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Russland-Trainer Ricco Groß: Wir leben mit der Situation Interview: Volker Gundrum, dpa

Russland
07.12.2017
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Nach dem IOC-Entscheid steht auch Russlands deutscher Biathleten-Trainer Ricco Groß im Blickpunkt. Beim Weltcup in Hochfilzen hat der viermalige Olympiasieger erstmals Stellung bezogen.

Hochfilzen (dpa) - Seine Sportler seien traurig gewesen nach dem IOC-Urteil, sagte Russlands Biathlon-Trainer Ricco Groß am Donnerstag beim Weltcup in Hochfilzen. Der viermalige Olympiasieger und neunmalige Biathlon-Weltmeister ist seit 2015 Trainer der russischen Männer-Mannschaft. «Im Grunde genommen, dürfen sie starten, und das ist viel wichtiger. Jetzt leben wir mit der Situation», sagte Groß im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Mir geht es in erster Linie um die Sportler, da werde ich alles tun, um zu helfen.»

Frage: Wie betroffen war Ihre Mannschaft nach dem IOC-Urteil?

Antwort: Wenn man Sportler einer Nation ist, egal welcher, und erfährt dann, dass man, wenn man teilnehmen darf, nur ohne Fahne teilnehmen darf, dann ist Trauer im ersten Moment das, was die Sportler zum Ausdruck bringen. Aber im Grunde genommen, dürfen sie starten, und das ist viel wichtiger. Jetzt leben wir mit der Situation.

Frage: Haben Sie mit Ihrer Mannschaft darüber gesprochen?

Antwort: Mir geht es in erster Linie um die Sportler, da werde ich alles tun, um zu helfen. Wir haben im Team darüber gesprochen, wir werden weiter darüber sprechen. Das ist ja ganz klar, so eine Sache ist nicht an einem Abend ausdiskutiert. Aber einige Sachen müssen sich erst mal setzen und auch noch grundsätzlich entschieden werden. Etwa wie verhält sich das russische Olympisches Komitee?

Frage: Können Sie die IOC-Entscheidung, so wie sie gefallen ist, nachvollziehen?

Antwort: Ja natürlich.

Frage: Wie überrascht waren Sie, dass Putin es dem Athleten überlassen hat, ob er an den Start gehen kann oder nicht?

Antwort: Das ist ja auch ein Hauch von Demokratie, der in Russland eingezogen ist, wenn den Sportlern das freigestellt wird, ob sie starten oder nicht.

Frage: Haben Sie Sorge, dass ihre Sportler nicht starten dürfen, weil die vom IOC vorgegebenen Testkriterien nicht erfüllt wurden?

Antwort: Schon in den letzten Jahren habe ich immer wieder betont: Unsere Trainingskurse fanden in Mitteleuropa statt, sämtliche Möglichkeiten der Kontrolle waren gegeben. Mehr kann ich als Trainer nicht tun.

Frage: Mit Alexander Loginow gehört ein Athlet zu Ihrem Weltcup-Team, der eine Dopingsperre abgesessen hat.

Antwort: Wenn ich die Regeln, die aufgestellt wurden, richtig gelesen habe und interpretiere, dann darf er bei Olympia nicht starten.

Frage: Ist es dann für Sie als Trainer einfacher, wenn ein positiv getesteter Skijäger im Olympia-Aufgebot nicht dabei ist?

Antwort: Es geht nicht nur um Skijäger, man sollte diese Regel für alle positiv getesteten Athleten - im Sommer wie im Winter - weltweit anwenden.

Frage: Wie genervt sind Sie, sich immer wieder mit diesem Thema auseinandersetzen zu müssen?

Antwort: Es ist halt so. Aber es ist ein Thema, das jetzt nicht nur die russische Mannschaft betrifft. Das habe ich letztes Jahr schon gesagt, das habe ich vorletztes Jahr gesagt - das Thema Leistungssteigerung ist nicht nur in Russland ein Thema, das ist ein Problem weltweit.

Zur Person: Ricco Groß ist seit 2015 Trainer der russischen Biathlon-Männer. Der viermalige Olympiasieger und neunmalige Weltmeister ist damit einer der erfolgreichsten deutschen Wintersportler.

 

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