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Erzincan

Türkei, Erzincan
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"Erzincan" (kurdisch "Erzingan", "Erznka") ist eine Stadt und Verwaltungssitz der gleichnamigen Provinz Erzincan im Osten der Türkei. Die Stadt hat 86.051 Einwohner und der Landkreis 135.511 Einwohner (2008).

Geografie
Erzincan liegt als Stadt in einer weitgehend ländlich geprägten Siedlungsstruktur. Erzincan liegt am Nordufer des Flusses Karasu, der östlich von Erzincan in den Euphrat mündet.

Klima
Erzincan hat ein kontinentales Klima. Die Sommer sind warm bis heiß und trocken. Die Winter sind rau und schneereich. Der meiste Niederschlag fällt im Frühjahr. Die Jahresniederschlagssumme beträgt ca. 480 mm und die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 11°C. Kältester Monat ist der Januar mit minus 3,3°C, wärmster Monat ist der Juli und August mit ca. 22°C.

Geschichte
Antike und Spätantike
Die Geschichte Erzincans geht weit zurück. Erzincan gehörte zum hethitischen Reich, obwohl bis heute keine hethitische Siedlung gefunden worden ist. Sagona will Erzincan mit "Urussa gleichsetzenAntonio Sagona/Claudia Sagona, Archaeology at the North-East Anatolian frontier, I. A historical geography and a field survey of the Bayburt province Ancient Near Eastern Studies 14, Louvain Peeters 2004, 28, dies beruht jedoch auf der veralteten Gleichsetzung von Kizwatna/Kizzuwatna mit dem Pontusgebiet.
Nach dem Niedergang der Hethiter herrschten hier ab 900 v.Chr. die Urartäer. 1953 wurde in der Nähe der Stadt bei einer Grabung urartäische Gegenstände gefunden. 600 v. Chr. erlangten die Meder die Oberherrschaft über Erzincan. Die Schlacht zwischen dem Mederkönig Kyaxares II. und den Lydern hat sich wohl in der Gegend um Erzincan abgespielt. Ab 550 v.Chr. wurden die Meder von den Persern abgelöst.

70 v. Chr. unternahmen die Römer Feldzüge nach Ostanatolien und eroberten Erzincan. Aber kurze Zeit später (68 v.Chr.) konnte das Reich von Pontus das Gebiet um Erzincan den Römern abnehmen. In den folgenden Jahrhunderten gehörte Erzincan zu dem Gebiet, das zwischen dem Römischen Imperium bzw dem Byzantinischen Reich und dem iranischen Reichen der Parther und Sasaniden umkämpft war. Im Jahre 629 konnten die Byzantiner unter dem Kaiser Herakleios Erzincan erobern.

Nach Ankunft des Islams
Während der islamischen Expansion kurze Zeit später konnte der arabische Feldherr Habib bin Mesleme Erzincan im Jahre 655 erobern. Mit dem Niedergang der Sasaniden kämpften jetzt die Byzantiner gegen die Araber in Ostanatolien. So musste 859 der Statthalter der Abbasiden in Malatya Omar bin Abdullah das Gebiet um Erzincan wieder von den Byzantiner zurückerobern.

Als im 11. Jahrhundert die Türken nach Anatolien kamen, schlugen diese unter König Alp Arslan 1071 die Byzantiner bei der Schlacht von Manzikert. Durch diesen Sieg konnten sich die Türken dauerhaft in Anatolien ansiedeln. Einer der Generäle Alp Arslans, Mengücek Ahmet Ghazi, erkundete und eroberte unter anderem das Gebiet von Erzincan. Er herrschte bald über das Gebiet von Erzincan, Kemah, Divriği und Şebinkarahisar. Kemah wurde sein Hauptsitz.

Seine Nachfolger begründeten das Beylik der Mengücek, das bis 1228 existierte. Unter den Herrschern der Mengücek und ganz besonders unter Fahrettin Bahram Schah, der zwischen 1165 und 1225 herrschte und Schwiegersohn des seldschukischen Sultans Kılıç Arslan II. war, erlebte Erzincan eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Mit der Eroberung von Erzincan und Kemah beendete 1228 Kai Kobad I. die Herrschaft der Mengücek. Kai Kobad I. kämpfte wenig später 1230 in der Schlacht von Yassı Çemen in der Nähe von Erzincan gegen den letzten Choresm-Schah Dschalal ad-Din, der auf der Flucht vor den Mongolen mit seinem Gefolge nach Anatolien kam. Kai Kobad I. ging als Sieger aus der Schlacht hervor.

1240 eroberten die mongolischen Ilchane Erzurum und rückten auf Erzincan vor. 1243 besiegten sie die Seldschuken unter Kai Chosrau II. bei der Schlacht vom Köse Dağ. Die Vertreter der Ilchane machten sich wenig später selbständig und gründeten 1335 das Beylik Eretna, das auch Erzincan umfasste.

Erzincan war in den folgenden Jahren stets zwischen den lokalen Fürstentümern, die teilweise die Unterstützung anderer großer Staaten hatten, umkämpft. Später erhoben sowohl die Osmanen als auch Timur Anspruch auf Erzincan. Timur besiegte die Osmanen unter Bayezid I. 1402 bei Ankara und konnte so über den größten Teil Anatoliens regieren.

Die Osmanen konnten erst unter Fatih Sultan Mehmed II. wieder an Einfluss gewinnen. Aber zwischenzeitlich konnten die Qara Qoyunlu 1419 Erzincan erobern. 1455 eroberte Uzun Hasan die Stadt und die Qara Qoyunlu wurden von den Aq Qoyunlu verdrängt. Als am 11. August 1473 die Osmanen unter Mehmed II. Uzun Hasan bei der Schlacht von Otlukbeli besiegten, kam Erzincan unter osmanische Herrschaft.

1502 aber errichte der erste Safawidenschah Ismail in Erzincan ein Hauptquartier. Die Safawiden mussten jedoch nach der Schlacht von Tschaldiran 1514 Ostanatolien und damit auch Erzincan räumen, so dass die Osmanen wieder Erzincan kontrollierten. Süleyman I. besuchte die Stadt zweimal, einmal 1534, als er gegen Täbriz, die Hauptstadt der Safawiden, zog und einmal 1540, als er wieder gegen den Iran zog.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Gegend auch von Armeniern bewohnt, die um 1915 ermordet oder vertrieben wurden. In den Sommermonaten des Jahres 1915 wurde Erzincan von russischen Truppen unter General Judenitsch besetzt. 1939 wurde durch ein katastrophales Erdbeben die gesamte Stadt zerstört. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt zur Garnison ausgebaut, ohne dass nennenswerte Industrie angesiedelt wurde.

Ab 1960 und verstärkt um 1970 fand eine verstärkte Migration nach Mitteleuropa statt.

1983 und 1992 kam es erneut zu folgenschweren Erdbeben, bei denen große Teile der Infrastruktur zerstört wurden. 1983 wurden 1.331 Tote, 1992 werden 653 Tote gezählt. Tausende wurden obdachlos.

Verkehr
Erzincan liegt an der Straße zwischen Sivas und Erzurum. Durch das Gebirge führt eine Straße östlich von Erzincan nach Elazığ. Die Stadt liegt an der Eisenbahnstrecke Istanbul - Ankara - Sivas - Erzurum - Kars.

Erzincan hat ein sehr geordnetes Verkehrssystem, das für türkische Verhältnisse ungewöhnlich diszipliniert ist. Das Straßensystem ist, ähnlich wie in den USA, in parallel verlaufende Straßen unterteilt.


Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 22.08.2018 05:02 von den Wikipedia-Autoren.
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