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La Chaux-de-Fonds

Schweiz, La Chaux-de-Fonds
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"La Chaux-de-Fonds" (wörtlich übersetzt "der Kalkgrund") ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Distrikts im Kanton Neuenburg in der Schweiz. Die grösste Stadt des Hochjuras und drittgrösste Stadt der Romandie liegt auf rund 1000 Meter über Meer und ist damit eine der höchstgelegenen Städte Europas. Sie gehört neben Biel/Bienne und Le Locle zu den bekanntesten Uhrenstädten der Schweiz. Dennoch hat sie mit dem ausgedehnten, nur sehr dünn besiedelten Umland einen gewissen ruralen Charakter behalten können, was ihr auch den Namen "Ville à la campagne" (Stadt auf dem Land) eintrug. Ende Juni 2009 wurde La Chaux-de-Fonds zum UNESCO-Welterbe erklärt., Neue Zürcher Zeitung, abgerufen am 27. Juni 2009

Geographie
La Chaux-de-Fonds liegt auf , rund 15 km nordnordwestlich der Kantonshauptstadt Neuchâtel (Luftlinie), nahe der Grenze zu Frankreich. Die Industriestadt erstreckt sich in einem breiten Hochtal ohne oberirdisches Fliessgewässer im Neuenburger Jura, zwischen den Höhen von Mont Sagne im Südosten und Pouillerel im Nordwesten.

Die Fläche des mit 55.7 km² grössten Gemeindegebiets des Kantons umfasst einen Abschnitt im Neuenburger Jura. Hauptsiedlungsgebiet bildet das durchschnittlich auf gelegene Hochtal von La Chaux-de-Fonds, eine Synklinale im Faltenjura, die gemäss der Streichrichtung des Juras in diesem Gebiet in Richtung Südwest-Nordost orientiert ist. Das Hochtal ist bis zu 1 km breit, etwa 7 km lang und senkt sich leicht gegen Nordosten. Die nordöstliche Fortsetzung des Hochtals stellt die "Combe du Valanvron" dar, ein tief in die Hochflächen eingeschnittenes Kerbtal. Durch dieses fliesst der Bach "La Ronde", der im Cul des Prés versickert, weiter unten wieder zutage tritt und bei Biaufond in den Doubs mündet. Die nordöstliche Grenze von La Chaux-de-Fonds verläuft willkürlich mit dem Lineal gezogen im Bereich der Combe du Valanvron, während die südwestliche Abgrenzung etwa auf der topographischen Wasserscheide zwischen dem Hochtal von La Chaux-de-Fonds und dem Talkessel von Le Locle liegt.

Blick von der Tête de Ran auf La Chaux-de-Fonds
Nordwestlich an dieses Hochtal schliesst der breite Höhenrücken des Pouillerel () an, dessen nordöstliche Fortsetzung die "Sombaille" () und die Plateaus von "Les Bulles" und "Valanvron" bilden. Dieser Höhenzug fällt steil zum mindestens 400 m tiefer gelegenen Talboden des Doubs ab. Entlang dem Fluss verläuft die nördliche Grenze des Gemeindeareals. Die steilen Talflanken "(Côtes du Doubs)" sind dicht bewaldet und teilweise mit Felsbändern durchzogen.

Nach Südosten erstreckt sich der Gemeindeboden auf die angrenzenden Höhen mit "Mont Jacques" (), "Mont Sagne" (), "Cornu" () und der Höhe von Cibourg (bis ). Auf der zur Antiklinale der Tête de Ran gehörenden "Roche aux Cros" westlich des Passübergangs Vue des Alpes wird mit der höchste Punkt des Gemeindeareals erreicht. Auf den Jurahöhen gibt es ausgedehnte Weiden mit den charakteristischen mächtigen Fichten, die entweder einzeln oder in Gruppen stehen. Östlich des Mont Sagne reicht das Gebiet bis in die Senke von "Les Convers", dem obersten Teil des Vallon de Saint-Imier. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 16 % auf Siedlungen, 28 % auf Wald und Gehölze sowie 55 % auf Landwirtschaft; etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.

Klima
Aufgrund seiner Höhenlage weist La Chaux-de-Fonds ein raues Klima auf. Die Jahresmitteltemperatur an der Messstation La Chaux-de-Fonds (auf ) beträgt 5.8 °C, wobei im Januar mit –2.0 °C die kältesten und im Juli mit 14.3 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier 151 Frosttage, aber nur 30 Eistage zu erwarten, was im Vergleich zu anderen Orten ähnlicher Höhenlage relativ wenig ist. Der Grund dafür liegt darin, dass La Chaux-de-Fonds im Winter oft oberhalb der Inversionsschicht liegt und die Sonne den Talkessel erwärmen kann, so dass die Temperatur tagsüber trotz sehr kalter Nächte über den Gefrierpunkt ansteigt. Die Stadt weist im Mittel 1715 Sonnenstunden pro Jahr auf. Dies ist ein höherer Wert als an den meisten Mittellandstationen der Schweiz, weil La Chaux-de-Fonds im Winterhalbjahr nur selten unter einer Hochnebeldecke liegt. Sommertage gibt es im Jahresmittel acht, während statistisch nur jedes dritte Jahr ein Hitzetag zu erwarten ist. Die 1406 mm Niederschlag sind ziemlich regelmässig über das ganze Jahr verteilt, wobei im Sommerhalbjahr leicht höhere Mengen fallen als im Winter (konvektive Niederschläge). Alle Messwerte beziehen sich auf die Normalperiode von 1961 bis 1990.

Stadtgliederung und Nachbargemeinden
Zu La Chaux-de-Fonds gehören die Ortsteile "Les Eplatures" () südwestlich an die Stadt anschliessend, "Le Crêt-du-Locle" () auf der Wasserscheide gegen Le Locle, die Hofsiedlung "Les Joux Derrière" () auf einem Vorsprung nördlich der Sombaille hoch über dem Doubstal sowie verschiedene kleine Siedlungen und zahlreiche, weit verstreut auf den Höhen und Plateaus liegende Einzelhöfe. Nachbargemeinden von La Chaux-de-Fonds sind Les Planchettes, Le Locle, La Sagne und Fontaines im Kanton Neuenburg, Renan und La Ferrière im Kanton Bern, Les Bois im Kanton Jura sowie Fournet-Blancheroche, Bonnétage und Grand’Combe-des-Bois im angrenzenden Frankreich.

Stadtquartiere nach Bundesamt für Statistik



"Secteurs forains"



Bevölkerung

Mit Einwohnern (Stand }}) ist La Chaux-de-Fonds die grösste Stadt des Kantons Neuenburg. Die Einwohner der Stadt werden "Les Chaux-de-Fonniers" genannt. Von den Bewohnern sind 85,5 % französischsprachig, 3,6 % italienischsprachig und 3,2 % sprechen Portugiesisch (Stand 2000). Während 1880 noch 31 % der Bevölkerung deutschsprachig war (überwiegend zugewanderte Arbeiter aus dem Kanton Bern), beträgt der Anteil der Deutschsprechenden heute nur noch 2,4 %.

Die Entwicklung der Bevölkerungszahl von La Chaux-de-Fonds reflektiert die wirtschaftliche Situation im Hochtal des Juras. Einen ersten Höhepunkt gab es um 1910. In den folgenden drei Jahrzehnten wurde bedingt durch die beiden Weltkriege ein deutlicher Rückgang verzeichnet, dem in den 1950er und 1960er Jahren wieder ein markanter Aufschwung folgte. Der Höchststand wurde 1967 erreicht, als La Chaux-de-Fonds rund 43"000 Einwohner zählte. Die nachher einsetzende Wirtschaftskrise (insbesondere in der Uhrenindustrie) führte zu einer massiven Abwanderungswelle, was mit einem Rückgang der Bevölkerungszahl um 13 % einherging. Anders als in der Nachbarstadt Le Locle gab es in La Chaux-de-Fonds seit 1980 nur noch geringe Schwankungen, so dass die Einwohnerzahl seither insgesamt auf konstantem Niveau verblieb.

Geschichte
Ausser einigen wenigen Überresten, die aus dem Paläolithikum stammen und in Höhlen im Tal der Doubs entdeckt wurden, gibt es bis zum Mittelalter keine Beweise über die Anwesenheit von Menschen im Hochtal von La Chaux-de-Fonds.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde La Chaux-de-Fonds im Jahre 1350 unter dem Namen "la Chaz de Fonz", als Sömmerungsweide für die Bauern aus dem Val de Ruz. 1378 erschien die Bezeichnung "Chault de Font". Der Ortsname geht vermutlich auf die lateinischen Wörter "calvus" (kahl) und "fundus" (Boden, Grund) zurück und bedeutet etwa soviel wie "kahles, unbewachsenes und unbestelltes Grundstück".

Die Urbarmachung und Besiedlung des Hochtals von La Chaux-de-Fonds erfolgte in zwei Phasen: Im 14. Jahrhundert liessen sich hier Bauern aus dem Val de Ruz nieder, während im 15. und 16. Jahrhundert die Siedler eher aus dem Vallée des Ponts und aus Le Locle kamen. Das Gebiet unterstand der Herrschaft Valangin. Wegen der Wasserknappheit im Hochtal (im Unterschied zu Le Locle ist kein oberirdisches Fliessgewässer vorhanden, mit dem Mühlen oder Sägereien betrieben werden konnten) durchlief La Chaux-de-Fonds vorerst eine sehr langsame Entwicklung. Um 1530 wurde in der Gegend die Reformation eingeführt. Noch im 16. Jahrhundert bestand La Chaux-de-Fonds nur aus ein paar Häusern sowie verschiedenen Einzelhöfen in der Umgebung. Die niedere Gerichtsbarkeit über den Ort hatte Le Locle inne, die hohe Gerichtsbarkeit lag bei den Herren von Valangin. Zusammen mit der Herrschaft Valangin kam La Chaux-de-Fonds 1592 unter die Oberhoheit der Grafschaft Neuenburg.

Eine erste Wachstumsphase setzte in der Zeit des Dreissigjährigen Krieges ein, weil der Ort relativ günstig an den Handelswegen von Neuenburg in die Franche-Comté und nach Basel lag. Mit einer vom Fürsten von Neuenburg unterzeichneten Urkunde wurde La Chaux-de-Fonds am 2. Dezember 1656 zur Gemeinde mit eigenem Niedergerichtsbezirk (Mairie) erhoben, was den Ort ermächtigte, drei Jahrmärkte und einen Wochenmarkt abzuhalten.

Der eigentliche wirtschaftliche Aufschwung von La Chaux-de-Fonds begann im 18. Jahrhundert mit der Einführung der Spitzenklöppelei, die sich neben dem traditionellen Handwerk etablierte. Ebenfalls im frühen 18. Jahrhundert fasste die Uhrmacherei, die im nahe gelegenen Le Locle begründet wurde, in La Chaux-de-Fonds Fuss. Sowohl die Spitzenherstellung als auch die Fertigung der Uhrenteile geschah zunächst überwiegend in Heimarbeit. Mit den neuen technischen Möglichkeiten entwickelte sich La Chaux-de-Fonds Ende des 18. Jahrhunderts rasch zu einer Industriegemeinde. Es entstanden zahlreiche Fabriken.

Bibliothèque
Soziale Spannungen aufgrund der unterschiedlichen Rechtsstellung der Bewohner – es gab Bürger, freie Bauern und Hintersassen (übrige Einwohner) – waren der Grund, dass die Französische Revolution in La Chaux-de-Fonds begrüsst wurde. Viele Uhrmacher zogen 1793 ins französische Besançon. Nachdem 1794 eine verheerende Feuersbrunst fast drei Viertel des Dorfes eingeäschert hatte, begann unter Moïse Perret-Gentil der Neuaufbau der modernen Stadt mit rechtwinkligem Grundriss.

La Chaux-de-Fonds war Teil des Fürstentums Neuenburg, das ab 1707 durch Personalunion mit dem Königreich Preussen verbunden war. 1806 wurde das Gebiet an Napoleon I. abgetreten und kam 1815 im Zuge des Wiener Kongresses an die Schweizerische Eidgenossenschaft, wobei die Könige von Preussen bis zum Neuenburgerhandel im Jahr 1857 auch Fürsten von Neuenburg blieben.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stieg La Chaux-de-Fonds rasch zum Zentrum der blühenden Uhrenindustrie auf. Anders als Le Locle, das in einem engen Talkessel liegt, hatte La Chaux-de-Fonds genügend Möglichkeiten zur Ausdehnung. Den strengen Schachbrettgrundriss behielt man auch bei der Erweiterung der Stadt ab 1835 bei. Nach der Neuenburger Revolution von 1848 entwickelte sich die Stadt zum wirtschaftlichen Zentrum des Kantons Neuenburg und wurde Hauptort eines Bezirks. Die Uhrenindustrie rekrutierte Arbeitskräfte aus dem restlichen Kantonsteil sowie den Kantonen Waadt und Bern, was dazu führte, dass der deutschsprechende Anteil der Bevölkerung stark zunahm. Die massive Zuwanderung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die damit verbundene Ausdehnung der Stadt hatten eine Urbanität zur Folge, wie sie damals von amerikanischen Städten bekannt war.

Zu einer Gebietsveränderung kam es im Jahr 1900, als die ursprünglich zu Le Locle gehörende Ortschaft Les Eplatures, die ab 1848 eine selbständige Gemeinde bildete, mit La Chaux-de-Fonds fusioniert wurde.

Im frühen 20. Jahrhundert kam es mehrfach zu sozialen Spannungen, die in Streiks gipfelten. Auf Gemeindeebene lösten die Sozialdemokraten 1912 die zuvor dominierenden Radikaldemokraten ab. In der folgenden Zeit hatten die links orientierten Parteien stets die Mehrheit im Generalrat und im Stadtrat inne. Krisen in der Uhrenindustrie während der 1920er und 1930er Jahre führten schon früh zu einer Diversifizierung der Industrie und zur Ansiedlung neuer Industriezweige.

Die Stadt breitete sich auf die umliegenden Hänge aus, doch ab 1920 wich man beim Bau der neuen Aussenquartiere aus topographischen Gründen vom strengen rechtwinkligen Grundriss ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten erneut ein starkes Wachstum und eine weitere Hochkonjunktur der Uhrenindustrie. Infolge der Rezession der 1970er Jahre mussten zahlreiche Betriebe (insbesondere der Uhrenindustrie) schliessen, so dass die Arbeitslosigkeit rasch anstieg und La Chaux-de-Fonds einen deutlichen Rückgang der Einwohnerzahl zu verzeichnen hatte. In diesem Jahrzehnt wurde die einst dominierende Uhrenindustrie von den Branchen Präzisionsmechanik, Mikromechanik und Elektronik abgelöst; ein Prozess, der sich bis heute fortsetzt.

Politik
Legislative
Gesetzgebende Behörde ist der von den Stimmberechtigten der Gemeinde La Chaux-de-Fonds alle vier Jahre gewählte Generalrat (Conseil général). Die 41 Abgeordneten werden im Proporzwahlverfahren gewählt. Die Aufgaben des Generalrats umfassen die Budget- und Rechnungsabnahme, die Festlegung der Gemeindereglemente und die Kontrolle der Exekutive.

Bei den Wahlen im April 2008 ergab sich folgende Sitzverteilung:
* SP: 11
* SVP: 8
* FDP: 8
* PdA - POP: 7
* GPS: 7

Darüber hinaus gibt es in La Chaux-de-Fonds ein Jugendparlament. Die 15- bis 25jährigen Abgeordneten können dabei frei über ein Budget von rund 20"000 Franken verfügen.

Exekutive
Ausführende Behörde ist der Gemeinderat (Conseil communal). Er besteht aus fünf Mitgliedern und wird im Majorzwahlverfahren gewählt. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat ist für die Vollstreckung der Beschlüsse des Parlamentes, für die Ausführung der Gesetzgebung von Bund und Kanton sowie für die Repräsentation und Führung der Gemeinde zuständig. Der ebenfalls auf vier Jahre gewählte Gemeindepräsident verfügt über erweiterte Kompetenzen.

Die fünf amtierenden Gemeinderäte sind:
* Didier Berberat (SP): Präsident
* Pierre Hainard (SVP): Vizepräsident
* Laurent Kurth (SP)
* Pierre-André Monnard (Liberale)
* Jean-Pierre Veya (PdA – Unité Socialiste)

Stadtwappen
Die Gemeinde La Chaux-de-Fonds hat sich ihr eigentümliches Wappen (goldene Bienen mit Bienenkorb auf silbernem Grund, ruhend auf den elf historischen Quartieren, symbolisiert durch blaue Vierecke, und darüber drei Sterne am blauen Himmel) im Jahre 1851 gegeben. Nach der Revolution von 1848 galt es, das alte Wappen zu ersetzen, da es mit einer Krone noch an die Insignien der preussischen Hoheit erinnert hatte. Das Silber sollte, wie in der Begründung an das Gemeindeparlament festgehalten wurde, die neue, republikanische Verwaltungsära symbolisieren. Der Bienenkorb mit den Bienen steht für die aufstrebende Industrie und die (fleissigen) Werktätigen. Das Gold verkörpert den Wohlstand. Die drei Sterne sind ein Integrationssymbol und stellen die drei Gemeinschaften, welche die Einwohnerschaft bilden, dar: neuenburgische Bürger, ausserkantonale Schweizer Bürger sowie immigrierte Ausländer. Die elf Vierecke hätte man gerne grün gemacht, um die landschaftliche Atmosphäre der Jurahöhen auszudrücken. Schliesslich beschränkte man sich aber auf drei Farben.

Das Wappen hält sich nicht an heraldische Regeln (wonach zum Beispiel nicht Metall auf Metall, hier Gold auf Silber, verwendet werden soll). Ursache musste nicht unbedingt Unkenntnis dieser Regeln sein. Die Missachtung der Heraldik als Sinnbild für Aristokratie könnte auch nur Ausdruck dafür sein, dass man mit der Feudalzeit bewusst brechen und endgültig in ein republikanisches Zeitalter aufbrechen wollte.

Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschafts- und Industriestandort
Typisches Strassenbild von La Chaux-de-Fonds
La Chaux-de-Fonds entwickelte sich etwa ab Mitte des 18. Jahrhunderts vom Bauerndorf zur Industriegemeinde. Zu dieser Zeit gehörten vor allem die Herstellung von Spitzen und in zunehmendem Masse die Uhrmacherei zu den wichtigen Erwerbszweigen der Bevölkerung. Ab 1800 entwickelte sich La Chaux-de-Fonds zu einem Zentrum der Uhrenindustrie. Bereits durch die Krisen in der Zeit von 1910 bis 1945 schwer getroffen, fand damals eine erste Diversifizierung der Industrie statt (beispielsweise führte man die Produktion von Radioapparaten ein). Wie viele andere Städte des Juras hatte La Chaux-de-Fonds unter der Krise in der Uhrenbranche ab 1970 zu leiden. Dank der bereits erfolgten Diversifizierung erholte sich La Chaux-de-Fonds ab 1980 und trieb die Ansiedlung neuer Industriezweige weiter voran.

Heute bietet die Stadt rund 21"000 Arbeitsplätze an. Mit 2 % der Erwerbstätigen, die noch im primären Sektor beschäftigt sind, hat die Landwirtschaft (vorwiegend Milchwirtschaft und Viehzucht) nur noch einen marginalen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Etwa 45 % der Erwerbstätigen sind im industriellen Sektor tätig, während der Dienstleistungssektor 53 % der Arbeitskräfte auf sich vereinigt (Stand 2001).

Seit etwa 1970 haben sich die Industriezonen immer weiter nach Südwesten ausgedehnt. Noch immer hat die Uhrenindustrie (Luxusuhren) mit Zulieferbetrieben eine gewisse Bedeutung in La Chaux-de-Fonds. Hierbei sind insbesondere die Unternehmen Corum, Ebel, Girard-Perregaux, TAG Heuer und Vulcain zu nennen. Daneben ist die Stadt Standort zahlreicher teils international bekannter Firmen der Präzisionsmechanik (u.a. medizinische Instrumente), der Mikromechanik und Elektronik sowie der Informationstechnologie. Auch der Maschinenbau, die Möbelindustrie, der Metallbau, die chemische Industrie, die Telekommunikation und Zulieferer der Automobilindustrie spielen eine wichtige Rolle.

In den letzten Jahrzehnten hat sich La Chaux-de-Fonds immer mehr zum Dienstleistungszentrum entwickelt. Besonders viele Erwerbstätige dieses Wirtschaftssektors sind in der Verwaltung, im Banken- und Versicherungswesen, in Logistikfirmen, im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie im Verkauf und im Gastgewerbe beschäftigt.

Bildungseinrichtungen
Neben den Stufen der obligatorischen Schulausbildung (Primarschulen, Sekundarschulen) kann in La Chaux-de-Fonds auch das Gymnasium besucht werden. In der Stadt wurde 1876 eine Industrieschule gegründet, die sich 1900 zum Gymnasium wandelte. Das heutige Gymnasium, das "Lycée Blaise Cendrars", wurde 1971 eingeweiht. Dem "Centre interrégional de formation des Montagnes neuchâteloises" (CIFOM), einem Berufsbildungszentrum, sind fünf Schulen angegliedert (darunter ein Technikum), die zusammen mit Le Locle geführt werden. Im weiteren gibt es auch eine Pädagogische Hochschule und ein Konservatorium.

Verkehr
Die Stadt ist verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Sie dient sowohl für den Strassen- als auch für den Bahnverkehr als Knotenpunkt. Die wichtigste Strassenverbindung besteht mit der Kantonshauptstadt Neuenburg. Während früher der 1283 m hohe Pass der Vue des Alpes mit steilen Rampen überquert werden musste, gibt es seit Ende 1994 mit der Schnellstrasse H20 (Tunnels unter dem Mont Sagne und der Vue des Alpes) eine direkte, teilweise vierspurige Verbindung mit Neuenburg. Weitere wichtige Strassen führen von La Chaux-de-Fonds via Le Locle nach Besançon, über die Freiberge nach Delémont und durch das Vallon de Saint-Imier nach Biel.

Blick auf die Avenue Léopold Robert
Als erste Eisenbahnlinie wurde am 2. Juli 1857 die Strecke von La Chaux-de-Fonds nach Le Locle in Betrieb genommen. Danach folgte am 27. November 1859 die Eröffnung der Strecke nach Convers und am 15. Juli 1860 die Durchbindung nach Neuenburg. Die Strecke von Convers nach Biel wurde am 30. April 1874 eröffnet; letztere wurde bereits am 17. Dezember 1888 teilweise ersetzt, als die direkte Strecke durch den Crosettes-Tunnel eröffnet wurde. Diese Strecken sind normalspurig und gehören mittlerweile den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).

Die meterspurige Bahnstrecke nach Les Ponts-de-Martel wurde am 26. Juli 1887 von der Gesellschaft Ponts–Sagne–Chaux-de-Fonds (PSC) eröffnet. Zuletzt folgte am 7. Dezember 1892 die Einweihung der meterspurigen Strecke nach Saignelégier durch die Gesellschaft Saignelégier–La Chaux-de-Fonds (SC). Die beiden Meterspurstrecken gehören weiterhin zwei unterschiedlichen Unternehmen, erstere den Transports Régionaux Neuchâtelois (TRN), letztere den Chemins de fer du Jura (CJ).

Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen die von der TRN SA betriebenen Stadtbuslinien (Trolleybusse und Autobusse). Daneben gibt es Buslinien, die von La Chaux-de-Fonds nach Biaufond, nach Le Locle und teilweise bis nach La Brévine sowie auf die Vue des Alpes führen. Von 1897 bis 1950 verkehrten Strassenbahnen; das Streckennetz erreichte eine maximale Länge von 5,3 Kilometern.

Südwestlich der Stadt befindet sich der 1926 eröffnete regionale Flugplatz Les Eplatures, der ganzjährig betrieben wird.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Stadtbild und Bauwerke
Strassenplan von La Chaux-de-Fonds
Das Stadtbild von La Chaux-de-Fonds ist geprägt durch das strenge, zu Beginn des 19. Jahrhunderts in zwei Phasen angelegte Schachbrettmuster. Nach dem Dorfbrand von 1794 wurde Platz frei, um diesen modernen Stadtgrundriss nach Plänen von Moïse Perret-Gentil einzuführen. Die grossen Stadterweiterungen ab 1835 erfolgten nach einem genauen Plan des Architekten Charles-Henri Junod. Aus diesem Grund wurde La Chaux-de-Fonds neben Le Locle als einzige Schweizer Stadt eine Reissbrettstadt; das heisst, die Strassen verlaufen parallel und rechtwinklig. Die zentrale Achse bildet die breite Hauptstrasse "Avenue Léopold Robert", die gemäss der Orientierung des Hochtals von Südwesten nach Nordosten ausgerichtet ist. Parallel dazu verlaufen mindestens 15 sekundäre Längsstrassen unterschiedlicher Länge. Senkrecht dazu und damit quer zur Talrichtung sind rund 20 Querstrassen orientiert, die an den Hängen zum Teil starke Steigungen aufweisen. Die Strassenzüge werden von Jugendstilhäusern und den typischen kubischen Mietshäusern aus dem 19. Jahrhundert sowie von zahlreichen modernen Industrie-, Gewerbe- und Geschäftsbauten sowie Wohnblöcken flankiert.

Grand Temple
Auf dem rechteckigen Rathausplatz "(Place de l’Hôtel de Ville)" befindet sich das Denkmal der Republik von 1910, eine Bronzearbeit von Charles L’Eplattenier. Der nüchterne Bau des "Hôtel de Ville" stammt von 1803. Die reformierte Kirche "Grand Temple", die zwischen 1794 und 1796 entstand, zeigt einen ovalen Grundriss. Die Turmuhr des Grand Temple in La Chaux-de-Fonds war ab 1860 für lange Zeit Zeitbasis der Uhrenmetropole. Ihr Innenraum wurde 1921 nach einem Brand neu strukturiert. Die deutsche Kirche wurde 1853 und die reformierte Kirche Saint-Jean 1972 erbaut. Einige Häuser wurden von Le Corbusier entworfen, beispielsweise das „Maison Blanche“ (1912) oder die „Villa Turque“ (1917). Ein imposantes Bauwerk neueren Datums ist die 1992/94 erbaute „Espacité“, ein 60 Meter hohes Bürohochhaus, in dem sich die Stadtverwaltung befindet; vom obersten Stockwerk aus kann das Panorama bewundert werden.

Neue Wohnquartiere entstanden seit den 1970er Jahren an erhöhten Lagen südlich des Stadtzentrums sowie an den Sonnenhängen von Pouillerel und Sombaille. Das Siedlungsgebiet von La Chaux-de-Fonds blieb aber bis heute kompakt. Es fand keine Zersiedelung statt, es gibt keine Vororte, und direkt an die Siedlungszone schliessen die ausgedehnten Wiesen und Weiden des Hochjuras an.

Für die Restaurierung und den Erhalt des architektonischen Wertes der schachbrettartig angelegten Bebauung im Rahmen der Sanierung des Stadtzentrums und der Jugendstilbauten erhielt die Stadt La Chaux-de-Fonds 1994 den Wakkerpreis. Ende Juni 2009 wurde La Chaux-de-Fonds – zusammen mit Le Locle – zum UNESCO-Welterbe erklärt.

Museen
In La Chaux-de-Fonds gibt es verschiedene bedeutende Museen:
* Musée International d"Horlogerie (Internationales Uhrenmuseum), in dem die Bedeutung der Zeitmessung und die Geschichte der Uhrmacherei dargestellt wird. Der unterirdische Bau wurde von 1971 bis 1973 erstellt.
* Musée des Beaux-Arts (Kunstmuseum) in einem neoklassizistischen Bau von 1926: Schweizer und Neuenburger Maler des 19. und 20. Jahrhunderts
* Musée d"histoire in einem Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert: Lokalgeschichte und Münzsammlung
* Musée d"histoire naturelle (Naturkundemuseum)
* Musée paysan et artisanale (Bauern- und Handwerksmuseum) in einem bemerkenswerten, von 1612 bis 1614 erbauten Bauernhaus im Stil der Neuenburger Jurahöfe

Kultur
Espacité, der Sitz der Stadtverwaltung
La Chaux-de-Fonds hat verschiedene kulturelle Einrichtungen zu bieten. Dazu gehören verschiedene Museen, der Konzertsaal, das Théâtre populaire romand (seit 1968), Bibliotheken, Kinos, eine Ludothek, das Centre d"Animation et de Rencontre und das Kultura Centro Esperantista (Esperanto-Kulturzentrum). Die Stadt besitzt auch einen Wildpark und ein Vivarium.

Sport
Mit dem Fussballclub FC La Chaux-de-Fonds (Schweizer Meister 1954, 1955, 1964) ist die Stadt derzeit in der Challenge League vertreten, der heutige Drittligist Étoile-Sporting La Chaux-de-Fonds wurde 1919 Schweizer Meister. Der Eishockeyclub HC La Chaux-de-Fonds (sechsfacher Schweizer Meister) spielt in der Nationalliga B. Die Sportanlagen mit dem Stade de la Charrière, Fussballplätzen, Tennisplätzen, Sportzentrum und Eishalle liegen überwiegend am nordöstlichen Rand der Stadt. Leicht erhöht südlich des Stadtzentrums befindet sich das Freibad.

Im Winter kann am Stadtrand am Hang des Pouillerel alpiner Skisport betrieben werden. Ein weiteres Skigebiet mit mehreren Skiliften befindet sich im Gebiet von Vue des Alpes und Tête de Ran. Die ausgedehnten Hochflächen der Umgebung von La Chaux-de-Fonds eignen sich für den Langlaufsport.

Vom 4. bis 11. Oktober 1998 fand in der Stadt die Fechtweltmeisterschaft statt.

Persönlichkeiten
* Pierre Aubert, Politiker und Bundesrat
* Blaise Cendrars, Romancier
* Louis Chevrolet, Automobilhersteller
* Theophil Christen, Mathematiker, Mediziner und Ökonom, wirkte hier als Arzt
* Le Corbusier, Architekt, Architekturtheoretiker, Stadtplaner, Maler und Bildhauer
* Jean-Pierre Droz, Medailleur und Münzenpräger
* Numa Droz, Politiker und Bundesrat (FDP)
* Dany El-Jdrissi, Leichtathlet
* John Favre, Mitglied der Geschäftsleitung der Schweizerischen Bundesbahnen
* Ernest Paul Graber, Politiker (SP)
* Pierre Graber, Politiker und Bundesrat (SP)
* Jules Humbert-Droz, Politiker (Komintern, KPS, SP)
* Pierre Jaquet-Droz, Mathematiker, Uhrmacher und Automatenkonstrukteur
* Charles Naine, Politiker (SP)
* Nicole Petignat, Schweizer Fussballschiedsrichterin
* Louis Reguin, Schweizer Emailmaler und Miniaturist
* Louis Léopold Robert, Maler
* Monique Saint-Hélier, Schweizer Schriftstellerin
* Lupus Shaun, Fotograf und Künstler
* Adrienne von Speyr, Ärztin, Mystikerin und geistliche Schriftstellerin
* Georges Schneider, Skirennfahrer und Weltmeister

Lenin hat während seines Schweizer Exils unter anderem in La Chaux-de-Fonds gelebt.


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