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Lissabon

Portugal, Lissabon
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Lissabon

"Lissabon" (port. "Lisboa") ist die Hauptstadt und die größte Stadt Portugals sowie des gleichnamigen Regierungsbezirkes und liegt an einer Bucht der Flussmündung des Tejo im äußersten Südwesten Europas an der Atlantikküste der Iberischen Halbinsel.

Der Handelshafen an der Tejo-Bucht wurde vor der römischen Herrschaft "Alis Ubbo" genannt. Lissabon erhielt zur Zeiten Julius Caesars unter dem Namen "Felicitas Julia" römische Stadtrechte. Nach der Verlegung des Königssitzes von Coimbra wurde die Stadt im Jahre 1256 unter König Afonso III. zur Hauptstadt des Königsreichs. Um 1500 erlebte Lissabon einen brillanten Aufstieg zu einer der glanzvollsten Handels- und Hafenstädte der damaligen Zeit. Ein großes Erdbeben besiegelt im Jahr 1755 den angefangenen wirtschaftlichen Niedergang der Stadt.

Als größte Stadt Portugals mit dem wichtigsten Hafen, dem Regierungssitz, den obersten Staats- und Regierungsbehörden, mehreren Universitäten und der Akademie der Wissenschaften ist Lissabon heute das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.

Lissabon ist Sitz einiger Agenturen der Europäischen Union, darunter der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht und der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs. Auch die Gemeinschaft der portugiesischsprachigen Länder "(CPLP)" hat ihren Hauptsitz in Lissabon.


Geographie
Das Stadtgebiet von Lissabon entspricht auch dem Kreis und umfasst 84,7 km² Fläche mit 499.700 Einwohnern (Stand 2007). Im Einzugsgebiet der Stadt, genannte "Grande Área Metropolitana de Lisboa", leben jedoch mit 2.808.414 (Stand 2007) Einwohnern mehr als 25 % der portugiesischen Bevölkerung. Lissabons Metropolitangebiet erstreckt sich über Grande Lisboa, in der nördlichen Bank des Tejos, und Península de Setúbal im Süden.

Geografische Lage
Satellitenaufnahme von Lissabon
Lissabon befindet sich auf der Iberischen Halbinsel. Die Stadt liegt an einer Bucht am nördlichen Ufer der Flussmündung des Tejos im äußersten Südwesten Europas an der Atlantikküste. Der sich kurz vor seiner Mündung ausbreitende Tejo verengt sich auf den letzten Kilometern bis zum Atlantik. Dort zieht sich die Stadt am Ufer entlang. Vom Ufer aus steigt sie stufenförmig an mehreren Hügeln empor. In Lissabon gibt es hohe Hügel und tiefe Taleinschnitte. Die höchste Erhebung im Stadtgebiet erreicht 226 Meter. Die Stadt hat sich lange Zeit nur am Tejo entlang entfaltet. Seit dem 20. Jahrhundert breitet sich die Hauptstadt beständig landeinwärts aus.

Geologie
Die Stadt liegt auf sieben Hügeln, die kleineren Anhöhen nicht mitgerechnet. Im Atlantik auf der Höhe von Cádiz verläuft in ost-westlicher Richtung eine tektonische Verwerfung, die so genannte Gloria-Blattverschiebung. Zwei weitere tektonische Besonderheiten, die Gorringe-Bank und die Marquês-de-Pombal-Verwerfung, liegen auf Höhe der portugiesischen Südküste. Erdbeben sind eine Folge des Zusammenstoßens der nordwärts driftenden afrikanischen Platte mit der iberischen Halbinsel (eurasischen Platte). Des Weiteren deuten zahlreiche aktive Schlammvulkane im Golf von Cadiz auf fortwährende seismische Aktivitäten in der Region hin. Aufgrund der vergangenen Erdbeben wurden 2004 am Meeresboden Beobachtungspunkte angelegt. Sie sollen Temperatur- und Druckschwankungen messen, die auf Spannungen in der Erdkruste hindeuten, die sich in einem Erdbeben entladen können.

Klima
Die Klimaklassifikation nach "Lauer und Frankenberg (1987)" ordnet das Klima Portugals dem maritimen und semihumiden Klima der subtropischen Klimazone zu.
Aufgrund seiner Lage direkt am Atlantik wird es vom Temperaturverhalten des Meeres geprägt: Nicht zu heiße Sommer und verhältnismäßig milde Winter. Die Temperaturen fallen nur selten unter 0 °C. Noch seltener sind Schneefälle zu verzeichnen.
Tejo zwischen Lissabon und Mündung


Die Monate mit den höchsten Niederschlagswerten sind Oktober bis März. Entscheidend ist die Lage am kühlen Kanarenstrom, der in südlicher Richtung an der Küste Portugals entlangstreicht. Er bewirkt in der warmen Jahreszeit häufig Küstennebel. Im Winter liegt Lissabon im Einflussbereich atlantischer Tiefausläufer, die im Küstenbereich viel Regen bringen. Das jährliche Niederschlagsmittel beträgt 656 mm.

Etymologie
Die gibt unterschiedliche Erklärung zur Namensentstehung. Lissabon wurde von den Goten und Römern "Olissipona" bzw. "Olisibona" genanntJohann Jakob Egli: "Nomina geographica – Sprach- und Sacherklärung von 42000 geographischen Namen aller Erdräume", S. 544, Georg Olms Verlag, 1973, ISBN 3487045710. Die Volksetymologie sieht darin einen Zusammenhang mit dem Helden Odysseus.Hugo Kastner: "Von Aachen bis Zypern – Geografische Namen und ihre Herkunft", S. 186, Schlütersche, 2007, ISBN 3899941241. Unter Julius Caesars hieß der zur Provinz Lusitania gehörende Ort "Felicitas Julia". Andere leiten den Namen Lissabon von dem phönizischen "Alis ubbo" ab.Meyers Konversations-Lexikon: "Lissabon", 1888 Eine weitere Theorie erklärt die Namenschöpfung mit den vorrömischen Namen des Flusses Tejo, "„Lisse“" oder "„Lucio“".

Stadtgliederung
Karte der 53 Stadtgemeinden "(freguesias)" mit den 4 Bezirken "(bairros)"
Lissabon ist in 53 Stadtgemeinden (freguesias) aufgegliedert, die wiederum aus administrativen Gründen vier Bezirken "(bairros)" zugeordnet sind:



Geschichte
Die Stadt wurde in ihrer Geschichte mehrfach von Erdbeben, Feuersbrünsten und Epidemien heimgesucht.

Anfänge bis zur Rückeroberung der Stadt
Provinz Lusitania
Die Phönizier gründeten ab 1200 v. Chr. in Portugal Kolonien. Diese und die Karthager sollen den Platz "Alis Ubbo" (dt. "fröhliche Meeresbucht bzw. lustiger Meeresbusen") als einzigen großen Naturhafen an der iberischen Atlantikküste genutzt haben, archäologisch wurde dies bisher nicht bewiesen, hingegen wurden griechische Siedlungsspuren gefunden. Nach Plinius dem Älteren war Lissabon eine Gründung von Odysseus.

Unter römischer Herrschaft ab 205 v. Chr. hieß die Stadt zunächst "Olisipo". Julius Caesar gelang es im Keltiberischen Krieg ab 60 v. Chr. von Lissabon aus, den letzten Widerstand der portugiesischen Stämme zu brechen. Unter Caesar erhielt die Ortschaft 48 v. Chr. die römischen Stadtrechte und war nachfolgend als "Felicitas Julia" ein größerer Ort in der Provinz Lusitania. Nach dem Zerfall des römischen Reiches kamen ab 400 n. Chr. germanische Stämme aus dem Norden auf die Iberische Halbinsel.Eva Missler: "Lissabon", S. 25 Während der Völkerwanderungszeit versuchten Alanen, Vandalen und Westgoten Lissabon zu besetzen. Im Jahr 585 n. Chr. begann die Herrschaft der Westgoten in der Stadt. Diese erneuerten wahrscheinlich die bereits vorhandene römische Festungsmauer.

719 wurde Lissabon von Mauren erobert und später Teil des Emirats von Córdoba. Danach erlebte die Stadt ihren ersten Aufschwung. Alfons II. siegte bei Lugo im Kampf gegen die Mauren, drang bis zum Tajo vor und eroberte 798 für kurze Zeit die Stadt. Lissabon fiel jedoch danach wieder an die Mauren. Es entstand das Kalifat von Córdoba. Im Jahr 955 sandte Ordonho III de Leão im Kampf gegen die Muslime seine Armee bis nach Lissabon.

1093 bekam Graf Raymond von Armous, ein jüngerer Sohn des Herzogs Wilhelm I. von Burgund die Herrschaft in Galicien übertragen. Von dort aus unternahm er Feldzüge gegen die Mauren. Dabei gelang ihm sogar, vorübergehend in Lissabon einzuziehen, nachdem der muslimische König von Badajoz, zu dem Lissabon gehörte, sich König Alfons unterworfen hatte.Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals – Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, S. 10, 11

Beim Regierungsantritt von König Dom Alfonso Henriques wurde der Süden des Landes noch von Mauren gehalten. Im Jahr 1147 gelang die Belagerung von Lissabon ("reconquista" dt. Rückeroberung) durch die Christen. Die erfolgreiche Belagerung der Stadt durch ein Kreuzritterheer des Zweiten Kreuzzugs sicherte dem König die Grundlage für die Herrschaft über das gesamte Land. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts erblickte der heilige Antonius von Padua, der zuweilen auch "Antonius von Lissabon" genannt wird, in Lissabon das Licht der Welt.

Hauptstadt des Königsreichs bis zur spanischen Besetzung
Afonso III. verlegte 1256 den Königssitz von Coimbra nach Lissabon. Die Stadt wurde damit zur Hauptstadt des Königsreichs. 1344 erschütterte ein Erdbeben die Stadt. Die große Pest, der von September 1348 bis Anfang 1349 wahrscheinlich mehr als ein Drittel der Bevölkerung des Landes zum Opfer fielen, dezimierte auch radikal die Bevölkerung der portugiesischen Hauptstadt.
Verlauf der alten Stadtmauer, 1598
Ferdinand I. ließ nach seiner Thronbesteigung 1367 eine Stadtmauer errichten. Die Bauarbeiten an der Ringmauer waren um 1370 abgeschlossen. Im Frieden von Alcoutim verpflichtete sich Ferdinand I. unter anderem eine Tochter Heinrich II. zu heiraten. Er verliebte sich dann aber in die portugiesische Adlige, Leonore Teles de Menezes, und heiratete diese anstatt der kastilischen Prinzessin. Verärgert über den Vertragsbruch griff Heinrich II daraufhin Portugal an und plünderte im Jahr 1373 Lissabon. Zehn Jahre später war Lissabon Schauplatz der ersten bürgerlichen Revolution in Europa. Nach dem Tode Ferdinands I. übernahm zunächst dessen Witwe, Leonore Teles de Menezes, zusammen mit ihrem Liebhaber für sechs Wochen die Macht. Daraus erwachsende Spannungen und Auseinandersetzungen mündeten schließlich in die Krise bzw. Revolution von 1383. In Lissabon kam es zu einem Aufstand der Handwerkerzünfte. Gestützt auf große Teile des niederen Adels und auf das Bürgertum von Porto und Lissabon stellte sich der spätere König Johann I. an die Spitze des Aufstandes, tötete eigenhändig Leonores Liebhaber und zwang Lenore ins Exil nach Kastilien.

Unter der Herrschaft Manuels I. entwickelte sich Lissabon zu einem führenden Zentrum des Welthandels. Am 9. September 1499 wurde Vasco da Gama nach seiner ersten Indienreise ein triumphaler Empfang bereitet. 1503 kam es in Lissabon zur Gründung der Casa da Índia, deren Tätigkeit die Basis der portugiesische Wirtschafts- und Handelspolitik in den folgenden beiden Jahrhunderten bildete. Besonders in Lissabon wuchsen Handel und Gewerbe, was nicht unwesentlich der Ausbeutung der portugiesischen Kolonien in Afrika, Asien und Südamerika zu verdanken war. Bereits um 1500 sprach man von einer ersten Blüte Lissabons, die bis Mitte des 16. Jahrhunderts andauerte. Der Lissaboner Hafen war in der damaligen Zeit einer der größten der Erde.
Inquisition im 17. Jahrhundert
1506 kam es zur Zeit der Herrschaft Manuel I. in der Stadt zu einem Pogrom gegen die getauften Juden, der hohe Opfer forderte, die Handels- und Finanzbeziehungen der Stadt nachhaltig schädigte und eine Auswanderungswelle in Gang setzte.Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: "Geschichte Portugals – Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart", S. 36 Die erste Volkszählung in Portugal wurde in der Zeit von 1527 bis 1532 durchgeführt. Lissabon zählte 13.010 Haushalte bzw. zwischen 50.000 und 65.000 Einwohner.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals, S. 105 f. Die Stadt hatte sich zu einer europäischen Metropole entwickelt. 1531 wurde sie jedoch erneut von einem Erdbeben erschüttert. Dabei kam eine unbekannte Zahl von Einwohnern ums Leben. Die Schätzzahlen liegen zwischen 1.000 bis 30.000 Menschen.Eva Missler: "Lissabon", S. 28

1536 wurde unter Johann III. die Inquisition eingeführt. Vier Jahre später fanden in Lissabon die ersten öffentlichen Vollstreckungen von Urteilen statt.Eva Missler: Lissabon, S. 29 1569 forderte eine Pestepidemie in Lissabon und Umgebung 60.000 Menschenleben.

Von der spanischen Besetzung bis zum großen Erdbeben
In einem Portugalfeldzug nahm 1580 der Herzog von Alba Lissabon in Besitz. Zwei Jahre später verstarb er in Lissabon als Portugiesischer Generalgouverneur. Vom Tag der Eroberung blieb Lissabon für die folgenden 60 Jahre von den Spaniern besetzt. Am 28. Mai 1588 liefen die ersten Schiffe der Spanischen Armada gegen England aus Lissabon aus. Der Aufbruch der Kriegsflotte mit 130 Schiffen zog sich bis zum 30. Mai hin. Die Schiffe waren mit etwa 27.000 Soldaten bemannt und mit über 2600 Kanonen bestückt.
Lissabon, 1650
Am 1. Dezember 1640 schlossen sich mehrere portugiesische Adlige zum Aufstand gegen die spanische Regierung zusammen. Frankreich, der große Widersacher der Habsburger und damit Spaniens, sah darin eine Chance, die Spanier zu schwächen und ermunterte den Herzog von Braganza zum Aufstand. In einem Handstreich wurde die spanische Statthalterin, die Herzogin von Mantua, in Lissabon gestürzt und das Oberhaupt der Familie Braganza, Herzog Johann II. am 15. Dezember 1640 als Johann IV. zum König von Portugal ausgerufen. 1668 beendete der Vertrag von Lissabon den Spanisch-Portugiesischen Krieg.

1696 leiteten Gold- und spätere Diamantenfunde in Brasilien eine zweite Blüte der portugiesischen Hauptstadt ein. Am 27. Dezember 1703 wurde der Methuenvertrag zwischen England und Portugal in Lissabon geschlossen. Das Abkommen band Portugal wirtschaftlich noch stärker an England.Josef Kulischer: "Allgemeine Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit", S. 221, Oldenbourg, 6. Auflage, 1988, ISBN 978-3486419764
Erdbeben in Lissabon 1755
Am 1. November 1755 wurde Lissabon durch ein starkes Erdbeben zu zwei Dritteln zerstört. Nach heutigen Schätzungen hatte es die Stärke 8,7 bis 9,0. Zeitgenössische Quellen geben allein für Lissabon bis zu 60.000 Todesopfer an. Die Erschütterungen waren in ganz Europa und Nordafrika zu spüren. Planmäßig wiederaufgebaut wurde die Stadt von dem Markgrafen von Pombal. Besonders typisch für diesen Wiederaufbau ist die "Baixa", die Unterstadt, mit ihren rechtwinklig angelegten Straßen im Bereich um die "Rua Augusta". Neben den physischen Schäden, die das Erdbeben anrichtete, erschütterte es auch die aufklärerischen und theistischen Denkrichtungen vieler Philosophen, welche die Ursache dieser Naturkatastrophe nicht erkannten und ihren Optimismus aufgaben. Voltaire schrieb als Reaktion auf das Beben sein "Poème sur le désastre de Lisbonne" (1756).

→ "Siehe auch: Erdbeben von Lissabon"

Zeit nach dem Beben bis zur Ersten Portugiesischen Republik
Rossio-Bahnhofs, 1886
Lissabon erhielt im Jahr 1780 seine erste Straßenbeleuchtung mit Öllaternen.Julius von Minutoli: Portugal und seine Colonien, S. 240 Das erste Postamt der Stadt eröffnet 1800. Im Jahr 1807 kam es zur Besetzung Portugals durch französische Truppen. Die Königsfamilie mitsamt dem Hofstaat floh deshalb nach Brasilien. Ende November 1807 verließen 36 Schiffe mit rund 15.000 Personen und der Aristokratie des Landes den Lissabonner Hafen. Prinzregent Johann VI. erreichte im März 1808 Brasilien. Rio de Janeiro wurde danach neuer Regierungssitz. Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals – Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, S. 72

In der Stadt brach 1811 Typhus aus. 1833 folgte dann Cholera. Daran starben innerhalb von 9 Monaten 13.522 Menschen.Julius von Minutoli: "Portugal und seine Colonien", S. 305 Im Miguelistenkrieg wurde das von König Michael besetzte Lissabon am 24. Juli 1833 von Truppen Peter I. eingenommen. Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals – Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, S.83 Während der Septemberrevolution trafen am 9. September 1836 setembristische Abgeordnete aus Porto, an ihrer Spitze Manuel da Silva Passos, in der portugiesischen Hauptstadt ein. Sie wurden von der Bevölkerung Lissabons triumphal empfangen.

Im Jahre 1849 wurden die ersten Straßenlaternen mit Gas beleuchtet. Zwei Jahre später eröffnete die Eisenbahnlinie Lissabon–Carregado. Der Vertrag von Lissabon beschloss am 20. April 1859 die Aufteilung und der Austausch portugiesischer und niederländischer Besitzungen auf dem Solor- und Timorarchipel zwischen Portugal und den Niederlanden. 1873 erfolgte die Inbetriebnahme der Pferdebahn, genannt „O Americano“. Die ersten elektrischen Straßenlaternen wurden 1878 angeschlossen. Der Rossio-Bahnhof eröffnete offiziell am 11. Juni 1890.

Von der Ersten Portugiesischen Republik bis zur Gegenwart
Lissabon, 1919
Am 5. Oktober 1910 wurde auf dem Balkon des Rathauses die Erste Portugiesische Republik ausgerufen. König Emanuel II. floh daraufhin ins Exil nach England. Damit endete die 771-jährige Geschichte der portugiesischen Monarchie. Am 19. Oktober 1921 wurden in der Lissabonner Blutnacht bei einem Aufstand der Republikanischen Garden der Regierungschef António Joaquim Granjo und eine Reihe anderer Politiker getötet. Ein Militärputsch beendet im Jahr 1926 die Erste Portugiesische Republik. Acht Jahre später kam der Ministerpräsident und Diktator von Portugal António de Oliveira Salazar an die Macht. Er verkündete den Estado Novo, den „Neuen Staat“, eine konservativ-autoritäre Diktatur. In der Zeit des "Estado Novo", von 1926 bis 1974, wuchs die Stadt weiter. Sie wurde zu Lasten des restlichen Landes ausgebaut.

Die Cristo-Rei Statue in Almada, die sich mit ausgebreiteten Armen der Stadt Lissabon zuwendet, wurde nach rund zehnjähriger Bautätigkeit am 17. Mai 1959 eingeweiht. Im Dezember 1959 eröffnet die erste Metro-Linie in Lissabon. 1966 wurde eine Hängebrücke über den Tejo nach "Almada" fertig gestellt, die der Golden-Gate-Brücke in San Francisco gleicht. Vor der Nelkenrevolution noch nach António de Oliveira Salazar benannt, heißt sie nun Ponte 25 de Abril (dt. "Brücke des 25. April").

Ende April 1974 war Lissabon das Zentrum der Nelkenrevolution. Mit der Beendigung des Kolonialkriegs in Afrika 1975 kam es zu einer Fluchtwelle aus Angola und Mosambik insbesondere in den Großraum von Lissabon. 2005 lebten noch rund 100.000 Schwarzafrikaner im Umfeld der Metropole. Heidrun Reinhard: "Lissabon", S. 14, Polyglott, 2005, ISBN 3493569084 Ein Großbrand im Altstadtviertels Chiado zerstört 1988 diverse Gebäude. Im Jahr 1995 wurde Lissabon Kulturstadt Europas. Zwei Jahre später verabschiedete der Europarat und die UNESCO in Lissabon eine neue gemeinsame allgemeine Hochschulkonvention die sogenannte „Lissabonner Konvention“. 1998 wurde die insgesamt über 17 Kilometer lange Autobahn-Brücke Ponte Vasco da Gama über den Tejo anlässlich der Weltausstellung Expo 98 fertig gestellt.

Im März 2000 verabschiedeten die europäischen Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel die Lissabon-Strategie. Die Strategie hat das Ziel die EU bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Am 13. Dezember 2007 wurde unter portugiesischer Ratspräsidentschaft der Vertrag von Lissabon (auch EU-Grundlagenvertrag genannt) zwischen den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union unterzeichnet.

→ "Siehe auch: Vertrag von Lissabon (Begriffsklärung)"

Bevölkerung
Einwohnerentwicklung
Die Bevölkerung der eigentlichen Stadt beträgt 499.700, und die Einwohnerzahl für das Metropolitangebiet Lissabons beträgt 2.800.000 gemäß dem Instituto Nacional de Estatística "(dt. Nationales Institut für Statistiken)". Die Bevölkerungsdichte der Stadt selbst beträgt 6.658 Einwohner pro km². Im Jahr 2007 waren 13 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt und 24 % über 65 Jahre. Der nationale Durchschnitt lag bei den Personen über 65 Jahren bei 17%. Frauen stellen mit 54 % mehr als die Hälfte der Einwohner.

In den letzten Jahren hat Lissabon einen dramatischen Bevölkerungsrückgang erlebt. Trotz des Zuzugs von 53.000 Menschen zwischen 1996 und 2001 verließen im Jahr 2001 für jeden neu nach Lissabon zugezogenen Bewohner zwei weitere die Stadt. Die Zuzügler sind vorrangig Familien, die dank ihrer finanziellen Mittel für die hohen Wohnraumkosten aufkommen können, vor allem junge Leute und Vertreter des Mittelstandes sind weggezogen. Der Tendenz zur Suburbanisierung, der in der Stadt zu beobachten ist, wird durch die sukzessive Verlagerung von Wohnraum in das Großstadtgebiet von Lissabon ausgeglichen, so dass Mobilitäts- und Transportprobleme jetzt ein kritischer Faktor im Alltag der Stadt und im Hinblick auf die Lebensqualität ihrer Bürger geworden sind.

"Einwohnerentwicklung von Lissabon (1801–2007)"

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Catedral Sé Patriarcal

Religion
→ "Siehe auch: Liste der Patriarchen von Lissabon"

Die überwiegende Mehrheit der Lissaboner bekennt sich zum römisch-katholischen Glauben. Das erste Bistum Lissabon wurde bereits im 4. Jahrhundert gegründet. Als die Stadt von den Mauren erobert wurde, existierte es als zum Teil vakantes Titularbistum der römisch-katholischen Kirche weiter. Daneben gibt es Hinweise auf namentlich nicht bekannte mozarabische Bischöfe von Lissabon. Nach der Zurückeroberung durch Alfons I. lebte es als römisch-katholisches Bistum unter seinem Bischof, dem Normannen Gilbert von Hastings (Bischof von 1147 bis 1166), wieder auf. Das Patriarchat von Lissabon wurde im Jahr 1716 errichtet.

Kommunalpolitik
Stadtrat und Gemeinderat
Die Gemeinde- und Kommunalversammlung werden von den Einwohnern nach dem Verhältniswahlprinzip gewählt. Der direkt gewählte Stadtrat und der Gemeinderat stellen die lokale staatliche Gewalt. Sie sind der jeweiligen Versammlung gegenüber verantwortlich. Die lokale Selbstverwaltung finanziert sich aus örtlichen Einnahmen und Eigenvermögen sowie aus dem staatlichen Finanzausgleich. Der Haushaltsplan wird vom Gemeinde- bzw. Stadtrat ausgearbeitet und der jeweiligen Versammlung zur Entscheidung vorgelegt. Im Großraum Lissabon trugen in den letzten Jahren Einnahmen von 40 bis 50 Prozent, aus der Immobiliensteuer sowie Kfz- und Gewerbesteuer, zum örtlichen Haushalt bei.

Der Cámara Municipal "(dt. Stadtrat)" besteht aus 17 und der Assembleia Municipal "(dt. Gemeinderat)" aus 107 Mitgliedern. Die Mitglieder des Gemeinderates werden von der Gemeindeversammlung gewählt. Den Gemeinderatsvorsitz übernimmt der Kandidat auf dem ersten Listenplatz der stärksten Partei vor Ort. Den Bürgermeister stellt die Partei mit dem höchsten Anteil der Sitze im Stadtrat. Wolfgang Ismayr: "Die politischen Systeme Westeuropas, S. 809", VS Verlag, 2009, ISBN 3531164643.

Die Kommunalwahlen vom 9. Oktober 2005 brachten folgende Ergebnisse:



Die vorgezogene Kommunalwahlen am 15. Juli 2007 ergab für den Stadtrat folgende Sitzverteilung ("Prozentverteilung"):



Bürgermeister
→ "Siehe auch: Liste der Bürgermeister von Lissabon"

Im Mai 2007 waren vorgezogene Kommunalwahlen nötig, weil der damalige Lissabonner Bürgermeister Carmona Rodrigues aufgrund einer Korruptionsaffäre zurücktreten musste. In der Wahl am 15. Juli 2007 wählten die Lissabonner António Luís Santos da Costamit einer einfachen Mehrheit von 29,54 Prozent zum Bürgermeister der portugiesischen Hauptstadt. Die Wahlbeteiligung lag bei 37,39 Prozent.

Wappen
Stadtwappen
Den Wappenschild von Lissabon ziert ein Segelschiff mit zwei Raben. Die Abbildung bezieht sich auf eine Legende. Angeblich wurde der Leichnam des Stadtheiligen Vicente de Saragoça in einem führerlosen Boot begleitet von zwei Raben an der Algarveküste, am Cabo de São Vicente, angetrieben. Von diesem Ort wurde der Leichnam nach Lissabon gebracht und dort beigesetzt.Eva Missler: "Lissabon", S. 21 Oberhalb des Schildes befindet sich eine Burg. Das Bauwerk wird mit fünf Türmen dargestellt. Umrahmt wird das Schild von einer Kette und einem Band. Der Wahlspruch in dem Band lautet: MUI NOBRE E SEMPRE LEAL CIDADE DE LISBOA (dt. "Sehr edel und stets treuergebene Stadt Lissabon").

Partnerstädte
Lissabon unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:



Kultur und Sehenswürdigkeiten
Stadtbild
Torre de Belém
Mosteiro dos Jerónimos
Das heutige Stadtbild von Lissabon geht vornehmlich auf Baumaßnahmen ab dem 18. Jahrhundert zurück. Das Zentrum von Lissabon ist die Baixa. Die Altstadt besticht durch ihre Fliesenfassaden und mittelalterlichen, engen Gassen. In den Innenstadtvierteln prägen auch Bausubstanzprobleme das Stadtbild. 1994 wurde die Gesamtzahl der Gebäude in Lissabon mit 62.041 angegeben. Davon stammten 30,73 % der Gebäude aus der Zeit vor 1919 und 21,37 % aus der Zeit zwischen 1919 und 1945. Nach Erhebungen des Zentrums für territoriale Studien der Stadt Lissabon aus dem Jahr 1992 fielen
die veranschlagten Renovierungskosten des bestehenden Wohnraums mit einem Drittel auf die Gebäude zwischen 1850 und 1930.Anja Bothe: "Vergleich des portugiesischen und deutschen Bauplanungs- und Sanierungsrechts im Hinblick auf die Zielsetzung einer sozial ausgeglichenen Wohnraumversorgung- Erfahrungen in den Metropolen Lissabon und Berlin", S. 227.LIT Verlag, 2004, ISBN 3825871444.

UNESCO-Welterbe
Im Jahre 1983 wurde der Torre de Belém und das Mosteiro dos Jerónimos von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Der Torre de Belém, der im gleichnamigen Stadtteil an der Tejomündung liegt, ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons. Der Wachturm wurde während der napoleonischen Invasion zerstört und 1846 rekonstruiert. Neben dem nahegelegenen Mosteiro dos Jerónimos gehört er zu den wenigen herausragenden Bauwerken des „manuelinischen Stils“, die das Erdbeben von Lissabon überstanden haben. Das Mosteiro dos Jerónimos "(dt. Hieronymus-Kloster)" liegt im Stadtteil Belém. Neben den Königsgräbern befindet sich hier auch die Grabstätte des bekannten Seefahrers Vasco da Gama. Das Kloster gilt als bedeutendster Bau der Manuelinik, einer portugiesischen Variante der Spätgotik, die auch einige Elemente der Renaissance enthält.

Bauwerke
Zu den sehenswerten Bauwerken Lissabons gehört das Kloster São Vicente de Fora. Es wurde 1147 als Augustinerkloster von Alfons I. außerhalb der Stadtmauern gegründet und dem heiligen Vinzenz von Saragossa gewidmet. Unter Philipp II. erhielten die Kirche und das Kloster das heutige Aussehen. In der Kirche wurden viele Familienmitglieder der portugiesischen Königsfamilie aus dem Haus Braganza begraben.
Castelo de São Jorge
Das Castelo de São Jorge, eine Festungsanlage mit integrierter Burgruine, wurde jahrhundertelang als Königsburg genutzt. In einem Turm der Burg, dem Torre do Tombo, befand sich die königliche Urkundensammlung. Die Burg wurde 1755 beim großen Erdbeben weitgehend zerstört. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten ist die Anlage wieder in einem guten Zustand.

Die Hauptkirche der Stadt Lissabon und die Kathedrale des Patriarchats von Lissabon ist die Catedral Sé Patriarcal "(dt. Kathedrale in Lissabon)". Die Bauarbeiten an der älteste Kirche der Stadt begannen im Jahr 1147. Ein Erdbeben beschädigte 1344 das Bauwerk. Im Jahr 1380 wurde die westliche Fassade im Stil der Romanik errichtet.

Im 17. Jahrhundert errichtete man die große Barockkirche Igreja de Santa Engrácia (dt. "Kirche der heiligen Engrácia"). Die Kirche konnte erst im 20. Jahrhundert vollendet werden. Sie wurde nie als Gotteshaus genutzt und dient heute als Panteão Nacional ("dt. Nationales Pantheon"). Im dem Bauwerk wurden einige Staatspräsidenten und Schriftsteller begraben. Zudem befinden sich dort noch einige Kenotaphen für „Helden der portugiesischen Geschichte“.

Das Convento do Carmo ist ein in den Jahren 1389 bis 1423 von Nuno Álvares Pereira errichtetes Kloster des Karmeliter-Ordens. Die Karmeliter-Kirche galt als ein Prachtexemplar der Lissabonner Gotik. Durch das Erdbeben von 1755 wurde das Kloster stark zerstört. Heute sind nur noch die Ruinen zu besichtigen.

Palácio de São Bento
Das Aqueduto das Águas Livres hat eine Länge von 19 km und erstreckt sich von Queluz über Caneças bis zum Mãe d"Água das Amoreiras. Eva Missler: "Lissabon", S. 154 Dieser Aquädukt gehört zu den weltweit größten Bauten dieser Art. Am imposantesten ist das Aquädukt im Alcântara-Tal. Die Bogenbrücke hat eine Gesamtlänge von 941 m. Gestützt wird die 66 m hohe Brücke von 109 Bögen.

Der Elevador de Santa Justa, auch "Elevador do Carmo" genannt, ist ein 45 Meter hoher Personenaufzug, der im Stadtzentrum von Lissabon den Stadtteil Baixa mit dem höhergelegenen Stadtteil Chiado verbindet. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden manchmal auch die drei straßenbahnähnliche Lissabonner Standseilbahnen fälschlicherweise "Elevador" genannt.

Der Palácio de São Bento war anfangs ein Benediktiner-Kloster. Es wurde im Jahre 1598 errichtet. Die Benediktiner-Mönche lebten bis zum Jahre 1820 in dem Kloster. 1834 zog das portugiesische Parlament in das Bauwerk ein. Im hinteren Teil des Gebäudes befindet sich der Sitz des Premierministers.

Padrão dos Descobrimentos
Der portugiesische Außenminister ist im Palácio das Necessidades dem ehemaligen königlichen Palast aus dem 18. Jahrhundert untergebracht. Der Palast wurde unter der Regentschaft Königin Maria II. zur offiziellen Residenz der königlichen Familie. Nach der Ausrufung der Republik am 5. Oktober 1910 wurde das Bauwerk zum Sitz des Außenministeriums bestimmt.

António José Dias da Silva, ein portugiesische Architekt, entwarf die Praça de Touros do Campo Pequeno "(dt. Stierkampfarena)" am Campo Pequeno. Die Arena wurde zwischen 1890 und 1892 errichtet, nachdem die ehemalige Lissabonner Stierkampfarena am Campo de Santana, die zwischen 1831 und 1891 in Funktion war, abgerissen wurde.

Das Denkmal Padrão dos Descobrimentos steht im Stadtteil Bélem am Ufer des Flusses Tejo. Es wurde 1960 unter dem Salazar-Regime erstellt, genau 500 Jahre nach dem Tode von Heinrich dem Seefahrer und soll die alten Zeiten der Seefahrernation Portugal glorifizieren. Dargestellt ist der Bug einer Karavelle auf dem, angeführt von Heinrich dem Seefahrer, weitere bedeutende Personen aus dem Zeitalter der Entdeckungen dargestellt sind. Der 54 Meter hoher Turm, seitlich mit stilisierten Segeln versehen, versinnbildlicht den Mast der Karavelle.
Ozeanarium im Parque das Nações
Der Torre Vasco da Gama ist ein 145 Meter hoher Aussichtsturm in Stahlfachwerkbauweise, der 1998 für die Weltausstellung erbaut wurde. Nach Plänen des portugiesischen Architekten Nuno Leónidas soll der Vasco-da-Gama-Turm in ein Luxushotel mit 178 Zimmern in 20 Stockwerken umgewandelt werden. Der Umbau dazu hat im Oktober 2007 begonnen.
In dem Bereich des ehemalige Ausstellungsgelände der Expo 98 steht ebenfalls das Oceanário de Lisboa. Es ist das zweitgrößte Ozeanarium weltweit und befindet sich dort im Park der Nationen.

Expo 98
Die Weltausstellung Expo 98 fand vom 22. Mai bis zum 30. September 1998 in Lissabon statt. Sie war die erste in Portugal und die zweite auf der Iberischen Halbinsel und stand unter dem Motto „Os oceanos: um património para o futuro“, zu Deutsch „"Die Ozeane: Ein Erbe für die Zukunft"“. An der Expo nahmen 143 Länder und 14 internationale Organisationen teil. Während der 132 Öffnungstagen besuchten 10,12 Millionen Menschen die 340 HektarLydia Hohenberger, Jürgen Strohmaier: "Lissabon", S. 132große Weltausstellung. Heute wird das populäre Ausstellungsgelände unter dem Namen Parque das Nações vermarktet.

Parks
Park Jardim da Estrela
Der Parque Florestal de Monsanto ist der größte Park Lissabons. Er liegt im Westen der Stadt und umfasst 800 Hektar. Angelegt wurde er erst in den 1930er Jahren.Johannes Beck: "Lissabon und Umgebung", S. 319, Michael Müller Verlag, 2009, ISBN 978-3-89953-458-0 Der größte Park in der Innenstadt ist dagegen der Parque Eduardo VII. Er befindet sich in der Stadtgemeinde São Sebastião da Pedreira. Namensgeber des Parks war der britische König Eduard VII., der 1903 Portugal besuchte. Drittgrößter Park der Stadt ist der Jardim da Estrela aus dem Jahr 1852. Er befindet sich gegenüber der Basilika da Estrela. Offiziell heißt er heute Jardim Guerra Junqueiro, im Volksmund wird er aber weiter Jardim da Estrela genannt.Johannes Beck: "Lissabon", S. 175, Michael Müller Verlag, 2009, ISBN 978-3-89953-459-7 Der Jardim do Campo Grande, zu deutsch „Garten des großen Feldes“, ist ein über 12,5 Hektar großer Park in der Stadtgemeinde Campo Grande.

Straßen, Orte
Bronzestatue von Fernando Pessoa vor dem Café A Brasileira
Die Avenida da Liberdade ist eine am Vorbild der Pariser Avenue des Champs-Elysées orientierte Prachtstraße in Lissabon. Sie verbindet die nach dem Erdbeben von 1755 angelegte Baixa "(Unterstadt)" mit den höher gelegenen Stadtvierteln im Norden und fand ab Beginn des 20. Jahrhunderts in den Avenidas Novas ihre Fortsetzung. Ein erstes Teilstück der Avenida wurde 1882 zum 100. Jahrestag des Todestages des Marques de Pombal und des ihm gewidmeten Rundplatzes eingeweiht.

Mit Miradouro bezeichnet man im Portugiesischen allgemeinen einen Aussichtspunkt. Die Miradouros zählen zu den schönsten Plätzen der Stadt. Diese liegen auf den Erhebungen ringsum und geben einen wundervollen Blick auf die Altstadt oder den Tejo frei.

Das Bairro Alto "(Oberstadt)" ist ein Stadtteil von Lissabon, der sich oberhalb des Geschäftsviertels Baixa befindet. Es ist vor allem wegen seines Nachtlebens bekannt. Zu den ältesten und bekanntesten Cafés der Stadt gehört das A Brasileira. Das Café im Chiado-Viertel wurde am 19. November 1905 von Adriano Telles gegründet. Es war ein beliebter Treffpunkt von Intellektuellen. Dort verkehrten unter anderem der portugiesischen Dichter Fernando Pessoa und Schriftsteller der Aquilino Ribeiro. Seit 1988 steht vor dem Café ein Bronzestatue Pessoas.

Museen
→ "Siehe auch: Liste der Museen in Lissabon"
Museu Nacional de Arte Antiga
In Lissabon gibt es zahlreiche Museen. Das Museu Nacional de Arte Antiga "(dt. Nationalmuseum für alte Kunst)" gehört zu den bedeutendsten Kunstmuseen Portugals. Ein bedeutender Schwerpunkt der Sammlung sind Werke portugiesischer Künstler. Es besitzt unter anderem Werke von Hieronymus Bosch, Albrecht Dürer, Pieter Brueghel der Jüngere, Piero della Francesca, Hans Holbein der Ältere und Raffael. Zwischen 1964 und 1969 entstand das Gebäude des Museu Calouste Gulbenkian. Die Dauerausstellung des Museums umfasst ein breites Spektrum an Kunstobjekten aus allen Epochen.1984 wurde es um das Museum für Moderne Kunst erweitert. Zu den wohl bekanntesten Exponaten des Museums zählen die Werke von Rembrandt ("Portrait eines alten Mannes"), Monet ("Stillleben mit Melone") und Manet ("Die Seifenblasen"). Im Stadtteil Belém liegt das Museu da Marinha "(dt. Marinemuseum)". Es befindet sich in einem Teil des Westflügels vom Mosteiro dos Jerónimos, zusammen mit dem Museu Nacional de Arqueologia. Das Museu de Etnologia "(dt. ethnologische Museum)"
besitzt Artefakte aus der ganzen Welt. Größtenteils stammen sie aus den ehemaligen Kolonien. 1904 wurde das Museu Nacional dos Coches "(dt. Kutschenmuseum)" auf Initiative von Königin Amalia eröffnet. Es beherbergt eine beträchtliche Kutschensammlung. Die älteste ausgestellte Kutsche stammt von dem spanischen Philipp II. aus dem 16. Jahrhundert. Das von dem Industriellen und Kunstsammler José Berardo im Jahr 2007 eröffnete Museu Colecção Berardo ist im Centro Cultural de Belém untergebracht. Der Kunstsammler hat dem Museum eine beachtliche Sammlung moderner und zeitgenössische Kunst des 20. Jahrhunderts aus Europa und Übersee zur Verfügung gestellt.

Theater
Teatro Nacional D. Maria II
1854 gab es in Lissabon sechs Theater. Aktuell gibt es neben den staatlichen Theatern einige unabhängige Festspielhäuser, die ein reiches Aufführungsprogramm bieten. Das "Teatro Nacional Dona Maria II" "(dt. Nationaltheater Dona Maria)" ist das älteste Theater von Lissabon und liegt am Lissabonner Rossio Platz. Das "Teatro Aberto" befindet sich in der Nähe von der Praça de Espanha. Das Klassische Theater "Teatro da Trindade" findet man im Stadtteil Chiado. Dort befindet sich ebenfalls die Lissaboner Oper Teatro Nacional de São Carlos. Direkt neben der Oper liegt das städtische Theater "Teatro Municipal de São Luis". In dem "Teatro Politeama", im Stil der 20er Jahre, kommen überwiegend Erfolgsmusicals zur Aufführung. Die Balletttruppe "Companhia Nacional de Bailado CBN" zog nach der Expo in das "Teatro Camões" ein. Dort gastieren auch andere Ballettensembels.Annette Hüller, "Lissabon", S. 78 Weitere Theater sind das das "Teatro da Cornucópia", das "Teatro da Comuna", das "Teatro Municipal Maria Matos", das "Teatro Taborda", das "Teatro Tívoli", das "Teatro São Luiz" und das "Teatro Villaret" sowie das "Teatro Vasco Santana".

Musik
Fadomuseum
Eine der traditionellen Musikarten in Lissabon ist der Fado, meist mit wehmütiger Grundstimmung gesungen und von einer normalen und einer portugiesischen Gitarre (Guitarra) begleitet. Fado wird für Touristen abendlich in Kneipen der Stadtviertel Bairro Alto und Alfama dargeboten. Mit dem Fado verbindet sich zweifelsfrei der Name der populärsten Fado-Sängerin Portugals, Amália Rodrigues. Als würdige Nachfolgerin der 1999 verstorbenen Künstlerin gilt derzeit für viele Portugiesen die Sängerin Mariza.
Seinen Ursprung hat der Fado in den Armenvierteln von Lissabon, wo er zunächst in den anrüchigen Kneipen im Stadtteil Mouraria auftauchte. Ob er sich ursprünglich aus den Gesängen der portugiesischen Seeleute entwickelte, oder aus brasilianischen Musikrichtungen wie Lundum oder Modinha entstand, ist aus heutiger Sicht nicht mehr festzustellen.

Regelmäßige Veranstaltungen
Seit 1984 treffen sich Jazz-Freunde jährlich beim internationalen Jazzfestival "Jazz em Agosto" der Gulbenkian-Stiftung in der portugiesischen Hauptstadt. Das Rockmusik-Festival
Rock in Rio fand 2006 und 2008 in Lissabon statt. Folgende portugiesischen Filmfestivals finden jedes Jahr in Lissabon statt:
* DocLisboa – Internationales Dokumentarfilmfestival
* Festival des schwulen und lesbischen Kinos "(Festival de Cinema Gay e Lésbico de Lisboa)"
* IndieLisboa – Internationales Festival über Independent Kino "(Festival internacional de cinema independente)"

Naherholung
Ponte 25 de Abril
Die traditionsreichen Seebäder Cascais und Estoril liegen in der Umgebung von Lissabon. Estoril gilt als Rückzugsort der reichen Oberschicht Lissabons und liegt am Rand der Estremadura. Berühmt wurde der Ort wegen seines Casinos. Bei Estoril befindet sich auch das Autódromo, eine Rennstrecke, auf der jährlich der Große Preis von Portugal für Motorräder ausgetragen wird. Die Nachbarstadt Cascais liegt an einer sandigen Bucht des Atlantiks, etwa 25 Kilometer westlich von Lissabon. Ab 1870 verbrachte die königliche Familie regelmäßig den Sommer in Cascais, wodurch der Ort auch den Adel und gehobene Bürgerschichten anzog. Der Ort verfügt über einen Yachthafen mit etwa 600 Liegeplätzen. Das Naturreservat Serra da Arrábida in der Region Lisboa e Vale do Tejo erstreckt sich westlich von Setúbal an der vom Meer abgewandten Küsten. Dort gibt es eine Reihe von seltenen Pflanzen und Tieren. Der Naturpark erstreckt sich mit einer Fläche von 10821 ha auf einem bis zu 8 km breitem und 22 km langem Streifen entlang der Küste. Seine Begrenzung bilden die Städte und Dörfer Sesimbra und Santana im Westen, Azeitão und Quinta do Anjo im Norden sowie Palmela und Setúbal im Osten.

Kulinarische Spezialitäten

In den zahllosen Gaststätten und Restaurants und Lokalitäten werden Speisen aus internationaler und einheimischer Küche serviert. Es gibt jedoch nur wenige originären Lissabonner Spezialitäten, die nicht auch anderswo angeboten werden. Die Portugiesische Küche basiert auf deftigen und traditionell zubereitete Gerichte unter Verwendung von Fleisch, Fisch, Gemüse, Reis, Bohnen und Kartoffeln. Der Stockfisch ist Spezialität und Nationalgericht Portugals. Unzählige Rezepte gibt es auch für den gesalzenen und getrockneten Kabeljau. Beliebt sind ebenfalls Sardinen, gegrillt als "Sardinhas assadas", außerdem Tintenfische, Langusten, Krebse, Tunfisch, Schwertfisch, Aal, Garnelen und weitere Meerestiere. Typisch ist auch "Ameijoas na cataplana", ein Muscheleintopf mit Schweinefleisch, Speck und Zwiebeln. Neben Rindfleisch wird in Portugal häufig auch Ziegenfleisch "(Cabrito)" und Lammfleisch "(Borrego)" gegessen. International bekannt ist der portugiesische Portwein, ein Likörwein, der vor allem zu Desserts getrunken wird. Zu den Spezialitäten gehört ferner das Pastel de Nata oder Pastel de Belém. Das Puddingtörtchen – bestehend aus Kuchen- oder Blätterteig, gefüllt mit cremigem Vanillepudding und bestäubt mit Zimt und Puderzucker – wurde vermutlich bereits vor dem 18. Jahrhundert von Mönchen des Hieronymus-Kloster in dem Lissabonner Stadtteil Belém hergestellt.
Nach der Säkularisierung der Klöster beschlossen die Mönche im Jahr 1837, Delikatessen zu produzieren, welche an die Lissabonner verkauft werden sollten. Heute besuchen viele Einheimische und Touristen die große Caféterie der dortigen Fabrik, um die Pastéis zu erwerben. Das Originalrezept kennen nur wenige Pâtissier.

Sport
José-Alvalade-Stadion
Lissabon besitzt diverse sportliche Einrichtungen. Das Estádio da Luz und das José-Alvalade-Stadion sind die größten Stadien in der Stadt. Lissabon war im Laufe ihrer Geschichte immer wieder Austragungsort von Welt- und Europameisterschaften.

Welt-, Europa- und nationale Meisterschaften
In Lissabon fanden die Fechtweltmeisterschaft 1947, die Junioren-Fußballweltmeisterschaft 1991, die Kurzbahneuropameisterschaften 1999, die Leichtathletik-Hallenweltmeisterschaft 2001, die UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2001, die Fechtweltmeisterschaft 2002, die Handball-Weltmeisterschaft der Herren 2003 sowie die Fußball-Europameisterschaft 2004 statt.

In der Zeit von 1938 bis 1945 fand der Portugiesische Fußballpokal jährlich in Lissabon statt. Die Portugiesischen Meisterschaften im Badminton werden seit 1956 in der Hauptstadt ausgetragen.

Fußball
Der Lissabonner Fußballclubs "Sporting Clube de Portugal" (dt. Sporting Lissabon) war der Gewinner des Europapokals der Pokalsieger 1964. Die Fußballmannschaft von Sporting trägt ihre Heimspiele im José-Alvalade-Stadion aus. Das Stadion mit 52.000 Plätzen war Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft 2004. Das von der UEFA mit fünf Sternen ausgezeichnete Stadion liegt direkt neben der alten Anlage.

Der Fußballclub "Sport Lisboa e Benfica" (dt. Benfica Lissabon) ist mit 165.000 Mitgliedern der größte Verein der Welt nach den Mitgliederzahlen. Der Austragungsort der Heimspiele ist das Estádio da Luz. Das Stadion mit einem Fassungsvermögen von 65.000 Zuschauerplätzen war der Austragungsort des Finales der Europameisterschaft 2004. Für das Turnier wurde das Stadion komplett neu gebaut. Es war Austragungsort von drei Gruppenspielen, einem Viertelfinale und dem Endspiel der Fußball-Europameisterschaft 2004.

Das Estádio do Restelo ist das Fußballstadion des Clubs Belenenses Lissabon und befindet sich im Stadtteil Belém. Das Stadion wurde offiziell am 23. September 1956 eingeweiht und fasst rund 32.500 Zuschauer.

Sonstige Sportarten
In der Basketball-Liga UZO spielen die Lissabonner Vereine SL Benfica und União Lisboa. Der Lissabon-Halbmarathon "(pt. Meia Maratona de Lisboa)" ist einer der größten und sportlich bedeutendsten Halbmarathons weltweit. Er findet seit 1991 in Lissabon statt, in der Regel im März. Der erste Transeuropalauf fand vom 19. April bis 21. Juni 2003 statt und führte in 64 Tagesetappen ohne Ruhetag von Lissabon nach Moskau. Ende Dezember 2005 begann die bekannte Rallye Dakar (vormals Paris-Dakar) zum ersten mal in der Hauptstadt Portugals.

Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
Hafen
Der Raum Lissabon ist das wohlhabendste Gebiet in Portugal, dessen Bruttoinlandsprodukt über dem europäischen Durchschnitt liegt (Lissabon erzeugt 45 % des portugiesischen BIP). Im Großraum Lissabon sind 1.300.500 Menschen erwerbstätig. Die Arbeitslosenquote in der Stadt lag im Jahr 2004 bei 8 %. Lissabons Wirtschaft beruht in erster Linie auf der Dienstleistungsindustrie. Der Lissabonner Seehafen hat als Schnittstellen des Land-, und Seeverkehrs, als maritimes Dienstleistungszentrum und als Industriestandort eine große wirtschaftliche Bedeutung. In der Lissabonner Metropolregion ist besonders das Südufer des Tejo stark industrialisiert. 7 der 10 größten börsennotierten Unternehmen in Portugal haben ihren Sitz in Lissabon. Dazu gehören unter anderem die Unternehmen Energias de Portugal, Portugal Telecom und Jerónimo Martins. Die Lissabonner Börse ist mit den Börsen in Amsterdam, Brüssel und Paris Teil der „Mehrländerbörse“ Euronext.

Straßenverkehr
Ponte Vasco da Gama
Durch die Lage am Tejo war Lissabon lange Zeit vom Süden aus nur durch Fährverkehr direkt aus zu erreichen. Die erste Brücke wurde 1951 nördlich der Stadt an einem Flussengpunkt in "Vila Franca de Xira" im Norden gebaut. Die Ponte 25 de Abril (1013 m Spannweite und 2287 m Länge) wurde 1966 fertiggestellt und verband erstmals Lissabon mit Almada auf der Tejo-Südseite. Seit 1999 besteht unterhalb der Autofahrbahn auch eine Eisenbahnverbindung. Die A2 führt dann weiter ins östliche Landesinnere bzw. nach Madrid/Spanien. Mit der Ponte Vasco da Gama gibt es seit 1998 eine direkte Autobahnverbindung (A12/IP1) über die Bucht zwischen Moscavide/Sacavém auf der rechten und Montijo/Alcochete, bzw. Setúbal mit seinen Industrien auf der linken Seite des Tejo.

Nördlich geht mit der Autobahn A8 eine Verbindung nach Leiria und die A1 führt an der Küste entlang bis nach Porto, dem zweitwichtigsten Zentrum des Landes.

Flughafen
Flughafen Lissabon
Touristenattraktion Straßenbahn 28
Der Internationale Flughafen "Lissabon-Portela" liegt 6 km nördlich vom Zentrum und in der Verlängerung der Autobahn A12. Seit geraumer Zeit wird über die Lage eines neuen Flughafens in Lissabon diskutiert. Am 10. Januar 2008 verkündete der Premier José Sócrates, dass dieser auf dem Militärgelände "Campo de Tiro Alcochete" nördlich von Alcochete entstehen soll. Die portugiesischen Fluggesellschaften TAP Portugal, White Airways, Portugália Airlines und EuroAtlantic Airways haben ihren Sitz in Lissabon.

ÖPNV
Der ÖPNV wird hauptsächlich von den beiden Unternehmen Carris "(Companhia dos Carris de Ferro de Lisboa") und der Metropolitano de Lisboa übernommen. Die Carris bedient über 100 Buslinien und nicht zuletzt mehrere Straßenbahnen. Der Verkehr wird teilweise mit historischen Wagen "(pt. Eléctricos)" unternommen. Zudem betreibt sie in der Stadt vier "Elevadores" (dt. Aufzüge), drei Standseilbahnen und einen senkrecht fahrenden Aufzug, den "Elevador de Santa Justa". Die drei Standseilbahnen wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, als in Lissabon damit begonnen wurde, die seit 1873 verkehrende Pferdestraßenbahn ab 1890 durch Kabelstraßenbahnen und später durch elektrische Straßenbahnen zu ersetzen. Die Metro Lissabon umfasst vier Linien, die teilweise über das Stadtgebiet hinaus führen. Das inzwischen 38 Kilometer lange U-Bahnnetz wird kontinuierlich ausgebaut.

Schiene
Bahnhof Oriente
Die portugiesische Hauptstadt ist, neben Porto, der Hauptknotenpunkt des portugiesischen Schienennetzes. Vier Eisenbahnstrecken laufen auf Lissabon zu, die, verbunden durch die Ringstrecke Linha de Cintura, an verschiedenen Bahnhöfen im Lissabonner Stadtgebiet enden. Der wichtigste Bahnhof ist der Bahnhof Santa Apolónia an der Linha do Norte, dort enden alle internationalen Züge aus Spanien und Frankreich sowie der Großteil der nationalen Hochgeschwindigkeitszüge Alfa Pendular. Des Weiteren liegt im Nordosten Lissabons der Bahnhof Oriente, der zukünftig, mit dem Bau des normalspurigen Hochgeschwindigkeitsnetzes RAVE, zum neuen Hauptbahnhof der Stadt avancieren soll. Für den Vorortverkehr verbleiben unter anderem noch die beiden Kopfbahnhöfe Cais do Sodré (Strecke nach Cascais) und Rossio (Strecke nach Sintra) sowie die an der Linha de Cintura gelegenen Bahnhöfe Sete Rios und Entrecampos. Hier beginnt auch die Linie auf die Südseite des Tejo nach Setúbal, die vom privaten Eisenbahnunternehmen Fertagus betrieben wird.Johannes Beck: "Lissabon und Umgebung", S. 122-124, Michael Müller Verlag, 2009, ISBN 978-3-89953-458-0

Fährverkehr
Es existieren mehrere Fährverbindungen über den Tejo nach Barreiro, Cacilhas, Montijo, Porto Brandão, Seixal und Trafaria.
Ablegestellen auf der rechten Tejoseite sind: "Belem", "Cais do Sodré" und "Terreiro do Paço". Betreiber aller Linien ist inzwischen die "Transtejo & Soflusa", Markenzeichen sind die blau-weißen Katamaranfähren, die mit 30 Knoten die Überfahrt auf dem Tejo auf ein Drittel verkürzt haben.

Hafen
Der Lissabonner Hafen zieht sich auf einer Länge von über 10 km an der Uferlinie der Stadt entlang. Außerdem gibt es noch zahlreiche Anlagen auf der Tejo-Südseite in Trafaria, Porto Brandão, Almada, Seixal, Barreiro und Montijo, die zum Porto de Lisboa gehören und von der Hafenverwaltung APL betrieben werden, auch wenn sie außerhalb des eigentlichen Stadtgebiets liegen. Diese Anlagen haben sich auf Getreide und Öl spezialisiert. Auf der Nordseite im Stadtgebiet Lissabons werden dagegen vor allem Container umgeschlagen. Hier gibt es auch direkte Anschlüsse an das Zugnetz in Alcântara und Santa Apolónia, wo die beiden großen Containerterminals der Stadt liegen. Die größten und tiefsten Docks liegen dabei in Alcântara. Insgesamt umschließen die Docks des Lissabonner Hafens eine Wasserfläche von 430.000 m². Kreuzfahrtschiffe legen häufig in Lissabon an, um einen Stopp auf dem Weg von Nordeuropa ins Mittelmeer, auf die Kanaren oder nach Südamerika zu machen. Für sie gibt es drei Anleger an der Gare Marítima de Alcântara, der Rocha do Conde de Óbidos sowie in Santa Apolónia. Für Privat-Yachten stehen vier Anlegestellen mit der Doca de Alcântara, Doca de Santo Amaro und der Doca de Belém e Doca do Bom Sucesso zur Verfügung. Insgesamt haben hier etwa 1.100 Schiffe Platz.

Bildung und Wissenschaft
Universität Lissabon
Autonome Universität Lissabon
Lissabon ist neben Coimbra die wichtigste Universitätsstadt in Portugal und hat mehrere Universitäten. Die "Universität Lissabon" wurde 1288 gegründet und 1290 vom Papst bestätigt.Walter Rüegg, Asa Briggs: "Geschichte der Universität in Europa – Mittelalter", S.64, C.H.Beck, 1993, ISBN 978-3-406-36952-0 Sie gehört zu den ältesten Universitäten in Europa, wurde aber erst nach mehr als 400-jähriger Pause 1911 neu gegründet, indem medizinische und pharmazeutische Einrichtungen, eine polytechnische Hochschule und literaturwissenschaftliche Institute umorganisiert wurden. Als größte Klinik gehört das Universitätskrankenhaus "Hospital de Santa Maria" mit 1500 Betten zu ihr. Seit 1991 befindet sich der Torre do Tombo ("portugiesisches Nationalarchiv") in einem modernen Gebäude auf dem Campus der Universität. Die Sternwarte Lissabon "(pt. Observatório Astronómico de Lisboa)" wurde 1992 der Universität Lissabon angeschlossen und im Jahr 1995 in die naturwissenschaftliche Fakultät integriert. Eine der größten Universitäten Portugals ist die 1931 gegründete "Technische Universität Lissabon" mit über 20.000 Studenten und sieben Fakultäten. Die 1973 gegründete "Neue Universität Lissabon" als dritte staatliche Universität ist mittlerweile auf über 14.000 Studenten gewachsen und bietet ein klassisches Lehrspektrum an. Eine Privat-Universität der katholischen Kirche ist die 1968 gegründete "Katholische Universität Portugal". Die "Universität Lusíada Lissabon" von 1986 und die "Internationale Universität Lissabon" von 1984 sowie die "Atlantik-Universität Lissabon", die "Autonome Universität Lissabon", die "Universität Lusófona Lissabon" und die "Moderne Universität Lissabon" sind Privat-Universitäten. Die "Deutsche Schule Lissabon" ist die älteste deutsche Schule der Iberischen Halbinsel und die zweitälteste aller deutschen Auslandsschulen. Sie wurde 1848 von einem evangelischen Pfarrer der deutschen Gemeinde in Lissabon ins Leben gerufen. Die Schule musste während des Ersten Weltkriegs im Jahre 1916 zwangsweise schließen. Ihrer Wiedereröffnung erfolgte 1922. Am Ende des Zweiten Weltkriegs endete erneut der Schulbetrieb. Dieser wurde nach Neueröffnung am 20. Oktober 1952 wieder aufgenommen.

Persönlichkeiten
"Söhne und Töchter der Stadt"
→ "Hauptartikel: Liste der Söhne und Töchter von Lissabon"

Lissabon war Geburtsort zahlreicher bekannter Persönlichkeiten. Dazu gehören der Präsident der Europäischen Kommission Durão Barroso, der ehemalige Ministerpräsident und Staatspräsident Mário Soares, der Franziskaner Antonius von Padua, der Afrikaforscher und Gouverneur von Angola Hernandogildo Augusto de Brito Capello sowie Papst Johannes XXI.

Literatur

* Johannes Beck: "Lissabon", Erlangen 2009, ISBN 978-3-89953-459-7
* Johannes Beck: "Lissabon und Umgebung", Erlangen 2009, ISBN 978-3-89953-458-0
* Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: "Geschichte Portugals – Vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart", C.H.Beck, 2001, ISBN 3406447562
* Claus-Günter Frank: "Lissabon – Entdeckungen in Portugals Metropole". Tübingen 2005, ISBN 3-937667-68-7.
* Horst Günther: "Das Erdbeben von Lissabon und die Erschütterung des aufgeklärten Europa", Fischer, Frankfurt, 2005, ISBN 3596168546.
* Lydia Hohenberger, Jürgen Strohmaier: "Lissabon", DuMont, 2005, ISBN 3770160630.
* Annette Hüller, "Lissabon", Marco Polo, 2008, ISBN 3829704755.
* Gerhard Lauer, Thorsten Unger: "Das Erdbeben von Lissabon und der Katastrophendiskurs im 18. Jahrhundert", Wallstein, 2008, ISBN 3835302671.
* Susanne Lipps, Heidrun Reinhard: "Lissabon", Polyglott-Verlag, 2009, ISBN 9783493559088.
* Sara Lier: "Immigranten in Lissabon", Vdm Verlag Dr. Müller, 2008, ISBN 3836472260.
* Eva Missler: "Lissabon", Baedeker, 2005, ISBN 3829710585.
* A. H. de Oliveira Marques: "Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs", Stuttgart: Kröner, 2001, 713 S., ISBN 3-520-38501-5.
* José Saramago: "Geschichte der Belagerung von Lissabon", Rowohlt, Reinbek, 1992, ISBN 3498062492.
* Sabine Scholl: "Lissabon," Artemis & Winkler, 2009, ISBN 3538072817.


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