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Radom

Polen, Radom
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"Radom" ist eine kreisfreie Großstadt der Woiwodschaft Masowien im zentralen, leicht südöstlichen Teil Polens – rund 100 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Warschau zwischen der Weichsel und dem Fuß des Heiligkreuzgebirges. Radom hat sieben Hochschulen und ist bedeutender Verkehrsknotenpunkt der Linien Warschau–Krakau sowie Łódź–Lublin.

irtschaf
Die metallverarbeitende Industrie, die bis 1989 das wirtschaftliche Bild Radoms bestimmte, existiert in dieser Form nicht mehr, so dass Radom als Industriestadt von relativ hoher Arbeitslosigkeit betroffen ist.

eschicht
Radom wurde 1155 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Blütezeit der Stadt lag am Ende des 15. Jahrhunderts, als der polnische König Kasimir IV. die Stadt zu seiner Residenz machte.
Mit der Dritten Teilung Polens 1795 wurde Radom Österreich zugeschlagen. 1809 bis 1815 gehörte es zum Herzogtum Warschau und danach zum Königreich Polen, das unter russischer Herrschaft stand.

Schild am Eingang eines Ghettos im Distrikt Radom, das Deutschen verbietet, das Ghetto zu betreten (1941)
Im September 1939 fand im Raum Radom eine Kesselschlacht statt, in der technisch unterlegene polnische Truppen von deutschen Panzerverbänden aufgerieben wurden. Während der deutschen Besatzung betrieben die Deutschen hier ein Außenlager des KZ Majdanek, das KZ Skolna sowie ein Sammellager, das Ghetto Radom mit 30.000 Bewohnern. Zu den verantwortlichen Offizieren gehörten unter anderem Karl Oberg, Erich Kapke, Fritz Katzmann, Wilhelm Bluhm, Hermann Weinrich und Herbert Böttcher, die später als Kriegsverbrecher verurteilt wurden. Zivilverwalter der Stadt war der Nationalsozialist Fritz Schwitzgebel aus Saarbrücken.

1939–1945 war Radom Sitz des Distrikts Radom im Generalgouvernement. Ende 1943 übernahm die DAW Deutsche Ausrüstungswerke polnische Häftlinge im Generalgouvernement sowie die Industriebetriebe in Radom.

Am 16. Januar 1945 wurde Radom von der Roten Armee eingenommen. Die an ihrem Wohnort gebliebenen Deutschen wurden teilweise vertrieben oder ermordet.
Die Arbeitsfähigen mussten in den Industriewerken in Radom oder auch in der Landwirtschaft Zwangsarbeit verrichten. Im Frühjahr 1945 wurden die arbeitsfähigen deutschen Männer zu Trupps zusammengestellt und zu Aufbauarbeiten in die Sowjetunion verbracht.

1976 kam es in Radom zu Arbeiterunruhen, die von Sicherheitskräften niedergeschlagen wurden.

Evangelisch-Augsburgische Gemeinde Radom

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich in und um Radom evangelische Deutsche an. So gründeten sie um 1815 die pommerschen Dörfer Pelagiów und Soltyków. Später folgten noch nachstehende Kolonien: Blonie und Zabierzów 1838, Małe Studnie und Bobrowniki 1839, Józefów bei Radom und Bartodzieje 1842, Polesie, Pająków und Leokadiów nach 1870. Bis zum Jahr 1826 hatten die Evangelischen in und um Radom weder Kirche, Pfarrhaus noch einen eigenen Pastor. Zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse suchten sie entweder die lutherische Kirche in Wengrow auf oder die dortigen Pastoren Goburek bzw. Haupt kamen nach Radom zu Hauptgottesdiensten oder zur Verrichtung von Amtshandlungen. Aber infolge der weiten Entfernung und schlechten Wege war dieser Zustand auf die Dauer untragbar. Und so wünschten hier die Evangelischen die Bildung eines neuen Kirchspiels. Evangelisch-Augsburgische Gemeinde entstand am 30. September 1826. 1827 kaufte die Gemeinde eine ehemalige Benediktinerkirche, die zur Zeit ein Theater war. Die Gebäude wurde zum evangelischen Kirche ausgebaut. Am 15. August 1828 wurde die Kirche eingeweiht.

Evangelisch-Augsburgische Kirche in Radom
1827 wohnten in der Stadt 1442 Lutheranern und 21 Reformierte. Pastor Julius Krauze eröffnete in Radom eine evangelische Schule die am 8. Januar 1843 in eine Elementarschule umgewandelt wurde. 1834 wurde der evangelische Friedhof gegründet. 1887 schenkte Frau Pastor Wüstehube der Gemeinde eine Orgel. In der Zeit 1893-1895 wurde der Um- und Ausbau der Kirche durchgeführt. Die Ausgaben sind größtenteils durch freiwillige Gaben bestritten worden. Leokadiów, das größte Kantorat der Gemeinde, besaß einen geräumigen Betsaal mit einem Glockenturm. 1938 wurde der Betsaal niedergebrannt.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Eingepfarrten fast alle nach Russland verschleppt. 1918-1920 kehrten die meisten von ihnen wieder zurück. Im Zweiten Weltkrieg (1944) wurde die Kreishauptmannschaft, im ganzen mehr aIs 4000 evangelische Deutsche, unter Leitung des Kreishauptmanns Dr. Rubehn nach Deutschland evakuiert.

Trotz des Zweiten Weltkrieges und seiner Folgen besteht die Gemeinde bis heute. Am 23. September 2001 konnte das 175-jährige Jubiläum der Gemeindegründung gefeiert werden.

ehenswürdigkeite

Radom Altes Rathaus
Sehenswert sind aus der älteren Zeit das Kloster der Bernardiner, gestiftet vom polnischen König Kasimir IV. Jagiello im 15. Jahrhundert, die spätmittelalterliche Johannes-Pfarrkirche mit Kapelle der Familie Kochanowski sowie die barocke Dreifaltigkeitskirche. Die älteste Kirche der Stadt, die Wenceslaus-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, wurde erst in den letzten Jahren saniert, wobei das Innere modern ausgestattet wurde. Sehr wichtig für die polnische Baukunst des 19. Jahrhunderts sind das Gebäude der ehemaligen Woiwodschaftsverwaltung nach Plänen von Antonio Corazzi, ein Prachtwerk des Spätklassizismus, und das Rathaus im Stile der italienischen Neorenaissance, erbaut nach Plänen von Marconi. Jedes Jahr Ende August bzw. Anfang September findet in Radom eine internationale Flugschau (Air-Show) statt.

edeutende Einrichtungen
Sendeanlage für Langwellenfunkdienste (nicht Rundfunk) im Westen der Stadt.

Persönlichkeite

*Mikołaj Radomski, erster erwähnter polnischer Komponist im Mittelalter
*Jan Kochanowski, polnischer Dichter der Renaissance
*Adolf Schulz-Evler, Pianist und Komponist
*Jacek Malczewski, Kunstmaler
*Józef Brandt, Kunstmaler
*Wladysław Bortnowski, General, 1939 Oberbefehlshaber der Armee „Pommern“
*Leszek Kołakowski (1927–2009), Philosoph, Hochschullehrer und Essayist
*Jerzy Polomski, Pop-Sänger
*Iga Cembrzynska, Schauspielerin
*Jan Chrapek, 2. Bischof von Radom
*Jerzy Zaruba, Maler u. Graphiker, bekannter Karikaturist
*Adam Rutkowski (1912–1987), Wissenschaftler, Holocaust-Forscher
*Johann von Bloch (1836–1902), Finanzier und Industrieller
* Radosław Witkowski (* 1974), Politiker, Abgeordneter im Sejm

Verweise
Literatur

* Kłaczkow J.: Historia Parafii Ewangelicko-Augsburskiej w Radomiu (Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Gemeinde in Radom). Thorn 2005.
*Kneifel E.: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939. München 1971
*Jacek Andrzej Mlynarczyk: "Judenmord in Zentralpolen. Der Distrikt Radom im Generalgouvernement 1939 - 1945" Hg. im Auftrag des Deutschen Historischen Instituts Warschau und der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart. WBG, Darmstadt 2007 (Reihe: Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart, Bd. 9) Teilweise zugl.: Stuttgart, Univ., Diss., 2004 ISBN 353420266X

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Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 18.01.2019 08:10 von den Wikipedia-Autoren.
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