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Verdrängt bis vergessen - wo es im Organspende-System knirscht Interview: Ulrike von Leszczynski, dpa

Deutschland
13.01.2018
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Unter einer Million Menschen in Deutschland haben 2017 weniger als zehn nach ihrem Tod Organe gespendet. Rund 1000 Menschen auf den Wartelisten starben. Wo liegen die Fehler im System?

Berlin (dpa) - 2017 ist für die Deutsche Stiftung Organtransplantation ein dramatisches Jahr. Mit nur 797 Organspendern sank die Zahl auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand, sieht die Ursachen weniger im Unwillen der Bevölkerung. Er vermisst den Fokus in Kliniken.

Frage: Liegt der Rückgang von Organspenden am Unwillen der Bevölkerung? Und vielleicht immer noch an den Manipulationen der Wartelisten, die 2012 bekannt wurden?

Antwort: Nein, das sehe ich nicht als Hauptgrund. Wenn wir jetzt nach der Bereitschaft fragen und auch auf die Zahl der Organspendeausweise schauen, dann zeichnet sich eine positive Entwicklung ab. Es kommt jetzt häufiger vor als früher, dass der Wille eines verstorbenen Patienten bekannt ist. Nicht immer schriftlich. Aber in den Familien wird mehr über Organspende gesprochen. Bei potenziellen Spendern, von denen wir wissen, lag die Ablehnungsrate 2017 bei 27 Prozent. Damit liegt sie niedriger als vor einigen Jahren. 2012 waren es 32 Prozent.

Frage: Woran liegt die immer dramatischere Lage dann?

Antwort: In Deutschland ist Organspende noch immer zu sehr vom individuellen Engagement einzelner Ärzte in den Kliniken abhängig. Von zentraler Bedeutung ist die Behandlung am Lebensende - wenn es keine Überlebenschance mehr für einen Patienten mit kompletter Hirnschädigung gibt. Bevor intensivmedizinische Maßnahmen eingestellt werden, sollte immer auch an Organspende gedacht und darüber gesprochen werden. Das ist im Klinikalltag nicht immer der Fall. Das bedeutet nicht, dass sich Kliniken bewusst der Organspende verweigern. Die Ursachen liegen vielmehr in den enormen Leistungsverdichtungen in den Krankenhäusern, am Druck auf den Intensivstationen und im Personalmangel.

Frage: Aber es gibt doch im Organspende-System in jeder beteiligten Klinik Transplantationsbeauftragte. Was läuft da schief?

Antwort: Die Rolle der Transplantationsbeauftragten muss gestärkt werden. Dazu gehört aus unserer Sicht zunächst eine definierte und verbindliche Freistellung von anderen Tätigkeiten in einer Klinik. Die gibt es in klarer Form bisher nur im Landesausführungsgesetz in Bayern. Interessanterweise ist Bayern auch das Bundesland, in dem es 2017 zu einer deutlichen Steigerung der Organspenden gekommen ist - um 18 Prozent. Das ist eine auffällige Koinzidenz. Denn die Freistellung wurde in Bayern im Januar 2017 eingeführt. Das könnte ein Vorbild für andere Bundesländer sein.

Frage: Wie sieht die Lage in diesen Ländern aus?

Antwort: Es gibt eine Untersuchung aus Nordrhein-Westfalen. Sie zeigt, dass Transplantationsbeauftragte vor einer Einstellung der intensivmedizinischen Maßnahmen bei Patienten mit schwerster Hirnschädigung in weniger als 15 Prozent der Fälle eingebunden wurden.

Frage: Für die Organspende gibt es rund 1250 Entnahmekliniken in Deutschland. Hören Sie von einigen denn gar nichts?

Antwort: Nicht jeder Patient mit schwerer Hirnschädigung entwickelt einen Ausfall aller Hirnfunktionen. Es kann durchaus Krankenhäuser geben, die in einem Jahr keinen potenziellen Organspender haben. In 2017 erfolgte aus nahezu 700 Kliniken keine einzige Meldung. Da gibt es nach unserer Einschätzung Potenzial für noch mehr Zusammenarbeit. Ein kleiner Lichtblick ist, dass die Zahl der Spendermeldungen der Kliniken im Vergleich zum Vorjahr zugenommen hat.

Frage: Wenn Kliniken partout kein Interesse an Organspende haben - können sie sich dann vom System abmelden?

Antwort: Die Entnahme-Kliniken werden von den Landesministerien benannt. Damit haben sie den gesetzlichen Auftrag, Organspenden umzusetzen. Bei der Entscheidung geht es nicht um das Interesse von Kliniken oder anderen Organisationen. Es geht einzig darum, was ein Patient am Lebensende wollte. Und wenn er durch eine Organspende anderen Menschen ein neues Leben schenken wollte, dann ist es unsere gesellschaftliche Pflicht, diesen Wunsch auch umzusetzen.

Zur Person: Axel Rahmel, Jahrgang 1962, studierte Medizin in Göttingen und arbeitete nach seiner Promotion als Kardiologe in Münster und Leipzig. 2005 bis 2014 war er Medizinischer Direktor der Stiftung Eurotransplant in den Niederladen, die in ihren Mitgliedsstaaten passende Spenderorgane an Empfänger vermittelt. Seit 2014 ist Rahmel Medizinischer DSO-Vorstand.

 

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