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Wettingen

Schweiz, Wettingen
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"Wettingen" (schweizerdeutsch: "Wettige") ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie grenzt direkt an den Bezirkshauptort und ist mit über 19"000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Gemeinde des Kantons.

Geographie
Wettingen liegt am rechten Ufer der Limmat unmittelbar vor der Klus von Baden. Der grösste Teil des Siedlungsgebietes bedeckt das Wettingerfeld, eine flache Ebene, die auf allen Seiten von natürlichen Grenzen umgeben ist: Im Westen und Süden vom Fluss, im Norden vom steilen Südhang der Lägern und im Osten vom Sulperg (). Zwischen der Lägern und dem Sulperg liegt das nicht überbaute Eigital. An dessen westlichem Ende, im Nordosten des Wettingerfelds, befindet sich der alte, noch relativ gut erhaltene Dorfkern. Der Südhang der Lägern ist teilweise mit Reben bepflanzt. Der Dorfbach durchquert das Wettingerfeld und mündet schliesslich über den Gottesgraben in die Limmat. Er ist teilweise kanalisiert, teilweise eingetunnelt und teilweise renaturiert.

Das Gemeindegebiet ist 1059 Hektaren gross, davon sind 417 Hektaren bewaldet und 398 Hektaren überbaut. Die höchste Stelle liegt auf 859 Metern auf dem Burghorn, einem Teil der Lägern, die tiefste Stelle auf 360 Metern an der Limmat.

Nachbargemeinden sind Ennetbaden, Ehrendingen und Niederweningen im Norden, Otelfingen im Osten, Würenlos im Südosten, Neuenhof im Süden und Baden im Westen.

Geschichte
Auf dem Gemeindegebiet von Wettingen wurden zwei Gräber aus der Jungsteinzeit gefunden. Zur Zeit der Römer bestand hier eine kleine Siedlung. Durch das Wettinger Feld führte die Römerstrasse von Vindonissa (Windisch) über Aquae Helveticae (Baden) nach Vitudurum (Oberwinterthur). Als einziger Überrest eines Isistempels blieb eine Inschrift erhalten, die heute in die katholische Kirche St. Sebastian eingemauert ist.

Der Name Wettingen selber deutet auf einen alamannischen Siedler namens Wetti oder Watto hin. Dieser hatte sich in Verlauf der ersten alamannischen Siedlungswelle im 6. Jahrhundert mit seinen Leuten, den Wettinge, an der Stelle der aufgegebenen römischen Siedlung niedergelassen. Im frühen Mittelalter fand auch das Christentum seinen Einzug in Wettingen. Dabei wurden die ersten Kirchen noch von Privaten, so genannten Kollatoren, gegründet. Als Gegenleistung dafür konnten sie den Zehnten für sich in Anspruch nehmen. Wettingen gehörte lange zum frühen Thurgau und fiel mit dessen Aufteilung zum Zürichgau. Im Jahr 1173 starben die Grafen von Lenzburg aus und ihre Gebiete fielen an die Grafen von Kyburg.

Wettingen
Blick auf Wettingen vom Sulperg her
Platte des Isistempels in der Pfarrkirche St. Sebastian
Freiherr Heinrich II. von Rapperswil kaufte nach 1220 Güter in Wettingen und das Patronatsrecht der Dorfkirche. Nachdem Heinrich während der Kreuzzüge auf wundersame Weise aus Seenot gerettet worden war, schenkte er seine Besitztümer in Wettingen der Reichsabtei Salem. Dieses sandte Mönche nach Wettingen, um in einer Flussschlaufe der Limmat eine neue Abtei zu gründen. Der 14. Oktober 1227 gilt als Gründungsdatum des Klosters Wettingen, das in der Folge zum wichtigsten Grundherrn in der Region aufstieg und ab dem 14. Jahrhundert auch die niedere Gerichtsbarkeit ausübte.

Als das Geschlecht der Kyburger 1264 ausstarb, gelangen ihre Besitztümer an die Habsburger. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Wettingen war fortan Hauptort des gleichnamigen Amtes in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft. Während der Reformation trat die Mehrheit der Dorfbevölkerung zum neuen Glauben über, wurde aber nach dem Zweiten Kappelerkrieg von 1531 rekatholisiert. 1633 kam in der Nähe des Klosters ein römischer Silberschatz mit acht Gefässen und zahlreichen Münzen aus dem 3. Jahrhundert zum Vorschein. Der Schatz wurde unter den Abgesandten der Tagsatzung in Baden verteilt, der Zürcher Standesherr H. Witz liess aber die Funde vor dem Einschmelzen aufzeichnen.Martin Hartmann, Hans Weber: "Die Römer im Aargau" (S. 206). Verlag Sauerländer, Aarau 1985. ISBN 3-7941-2539-8.

Während des Zweiten Villmergerkrieges von 1712 war das Dorf von Zürcher und Berner Truppen besetzt, die vom Wettinger Feld aus die Festung Stein beschossen. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Wettingen wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden. In diesem und im nachfolgenden Jahr zogen nacheinander französische, österreichische und russische Truppen durch das Dorf und hielten sich auf Kosten der Bewohner schadlos. Seit 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

Im Zuge der Aargauer Klosterstreits wurde das Kloster Wettingen am 12. Januar 1841 geschlossen. Die umfangreichen Bestände der Klosterbibliothek wurden in die aargauische Kantonsbibliothek in Aarau überführt und die Mönche mussten das Kloster verlassen. Schliesslich bezogen sie am 8. Juni 1854 die Reste des alten Benediktinerklosters Mehrerau in Bregenz (heute Territorialabtei Wettingen-Mehrerau).

Wettingen war nun ein Bauerndorf mit einem Lehrerseminar in den Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters. Die erste Eisenbahnlinie der Schweiz, die Spanisch-Brötli-Bahn, wurde am 9. August 1847 eröffnet. Zunächst führte sie jedoch am linken Ufer der Limmat entlang, auf der anderen Flussseite. 1858 wurde neben dem ehemaligen Kloster eine Spinnerei eröffnet. Auf Wunsch des Fabrikbesitzers verlegte die Schweizerische Nordostbahn das Trassee der Eisenbahn auf die rechte Seite der Limmat und Wettingen erhielt 1876 einen Bahnhof an zentraler Lage zwischen Klosterbezirk und Dorf. Die Eröffnung der Nationalbahn nach Zofingen war am 6. September 1877, der Abschnitt nach Winterthur folgte einige Wochen später am 15. Oktober. Als Konkurrenz dazu war am 1. Oktober desselben Jahres die Bülach-Baden-Bahn eröffnet worden; diese wurde jedoch bereits am 18. Januar 1937 stillgelegt.

Nachdem 1891 im benachbarten Baden die BBC gegründet worden war, die in der Folge stark expandierte, wandelte sich Wettingen sehr rasch von einem Bauerndorf zu einem Arbeitervorort. Baden selbst hatte aufgrund der schwierigen topographischen Lage wenig Platz für neue Siedlungen und so zogen viele BBC-Arbeiter nach Wettingen, das im flachen Wettingerfeld noch weitläufige Baulandreserven aufwies.

1939 wurde vom Kraftwerk Wettingen nach Zürich von BBC eine experimentelle Anlage zur Gleichstrom-Hochspannungsübertragung in Betrieb genommen.

Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Wettingen mit Baden zusammengewachsen. Einen erneuten Wachstumsschub erlebte das Dorf zwischen 1950 und 1960, als die Einwohnerzahl um über zwei Drittel anstieg und die letzten freien Flächen in der Mitte des Wettingerfelds überbaut wurden. 1967 erreichte die Einwohnerzahl mit 20"019 ihren Höchststand. Bis 1990 sank sie um fast 12 %, konnte sich dann aber bei rund 18"000 stabilisieren und stieg in den letzten Jahren wieder über 19"000. Im Jahr 1974 wurde das grossen Sport- und Erholungszentrum Tägerhard eröffnet, das mit seinem vielfältigen Angebot eine überregionale Bedeutung erlangt hat.

Sehenswürdigkeiten
Kirche St. Sebastian in Wettingen
* Kloster Wettingen: Ehemaliges Zisterzienserkloster (heute Kantonsschule Wettingen), mit kath. Klosterkirche Maria Meerstern (frühgotisch) Chorgestühl (Renaissance, barockisiert) und Kreuzgang
* Marienkapelle (Spätbarock) und Kreuzweg auf dem Sulperg
* Kreuzkapelle (Hochbarock) am Ortsausgang Richtung Würenlos
* Katholische Pfarrkirche St. Sebastian; Historismus mit Jugendstilanklängen; im Eingangsbereich ist eine römische Inschrift aus einem Isistempel eingemauert
* Katholische Pfarrkirche St. Anton; Betonhallenkirche aus dem Jahr 1954; statt eines Chorgemäldes wird jeweils einer von sechs Bildwandteppichen gezeigt
* Bezirksschule, ein Frühwerk des Architekten Theo Hotz; musste allerdings wegen erheblicher baulicher Mängel in den 1970ern umgebaut werden
* Kulturweg Baden - Wettingen - Neuenhof mit zahlreichen zeitgenössischen Skulpturen
* Industriekulturpfad Wettingen - Windisch
* Rote Trotte an der Rebbergstrasse; unter Denkmalschutz stehende und noch in Gebrauch befindliche Trotte

Wappen
Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Im Wellenschnitt geteilt von Rot mit sechsstrahligem gelbem Stern, und von Weiss mit drei blauen Wellen.» Das erste, auf dem Siegel von 1827 abgebildete Wappen, zeigt den an einen Baum gebundenen und von Pfeilen getroffenen Heiligen Sebastian. Wenige Jahre später wurde es durch ein Wappen ersetzt, das einen Stern über einer gewellten Wasserfläche zeigte. Die heute gültige Form, die dem Wappen des Klosters Wettingen entspricht und 1667 auf der Karte des Kantons Zürich abgebildet war, wurde 1957 eingeführt.Joseph Galliker, Marcel Giger: "Gemeindewappen des Kantons Aargau." Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004. ISBN 3-906738-07-8

Bevölkerung
Bevölkerungsentwicklung: - Statistisches Amt des Kantons Aargau



Am 31. Dezember 2008 lebten 19"757 Menschen in Wettingen, der Ausländeranteil betrug 26,0 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 48,5 % römisch-katholisch, 26,9 % reformiert, 3,5 % christlich-orthodox und 3,9 % moslemisch; 1,6 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 84,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 5,1 % Italienisch, 2,3 % Serbokroatisch, 1,1 % Spanisch, 1,0 % je Albanisch und Französisch, je 0,8 % Englisch und Portugiesisch, 0,6 % Türkisch. - Statistisches Amt des Kantons Aargau

Politik und Recht

Legislative
Anstelle einer Gemeindeversammlung vertritt der von den Stimmberechtigten gewählte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 50 Mitgliedern. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des Geschäftsberichts und der Kredite. Er kann Reglemente erlassen. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Einwohnerrat wird im Proporzwahlverfahren gewählt.

Bei den letzten drei Wahlen erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:
Rathaus



Auch auf Gemeindeebene finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden, sowie das Initiativrecht zu.

Exekutive
Ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Als Vorsteher der Exekutive übt der Gemeindeammann seine Tätigkeiten im Vollamt aus, die übrigen Gemeinderäte im Nebenamt.

Die sieben Gemeinderäte der Amtsperiode 2006–2009 sind:
* Markus Dieth (CVP), Gemeindeammann
* Heiner Studer (EVP), Vize-Gemeindeammann
* Roland Kuster (CVP)
* Antoinette Eckert (FDP)
* Felix Feiner (SP)
* Yvonne Feri (SP)
* Daniel Huser (SVP)

Heiner Studer war von 1999 bis 2007 Mitglied des Nationalrats, Yvonne Feri von 1998 bis 2008 Grossrätin und Markus Dieth ist seit 2009 Grossrat.

Judikative
Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter.

Wirtschaft
In Wettingen gibt es über 7100 Arbeitsplätze, davon 1 % in der Landwirtschaft, 27 % in der Industrie und 72 % im Dienstleistungssektor. - Statistisches Amt des Kantons Aargau Bei der Betriebszählung von 2001 wurden 25 Landwirtschaftsbetriebe, 159 Industriebetriebe und 733 Dienstleistungsunternehmen registriert. In Wettingen gibt es keine grossen Konzerne, dafür aber eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Wettingen hat etwa gleich viele Weg- wie Zupendler. Viele Erwerbstätige arbeiten in Baden, im Limmattal oder in Zürich. Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) betreibt in Wettingen ein Laufkraftwerk, zu welchem eine 29 Meter hohe Gewichtsstaumauer an der Limmat zwischen Wettingen und Neuenhof gehört.

Verkehr
Öffentlicher Verkehr
Der Bahnhof von Wettingen wird durch zwei Linien der S-Bahn Zürich bedient. Die S6 fährt durch das Furttal, die S12 durch das Limmattal und dann jeweils weiter nach Baden bzw. Brugg. Weitere direkte Verbindungen führen ins untere Aaretal bis nach Waldshut und über Aarau nach Olten. Die Eisenbahnlinie nach Lenzburg wurde am 12. Dezember 2004 geschlossen. Der nächste Bahnhof mit Schnellzugshalt befindet sich in Baden.

Die Busgesellschaft Regionale Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) betreibt ein dichtes Netz von Buslinien in Wettingen, Baden und zehn weiteren Gemeinden in der Umgebung.

Individualverkehr
Südlich der Gemeinde verläuft die Autobahn A1. Wettingen ist von zwei Autobahnanschlüssen gut zu erreichen, der Ausfahrt "Wettingen-Ost" und der Ausfahrt "Neuenhof".
In Wettingen wurde 1987 der erste Kreisverkehr im Kanton Aargau eingeweiht. In der Zwischenzeit gibt es auf dem Gemeindegebiet 4 Kreisel.

Bildung
Die Gemeinde betreibt 18 Kindergärten und einen Sprachheilkindergarten.AZ vom 6. August 2009, Regionalteil Baden S. 5 Die Primarschule ist in drei Schulen mit vier Schulhäusern organisiert: Altenburg, Margeläcker und Dorf, letztere mit den beiden Schulhäusern Sulperg und Lägern. Im Schulhaus Zehntenhof ist die Realschule untergebracht, die Sekundarschule im Schulhaus Margeläcker und die Bezirksschule ist in der Alberich-Zwyssigstrasse. Seit 1976 gibt es in den Gebäuden des ehemaligen Klosters auch eine Kantonsschule (Gymnasium), die eng mit derjenigen im benachbarten Baden kooperiert. Weitere Schulen von Bedeutung sind die Heilpädagogische Sonderschule und die Volkshochschule.

Persönlichkeiten
* Urs Blöchlinger (1954–1995), Musiker
* Thomas Bodmer (* 1960), Politiker
* Markus Dieth (* 1967), Politiker
* Rainer Klausmann (* 1949), Kameramann
* Traugott Sandmeyer (1854–1922), Chemiker
* Eduard Spörri (1901–1995), Bildhauer
* Jörg Stiel (* 1968), Fussballtorhüter
* Heiner Studer (* 1949), Politiker
* Lilian Studer (* 1977), Politikerin

Siehe auch
* Brühlmeier


Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 11.12.2017 01:31 von den Wikipedia-Autoren.
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