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Versailles

Frankreich, Versailles
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ist eine französische Stadt in der Region Île-de-France mit etwa 86.000 Einwohnern. Sie ist Verwaltungssitz (frz.: chef-lieu) des Départements Yvelines (78) und seit 1801 Bischofssitz. Der elegante Wohnort im Einzugsbereich von Paris ist gleichzeitig Garnisonsstadt und einer der bedeutendsten Fremdenverkehrsorte des Landes. Er ist weltweit bekannt für das in seinen größten Teilen von dem Sonnenkönig Ludwig XIV. im 17. Jahrhundert errichtete Schloss Versailles.

Der Ursprung des Namens ist nicht geklärt. Gelegentlich wird die unbelegte Vermutung geäußert, er sei im 11. Jahrhundert von dem lateinischen "versare" (drehen, umdrehen) abgeleitet worden, und bezöge sich auf gepflügte (umgedrehte) Erde.

Geographie
Lage
Versailles liegt 22 Kilometer westlich des Nullpunktes, der sich im Zentrum von Paris auf dem Domvorplatz der Notre-Dame befindet. Es ist eingebettet in ein hufeisenförmiges Tal, das eine vom linken Ufer der Seine aufsteigende Hochebene durchschneidet. Dieses im Südosten bei Viroflay geschlossene und zum Nordwesten geöffnete, bis weit über Villepreux hinausreichende Tal erreicht seine breiteste Ausdehnung zwischen Rocquencourt und Satory. In seiner Mitte erheben sich zwei kleine Hügel: der früher höhere Montboron, welcher im Zuge des fortschreitenden Schlossbaus teilweise abgetragen wurde und der Hügel Saint-Antoine.

Die waldreichen Talhänge bilden mit dem "Bois des Fonds des Maréchaux" und dem "Bois des Fausses Reposes" im Norden, den Wäldern von Viroflay und Meudon im Osten und den Wäldern von Gonards und Story im Süden noch immer eine grüne Krone um Versailles. In früheren Zeiten erstreckten sie sich bis an den späteren Paradeplatz und das heutige Schlossgitter.

Bodenbeschaffenheit
Die Talsohle ruht auf einer von Kalkformationen und Ton bedeckten Kreideschicht. Die Anhöhe, auf der das Schloss entstand, ist von dieser Zone durch eine Sandschicht abgegrenzt. Von der auf dem Montboron liegenden Wasserscheide fließt einer der zwei "Ru" genannten Bäche im Süden am Fuß des Talhanges entlang (ru de Marival), während der andere sich früher westlich des Schlosses ausbreitete und, bedingt durch den undurchlässigen Boden, ein Sumpfgebiet mit mehreren Tümpeln bildete. Unter diesen waren der im Norden bei dem inzwischen verschwundenen gleichnamigen Dorf gelegene "Étang de Clagny" (Teich oder Weiher von Clagny) und ein "Wasserloch" im Bereich des noch heute bestehenden zweiten Küchengartens die bedeutendsten. Westlich des jetzigen Schweizersees lag ein weiterer Tümpel mit dem vielsagenden Namen "Étang puant" (stinkender Teich). Die endgültige Beseitigung dieser Sümpfe erfolgte erst in der Zeit zwischen dem Ende des 17. und der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Klima
Die ungünstige Beschaffenheit des Geländes ergänzen die nahezu ständig vom Atlantik wehenden Winde, die in das nach Westen weit geöffnete Tal eindringen und dazu führen, dass die Temperatur in Versailles ständig um 3 °C niedriger liegt als in Paris.

Geschichte
Versailles im Jahr 1746Blick über den "potager du roi" (königlicher Gemüsegarten) auf die Kathedrale Saint-Louis Kathedrale Saint-Louis, FassadeDer Marktplatz im Viertel Notre-Dame Die Tatsache, dass Versailles viel später gegründet wurde als andere, bereits in der gallo-römischen Zeit besiedelte Orte des Umkreises, könnte sich durch die vorgenannten ungünstigen geografischen und klimatischen Voraussetzungen erklären. Jedenfalls blieb Versailles das gesamte Mittelalter hindurch eine kleine, unbedeutende Ansammlung von wohl eher armseligen Häusern.

Im 16. Jahrhundert entwickelte Versailles sich dank seiner Lage an der Kreuzung von drei Straßen zu einem kleinen Marktflecken.

Am Anfang des 17. Jahrhunderts ließ Ludwig XIII. ein kleines Jagdschloss mitten im Wald errichten.

Im Jahr 1668 beschloss sein Sohn Ludwig XIV., nachdem er zuvor schon einige kleine Ausbauten an dem ursprünglichen Schloss hatte vornehmen lassen, dort seinen Regierungssitz entstehen zu lassen. In den nächsten 30 Jahren entstanden in teils waldigem, teils sumpfigem Gebiet ein Schloss und Parkanlagen, die auch noch Jahrhunderte später ein Publikumsmagnet sind. Es wurde zum Symbol des Absolutismus.

Während sich westlich des Schlosses die weitläufigen Parkanlagen erstrecken, öffnet sich nach Osten der Schlosshof zum riesigen "Place d"Armes", von welchem strahlenförmig drei 70–90 Meter breite Alleen in die Landschaft ausgreifen. Diese wurden zum Grundgerüst der Stadt Versailles, um das herum ein regelmäßiges Straßenraster mit repräsentativen Stadtplätzen angelegt wurde. Der König förderte die Besiedelung der neuen Stadt, indem er das Bauland zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellte. Es entstanden in regelmäßiger Architektur Adelspaläste, Behausungen der Hofbediensteten, Kirchen und Märkte. Die urbanistische Anlage wurde im 18. Jahrhundert zum Vorbild neuer Städte wie Washington und Rastatt.

Am 1. Juli 1815 fand in Versailles ein Gefecht im Rahmen der Befreiungskriege zwischen Preußen und Franzosen statt.

Am 18. Januar 1871 ließ sich der preußische König Wilhelm I. in Versailles zum Deutschen Kaiser ausrufen.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es dort zum Friedensvertrag von Versailles.

Das große Unwetter vom 26. Dezember 1999 verwüstete den Park, worauf ein großes Programm gestartet wurde, um die ursprüngliche Bepflanzung in ihrer Anordnung aus dem 17. Jahrhundert wiederherzustellen.

Vom 15. Mai bis 18. Mai 2003 fand in Versailles eine Bilderberg-Konferenz statt.

Dort fand am 19. September 1783 die erste Ballonfahrt mit Passagieren statt. Ein Hammel, ein Hahn und eine Ente überlebten den zwölf Minuten langen Flug auf der Montgolfiere.

Söhne und Töchter der Stadt
Die Liste ist nach Jahrhunderten und innerhalb dieser alphabetisch geordnet. Aus Gründen der Übersichtlichkeit sind die Angehörigen des Hauses Bourbon und des Hauses Bourbon-Orléans ausnahmsweise nicht wie üblich unter ihrem Vornamen, sondern unter "Bourbon" bzw. "Bourbon-Orléans" eingeordnet.

Jahrgänge 1600 bis 1699
* Karl von Bourbon (1686–1714), Herzog von Berry, französischer Thronanwärter, dritter Sohn des Grand Dauphin
* Ludwig von Bourbon (1682–1712), Herzog von Burgund, französischer Thronfolger, ältester Sohn des Grand Dauphin
* Philipp von Bourbon (1683–1746), Herzog von Anjou, späterer König "Philipp V. von Spanien", zweiter Sohn des Grand Dauphin
* Marie Luise Elisabeth von Bourbon-Orléans (1695–1719), Tochter Philipps II. von Orléans
* François Quesnay (1694–1774), Arzt und Ökonom

Jahrgänge 1700 bis 1799
* Stéphanie de Beauharnais (1789–1860), Großherzogin von Baden, Adoptivtochter Napoléon Bonapartes
* Elisabeth von Bourbon (1764–1794), genannt "Madame Élisabeth", jüngste Tochter des Dauphins Ludwig Ferdinand von Bourbon
* Karl Ferdinand von Bourbon (1778–1820), Herzog von Berry, jüngster Sohn des späteren Karls X. und letzter Dauphin von Frankreich (1824)
* Karl Philipp von Bourbon (1757–1836), Graf von Artois, späterer König "Karl X. von Frankreich", letzter französischer Monarch aus dem Haus Bourbon, jüngster Sohn des Dauphins Ludwig Ferdinand von Bourbon
* Ludwig von Bourbon (1710–1774), Herzog von Anjou, späterer "Ludwig XV. von Frankreich", König von 1715 bis 1774, Sohn des Dauphins Ludwig von Burgund
* Ludwig von Bourbon (Ludwig August, 1754–1793), Herzog von Berry, späterer "Ludwig XVI. von Frankreich", König von 1774 bis 1792, Sohn des Dauphins Ludwig Ferdinand von Bourbon
* Ludwig Anton von Bourbon (1775–1844), Herzog von Angoulême, ältester Sohn des späteren Karls X.
* Ludwig Karl von Bourbon (1785–1795), Herzog von Normandie (Titularherzog), unmündiger, abgesetzter und eingekerkerter "Ludwig XVII. von Frankreich"
* Ludwig Stanislas Xavier von Bourbon (1755–1824), Graf von Provence, späterer König "Ludwig XVIII. von Frankreich", Sohn des Dauphins Ludwig Ferdinand von Bourbon
* Maria Theresia von Bourbon (1778–1851), Madame Royale, spätere Herzogin von Angoulême, älteste Tochter Ludwig XVI.
* Ludwig Philipp von Bourbon-Orléans (1725–1785), Sohn des Herzogs Ludwig von Orléans
* Louis-Alexandre Berthier (1753–1815), französischer General und Marschall von Frankreich
* Heinrich Franz von Bombelles (1789–1850), österreichischer Diplomat, Offizier und Erzieher des späteren Kaisers Franz Joseph I.
* Charles-Michel de l’Epée (1712–1789), Gründer der weltweit ersten Schule für Gehörlose
* Hippolyte de Fontmichel (1799-1874), Komponist
* François René Gebauer (1773–1845), französischer Komponist und Dirigent
* Gaspard Gourgaud (1783–1852), französischer General
* Jean-Antoine Houdon (1741–1828), Bildhauer
* Hyacinthe Jadin (1776–1800), französischer Komponist und Professor
* Louis Emmanuel Jadin (1768–1853), französischer Komponist
* Rodolphe Kreutzer (1766–1831), französischer Violinist, Lehrer, Dirigent und Komponist
* Pierre Louis Louvel (1783–1820), Attentäter des Charles-Ferdinand, duc de Berry
* Jean-Frédéric Phélypeaux, comte de Maurepas (1701–1781), französischer Staatsmann
* André Michaux (1746–1802), französischer Botaniker und Forschungsreisender

Jahrgänge 1800 bis 1899
* François-Achille Bazaine (1811–1888), Marschall von Frankreich
* Louis Désiré Besozzi (1811-1879), Komponist
* Pierre-Marie Gerlier (1880–1965), Erzbischof von Lyon und Kardinal der römisch-katholischen Kirche
* Jacques Salomon Hadamard (1865–1963), französischer Mathematiker
* Georges Hüe (1858–1948), französischer Komponist
* Joseph Lebourgeois (1802-1824), Komponist
* Ferdinand de Lesseps (1805–1894), Diplomat, Ingenieur und Erbauer des Sueskanals
* Jules Antoine Lissajous (1822–1880), Physiker, Entwickler der Lissajous-Figuren
* Jacques de la Presle (1888-1969), Komponist und Musikpädagoge
* Armand Renaud (1836–1895), Lyriker
* Charles Texier (1802–1871), Reisender, Architekt und Archäologe

Jahrgänge ab 1900
* Nicolas Anelka (* 1979), Fußballspieler
* Stéphane Audran (* 1932), französische Schauspielerin
* Hélène Boucher (1908–1934), frühe französische Pilotin
* Michel Gondry (* 1963), französischer Film- und Musikvideo-Regisseur
* Julie Halard-Decugis (* 1970), ehemalige französische Tennisspielerin
* Jean-François Lyotard (1924–1998), französischer Philosoph und Literaturtheoretiker der Postmoderne
* Anne Tismer (* 1963), deutsche Schauspielerin und Performancekünstlerin
* Stéphane Franke (* 1964), deutscher Leichtathlet und Olympiateilnehmer

Partnerstädte
* Nara
* Puschkin, ehemals Zarskoje Selo (nahe Sankt Petersburg)

Literatur
* Sylvia Jurewitz-Freischmidt: "Galantes Versailles – Die Mätressen am Hofe der Bourbonen". Casimir Katz Verlag, 2004, ISBN 3-925825-86-X
* Olivier Bernier: "Ludwig XIV. Die Biographie." Albatross-Verlag, Düsseldorf 2003, ISBN 3-491-96085-1


Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 18.11.2018 17:43 von den Wikipedia-Autoren.
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