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Frust und Lust in Regensburg

Deutschland, Regensburg
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Die Zwanziger Jahre
Eine einzigartige, sehr sehenswerte Ausstellung beleuchtet die Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts am Beispiel Regensburgs, das sich von einer darbenden Provinzstadt zu einem der chancenreichsten Standorte in ganz Europa gewandelt hat.
Galerie

Regensburg (obx).
Börsencrash und Charleston, Weltwirtschaftskrise und frivole Kultur, tiefe Depression auf den Finanzmärkten, schwere politische Umbrüche und dennoch Lust am Leben: So gegensätzlich, beängstigend und aufregend, waren die Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts – auch in Regensburg, wo derzeit eine einzigartige Ausstellung die vielen Facetten der „Wilden Zwanziger“ anhand von faszinierenden Exponaten aus der Stadtgeschichte beleuchtet. Begleitet wird die umfangreiche Schau von einem Buch, in dem zahlreiche „beständige Regensburger“ Firmen beschrieben werden, die seit gut neun Jahrzehnten feste Anker im Wirtschaftsleben der Stadt sind.
Zeppelin über Regensburg


Es ist ein ambitioniertes zeitgeschichtliches Projekt, das der Regensburger Kunst- und Gewerbeverein auf die Beine gestellt hat. Allein die Fülle der Unterstützer und Förderer der Ausstellung zeigt, welch immense Vorarbeit nötig war. Beim Zustandekommen der großen Zwanziger-Jahre-Schau waren die Stadtverwaltung, der Bayerische Kulturfonds, das Donau-Schifffahrtsmuseums, die Architektur-Fakultät an der örtlichen Hochschule, die Bistums-Kunstsammlungen und die Staatliche Bibliothek in Regensburg nach Kräften behilflich. Heraus kam schließlich eine Zeitreise, die ihren besonderen Reiz daraus bezieht, dass sie eben nicht nach Berlin oder München führt, wo die Zwanziger Jahre mit all ihren politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Umwälzungen besonders tiefe Spuren in der deutschen Zeitgeschichte hinterließen.

Wie erlebten die Bürger einer mittelgroßen Stadt in der damaligen bayerischen Provinz jene Zeit, die einer stürmischen, emotionalen Achterbahnfahrt gleichkam? In welchem Maß waren die Revolutionswirren, die umstrittene Weimarer Republik, der nahezu weltweite Zusammenbruch des Wirtschafts- und Finanzsystems, aber auch der Aufbruch in eine Zeit der gesellschaftlichen und künstlerischen Freizügigkeit in Regensburg zu spüren? Auf all diese Fragen gibt die aufwendige Ausstellung umfassend Antwort  – mit alten Fotos, Plakaten, Zeitungsausschnitten, Inseraten, Planungsunterlagen, einer Fülle von erläuternden Texten und Firmengeschichten. Nicht nur für Regensburger ist dieser Ausflug in die Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg bis zu den Anfängen der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft höchst interessant. Schließlich steht Regensburg in dieser Epoche stellvertretend für viele andere Städte, die damals nicht Brennpunkte der Ereignisse waren, aber dennoch tief geprägt wurden von den Folgen dieses für ganz Deutschland maßgeblichen Jahrzehnts.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 wurde auch Regensburg vom Zusammenbruch der Wirtschaft erfasst. Die Folge waren revolutionäre Aufstände, steigende Arbeitslosigkeit, plündernde Soldaten, Nahrungsmittelknappheit, Streiks und die Ausgabe von Notgeldscheinen durch den städtischen Magistrat. Die galoppierende Inflation vernichtete innerhalb von nur drei Jahren das mühsam zur Seite gelegte Geld unzähliger Sparer. In der Not wusste sich die Stadt Regensburg nicht anders zu helfen, als ein eigenes Inflationsgeld als Zahlungsmittel auszugeben. In der Zwanziger-Jahre-Schau ist etwa ein Geldschein zu sehen, den die Stadt am 20. August 1923 hatte drucken lassen – der Wert: Eine Million Mark.
In der Not wusste sich die Stadt Regensburg nicht anders zu helfen, als ein eigenes Inflationsgeld als Zahlungsmittel auszugeben.


Erst 1924 nahm die ständig steigende Teuerung ein Ende. In der Weimarer Republik wurde die Reichsmark als neues, Stabilität versprechendes Zahlungsmittel eingeführt. Auch in Regensburg erholte sich die Wirtschaft, das gesellschaftliche Leben fasste wieder Tritt, und es begann sogar eine gewisse Leichtigkeit: Kunst und Kultur erblühten nach der großen Depression. Per Telefon konnten über das Leitungsnetz der Reichspost Opernübertragungen aus München empfangen werden, Modenschauen und Schönheitswettbewerbe wurden abgehalten. Im Stadttheater wurden Operetten beim Publikum immer erfolgreicher, ein großes Filmtheater wurde eröffnet, der Jazz erreichte auch Regensburg.

Vor acht, neun Jahrzehnten war Regensburg noch weit von seinem heutigen Rang als einer der zukunftsfähigsten Wirtschaftsstandorte in ganz Europa entfernt – und erst recht von seiner heutigen Einwohnerzahl, die inklusive der Zweitwohnsitze bei etwa 147 000 liegt. Damals hatte sich die Zahl der Regensburger Bürgerinnen und Bürger infolge einiger Eingemeindungen von 53 000 auf 77 000 erhöht. Die reichliche Verdoppelung des seinerzeitigen Stadtgebiets von etwa 20 auf 46,8 Quadratkilometer machte den Weg für eine umfassende Neuorientierung der Stadtplanung frei. Neue Stadt- und Wohnviertel entstanden, neue Straßen wurden angelegt und die wirtschaftliche Infrastruktur wurde ausgebaut. Die damalige Architektur prägt noch immer etliche Wohnviertel. Und es gab damals bereits Firmen, die bis heute fest zum Wirtschaftsleben der Stadt gehören. Insgesamt 160 „beständige Regensburger Firmen“ sind in einem Begleitbuch zur Ausstellung aufgeführt. Sie haben mit ihren Produkten und Dienstleistungen bis heute allen Fährnissen der Zeit getrotzt.

„Gerade die wechselnde Geschichte der Stadt Regensburg und ihres Handwerker – und Gewerbestandes lehren deutlich, dass heute schon die Grundlagen für eine neue Blüte des Regensburger Gewerbes vorhanden sind und dass trotz der Not der Zeit der Glaube an eine bessere Zukunft von Handwerk und Gewerbe in dem wirtschaftlich günstig gelegenen Regensburg vollauf berechtigt ist“, hieß es in einem vor acht Jahrzehnten von der Stadt herausgegebenen Buch über alteingesessene Unternehmen. Wie berechtigt der Glaube an eine bessere Zukunft damals war, zeigt das heutige Regensburg: Die Stadt hat mit 720 Arbeitsplätzen in Vollbeschäftigung pro 1000 Einwohner bundesweit die höchste Arbeitsplatzdichte nach Frankfurt am Main.

Weitere Informationen: www.kunst-und-gewerbeverein.de


Die Öffnungszeiten der noch bis 30. April 2010 zu sehenden Ausstellung in der Ludwigstraße 6, Regensburg: Dienstag bis Freitag 12 bis 18 Uhr, Wochenende und Feiertage 10 bis 18 Uhr. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog im Dr.-Peter-Morsbach-Verlag, Regensburg, erschienen. Das Begleitbuch „Uns gab´s schon damals – krisenfeste Regensburger Firmen und Institutionen“, ist im Forum Verlag, Regensburg, erschienen.
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