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Im Windschatten Rumäniens

Moldawien
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Ortsbestimmung: Moldawien, nicht zu verwechseln mit dem Fürstentum Moldau
Das Kerngebiet der heutigen Republik Moldawien ist die historische Landschaft Bessarabien, gelegen zwischen Pruth, Dnjestr, Donau und Schwarzem Meer. Der südliche Teil Bessarabiens (Budschak) gehört heute zur Ukraine. Nicht zu verwechseln mit dem Fürstentum Moldau, das wie die Walachei eine historische Landschaft in Rumänien ist.
Galerie
Triumphbogen im Stadtzentrum von Chişinău.

Amtliche Bezeichnung: Republik Moldawien

Hauptstadt: Chişinău

Einwohner: 4,5 Millionen

Fläche: 33.700 Quadratkilometer

Landessprache: Moldauisch (Rumänisch). Die moldauische Schriftsprache ist mit der rumänischen identisch, verwendete aber bis 1989 die kyrillische Schrift. Das Moldauische ist dementsprechend ebenfalls eine romanische Sprache. Als Verkehrssprache ist Russisch weit verbreitet. Im Landessüden in Gagausien wird die Turksprache Gagausisch gesprochen.

Bevölkerung: 64,5 % Moldauer, 13,8 % Ukrainer, 13 % Russen, kleinere Minderheiten von Gagausen, Bulgaren und Juden.

Religion: Entsprechend der Bevölkerungsanteile gliedert sich die beherrschende Orthodoxie (60 %) in eine Moldawische, eine Ukrainische und eine Russische sowie die Orthodoxe Kirche Bessarabiens. Immerhin zehn Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum jüdischen Glauben. Kleinere Minderheiten sind die Römisch katholische Kirche, die Zeugen Jehovas und die Muslime.

Währung: Moldau Leu = 100 Bani

GESCHICHTSTABELLE

14. Jhd.: Das walachische Fürstenhaus Besarab erobert das Land und kommt so zu dem oft missverständlichen Namen Bessarabien.

16. Jhd.: Das Osmanische Reich bemächtigt sich auch Bessarabiens.

1812: Bessarabien fällt als Folge des „Friedens von Bukarest“ an das Russische Reich.

1856/1878: Russland muss nach dem Krimkrieg zunächst den südwestlichen Teil Bessarabiens (Izmail, Bolgrad, Cahul) an das Fürstentum Moldau abtreten, bekommt diese Gebiete aber nach dem Berliner Kongress 1878 wieder zurück.

1918: Nach einer kurzen Phase als unabhängige Moldauische Demokratische Republik nach dem Ersten Weltkrieg vereinigt sich Bessarabien mit Rumänien. Der Dnjestr wird Grenzfluss zwischen Rumänien und der Sowjetunion.

1924: Die Sowjetunion gründet östlich des Dnjestr im ukrainisch-rumänischen Grenzgebiet die Moldauische Autonome Sowjetrepublik (Moldauische ASSR).

1940: Die Sowjetunion besetzt – wie im Geheimen Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt beschlossen – Bessarabien und die nördliche Bukowina mit der Hauptstadt Czernowitz. Ein Teil der Moldauischen ASSR wird im August mit Bessarabien zur Moldauischen SSR vereinigt, Kišinev/Chisinau wird Hauptstadt. Der hauptsächlich von Ukrainern bewohnte südliche Teil Bessarabiens am Schwarzen Meer (u.a. Izmail und Belgorod-Dnestrovskij) und die nördliche Bukowina werden Teil der Ukrainischen SSR.

1941: Marschall Ion Antonescu schickt rumänische Truppen zur Unterstützung des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, weshalb die Nationalsozialisten dem Diktator Bessarabien, die nördliche Bukowina und das Gebiet zwischen Dnjestr und südlichem Bug in der Ukraine (als Transnistrien verwaltet) vermachen. Bessarabische Juden werden in Ghettos und Todeslager nach Transnistrien deportiert.

1944: Die Rote Armee erobert Bessarabien zurück. Rumäniens Diktator Antonescu wird ab-, König Mihai I. wieder eingesetzt. Bessarabien, die nördliche Bukowina und Transnistrien werden erneut an die Sowjetunion angeschlossen. Die Moldauische SSR bleibt bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 bestehen.

Demonstration für die Einführung von Rumänisch als Landessprache im Jahr 2002 in Chişinău.
1989: Rumänisch wird zur einzigen Amtssprache erklärt, was zu Spannungen mit den Minderheiten führt.

1990 Bei den Parlamentswahlen setzt sich eine nichtkommunistische Mehrheit durch. Moldawien erklärt sich im ersten Schritt zum souveränen Staat innerhalb der Sowjetunion.

1991: Das moldawische Parlament beschließt am 27. August die Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Die Möglichkeit einer Wiedervereinigung mit Rumänien wird verworfen, nachdem die nationalen Minderheiten der Russen und Gagausen als mögliche Reaktion Abspaltungsabsichten erkennen ließen. Dennoch zerfällt das Land in die Republik Moldawien und die östlich der Dnjestrs gelegene, völkerrechtlich nicht anerkannte Transnistrische Moldauische Republik mit lediglich einem schmalen Landstrich östlich des Dnjestrs sowie der Stadt Bendery, Standort eines Großteils der moldawischen Industrie. Die Gagausen wiederum proklamieren eine Republik Gagausien im südlichsten Zipfel des Landes.

1991/92: Die moldauische Regierung versucht vergeblich, die Kontrolle zurück zu gewinnen. Die Separatisten werden von der Russischen Armee unterstützt und erzwingen im August 1992 einen Waffenstillstand.

1995: Autonomiestatus für Gagausien. In Transnistrien werden trotz des ungeklärten Status staatliche und militärische Strukturen aufgebaut, nachdem Verhandlungen unter Vermittlung von Russland, der Ukraine und der OSZE erfolglos verlaufen waren.

1997: Moldawien wird Mitglied der GUAM-Allianz.

2009: Das Land tritt der Östlichen Partnerschaft bei.

Fakten
 

 

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