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Märchenhaftes Istanbul

Deutschland
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Die türkische Metropole der Superlative war Kulturhauptstadt 2010
Istanbul ist das pulsierendes Herz der Türkei: „Wer Istanbul beherrscht, dem gehört die Türkei“ – ein Satz, der die Geschichte der Stadt prägte. Alle wollten sie haben: die Perser, die Griechen, die Römer, die Russen, die Türken. Die strategische Lage am Bosporus, zwischen Schwarzem und Mittelmeer, war einfach zu verführerisch. Heute ist Istanbul das laut pulsierende Herz von mindestens zwölf Millionen Menschen – eine reelle und geistige Brücke zwischen Europa und Asien.
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Istanbul ist grenzenlose Vielfalt, die gesamte Altstadt gehört seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe. 2010 war die grenzenlose Stadt am Meer mit ihren unzähligen Palästen, Moscheen, Basaren, Universitäten, Museen, Türmen, Zisternen, Parks, Inseln, Gourmet-Tempeln auf der rekordverdächtigen Fläche von 1538,77 Quadratkilometern Europäische Kulturhauptstadt  – und hat seitdem seine Vielfalt weiter ausgebaut. Stellvertretend hier nur die Top-Drei der Weltkulturdenkmäler:
Blaue Moschee ist Istanbuls Hauptmoschee.

Hagia Sophia (griechisch: „Heilige Weisheit“): Die Hauptkirche des byzantinischen Reiches kann mit einigem Recht als Wiege der christlich-abendländischen Kultur betrachtet werden. Von ihr aus startete das Christentum seinen Siegeszug als europäische Staatsreligion. Wegen ihrer immensen, nahezu schwerelos über dem freien Hauptraum schwebenden Kuppel gilt sie in der Spätantike als achtes Weltwunder. Ein Jahrtausend lang ist sie die mit Abstand größte Kirche der Christenheit. Nach der Eroberung der Stadt durch Sultan Mehmed II. 1453 wird sie in eine Moschee verwandelt. 

Blaue Moschee: Wegen ihrer weltberühmten Innenausstattung mit blau-weißen Iznik-Fliesen hat ein Reisender dieses Etikett für die Sultan-Ahmed-Moschee (1609) geprägt.

Topkapi-Palast:
Springbrunnen des Ahmet III am Fronteingang des Topkapi-Palasts.
Von hier aus wird ab 1453 das Osmanische Reich regiert. Die Palastanlage ist doppelt so groß wie der Vatikanstaat und mindestens so prächtig.  Istanbul ist stolz auf seine Kultur der Toleranz. Wichtiger noch, als die Impressionen von märchenhaften Palästen, elegant ornamentierten Moscheen und geschäftigen Basaren sind die Gespräche mit den „Insidern“. „Alle drei Religionen haben die gleichen Wurzeln“, wirbt Mustafa Yildirim, Marketingleiter der Turkish Airlines, für einen respektvollen Umgang der drei verwandten Weltreligionen miteinander. Wie es gehen kann, lebt Istanbul vor: „Moscheen, Synagogen und Kirchen existieren hier gleichberechtigt nebeneinander“, ist Cemil Tezgah, Nürnberger Direktor der Fluggesellschaft, stolz auf eine Kultur der Toleranz.

Istanbuls Kultur entfacht ein Wohlbefinden, das von den Einheimischen mit dem arabischen Begriff „Keyif“ bezeichnet wird. Die Stadt mit ihren Teestuben, Meyhanes, seelenvollen Klängen und der Vielfalt an wohligen Gerüchen ist Sinnbild für diesen türkischen Ausdruck. Keyif ist ein vielseitiger Begriff, der den Zustand des Geistes beschreibt. Keyif kann auch als positive Lebenseinstellung aufgefasst werden, als bewusstes Erleben der Sinne, was gerade in unserer schnelllebigen und hektischen Welt eine bewahrenswerte Eigenschaft ist. Sie ist die Essenz, die Istanbuls Alltagskultur tränkt.

Türkische Teezeremonie als Symbol der Lebensphilosophie.

Die Europäische Kulturhauptstadt 2010 hat es nicht nötig, für ihre „Amtszeit“ neue Kulturen zu erfinden – das Kulturleben der quirligen Stadt am Bosporus quillt bereits über: Der traditionelle „Istanbuler Sommer“ ist berühmt für seine internationalen Film-, Theater-, Musik- und Jazzfestivals. Unzählige Theater, darunter das Showcenter Türker İnanoğlu oder Opernhäuser wie das Süreyya reflektieren verdichtet historisches wie aktuelles Leben.

Comics, Clubs und filigrane Ästhetik
Innenraum der Neve-Shalom-Synagoge von Istanbul.
EOL zeigt zeitgenössische türkische Kunst des Modern Sanat Müzesi, besucht die Maler-Ikone Burhan Doğançay in seinem musealen Haus am Taksım-Platz, porträtiert die hervorragenden Musiker des Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra, berichtet live, wie das Ensemble des Haldun-Taner-Theaters Stoffe entwickelt, zeigt die filigrane Ästhetik der Balletttruppe der Staatsoper, taucht ein in Istanbuls junge Underground-Kultur, begleitet die Comic-Zeichner Latif Demirci und Ramize auf einer Tour durch die Clubs und Kneipen Beyoğlus, Kadıköys, Kuruçesmes, Arnavutköys, Bebeks, Levents und Etilers ...

Istanbul ist die Stadt des Glaubens und Glaubenlassens. In Westeuropa wird viel über multikulturelles Zusammenleben geredet, in Istanbul ist es Realität. Perser, Griechen, Römer, Kreuzritter, Tataren, Genuesen, Venezianer und sephardische Juden haben ihre Spuren in Istanbul hinterlassen. In Moscheen, Kirchen und Synagogen beten die Vertreter der drei großen Weltreligionen friedlich zu ihrem Gott.

Das dicht bebaute asiatische Ufer ist heute ein Mikrokosmos der ganzen Türkei. Das 3000 Jahre alte geistige Zentrum der Türkei ist zugleich eine junge Stadt – 60 Prozent ihrer Einwohner sind unter 30 Jahre alt. In acht großen Universitäten wird die Elite des Landes ausgebildet – eine dynamische Elite, die die Sichtweise der Europäischen Union positiv bereichern wird.
Dieser Artikel ist Teil der Tour "Tour Metropolis"
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