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Wie das rumänische Leben so spielt

Rumänien
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Vom Vampirmythen, kleinen Diktatoren, überwundenen Klischees und dem echten Rumänien
Rettet die Klischees! Sind nicht sie unsere rettenden Inseln in einem riesigen, schwarzen Meer des Unwissens. Warum sollten wir dann ausgerechnet den berühmtesten Sohn des Landes unterm Sargdeckel verstecken, wie eine geheime Verschlusssache?
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Und schließlich: Der Name Dracula ist heute nicht nur Garant für Bestsellerlisten, Knoblauch-Hochkonjunktur und prickelnde Gänsehaut. Er ist Maskottchen des transsilvanischen Tourismusmarketings, das der Welt eine neoromantische Gruselburg vermachte. Welcher andere Fürst des 15. Jahrhunderts kann heute noch so eine magnetische Wirkung für sich beanspruchen. Wer aber war der Mann, den Bram Stoker im wahrsten Sinne des Wortes unsterblich machte – wenn auch mit den Mitteln der schaurigen Pulp Fiction?

Vlad III. Drăculea, später auch unter dem Beinamen Ţepeş – der Pfähler – gefürchtet, hätte sich mit dem bekannten Porträt eines anonymen Künstlers bei jedem Gruselschocker-Casting durchgesetzt. Die schwarze, lockige Mähne flankiert ein bleiches Gesicht, dessen Oberlippe ein zigarrenförmig gezwirbelter Schnauzer verdeckt. Gut, der junge Mann hatte es auch nicht leicht in seiner Kindheit. Als Geisel des Sultans machte der störrische Heranwachsende des Öfteren Bekanntschaft mit der Peitsche. Bei dieser Gelegenheit lernte er auch die Strafmethode des Pfählens kennen, die er später zu einer regelrechten transsilvanischen Spezialität entwickelte – so ließ er 30 000 widerständischen Deutschen den Pfahl behutsam in den Hintern treiben, bis er, ohne lebenswichtige Organe zu touchieren, aus dem Mund wieder austrat. So konnte das Sterben mitunter Tage dauern.


Sohn des Drachen
Insignien des Drachenordens.
Wie so mancher Psychopath war auch der Sohn des Drachen, wie sich sein Vorname übersetzen lässt – sein Vater Vlad II. war Mitglied des Drachenordens –, von der Richtigkeit seines Tuns überzeugt. Immerhin gelang es dem Gewaltherrscher, die staatliche Ordnung wiederherzustellen. Besonders stolz war er auf die abschreckende Wirkung seiner drakonischen Strafen: Mitten am Marktplatz in Târgovişte stand ein goldener Kelch zum Wasserschöpfen und Zeit seines Lebens wagte es kein Untertan, die Preziose zu entwenden. So viel zu einem weiteren Klischee: Auch wenn die Kriminalitätsrate in Großstädten armutsbedingt etwas höher als in Westeuropa ist, so dürfen sich Reisende in Rumänien heute doch fast so sicher fühlen wie zu Zeiten Vlads – der gastfreundlichen Landbevölkerung können Sie Ihren Wagen samt Schlüssel anvertrauen. Was könnte schöner sein, als ein Klischee mit einem anderen auszutreiben?

Wie das Leben manchmal so spielt, hätte ein anderer Diktator gerne seine Zähne in die großen Gebissabdrücke des berühmten Drachensohns geschlagen. Nicolae Ceauşescu tat alles dafür, Leben und Werk des Pfählers reinzuwaschen und sein hartes, aber gerechtes Regime als direkten Vorläufer des Ceauzialistischen Rumäniens zu interpretieren. Wen wundert es da noch, dass sich der kleine Tyrann 1989 zunächst dem Unmut seines Volkes durch eine Flucht nach Snagov, der vermeintlichen Grabstätte Vlads, zu entziehen suchte – um dann ausgerechnet in Târgovişte, dem Ort mit dem Kelch, gestellt und standesrechtlich erschossen zu werden. Dieses blutige Ende einer besonders perfiden Deformation der sozialistischen Idee passt ganz gut zu der operettenhaften Politik, die manchmal einer „Gothic Novel“ entsprungen schien – man denke nur an die inzwischen deutlich verbesserten, damals aber jeder Beschreibung spottenden Zustände in den rumänischen Kinderheimen.

Im toten Winkel
Rumäniens Geschichte – wie die anderer Balkanstaaten – hat sich über Jahrhunderte im toten Winkel der großen europäischen Entwicklungslinien abgespielt. Die Epoche der Aufklärung, der allmählichen Demokratisierung und der Emanzipationsbewegungen und Sozialen Initiativen des 20. Jahrhundert ist am einzigen romanischen Land Südosteuropas, wenn auch nicht spurlos, so doch vorübergegangen. So gesehen landete Rumänien 1989 mit einem großen Satz in der Moderne und hat sich vor diesem Hintergrund wacker geschlagen. Natürlich machen der EU die galoppierende Inflation und die Korruption Sorgen – aber da gibt es ein ganz andere, ehrenwerte Gesellschaft, wie Griechenland, Italien – oder mit Blick auf das Geschäftsgebaren des Weltkonzerns Siemens oder der großzügigen Steuerpolitik trotz Rekordverschuldung auch Deutschland, die wenig Grund haben, mit schmutzigen Fingern auf andere zu deuten. Die Wirtschaftsreform nach der Wende hat zu sichtbarem Wohlstand in den Städten geführt, die Infrastruktur in vielen Landesteilen wurde mit europäischer Hilfe ganz ordentlich in Schuss gebracht.

Abseits der großen Städte jedoch – und das ist keine Kritik, sondern eine Einladung – scheint in vielen Dörfern die Zeit stehen geblieben zu sein. Sicher, was für uns Romantiker im Vorbeifahren das Herz höher schlagen lässt, ist für die Menschen harte Arbeit: Da werden Felder von Menschenhand gepflügt, Schafherden blockieren für Stunden Landstraßen und mit dem ganzen Stolz des Schöpfers schenkt der verschmitzt lächelnde Bauer Nicolae Bălcesu ein Glas nach dem anderen mit seinem selbst gebrannten Sliwowitz nach. Jetzt kommen Sie nur nicht auf den Gedanken, man müsse Mitleid mit dieser armen, alkoholgefährdeten Landbevölkerung haben! Von ihr können wir jede Menge Gelassenheit lernen, eine bei uns vergessene Kunst des Uomo universale, alles ein wenig zu beherrschen und jedes Gerät wieder in Gang zu setzen, anstatt es sofort in den Plastikmüll zu schleudern. Ganz zu schweigen von der Lebensfreude dieser Individualisten, die den ganzen Tag an der frischen Luft wissen, wofür sie arbeiten – und die abends nach dem Essen Feste feiern, die gutbürgerliche deutsche Hausmusikkreise vor Neid erblassen ließen. Da wird miteinander auf einem Niveau musiziert, das alle „Supertalent“-Casting-Shows der Welt als das erscheinen lassen, was sie sind: postdekadenter Trash.

Wohltemperierte Balance
Nicht weit von Braşov befindet sich Draculaschloss.
Urlauber, die einen Schuss Abenteuer und Exotik erleben wollen, ohne gleich in ein Krisengebiet reisen zu wollen, finden in Rumänien die wohltemperierte Balance zwischen wilden Ecken im Karpatenbogen mit herrlichen Wanderstrecken, Mountainbike-Touren und Skigebieten und touristisch erschlossenen geschichtsträchtigen Städten wie Sibiu, der Europäischen Kulturhauptstadt 2008, die Deutschordensgründung Braşov, das geistige Zentrum der Siebenbürger Sachsen, oder das angebliche Draculae-Schloss Bran, das der Pfähler zwar wahrscheinlich nie betreten hat, was aber der schwunghaften Vermarktung in der Budenstadt vor der wehrhaften Festung keinen Abbruch tut. Das Land mit einer Fläche, die annähernd der Großbritanniens entspricht, lässt sich in drei große, geographische Regionen einteilen:

  •  Der mächtige Karpatenbogen, der von der Ukraine herunter nach Zentralrumänien verläuft, um sich dann weiter nordwärts zu kräuseln
  •  Westlich davon verteilen sich auf großen Plateaus zwischen sanften Hügeln Städte und Dörfer.
  •  Östlich des Gebirges breitet sich die Tiefebene mit der landwirtschaftlich meistgenutzten Fläche aus, die dort, wo sich die Donau ins Schwarze Meer ergießt, in Europas zweitgrößter Deltaregion kulminiert – ein UNO-Weltnaturerbe.
Rumänien hat annähernd 600 geschützte Gebiete einschließlich 13 Nationalparks und drei Biosphärenreservate mit insgesamt 12 000 Quadratkilometern ausgewiesen. Beheimatet sind 33 792 Tierarten wie Bären, Dachse, Gamsen, Luchse und Wölfe. Das Donaudelta ist ein großes Drehkreuz für zahllose Vogelarten und Lebensraum von 60 Prozent der weltweiten Population der Zwergkormorane.

Die historischen Regionen
Die historischen Regionen haben heute keine Verwaltungsfunktion mehr – als touristische Orientierung spielen sie dennoch eine Rolle:
Transsilvanien, die verschneite Hermannstadt.
  • Ehemaliges Fürstentum Walachei: Mit der Kleinen Walachei (Oltenien) und der Großen Walachei (Muntenien)
  •  Siebenbürgen (Transsilvanien)
  •  Banat: Der westliche Teil liegt in Serbien, ein Zipfel im Nordwesten in Ungarn.
  •  Kreischgebiet: Der westliche Teil der Crişana liegt in Ungarn.
  •  Maramureş: Identisch mit einem Teil des heutigen rumänischen Kreises Maramureş. Der nördliche Teil liegt in der Ukraine.
  •  Sătmar: Liegt im heutigen rumänischen Kreis Satu Mare, umfasst auch Teile des Kreises Maramureş.
  • Ehemaliges Fürstentum Moldau: Die Region Moldau (im Unterschied zur „Ostmoldau“ auch als Westmoldau bezeichnet) ein kleiner Teil, das Herza-Gebiet, liegt heute in der Ukraine.
  •  Bukowina (Buchenland): Der nördliche Teil liegt in der Ukraine.
  •  Dobrudscha (der südliche Teil liegt in Bulgarien)
Überblick
 

 

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