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Vergessen im Mittelalter

Frankreich
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Carcassonne bei Sonnenuntergang: Europas größte Festung im milden Abendlicht
Den Einwohnern Carcassonnes mag es manchmal wie den Schauspielern in Emir Kusturicas Film „Underground“ ergehen, in dem die Partisanen im Untergrund das Kriegsende verpassen und 20 Jahre später mitten in die Dreharbeiten zum Widerstandskampf platzen – nur dass in Europas größter Festung das Mittelalter nicht enden will und die 130 Bewohner der Cité zwischen Juni und August ins Schlachtgetümmel eines Turnierspektakels geraten. Freilich werden sie beim bunten Durcheinander des „Festival de Carcassonne“ (www.festivaldecarcassonne.fr) schnell merken, dass hier nicht alles mit rechten mittelalterlichen Dingen zugehen kann.
Galerie
Die Nacht hat die Herrschaft angetreten und Carcassonne gehört wieder ihren Bewohnern.

Carsassonne
Einwohner: 43.950 (Großraum 155.000)
Tourist-Info: 28, rue de Verdun, www.carcassonne-tourisme.com
Markt für Blumen Obst und Gemüse: Place Carnot, Di, Do und Sa 8 bis 12.30 Uhr
Souvenirs: Audoise, der „Likör der Katharer“ bei Cabanel – 72 allée d’léna, Mo bis Sa, 8-12, 14-19 Uhr
Festivals: Tournois de chevalerie (Turnier zu Pferde, Juli und August), Embrasement de la cité (Feuerwerk am Nationalfeiertag, dem 14. Juli, gegen 22.30 Uhr), Festival de la bastide (Unterstadt im Juli)
Moderner Tanz, Theater, Musik von Klassik bis Pop belebt seit elf Jahren das UNESCO-Weltkulturerbe. Der international renommierte Erfinder des „Reittheaters“ Bartabas mit seiner Zingaro-Truppe hat mehr zu bieten, als die sienesischen Stadtreiter, die alljährlich auf der Piazza del Campo die besten Jockeys der Stadtviertel ermitteln.

Bartabas unterrichtet seit 1989 in der Académie du Spectacle Equestre im Pariser Nordwesten weltweit ausgewählte Reitschüler interdisziplinär in Musik, Gesang, Tanz, Kampfsport und Kunstfechten. Die derart universal gebildeten Meisterschüler legen auf ihren Lusitaner-Pferden atemberaubende Akrobatik aufs sandige südfranzösische Parkett.
Markt in Carcassonnes Unterstadt.

Zur Strafe ins Exil der Unterstadt
Eigentlich sollte man meinen, dass die 14 Türme des äußeren Mauerrings und die 24 Türme des inneren weit sichtbar die Landschaft überragen. Ganz so einfach macht es Carcassonne seinen Besuchern freilich nicht. Die Hügellandschaft rund um die Cité verbirgt das UNESCO-Weltkulturerbe (seit 1997) länger als einem lieb ist – nachdem wir Stadtmauerreste in der Unterstadt entdeckt haben, irren wir sogar eine Zeit lang durch diese Ville basse am anderen Ufer der Aude, wo Ludwig der Heilige den Carcassonnern erlaubte, sich nach sieben Jahren Exil als Strafe für ihre Unterstützung des katharischen Trencavel-Erbens wieder in Heimatnähe niederzulassen. Eine Gemüsehändlerin klärt uns mit schüttelnder Hand über den Irrtum auf und schickt uns auf den rechten Pfad über die Brücke zu den Parkplätzen vor der monumentalen Anlage.

Wenn man dann einen Zwirl reingebracht hat, kann man schon mal die richtige Abfahrt auf der Brücke verpassen, beim Wenden feststellen, dass man nicht links abbiegen darf, und anschließend in ein Einbahnstraßenlabyrinth geraten, das immerhin unter der besagten Brücke endet. Und da ist sie dann endlich, die eine Ansicht, die für alle Mühen entschädigt und die wir ohne Irrweg nie gefunden hätten – das vieltürmige Panorama der Festung vor der geduldig dahin fließenden Aude.

Natürliche Lichtspiele: Coelinblauer Himmel über Carcassonne.

Gnade der späten Ankunft
Die späte Ankunft gegen 19 Uhr erweist sich als wahrer Segen – nicht nur, dass der Parkplatz nichts mehr kostet, vor allem sind die Busse mit Scharen von Touristen bereits abgefahren, so dass wir es uns mit dem Rest der Verbliebenen, die es wie wir eher auf das Savoir vivre als auf das Abarbeiten der touristischen Pflichtaufgaben abgesehen haben, gemütlich machen können. Die gewaltige Porte Narbonnaise hält alles bereit, was des Knaben Ritterburgenherz begehrt: Zwei mächtige Türme flankieren das einzige Tor, durch das sich die Renaults der Einheimischen wie vor Jahrhunderten die Fuhrwerke der Händler quetschen.

Lieber Gris de Gris als ausgedürstet
Die Abendsonne taucht selbst die Souvenirläden mit mehr oder weniger „Kunst“-Handwerk und unwiderstehlichen Delikatessen in den vielen Gassen, die die Rue Cros-Mayrevielle hoch zur Burg kreuzen, in ein mildes Licht. Eine Schule, das Postamt und die Lebensmittelläden beweisen, dass die Handvoll Ureinwohner nicht nur für uns kocht und kitschige Andenken vorrätig hält. Gut, die mächtige Festung innerhalb der Festung, das Château Comtal, müssen wir uns ein andermal zu Gemüte führen (Öffnungszeiten siehe www.monum.fr). Von außen wirkt die im 12. Jahrhundert von Bernard Aton Trencavel an der gallo-römischen Stadtmauer errichtete Burg jedenfalls ziemlich uneinnehmbar – zumal sie 1226 nach der Angliederung an Frankreich zur Zitadelle ausgebaut und von Ludwig dem Heiligen durch einen zusätzlichen Graben und eine große Barbakane, einen halbkreisförmigen Turm, verstärkt wurde.

Doch was hilft alle Uneinnehmbarkeit, wenn man dann selbst wegen Wassermangels aufgeben muss? Deshalb gefällt uns der Blick auf die Stein gewordene
Von jeder Terrasse ein atemberaubender Blick auf die uneinnehmbare Festung.
Geschichte von der Terrasse des Restaurants Adelaide (5 rue Adelaide de Toulouse, La Cité, 11000 Carcassonne, +33 (0)468476661) ausnehmend gut, weil wir mit je einer Flasche Gris de Gris und Perrier gewappnet diesem Schicksal nicht entgegen dürsten. Der Moment der Wahrheit rückt näher: Wir kosten das Nationalgericht des Languedoc, das in allen erdenklichen Varianten allgegenwärtige Cassoulet. Und erfreuen uns eines offensichtlich in einer dreitägigen Prozedur selbst und frisch hergestellten Eintopfgerichts auf der Basis gequollener, anschließend rösch überbackener weißer Bohnen, gekrönt mit einem Entenbein und einer heimischen Wurst. Lassen Sie es mich so sagen: Wenn man Eintopf mag, bekommt man nirgends außer natürlich bei Mme, Stoltenberg (siehe „Lassen Sie sich treiben!“), besseres Cassoulet.

Die Tour des Tours
Ein Verdauungsspaziergang führt uns zunächst an der beeindruckenden Basilique St-Nazaire mit tonnengewölbtem romanischen Langhaus (1006 von Papst Urban VI. gesegnet) sowie dem eleganten, lichtdurchfluteten gotischem Querhaus und Chor vorbei – das wohlproportionierte Baukunstwerk krönen einige der schönsten Glasfenster des Midi und meisterhafte Skulpturen. Anschließend verlassen wir bei der quadratischen Tour St-Nazaire durch die gleichnamige Porte de Cité und folgen dem Verlauf der Stadtmauer entlang der Lices Hautes, dem Oberen Zwinger, bis zur Tour du Trésau: Pferdeäpfel allenthalben verströmen mittelalterliches Aroma.
Zwischen den Mauern: Pferdebahn zwischen innerer und äußerer Befestigung.

Der Untere Zwinger, Lices Basses, führt an der westgotischen Nordfront, dem ältesten Teil der Anlage, vorbei, wo die hohen Türme innen im Gegensatz zu den Spitzdächern der von Viollet-le-Duc später gestalteten Turmbauten mit typisch südfranzösischen Flachdächern bedeckt sind. Wir passieren das Schloss und kommen zur runden Tour de la Justice, in der sich die Trencavels, die Schutzherren der Katharer, vor dem Kreuzfahrerheer des Simon von Montfort verbarrikadierten.

Auf dem Weg zur stark befestigten Porte d’Aude, dem Haupttor des Zwingers, kreuzen wir noch die quadratische Tour carrée de l’Évêque, die, nomen est omen, dem Bischof vorenthalten war, sowie die Tour de l’Inquisition – an den Sitz des vermaledeiten Inqusitionsgerichts erinnern noch ein Mittelpfeiler mit Ketten und ein Verlies.
Dieser Artikel ist Teil der Tour "Tour de Midi"
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