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Kommissare im Schweizer «Tatort» zwischen Mord und Liebesglück

Schweiz
13.09.2017
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Ein Mord als Selbstmord getarnt, aber für die Schweizer «Tatort»- Ermittler ist schnell klar, wie der Hase läuft. Beruflich werden sie mit menschlichen Abgründen konfrontiert, privat mit Liebesglück.

Luzern (dpa) - Eine Nachtfahrt im Reisebus über die Autobahn, die Passagiere dösen vor sich hin. Dann kracht es, der Fahrer steigt in der Nähe von Luzern scharf in die Bremsen. Ein Mann ist auf seine Windschutzscheibe geknallt, offensichtlich von einer Autobahnbrücke gestürzt. Warum ist das ein Fall für den Schweizer «Tatort»-Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser)?

Weil schnell klar ist: Der Tote ist nicht von allein gesprungen, dafür hatte er zu viel Beruhigungsmittel im Blut. Gewohnt unaufgeregt gehen Flückiger und Liz Ritschard (Delia Mayer) ans Werk. Sie finden schnell heraus, dass der der Tote angeblich schon 13 Jahre tot war: ein hochverschuldeter Unternehmer, verschwunden im Tsnuami 2004 in Thailand. Das Erste zeigt den neuen Fall «Zwei Leben» am Sonntag (17. September) um 20.15 Uhr.

Nach 20 Minuten kommt erstmals so etwas wie Krimi-Spannung auf. Der Stiefsohn des Toten hat etwas zu verbergen, das legen Musik und sein nervöser Blick aus dem Fenster nahe.

Für Kommissar Flückiger haben die Ermittlungen eine persönliche Note: Er kennt den Busfahrer Beni Gisler (Michael Neuenschwander) aus dem Militärdienst. «Ich bin‘s, der Flücki», sagt er dem verstörten Mann noch am Straßenrand. 

Bei Gisler kommen schlimmste Erinnerungen hoch. Wieder ein Selbstmord, denkt er. Das hat er als Lokführer schon zweimal erlebt. Die Bilder quälten ihn bis zur Psychose. Seine Ehe zerbrach, er gab den Job auf und wurde Busfahrer. Als er hört, dass das Opfer gar nicht von selbst gesprungen sein kann, wittert er die Chance, sich irgendwie zu rächen. Er will den Mörder selbst zur Strecke bringen.

Neuenschwander spielt den Druck durch die psychische Belastung beklemmend echt. Nur ist dies nicht ein Psychodrama, sondern ein Krimi. Schauspielerin Saskia Vester bringt als Unternehmergattin und Witwe des vermeintlich schon 13 Jahre Toten authentisch rüber, wie ein wenig patenter Firmenerbe nerven kann. Nur ist dies keine Familiengeschichte. Flückigers Vorgesetzter Regierungsrat Eugen Mattmann (Jean-Pierre Cornu) mäkelt an den Ermittlungen herum, nur ist er nicht vom Kaliber des herrlich nervigen Vice Questore Giuseppe Patta in Donna Leons Brunetti-Krimis.

Ein alter «Tatort» sei wie ein Stück Zeitgeschichte, meinte Dietmar Bär, der langjährige Kölner «Tatort»-Kommissar Freddy Schenk, vor Kurzem. Die Geschichten seien in ihrer Zeit immer aktuell. Wer alte Episoden anschaue, lerne immer auch etwas über die Zeit, in der sie entstanden. Im Vergleich zum Schweizer Tatort im Frühjahr, der die Spätfolgen des Tschetschenienkriegs thematisierte, bleibt das neue Stück «Zwei Leben» (Regie: Walter Weber) eher zeitlos.

Kommissar Zufall ist schwer im Einsatz, um die Geschichte voranzubringen. Am Ende kommt dann doch noch das Blaulicht zum Einsatz. Flücki und Ritschard verhindern in letzter Sekunde einen zweiten Mord und klären die Tat auf.

Ein bisschen mehr Einblick gibt es in das Privatleben der Kommissare:  Wie Flückiger beseelt lächelt, sobald seine Freundin Eveline Gasser (Brigitte Beyeler) in der Nähe ist. «Schön, wenn man jemand hat, der einen auf andere Gedanken bringt», säuselt er passend zur Liebesnacht. Dann ist da noch Liz Ritschards Liebesglühen für eine neue Flamme, die gerade einen Imbiss ins Kriminalkommisariat geliefert hat - da könnte auch noch was gehen.

 

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