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Rätselhaftes Moldawien

Moldawien
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Das „Niemandsland“ zwischen Rumänien und der Ukraine sucht seine Identität
Schon der Name ist Programm. Als ob die Erfinder dieses Landes den Rest der Welt narren wollten, wie weiland Odysseus den Zyklopen. Dieser hatte auf die Frage „Wer ist da?“ – „Niemand“, geantwortet. Moldawien oder Moldau, wie die Republik auch genannt wird, hat auch etwas von einem europäischen Niemandsland an sich. An der Moldau jedenfalls, die im Böhmerwald entspringt und nach Prag in die Elbe mündet, an diesem ähnlich klingenden Fluss liegt unser Moldawien gewiss nicht.
Galerie
Der Fluss Pruth markiert die gesamte Grenze zwischen Rumänien und Moldawien und mündet in die Donau.

Immerhin, es gibt noch einen zweiten Fluss dieses Namens, Moldava oder Moldau, im Nordosten Rumäniens, was uns Moldawien schon näher bringt. Dieser nämlich dürfte Namenspatron für das alte Fürstentum Moldau gewesen sein, auf dessen Erbe sich Rumänen und Moldawier gleichermaßen berufen. Gemeinsam haben die zwei Nationen, deren Mehrheitsbevölkerung rumänisch – oder zumindest einen rumänischen Dialekt – spricht, auch den Nationalheiligen Stephan den Großen, dessen Fürstentum 1457 bis 1503 eine politische, kulturelle und wirtschaftliche Blüte erlebt. Die letzten Jahre seiner Herrschaft gelingt ihm de facto die Unabhängigkeit von Polen – dessen Funktion wir hier mal aussparen wollen –, die bald nach seinem Tod allerdings in ein Vasallentum mit innerer Autonomie gegenüber den Türken mündet.

Vorbei mit der autonomen Herrlichkeit
Endgültig vorbei mit der autonomen Herrlichkeit ist es, als Moldawien im 18. Jahrhundert zwischen den Interessensphären Russlands, Österreichs und der Türkei zerrieben wird. Zu einer zwischenzeitlichen Wiedervereinigt kommt es 1859 unter dem Dach eines rumänischen Staates. Kurz und gut, zwei Weltkriege später findet sich Moldawien zerrissen wie eh und je, aufgeteilt diesmal zwischen Rumänien und der Sowjetunion.

Und auch die erneute Souveränität des Landes nach dem Zusammenbruch der UdSSR führt schnell zur Debatte, ob nicht erst ein Anschluss an den westlichen Nachbarn, den moldawischen Knoten lösen könne. Die fatalen Folgen: Proteste der ukrainischen und russischen Minderheit, die Abspaltung des kleinen östlichen Streifens jenseits des Flusses Dnister (rum. Nistru), sprich Transnistrien, sowie bürgerkriegsähnliche Zustände, die inzwischen mit Unterstützung der EU und Russlands wenn nicht befriedet, so doch wenigstens in Schach gehalten werden können.

Der legendäre Fürst Dragoş
Fürst Dragoş.
Um die Verwirrung komplett zu machen: Gegründet worden sein soll einer Legende zufolge das Fürstentum von einem lokalen ungarischen Fürsten namens Dragoş. Der Auerochse, den er während einer Jagd verfolgt und der ihn hierher geführt habe, hat es nach der Gründung des Fürstentums Moldawien verdientermaßen bis ins Staatswappen geschafft – sein Schädel zierte alle moldawischen Flaggen. Als dann freilich im 14. Jahrhundert das walachische Fürstenhaus Besarab das Land erobert, kommt auch noch der missverständliche Begriff Bessarabien ins Spiel, das man sich keinesfalls als Scheichstaat vorzustellen hat.

So viel Geschichte muss sein, um von vornherein deutlich zu machen: Wir sollten uns erst gar nicht in die diversen Historikerstreitigkeiten verschiedener Interessengruppen einmischen. Für unsere Betrachtung reicht es zu wissen: Die Geschichte ist kompliziert, die historische Region Moldawien gab es wirklich und sie teilt sich heute auf zwei plus X Staaten – wir beschäftigen uns hier mit dem Anteil der Republik Moldawien und ihrer Abspaltungen.

Abenteuer Weinverkoster
Wer hier herkommt, kann mit Sicherheit nicht als bornierter Pauschaltourist geschmäht werden: Er nimmt eine instabile, wenngleich auch keine akute Gefahrenlage in Kauf, um dafür zu erstaunlich westlichen Preisen einige der besten Weine Europas in den Kellern Mileştii Micis und Cricovas zu kosten und um als Vorreiter der Michelin-Tester eine – weitere Überraschung – durchaus gediegene Restaurant- und Clubszenerie in der Hauptstadt Chişinău in Augenschein zu nehmen.

Das kleine Binnenland, kaum größer als das deutsche Bundesland Brandenburg, mit seinen sanften, hügligen Steppen, zum Schwarzen Meer hin, dessen es Küste es nicht mehr ganz erreicht, leicht abfallend, verfügt über außerordentlich frucht- und kultivierbare Böden. Getreidefelder, Obst- und Sonnenblumenplantagen sind charakteristische Wegbegleiter. Das Kernland zwischen den zwei großen Flüssen Dnister und Pruth beherbergt fünf so genannte wissenschaftliche Naturreservate und 30 Naturschutzgebiete mit 16 500 Tierarten, alten Buchen- und Eichenwäldern. Moldawische Umweltgruppen haben sich um den Erhalt der Feuchtregionen entlang des Unterlaufs der beiden Flüsse verdient gemacht.

Herzhafte Kost
Pelmeni: die mit Fleisch gefüllte Teigtaschen.
Die Moldawier lieben es herzhaft, die Küche ist kalorienreich und nichts für Diätisten und Veganer. Der russische Einfluss füllt die Supermarktregale mit eingemachten Früchten und Gemüsen. In jedem Restaurant bekommt man pelmeni, die russsiche Variante gefüllter Ravioli. Die Türken haben mit der ausgezeichneten sorpa, einer würzigen Rahmsuppe, besonders im Süden ihre Visitenkarte hinterlassen.


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