "Internationalen Gitarrentage Wetzlar" und die Sommer-Matineen im "Rosengärtchen". Die "Wetzlarer Kulturtage" Mitte Juni sind ein dreitägiges sommerliches Musikfestival auf der "Lahninsel" und in der Innenstadt mit Musik, Folklore, Theater und Kunst. Der "Theaterring Wetzlar" veranstaltet im Winterhalbjahr mit Tourneetheatern monatlich einen Theaterabend. Im "Harlekin im Riesen" spielen die Gruppen "Wetzlarer Besenkammerspiele" sowie das "Merenberger Musiktheater". Der "Kulturring Nach Feierabend" bietet Besuche von Theaterveranstaltungen des "Stadttheaters Gießen" an und führt eigene Kabarettveranstaltungen durch. Daneben gibt es regelmäßige Theater- und Konzertveranstaltungen (Rock, Pop, Jazz, Kabarett, Lesungen, Party, etc.) im Kulturzentrum "Franzis", in der "Bunten Katze" und in der "Kleinen Bühne".

Feste und Veranstaltungsreihen
Der traditionsreiche "Gallusmarkt" ist seit dem Jahr 1318 bezeugt. König Ludwig verlieh der Stadt das Recht, am Tag des heiligen Gallus, also alljährlich am 16. Oktober, einen Jahrmarkt abzuhalten. Heute findet er unter anderem als verkaufsoffener Sonntag mit vielen Aktionen in den Fußgängerzonen statt.

Die zahlreichen Karnevalsvereine sorgen in der Fassenacht mit Veranstaltungen und Bällen für Stimmung. Der große Fassenachtsumzug quer durch die Stadt mit meist über hundert Zugnummern und mehreren Kilometern Länge findet unter großer Anteilnahme der Bevölkerung immer am Fassnachts-Sonntag statt.

Das "Ochsenfest" ist das größte Volksfest in Mittelhessen und wird seit 1852 in dreijährigem Zeitabstand gefeiert.August Schoenwerk: "Geschichte von Stadt und Kreis Wetzlar." 2. überarb. u. erw. Auflage von Herbert Flender. Pegasus Verlag, Wetzlar 1975, ISBN 3-87619-005-3, S. 300. Das eine Woche dauernde Fest mit angeschlossener Landwirtschafts- und Tierschau findet auf dem Festgelände "„Finsterloh“" statt. Ein Höhepunkt des Ochsenfestes ist ein Festumzug durch Wetzlar.

Weitere regelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen sind das "Brückenfest" rund um die "Alte Lahnbrücke", das "„Sommernachtsweinfest“" auf dem Schillerplatz in der Altstadt, das "Familienfest" auf der Bachweide und der Lahninsel und seit 2006 die "„Gaudi-Olympiade“" im "Finsterloh" – mit künstlichem Schnee jährlich im Februar. Im Rahmen des "Autosalons", bei dem heimische Händler die neuesten Automodelle präsentieren, wird der "German City Cart Cup" mit "Großem Preis von Wetzlar" durchgeführt. In der Vorweihnachtszeit werden Adventsmärkte in der Altstadt und in der Bahnhofsnähe abgehalten. Zirkus-Zeltaufführungen werden gelegentlich auf der "Bachweide" geboten.

Musik, Gesang, Tanz
Die Szene in Wetzlar ist besonders im Bereich der Kleinkunst und Independent Music stark vertreten. Neben den Lokalitäten "Harlekin", "Bunte Katze", "Kleine Bühne" und "Café Vinyl" ist das Kulturzentrum "Franzis" ein Standort der freien Musik. Dort werden aber auch allerlei andere künstlerischen Tätigkeiten gefördert und dargestellt.
Vielfältige Angebote zum Zuhören, Zuschauen oder aktiv Mitmachen bieten neben den Musik- und Volkshochschulen die über 40 Chöre, 12 Orchester (zudem 13 Chöre und Orchester für Kirchenmusik), 16 Musikgruppen, neun Tanzgruppen, zwei Ballettstudios und einige Tanzclubs und Tanzschulen.

Museen, Bibliotheken und Galerien
Museen
Das "Stadt- und Industriemuseum" ist ein äußerst vielfältig ausgestattetes Museum mit Exponaten aus der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte der Stadt und Zeugnissen der regionalen Industriekultur (Schwerindustrie, Optik und Feinmechanik, Bergbau), darunter die "Sammlung Karsten Porezag", eine bundesweit einzigartige Sammlung historischer Grubenlampen. Darüber hinaus eröffnet dieses Museum einen Einblick in die Vor- und Frühgeschichte der Region und präsentiert Zeugnisse der Keltenzeit.

Zwei Museen sind dem Umfeld von Goethe gewidmet. Das Lotte-Haus ist eine Gedenkstätte für Charlotte Kestner geb. Buff als Erinnerung an die Zeit, als Goethe hier oft Gast war. Dank aufwendiger denkmalpflegerischer Untersuchungen war es möglich, das frühere Deutschordenshaus in Wetzlar annähernd in jenen Zustand zu rekonstruieren, in dem Johann Wolfgang Goethe es am Ende des 18. Jahrhunderts vorfand. Jährlich besuchen Tausende Werther-Touristen aus aller Welt dieses Gebäude. Das Jerusalemhaus ist eine weitere Gedenkstätte für Goethes Roman Die Leiden des jungen Werther. In diesem Gebäude nahm sich einst Karl Wilhelm Jerusalem, vermutlich aus Liebeskummer, das Leben. Jerusalem war eines der realen Vorbilder des "Werther". In der Gedenkstätte findet sich heute, wie im "Werther" beschrieben, „Emilia Galotti auf dem Pulte aufgeschlagen“. Heute beherbergt der restaurierte Altbau neben der Wetzlarer Museumsverwaltung auch die Goethe-Werther-Sammlung.

Die Sammlung Dr. Irmgard Freiin von Lemmers-Danforth zeigt europäische Wohnkultur aus Renaissance und Barock, zusammengestellt und öffentlich zugänglich gemacht von der Wetzlarer Kinderärztin im "fürstlichen Palais", dem so genannten Palais Papius (benannt nach Franz von Pape, genannt Papius, einem Assessor am Reichskammergericht). Sie gehört zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen historischer Möbel aus Renaissance und Barock.

Das Museum des Reichskammergerichts ist bundesweit das einzige rechtsgeschichtliche Museum und deshalb ein Anziehungspunkt für Juristen und an der Geschichte des Rechts und der Justiz in Deutschland Interessierte. Es wird getragen von der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung e. V. und der Stadt Wetzlar. Dort wird eine Reihe hochwertiger Exponate zur Verfassungsgeschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation präsentiert. Dem Museum ist außerdem eine "Forschungsstelle des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte" zugeordnet.

Mehrere Museen präsentieren den Bereich der Optik. Zunächst soll der Optikparcours, ein einmaliger Wissenschaftsparcours, die optische Kompetenz des Standortes Wetzlar stärken. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bürgern, Hochschulen, Schulen, des Stadtmarketings der Stadt Wetzlar, der Industrie- und Handelskammer und 70 Unternehmen. Er wurde im Mai 2008 mit zunächst acht Installationen eröffnet, die vom Einkaufszentrum Forum bis in die Altstadt führen. Insgesamt 20 unterschiedliche Hauptinstallationen sind geplant, im November 2008 wurde ein "Dunkelkaufhaus" zugefügt. Weiterhin präsentiert das Viseum, das Haus der Optik und Feinmechanik, in einem spätbarocken Gebäude modernste Hightech-Produkte von 14 Wetzlarer und mittelhessischen Unternehmen aus den Bereichen Optik, Sensorik und Feinmechanik. Das Motto dazu lautet: „Sehen verstehen!“. Die Exponate demonstrieren, wie optische und optoelektronische Systeme das Leistungsspektrum unserer Augen, mit Hilfe der technischen Nutzung der Eigenschaften des Lichts, verbessern können. Ein weiteres Museum in diesem Bereich ist die "Sammlung historischer Mikroskope Ernst Leitz" im Neuen Rathaus.

An weiteren kleineren und privaten Museen sind das "Messingmuseum" auf der „Spilburg“, das "Wetzlarer Spielzeug- und Puppenmuseum", das "Landwirtschaftliche Museum" sowie die "Heimatmuseen" und "Dorfstuben" in den Stadtteilen zu nennen. In der Nähe von Wetzlar in Oberbiel befindet sich das Besucherbergwerk "Grube Fortuna" mit Grubenbahnmuseum. Es handelt sich um eine der zahlreichen ehemaligen Eisenerzgruben im Lahn-Dill-Kreis.

Bibliotheken und Archive
1962 wurde in Wetzlar die wissenschaftliche Sammelstelle und Bibliothek für Liedgut der ehemaligen deutschen Ostgebiete mit der "Patenschaft für das ostdeutsche Lied" gegründet.

Die 1989 eröffnete "Phantastische Bibliothek Wetzlar" entwickelte sich zur weltweit größten öffentlich zugänglichen Sammlung phantastischer Literatur. Sie verfügt über einen Bestand von zirka 150.000 Titeln in den phantastischen Literaturgenres (Science Fiction, Fantasy, klassische Phantastik, Horror, Utopie, Reise- und Abenteuerliteratur, Märchen, Sagen/Mythen).

Die "Stadtbibliothek" verfügt über einen Bestand von derzeit zirka 45.000 Medien. Aus der dazugehörenden Artothek können über 200 Bilder, meist Originale (hauptsächlich von einheimischen Künstlern), und Skulpturen ausgeliehen werden.
Das "Historische Archiv" der Stadt verfügt unter anderem über eine große Urkundensammlung (mehr als 4400 Urkunden) sowie über Akten von der Reichsstadtzeit bis zur Gegenwart.

Galerien
Ein knappes Dutzend Galerien sind über das Stadtgebiet verteilt. In der "Galerie am Dom" sind Werke von Künstlern mit bekannten Namen wie Janosch, Günter Grass, Armin Mueller-Stahl, James Rizzi oder Niki de Saint Phalle vertreten. Des Weiteren sind die Galerie im Stadthaus am Dom, das "Atelier Ludwig Leitz" mit dem künstlerischen Werken von Ludwig Leitz, die Galerie im "Alten Rathaus", die Galerie im neuen Rathaus, die Galerie Atzbach, die Grafiken und Illustrationen beherbergt, sowie die Galerie Kunst+ am Kornmarkt mit dem Schwerpunkt Bronzegüsse der Berliner Bildhauerschule sowie zeitgenössische, junge Kunst mit dem Schwerpunkt Bildhauerei, zu nennen.

Daneben werden unter dem Titel "Kunst im Krankenhaus" regelmäßige wechselnde Fotoausstellungen auf den Stationen der Urologischen Klinik des Klinikums Wetzlar-Braunfels gezeigt. Das Kunstprojekt "Atelier Löwenherz" bietet Erwachsenen mit geistiger oder körperlicher Behinderung und Nichtbehinderten die Möglichkeit, sich unter Anleitung künstlerisch zu betätigen. In der "Ersten Malschule Wetzlar" wird Kindern ab sechs Jahren der Spaß am kreativen Tun vermittelt. Gleichzeitig werden Malkurse für Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene angeboten. Die Vereinigung "Form und Farbe" (gegründet 1991) ist ein lockerer Zusammenschluss von Freizeitkünstlern mit dem Ziel, Gedanken und Erfahrungen auszutauschen, in kleinen Gruppen gemeinsam zu arbeiten und regelmäßige Ausstellungen zu veranstalten.

Kulturpreise
Die Stadt Wetzlar vergibt seit 1983 jährlich den mit 4000 Euro dotierten Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar für deutschsprachige Originalveröffentlichungen aus dem Genre Fantastik.
Seit 2006 vergibt die Stadt die "Lotte-Plakette" als undotierten Kulturpreis, benannt nach Charlotte Buff. Erster Preisträger war der Vorsitzende der Kulturgemeinschaft Hans-Günther Kolb, ihm folgten Georg Schmidt-von Rhein, Joachim Eichhorn und Hartmut Schmidt.

Kulinarische Besonderheiten
„Dulges“ (auch Rührdulges*) ist ein aus geriebenen und entwässerten rohen Kartoffeln, Zwiebeln, Speck, Salz und Gewürzen in einem möglichst gusseisernen Bräter (*unter immer wieder kurzem Umrühren) angebratener Teig. "„Schmeckt weit besser als es aussieht“". Dazu darf eine trockene Scheibe Graubrot und/oder Apfelmus gereicht werden. Es gibt unter anderen eine Variante bei der zusätzlich Hackfleisch-Bällchen im Kartoffelteig mit angebraten werden.

„Schmierchelskuche“ (= Schmandkuchen?) ist eine Art Kartoffelkuchen mit Zwiebelbelag und süßer Abdeckung (Marmelade, Sahne oder ähnliches).

Wein aus Wetzlar gibt es zwar nicht mehr, dennoch: der Rebbau an den Ufern der Lahn breitete sich bis zum 14. Jahrhundert vom Rhein-Main-Gebiet unter dem Einfluss des Zisterzienserklosters Eberbach (Rheingau) aus. Erst die Einführung des Terrassenweinbaus im 10./11. Jahrhundert ermöglichte auch den Weinbau im sehr engen unteren Lahntal. Urkundlich erwähnt wird der Rebbau an der Lahn erstmals im 12. Jahrhundert, und zwar für Nassau (1159). Weitere Ersterwähnungen für Weinberge sind unter anderem: Kloster Arnstein (um 1200), Wetzlar (1242) oder Laurenburg (1275). Viele Hügel- und Straßennamen in und um Wetzlar verraten noch heute den einstigen Weinanbau. Das Lahntal war jahrhundertelang für seine vorzüglichen Rotweine bekannt. Witterungseinflüsse führten Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu Frostschäden, Rebkrankheiten und -schädlingen und damit zu einer Verringerung der Rebflächen und zum Niedergang des Weinbaus. Der Lahnwein hat heute kein eigenes Anbaugebiet mehr, sondern gehört zum Weinbaugebiet Mittelrhein. Heute gibt es hier nur noch zwei Weinorte: Obernhof und Weinähr im Gelbachtal.Gottfried Pahl, Renate Schoene (Hrsg.): Bibliographie zum Weinbau an der Lahn. 2002.

Sport und Freizeit
Eine Reihe Wetzlarer Vereine sind in den Bundesligen vertreten. Zu nennen sind insbesondere HSG Wetzlar (Handball-Bundesliga Männer) und RSV Lahn-Dill (Rollstuhlbasketball-Bundesliga Männer). Als sechsfacher deutscher Meister, sechsfacher Pokalsieger und vierfacher Europapokalsieger sowie Vize-Weltcupsieger 2006 zählt der RSV zu den weltbesten Vereinen. Im Turnen bilden KTV Wetzlar (Kunstturnen-Bundesliga) und TSG Niedergirmes gemeinsam ein Kunstturnleistungszentrum mit DTB-Turnschule. Bekannt wurde die Stadt zudem durch ihre Spitzensportler im Kunstturnen, unter anderem Fabian Hambüchen am Reck als Welt- Europameister und Bronzemedaillengewinner 2008 in Peking. Im Rudern stellte die "RG Wetzlar 1883" bereits etliche Olympiasieger, Welt-, Europa- und Deutsche Meister, zum Beispiel die Weltmeister und Olympiasieger von 1968 Jörg Siebert und 1972 Johann Färber. Auch im Tanzsport (ebenfalls mit Welt-, Europa- und Deutschen Meistern wie die Tanzpaare Breuer, Jonas usw.), Twirling, Radpolo, Eisstockschießen und Skat brachten es Wetzlarer Sportler zu überregionaler Bekanntheit. Klaus Enders, ein ehemaliger deutscher Motorradrennfahrer, konnte als Pilot zwischen 1967 und 1974, zusammen mit Beifahrer Ralf Engelhardt, auf BMW insgesamt sechsmal Seitenwagen-Weltmeister werden.

Der mitgliederstärkste Sportverein der Stadt und einer der größten Hessens ist der TV Wetzlar, dessen erfolgreichste Abteilungen im Volleyball (Damen) und im Badminton (Herren) bereits viele Jahre in der Bundesliga spielten. Im Fußball wurde Nationalspielerin Nia Künzer durch ihr Golden Goal beim Sieg im WM-Finale 2003 bekannt. Eintracht Wetzlar spielte in der Saison 2007/08 in der Fußball-Oberliga Hessen. In den 82 Sportvereinen mit 22.000 Mitgliedern, davon 7.300 Jugendliche, werden so gut wie alle Sportarten angeboten. Im Jahr 2004 wurden über das ZDF zwei Wetzlarer unter die besten 100 deutschen Sportler des Jahrhunderts gewählt.

Wetzlar ist immer wieder Standort nationaler und internationaler Sportveranstaltungen von Rang. Die Stadt gehörte unter anderem zu den offiziellen Ausrichtungsorten der Handball-Weltmeisterschaft 2007, der Europameisterschaft der Rollstuhlbasketballer 2007 sowie von Welt-, Europa- und Deutschen Meisterschaften im Tanzsport. Jährlich wiederkehrende Veranstaltungen mit internationaler Beteiligung sind unter anderem seit 2005 der "Wetzlar Marathon" und seit 2006 die "Wetzlar Open", ein ATP-Tennisturnier, bei dem Weltranglistenpunkte erzielt werden können.

Die Stadt verfügt über eine Reihe hochwertiger Sportstätten. Das Stadion Wetzlar verfügt über 8000 Zuschauerplätze. Die 2005 eröffnete Rittal Arena mit max. 6.000 Plätzen gehört zu den modernsten Sportarenen Deutschlands und diente seit ihrer Eröffnung bereits mehrfach als Austragungsort internationaler Sportveranstaltungen. Das Europabad dient seit seiner Eröffnung 1973 als Wettkampfbad mit 50-Meter-Becken und Tribüne.: Sportstätten

Seit Januar 2009 besteht das Cube-Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins e. V. im Sportpark des TV Wetzlar auf dem Spilburggelände. Auf den rund 1000 m² Kletterfläche, bei einer Höhendifferenz von mehr als 13 m, befinden sich auch Schulungs- und Boulderbereiche. Diese künstliche Kletteranlage kann von Jedermann gegen Entgelt genutzt werden. Am 31. Oktober 2009 wurde dort die Hessenmeisterschaft ausgetragen."Klettern wie in den Alpen". In: Wetzlarer Neue Zeitung, 17. Januar 2009

Touristik-Routen, Wanderwege
Brühlsbacher Warte („Bleistift“), Anfang 2007
Der Tourismus gewinnt stetig an Bedeutung für Wetzlar. Die Stadt liegt an folgenden Ferienstraßen: Deutsche Fachwerkstraße, Lahn-Ferien-Straße und Solmser Straße. Auch die Oranier-Route führt über Wetzlarer Stadtgebiet. Die Stadt ist Mitglied im Taunusklub und im Westerwald-Verein und ist Sitz des Lahntal Tourismus Verbandes e. V.

Es gibt in Wetzlar und Umgebung eine Reihe von Wanderwegen. Die Stadt ist Ausgangspunkt des vom Taunusklub beschilderten Jakobsweges., ISBN 978-3-8334-9475-8 nach Burg Lahneck und zur Hospitalkapelle in Lahnstein. Zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen bestehen auf den Lahnhöhenwegen. Der Dill-Wanderweg führt von Haiger nach Wetzlar. Die "Vier-Türme-Wanderung" verläuft komplett im Wetzlarer Stadtgebiet und verbindet vier historische Türme: Die Garbenheimer Warte (heutiger Bismarckturm), die Brühlsbacher Warte "(Bleistift)", den Stoppelbergturm und die Burgruine Kalsmunt. Die Wegstrecke dieser Wanderung rund um die Altstadt beträgt ungefähr 14 Kilometer, der Höhenunterschied 264 Meter. Eine andere Wanderung verläuft zirka 18 Kilometer durch das südliche Umland und führt von Brandoberndorf durch das "Sieben-Mühlen-Tal" nach Wetzlar. Am südlichen Stadtrand wurde in einem Wald am Finsterloh der "Abenteuerparcours", ein Hochseilgarten (Waldkletteranlage), errichtet.

Der durch Wetzlar führende Lahntalradweg gehört laut ADFC zu den Top 10 der deutschen Radfernwanderwege. Die Lahn ist für Wasserwanderer mit Kanu oder Ruderboot gut geeignet. In der Stadt gibt es fünf offizielle Ein- und Ausstiegsstellen mit Raststätten, Toiletten, Campingplatz, Einkaufsmöglichkeiten, Unterkünften und Busanbindung.

Diskotheken und Szenegastronomie
Vor Ort sind einige seit Jahrzehnten bestehende Diskotheken. Zu den ältesten im Kernbereich Wetzlars gehört das "Poco", eine Rock-Disco an der Dill, das seit 1978 existiert, bekannt geworden ist das Poco insbesondere durch seine außergewöhnliche Karnevalsveranstaltung "(Fasching Total)", bei der von Samstag bis Aschermittwoch rund um die Uhr gefeiert wird. Ebenfalls populär und stark besucht sind das Lolly Pop und das Super Mäx, die beiden Diskotheken im Lahnhof (direkt gegenüber dem neuen Forum Wetzlar).

Auch haben sich hier einige Szenebars und -lounges im Altstadtbereich etabliert, die mitunter am Wochenende nur per vorheriger Tischreservierung besucht werden können. In jüngerer Zeit entstanden auch auf dem Gelände der ehemaligen Spilburg-Kaserne eine Reihe von Lokalitäten.

Verkehr, Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Ein römisches Wegenetz um Wetzlar war schon früh vorhanden. Bereits vom Mittelalter an war der Knotenpunkt Wetzlar gut an das überregionale Verkehrswegenetz angeschlossen. Unter anderem lag die Stadt an der historischen Handelsstraße Hohe Straße, einem bedeutenden Handelsweg. Sie führte von Antwerpen über Köln, die Reichsstädte Wetzlar und Friedberg nach Frankfurt am Main. Sie wurde auch als "Cölnische Hohe Heer- und Geleitstraße" bezeichnet. Oder der Weinstraße (Wagenstraße) sie führte von Mainz bzw. Frankfurt-Höchst über Usingen und Wetzlar, westlich an Marburg vorbei, nach Hildesheim und weiter Richtung Bremen bzw. Lübeck.

Straßenverkehr
Wetzlar liegt an der A 45 (Sauerlandlinie Dortmund–Aschaffenburg) mit den Abfahrten Wetzlarer Kreuz (zur A 480 nach Wetzlar-Nord, Aßlar und Wz-Blasbach), Wetzlar-Ost (zur B 49 Richtung Stadtmitte) und Wetzlar-Süd (in die südlichen Stadtteile Münchholzhausen, Dutenhofen und Blankenfeld).

Die Autobahn A 480 sollte eigentlich von der luxemburgischen Grenze bei Trier durch den Westerwald bis zum Hattenbacher Dreieck führen. Diese Strecke war als A 48 geplant. Aus Kostengründen wurde sie nie vollständig realisiert. Den Verkehr soll nun die B 49 aufnehmen.
Heute heißt sie A 480 und führt nur von der Abfahrt Wetzlar Nord/Aßlar bis zum Wetzlarer Kreuz und darüber hinaus bis zum derzeitigen Autobahnende mit der Behelfsausfahrt nach Wetzlar-Blasbach. Einige Kilometer nordöstlich Gießens geht der bisher ausgebaute Teil weiter und führt von Heuchelheim-Nord bis zum Reiskirchener Dreieck an der A 5. Die Strecke von dort bis zum Hattenbacher Dreieck ist auch weiterhin die A 5.

Folgende Bundesstraßen führen durch die Stadt: die B 49 (Trier–Wetzlar–Alsfeld) als Ost-West-Verbindung. Des Weiteren die B 277, sie verbindet Aßlar mit dem Knoten Dalheim.
Zwischen Wetzlar und Limburg hat an der B 49 der mehrjährige, vierspurige Ausbau in 13 Bauabschnitten begonnen. Die B 49 führte früher mitten durch die Innenstadt und die Stadtteile Dutenhofen und Steindorf in Ost-West-Richtung. Die B 277 verlief von Aßlar kommend in Nord-Süd-Richtung durch die Innenstadt und dann über Rechtenbach nach Butzbach. Die heutige B 49 trug bis 1985 die Bezeichnung B 429. Die Bundesstraßen im Zuge der Ortsdurchfahrten im Stadtgebiet Wetzlar wurden zu Landesstraßen herabgestuft (B 49: 1. Januar 1985, B 277: 1. Januar 1990).

Seit der Kommunalen Gebietsreform in den 1970er Jahren ist das Kraftfahrzeug-Unterscheidungszeichen bezüglich der Stadt Wetzlar ein Sonderfall. Von 1956 bis zum 31. Dezember 1976 hatte der Kreis Wetzlar mit der gleichnamigen Kreisstadt das Kennzeichen "WZ". Mit Gründung der Stadt Lahn zum 1. Januar 1977 wurde zwischenzeitlich das Autokennzeichen "L" eingeführt, seit dem 1. November 1990 gilt die Kombination "LDK".

Bahnverkehr
Wetzlar liegt an den Bahnstrecken Frankfurt am Main–Siegen–Köln (Dill-Strecke/Siegstrecke) und Gießen–Limburg–Koblenz (Lahntalbahn Wetzlar–Koblenz), die am Wetzlarer Bahnhof zusammentreffen und von Regionalbahnen und Regional-Express-Zügen befahren werden. Neben dem Bahnhof Wetzlar in der Kernstadt gibt es einen weiteren Bahnhof im Stadtteil Dutenhofen. Der frühere Bahnhof in Wetzlar-Garbenheim wurde mit der Stilllegung der Strecke Wetzlar–Lollar (Kanonenbahn) geschlossen. Auf dem verkleinerten Güterbahnhof werden seit Februar 2007 wieder die Güterzüge für Mittelhessen (Railion) zusammengestellt.

Größere Städte, die von Wetzlar aus direkt angefahren werden, sind unter anderen Aachen, Köln, Koblenz, Frankfurt am Main, Siegburg/Bonn, München, Stuttgart und Siegen. Bis zum Fahrplanwechsel 2002 war Wetzlar Haltepunkt für InterRegios von und nach Norddeich-Mole. 2003 erfolgte ein kurzes Intermezzo von Connex-Zügen zwischen Köln und Berlin. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2009 wird Wetzlar werktäglich von einem Zugpaar des internationalen Fernzugs EuroCity angefahren, der von Siegen über Frankfurt, Stuttgart und München nach Klagenfurt sowie Ljubljana und Zagreb fährt.

ÖPNV
→ "Siehe auch: Nahverkehr in Wetzlar"

Der öffentliche Nahverkehr ist im Rahmen des Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) organisiert. Die Stadt Wetzlar ist selbständiger Aufgabenträger für den ÖPNV und einer der 26 kommunalen Gesellschafter des RMV (15 Landkreise, 4 Großstädte und 7 Sonderstatusstädte). Mit der Durchführung des Busverkehrs hat die Lokale Nahverkehrsorganisation der Stadt Wetzlar ihr eigenes Unternehmen, die Werner-Gimmler-Wetzlarer-Verkehrsbetriebe und Reisebüro GmbH, beauftragt.

Die Stadt verfügt über ein gut ausgebautes städtisches Buslinien-Netz mit zehn Buslinien im 20- bis 30-Minuten-Grundtakt. Diese haben alle Anschluss an die zentrale Haltestelle Busbahnhof, hinzu kommen noch diverse Linien im Überlandverkehr in das Wetzlarer Umland. In den späten Abendstunden fährt die Nachtbuslinie 007, der sogenannte "Disco-Bus", der fast alle Stadtteile anfährt. Auf allen Linien gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbunds. Zusätzlich verknüpft der "Citybus" zum Einheitstarif von 50 Cent wochentags von 10 bis 19 Uhr und werktags bis 15 Uhr die Altstadt mit dem Bahnhof und dem dortigen Einkaufszentrum "Forum Wetzlar" im 20-Minuten-Takt.

Luftverkehr
Die Entfernung zum Flughafen Frankfurt am Main beträgt etwa 70 km, zum Regional-Flughafen Siegerland ca. 40 km. Direkt auf der Stadtgrenze zwischen Wetzlar und Gießen, zwischen den Stadtteilen Lützellinden und Münchholzhausen, gibt es für Sportflieger eine befestigte Bahn (Stripe). Zudem befindet sich in den Lahnwiesen nördlich des Stadtteils Garbenheim ein Segelflugplatz.

Einzelhandel
Forum Wetzlar
Im Forum Wetzlar
Nach den Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung gehört Wetzlar zu den attraktivsten Handelsstandorten Deutschlands. Die Stadt weist danach einen hohen Zentralitätskoeffizienten auf und liegt mit einem Einzelhandelsumsatz von ca. 10.000 Euro pro Einwohner deutschlandweit auf Platz drei unter allen Städten mit über 50.000 Einwohnern.Hanno Bender und Marcelo Crescenti in "Der Handel 06/2008": . Abgerufen am 4. Juni 2009.

Im Frühjahr 2005 wurde in Bahnhofsnähe das neue Einkaufszentrum FORUM Wetzlar eröffnet. Es ist mit rund 24.000 m² Verkaufsfläche und knapp 120 Geschäften nach Angaben des Betreibers das größte Einkaufszentrum in der Region Mittelhessen mit einem Einzugsbereich von zirka 540.000 Personen. Im zugehörigen Parkhaus stehen 1.700 Stellplätze zur Verfügung. Das Forum ist allerdings nicht das erste Einkaufscenter in der Stadt, unweit davon befinden sich noch das kleinere Herkules-Center mit 40 Geschäften sowie einige weitere große, zusammenhängende Einzelhandelsflächen (Lahnhof, Kaufhäuser entlang der Bahnhofstraße und des Karl-Kellner-Rings).

Daneben gibt es viele kleine Einzelhandelsgeschäfte unterschiedlicher Branchen sowie Cafés und Gaststätten in der Wetzlarer Altstadt, die in ungefähr zehn Minuten Fußweg vom Bahnhofsbereich aus oder mit dem "Citybus" zu erreichen sind.

Ansässige Unternehmen
Die Stadt ist Standort einiger international tätiger und weltbekannter Unternehmen.
Der Buderus-Konzern wurde im Jahre 1731 gegründet und ist damit europaweit eines der ältesten noch existierenden (Groß-)Unternehmen. Als "BBT Thermotechnik", inzwischen Bosch Thermotechnik, war Buderus jahrzehntelang der mit Abstand größte Arbeitgeber im mittelhessischen Raum mit weit mehr als 10.000 Beschäftigten allein in Wetzlar (weltweit über 16.000) in den Bereichen Guss (mit Zement), Edelstahl und Heiztechnik sowie der Hauptverwaltung am Ort. Wirtschaftliche Veränderungen, wiederholte Übernahmen der Aktienmehrheit sowie Schließungen und Verkauf von Betriebsteilen haben den Konzern inzwischen stark verändert. Er zählt aber immer noch zu den großen Unternehmen in Hessen. 2008 eröffnete das neue, 30.000 m² große Versandlager der Firma Buderus, vertreten durch den Kontraktlogistiker LGI. Es befindet sich im Gewerbegebiet Dillfeld.

Wetzlar ist neben Jena und Oberkochen ein deutsches Zentrum der Optik sowie der bedeutendste deutsche Standort für die feinmechanische Industrie. Deren Industrieprodukte brachten es zu Weltruf, allen voran die Mikroskope der Firma Leica Microsystems GmbH (früher Ernst Leitz), die in ihren Spitzenzeiten in der Stadt über 7000 Beschäftigte hatte. Die Kleinbildfotografie wurde in Wetzlar erfunden, Oskar Barnacks Leica: Lei (=Leitz) + ca (=Camera). Außerdem sind Kameras der Firmen Leidolf und Minox, die Ferngläser und Fernrohre der Firma Hensoldt AG (jetzt Carl Zeiss Sports Optics), Zeiss-Gruppe (mit in Spitzenzeiten über 2.000 Beschäftigten), die Mikroskope der Firma Seibert, der Wilhelm Loh Optikmaschinenbau (jetzt Satisloh), die Helmut Hund GmbH und eine Vielzahl weiterer mittelständischer feinmechanischer und optischer Unternehmen zu nennen.

Andere bekannte Unternehmen sind die Philips* Automotive Playback Modules AG (* mit seinerzeit rund 1.200 Beschäftigten) oder Siemens und die im Juli 2007 an Continental verkaufte VDO, die (inzwischen im benachbarten Aßlar ansässige) Arthur Pfeiffer Vakuumtechnik (durch deren geänderten Kreiselkompass die Nutzung von Raketen für die Raumfahrt erst möglich wurde) oder die Sancura BKK, eine überregionale Krankenversicherung, die nach einer Fusion mit zwei anderen Betriebskrankenkassen als Taunus BKK firmiert.

Der Gewerbepark Spilburg, eine ehemalige Kaserne, ist für eine Reihe innovativer Unternehmen, vor allem aus den Bereichen Optik/Feinmechanik, Informationstechnologie und Dienstleistungen, ein überwiegend positiv bewerteter Standort geworden. Außerdem sind für die Ansiedlung weiterer, neuer Gewerbe verkehrstechnisch gut erschlossene Gebiete im "Westend" sowie das "Hörnsheimer Eck" und das "Dillfeld" vorhanden.

Medien
Als größte Tageszeitung der Region wird die Wetzlarer Neue Zeitung als Hauptausgabe der in Wetzlar ansässigen Zeitungsgruppe Lahn-Dill herausgegeben. Daneben erscheinen wöchentlich die werbefinanzierten Anzeigenblätter "Lahn-Dill-Anzeiger" mit Veranstaltungskalender und "Sonntag-Morgenmagazin", sowie monatlich das Stadtmagazin "Wetzlarer Hefte". Der monatlich erscheinende Wetzlar Kurier als CDU-nahe „Zeitung für den Lahn-Dill-Kreis“ nimmt häufig politisch kontrovers diskutierte Positionen ein. Weitere Medien aus Wetzlar sind unter anderem das Jugendnetz Wetzlar, das Kindernetz Wetzlar und die NETZ Bangladesch Zeitschrift.

Inzwischen hat sich ein Cluster aus christlichen Medieneinrichtungen und -unternehmen von überregionaler und teilweise weltweiter Bedeutung etabliert. Hierzu gehört der Evangeliums-Rundfunk (ERF) als Partner von Trans World Radio (TWR), der bereits 1959 gegründet wurde und Radio- sowie Fernsehprogramme produziert und weltweit ausstrahlt. Weitere Organisationen dieser Branche sind die Christliche InterNet-Arbeitsgemeinschaft (CINA), der Christliche Medienverbund KEP mit der Christlichen Medien-Akademie Wetzlar sowie die evangelikale Nachrichtenagentur IDEA.

Öffentliche Einrichtungen
Regional bedeutsame öffentliche Einrichtungen in Wetzlar sind neben der Kreisverwaltung für den Lahn-Dill-Kreis unter anderem die Agentur für Arbeit für den Arbeitsamtsbezirk Wetzlar und die Industrie- und Handelskammer (IHK) für den Kammerbezirk Dillenburg und Wetzlar. Weiter ist sie Standort eines Finanzamts, eines Kreiswehrersatzamts, eines Hessischen Forstamts, eines staatlichen Umweltamts, der Abteilung Ländlicher Raum, Natur- und Verbraucherschutz des Regierungspräsidiums, einer Staatsanwaltschaft, eines Arbeits- und eines Amtsgerichtes, des Bildungs- und Beratungszentrums des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, des Wasser- und Schifffahrtsamts für den Außenbezirk Wetzlar und des Zollamts Wetzlar. Ebenso hat die Obere Flurbereinigungsbehörde des Landes in Wetzlar ihren Hauptsitz.
Die Stadt verfügt über eine Polizeistation, drei Feuerwachen im Stadtgebiet sowie mehrere Stützpunkte in den Stadtteilen und mit dem Klinikum Wetzlar-Braunfels (jährlich etwa 25.000 Patienten) über eines der größten Krankenhäuser der Region. Des Weiteren befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Spilburg-Kaserne das Hessische Katastrophenschutz-Zentrallager, wo unter anderem Ausstattung für Katastrophenfälle vorgehalten wird.

Bildung
Die Geschichte der "Hochschule" in Wetzlar begann bereits vor 200 Jahren. Als Kaiser Franz II. im Jahre 1806 die Kaiserkrone niederlegte, endete das Heilige Römische Reich deutscher Nation und das Reichskammergericht wurde aufgelöst. Um die Nachteile für Wetzlar zu mindern, versuchte Karl Theodor von Dalberg, etliche Juristen durch die Gründung einer Rechtsschule an Wetzlar zu binden, aber ihr war kein langes Bestehen beschieden. Bereits 1816 wurde sie wieder aufgelöst.Irene Jung: " in: "Wirtschaftsstandort Wetzlar". Europäischer Wirtschafts Verlag, Darmstadt 2002, ISBN 978-3-932845-57-4, S. 132

In der Gegenwart wird am "Zentrum Dualer Hochschulstudien (ZDH)" seit dem 25. April 2001 das StudiumPlus angeboten, ein duales Hochschulstudium mit internationalen Hochschulabschlüssen (Bachelor und Master). Die Zusammenarbeit der Fachhochschule Gießen-Friedberg mit der Industrie- und Handelskammer und Unternehmen der Region ermöglicht ein praxisnahes Studium. Es werden zur Zeit zwölf Fachrichtungen in den vier Studiengängen Wirtschaftsingenieurwesen, Betriebswirtschaft, Ingenieurwesen/Mikrosystemtechnik und dem Masterstudiengang – Prozessmanagement angeboten. Weitere wie zum Beispiel die Fachrichtung Krankenhausmanagement (Master) und der neuartige Studiengang "Frühpädagogik" sind in Vorbereitung. Als Campus dient ein Gebäudekomplex auf dem Gelände der ehemaligen Wetzlarer Spilburg-Kaserne. Im Wintersemester 2009/2010 studieren dort 600 Studenten.

In der Stadt werden alle wichtigen Schultypen angeboten, hauptsächlich jedoch Gesamtschulen (Klassen 5–10) und drei Oberstufenschulen (Klasse 11–13). Darunter befindet sich die Goetheschule, das mit über 1000 Schülern größte Oberstufengymnasium Hessens. Es gibt Gymnasien, Fachgymnasien, Berufsschulen mit Technikerausbildung, ein Hessenkolleg (Erwachsenenabitur), eine Zivildienstschule, eine Krankenpflegeschule, das Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) der hessischen Handwerkskammern, eine Volkshochschule, Tanz-, Ballett-, Gesangs- und Musikschulen.

Die Naturschutz-Akademie Hessen ist ein Kooperationsmodell des Landes Hessen mit dem Naturschutz-Zentrum Hessen e. V. und wird getragen von hessischen Verbänden des Natur- und Umweltschutzes, vom Land Hessen, vom Lahn-Dill-Kreis und von der Stadt Wetzlar. Die Akademie ist auf dem Gebiet der Umweltbildung tätig und ist der hessische Vertreter im "Bundesweiten Arbeitskreis der staatlich getragenen Bildungsstätten im Natur- und Umweltschutz" (BANU).

Das "Zentrum für Mathematik Wetzlar" organisiert Kurse und Wettbewerbe für mathematisch interessierte und begabte Kinder und Jugendliche. Zum "MatheTreff3456" sind Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 bis 6 eingeladen, die "Samstagsakademie" besuchen Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 13. Außerdem veranstaltet das Zentrum Fortbildungen für Mathematiklehrer.

In der "Christliche Medien-Akademie (CMA)" werden journalistische Grundkurse, besonders geeignet für Studenten und Volontäre, sowie Aufbaukurse als Ergänzung und ideale Fortbildung für Redakteure und Medienschaffende angeboten.
Die Konferenz Evangelikaler Publizisten e.  V., ist ein Service der Christlichen Medienakademie
der Medienschule des Christlichen Medienverbundes KEP e. V. PR-/Öffentlichkeitsarbeits-Workshops, speziell konzipiert für Mitarbeiter von Organisationen, Verbänden und Gemeinden werden veranstaltet. Sie sind ebenso als ergänzende Weiterbildung für Journalisten und Volontäre geeignet.

Persönlichkeiten
→ "Hauptartikel: Liste der Persönlichkeiten der Stadt Wetzlar"

Die erste bekannte Persönlichkeit in der Stadt war Graf Gebhard "dux regni quod a multis Hlotharii dicitur" („Herzog des Königreiches, das von vielen dasjenige Lothars genannt wird“, gemeint ist das Lotharii Regnum, das spätere Lothringen), ließ 897 eine Salvatorkirche (Erlöserkirche) an Stelle einer Vorgängerkirche auf dem späteren „Domberg“ weihen, stiftete 914/915 das Kloster St. Maria in Wetzlar, dort wurde er auch begraben.In Barth Rüdiger E.: Seite 180, „Der Herzog in Lothringen im 10. Jahrhundert“.

Als wohl bekannteste Persönlichkeit der Wetzlarer Geschichte wirkte Johann Wolfgang von Goethe 1772 als Jurist am Reichskammergericht. Unter dem Eindruck seiner Liebe zur Wetzlarerin Charlotte Buff und des Suizides Karl Wilhelm Jerusalems machte Goethe die Stadt mit seinem Roman Die Leiden des jungen Werther weltweit bekannt. Buff, „Werthers Lotte“, heiratete den hannoverschen Legationssekretär Johann Christian Kestner, der schon seit 1767 als Kammergerichtssekretär am Reichskammergericht in Wetzlar tätig war. Er wurde später königlich großbritannisch-hannoverscher Hofrat und Vizearchivar in Hannover.

Zu großer Bedeutung brachten es später die Pioniere der Optik wie Moritz Hensoldt, Ernst Leitz, sein gleichnamiger Sohn sowie Oscar Barnack. Als Wegbereiter und Entwickler technologischer Innovationen wie der ersten Kleinbildkamera der Welt hatten sie auch einen großen Einfluss auf die Entwicklung Wetzlars zur Industriestadt.

Literatur
* Magnus Backes, Hans Feldtkeller: "Kunstreiseführer Hessen", Sonderausgabe Gondrom Verlag, Bindach 1988, ISBN 3-8112-0588-9.
* Rolf Beck: "Die Leitz-Werke in Wetzlar". 2. Auflage. Sutton, Erfurt 1999, ISBN 3-89702-124-2.
* Rolf Beck: "Mikroskope von Ernst Leitz in Wetzlar". Sutton, Erfurt 2002, ISBN 3-89702-292-3.
* Gustav Faber: "Reisen durch Deutschland", Zwölf Reisen durch deutsche Geschichte und Gegenwart. Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig 1992, ISBN 3-458-33295-2.
* Herbert Flender, Gerd Scharfscheer: "Wetzlarer Stadtchronik". 2. Auflage. Wetzlardruck, Wetzlar 1980.
* Eduard Brüdern: Der Dom zu Wetzlar, 2. Aufl. 2001, Verlag LANGEWIESCHE, ISBN 3-7845-5191-2 aus der Reihe: Die Blauen Bücher
* Knaurs Kulturführer Deutschland", Weltbild VerlagGmbH Augsburg 1998, ISBN 3-8289-0703-2.
* Dr. Irmgard Freiin von Lemmers-Danforth: "Europäische Wohnkultur, Renaissance und Barock", W.Bechstein GmbH, Buch- und Offsetdruck, Wetzlar.
* Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): "Kulturdenkmäler in Hessen. Stadt Wetzlar". Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1900-1.
* Magistrat der Stadt Wetzlar: "Goethes Wetzlarer Zeit. Bilder aus der Reichskammergerichts- und Wertherstadt von Heinrich Gloël". Nachdr. (Druckerei Will) der Ausgabe Mittler, Berlin 1911. Magistrat der Stadt Wetzlar, Wetzlar 1999.
* Karsten Porezag: "Bergbaustadt Wetzlar: Geschichte von Eisenerzbergbau und Hüttenwesen in historischer Stadtgemarkung". Wetzlardruck, Wetzlar 1987, ISBN 3-926617-00-4.
* August Schoenwerk: "Geschichte von Stadt und Kreis Wetzlar". 2. überarb. u. erw. Auflage von Herbert Flender. Pegasus Verlag, Wetzlar 1975, ISBN 3-87619-005-3.


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