Skiurlaub- günstig mit FeWo-direkt


ITS | Jahn | Tjaereborg


Hotelsuche in 
 

Kein Heilsbringer für Spanien

Spanien
30.06.2016
Von Jürgen Herda    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Pablo Iglesias klar nicht gewählt - Spanien in der EU
„Yes we can“ oder auf gut Spanisch: Podemos – wir können. Denkste! Da hat sich der charismatische Politaktivist mächtig verzockt. Weil Pablo Iglesias selbst Ministerpräsident werden wollte, verweigerte er einer möglichen Mitte-Links Regierung seine Zustimmung. Jetzt sind die Konservativen wieder am Drücker.
Galerie
Regensburg/Madrid. „Podemos hat Sympathien in meiner Altersgruppe“, sagt Antonia Kienberger, 41. Die Regensburgerin hat ein Jahr in Madrid studiert und erst im Mai die Studienfreunde besucht. Akademiker, die inzwischen als Pharmazeuten, Biologen, Übersetzer oder Agrarwissenschaftlerin im Ministerium lukrative Jobs ergatterten. „Alle haben Häuser, Kredite und Kinder“, lacht die promovierte Romanistin. Alle seien pro-EU, wollten das solidarische Prinzip in der Gesellschaft stärken, lehnten aber einen radikalen Wandel ab.
Pablo Iglesias, Chef der spanischen Partei Podemos, am 26. Juni 2016 nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse.

„Ich denke, Iglesias ist den Leuten suspekt, er wechselt einfach zu oft seine Position – und die Spanier wollen kein Experiment mit einem ehrgeizigen 37-Jährigen mitten in der Krise.“ Die Lichtgestalt der neuen Linken, von seinen Franco-kritischen Eltern benannt nach Pablo Iglesias (1850-1925), Gründer der Partido Socialista Obrero Español (PSOE) und der Gewerkschaft Unión General de Trabajadores (UGT), führte die Protestbewegung auf Anhieb auf Platz 3 der Parteienhierarchie – und rechnete fest damit, dass ihm das Patt zwischen Konservativen und Mitte-Links bei Neuwahlen noch mehr Wähler in die Arme treiben würde – im Bündnis mit der kommunistischen Izquierda Unida unter dem Namen Unidos Podemos (UP). Sein kometenhafter Aufstieg scheint jetzt erst einmal gestoppt.

Lichtgestalt mit Flecken
Iglesias verkündete einmal das Ende aller Ideologien, schwärmte dann für das Regime in Venezuela oder das Syriza-Bündnis in Griechenland. Als Podemos im Wahlkampf sein Wirtschaftsprogramm in Aufmachung eines Ikea-Katalogs präsentierte, spottete der politische Gegner: „Das Programm hat skandinavisches Aussehen, aber dahinter verbirgt sich griechische Realität.“ Das saß.

In der Wahlnacht dann Tränen vieler junger Spanier, die sich um ihre Zukunft betrogen sehen. Sie waren zum Feiern auf den Platz vor dem Reina-Sofía-Museum in Madrid geströmt. Noch bei Schließung der Wahllokale hatten die Umfragen der UP starke Gewinne vorhergesagt. Umgekehrt blieb die Zentrale von Mariano Rajoys Volkspartei (PP) erst einmal verwaist – die Konservativen erwarteten eine Schlappe. Doch als erste Trends bekannt wurden, strömten Tausende PP-Anhänger zur Parteizentrale.

Auch die Brexit-Entscheidung der Briten drei Tage vor der Spanien-Wahl und die labile Wirtschaftslage dürften Rajoy in die Hände gespielt haben: „Die Konservativen haben ein Horrorszenario entworfen, was ein Linksbündnis für die Wirtschaft bedeuten würde“, erklärt Spanien-Versteherin Kienberger, warum Rajoys Partei für den Korruptionsskandal nicht abgestraft wurde. Spanien weist zwar wieder eine Wachstumsrate von über drei Prozent auf und hat sein Bankensystem saniert. Die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Eurozone gilt aber als krisenanfällig – die Staatsverschuldung ist astronomisch, die Arbeitslosenquote mit 21 Prozent eine der höchsten in der EU.

Noch beschäftigen sich Spaniens Politiker mehr mit sich selbst und der Frage, welche Konstellation die beste Machtoption für die jeweilige Partei darstellt. Die Probleme bleiben ungelöst. Dabei gibt es auf der iberischen Halbinsel auch ohne Flüchtlingsdebatte und Rechtspopulisten genügend Sprengstoff: „Das Separationsgezerre in Katalonien hat viele Firmen dazu gebracht, sich aus der eigentlich wirtschaftlich starken Region zurückzuziehen“, zitiert Kienberger einen spanischen Experten, mit dem sie kürzlich gesprochen hat.
Spanischer Fan-Nachwuchs am 27. März 2016 während des EM-Qualifikations-Spiels gegen die Ukraine in Sevilla, Spanien.

Politikwechsel
Auch der geplante Katalexit bringt nichts wie Nachteile für die Bürger – dabei gebe es Baustellen, die nur gemeinsam und mit Unterstützung der EU zu lösen sind: wie die horrende Jugendarbeitslosigkeit, die zur Abwanderung vieler kluger Köpfe aus dem Land führt. Alles in allem: Viele Gelegenheiten für einen Politikwechsel mit einer Koalition aus Sozialdemokraten (PSOE), Unidos Podemos und den neuen liberal-bürgerlichen Ciudadanos. „Sie könnten wie früher die FDP das Zünglein an der Waage spielen“, sagt die Romanistin, „Bürger, die pragmatische Politik ohne Ideologie und Separatismen wollen.“

Der abgewatschte PSOE-Chef, Pedro Sánchez, hatte genau das vor der Wahl vorgeschlagen. Ob er nach dem historisch schlechten Abschneiden der PSOE dazu noch die Kraft hat, ist zweifelhaft. Wahrscheinlicher ist eine von Rajoy herbeigeredete Minderheitsregierung: „Seit einem Jahr ist kein Gesetz mehr im Parlament verabschiedet worden“, sagt er. Es wäre eine „groteske Verantwortungslosigkeit“, wenn die PSOE ihn blockiere. Das wahrscheinliche Ergebnis: ein kraftloses Spanien, das sich wie England zum Entsetzen der Fans nicht nur aus der EM verabschiedet.

 

Kommentare zu diesem Artikel
 
Neuer Kommentar
Name *
Email * (wird nicht öffentlich angezeigt)
Kommentar
* Pflichtangaben
 
Diesen Artikel empfehlen

Absender Empfänger Nachricht (optional)
Name
E-Mail

Name
E-Mail
   
 
 
Tipps der Redaktion aus dem Nachrichtenportal
 
NACHRICHTEN
Madrid (dpa) - Die Wahl von Pedro Sánchez zum Oppositionsführer hat in Spanien die Sorge vor politischer Instabilität neu entfacht. Der konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy schloss die Möglichkeit einer vorgezogenen Parlamentswahl am
Madrid (dpa) - Knapp acht Monate nach seinem unrühmlichen Rücktritt als Generalsekretär der spanischen Sozialisten (PSOE) ist Pedro Sánchez ein unerwartetes Comeback gelungen. Der 45 Jahre alte Hochschullehrer wurde am Sonntag erneut zum Chef
Málaga (dpa) - Der spanische Rekord-Titelträger Real Madrid ist mit Weltmeister Toni Kroos erstmals nach fünf Jahren wieder spanischer Fußball-Meister geworden. Die Mannschaft von Trainer Zinedine Zidane sicherte sich
Max Hartung glänzt beim Säbel-Weltcup in der spanischen Hauptstadt. In Leipzig werden Ricarda Multerer und Fabian Herzberg deutsche Meister mit dem Degen.Madrid/Leipzig (dpa) - Säbelfechter Max Hartung vom TSV Bayer Dormagen ist in Madrid erstmals
Max Hartung glänzt beim Säbel-Weltcup in der spanischen Hauptstadt. In Leipzig werden Ricarda Multerer und Fabian Herzberg deutsche Meister mit dem Degen.Madrid/Leipzig (dpa) - Säbelfechter Max Hartung vom TSV Bayer Dormagen ist in Madrid erstmals
Berlin (dpa) - Der spanische Schauspieler Javier Bardem («Pirates of the Carribbean: Salazars Rache») hat mal als Stripper gearbeitet - und seine Mutter zu dem Auftritt mitgenommen. «Ich war so nervös, dass ich meine Schwester und meine Mutter
 
Tipps der Redaktion aus dem Reiseportal
 
REISEPORTAL
Los geht es oft nicht vor 23 Uhr in einem der zahlreichen Cafés, zum Beispiel nahe der Plaza del Dos de Mayo (Platz des Zweiten Mais), wo sich die alternative Szene Madrids trifft, oder auf der Plaza de Santa Ana im Stadtteil Huertas. Hier im
Über 20 000 Sehenswürdigkeiten und Stätten über ganz Spanien verteilt verkünden das Erbe vieler verschiedener Völker und Epochen. Wußten Sie, daß die UNESCO bis dato 41 Stätten in Spanien zum
Spanien hat eine Oberfläche von 505.955 Quadratkilometern und zählt somit zu den fünfzig größten Ländern der Welt. Der größte Teil des Territoriums befindet sich auf der Iberischen Halbinsel, die sich
Auf einer halben Million Quadratkilometer erzeugt Spanien eine Fülle an landwirtschaftlichen Erzeugnissen und deren weiterverarbeitete Produkte, die in den Geschäften Europas dem Käufer den Duft und Geschmack Spaniens vermitteln. Das Klima und
Wer sich selbst mit dem Motorrad oder auch anderweitig auf den Weg durch Andalusien machen will findet hier nützliche Informationen und Tipps. Allgemeines Andalusien ist die südlichste der autonomen Regionen Spaniens und mit 7,5 Millionen
Die letzte Etappe heißt Marbella - die Straßen sind zwar frei aber die Strände voll. Dann ist wirklich Schluss mit Lustig. Durch die Sierra Bermeja führt uns die letzte Etappe entlang der gut ausgebauten, breiten und kurvenreichen A376 nach
Wetter

Madrid


(23.05.2017 07:08)

13 / 28 °C


24.05.2017
17 / 31 °C
25.05.2017
16 / 31 °C
powered by wetter.com
Börsenberichte

banner

banner

banner

banner

© europe online publishing house GmbH, Weiden, Germany, info@europeonline-magazine.eu | Impressum