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Eriwan

Armenien, Eriwan
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"Eriwan" (armenisch / "Jere͡wan" (amtlich, ostarmenisch) oder / "Jerewan" (in traditioneller Orthografie, von der westarmenischen Diaspora bevorzugt)) ist die Hauptstadt und mit 1.201.322 Einwohnern (Stand 2009) größte Stadt Armeniens. Eriwan ist das wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Zentrum des Landes und ist wegen der Größe der Stadt eine eigene Provinz.

Die Bezeichnung „Eriwan“ wird in Deutschland amtlich gebraucht. Sie ist offensichtlich eine alte, nicht korrekte Transliteration, die durch die amtliche und die Schreibung in Schulbüchern konserviert wird. Die phonetisch richtige Transkription lautet „Jerewan“ und wurde so in der DDR verwendet. Dem entspricht auch die russisch-kyrillische Schreibweise „Ереван“ und die international gebräuchliche englische Transkription „Yerevan“.

Geschichte
Vorgeschichte und Antike
Überreste der Festung Erebuni
Das Gebiet Eriwans ist seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Befestigte Siedlungen aus der Bronzezeit kann man in Shengavit, Tsitsernakaberd, Karmir Blur, Arin Berd, Karmir Berd und Berdadzor finden. Die urartäische Siedlung namens Erebuni ist seit 782 v. Chr. nachweisbar.Brady Kiesling, Sie wurde von dem König Argišti I. gegründet, um die Reichsgrenze im Norden gegen den Kaukasus zu schützen. Die Urartäer bauten auch Bewässerungsanlagen und Speicherbecken. 585 v. Chr. wurde die urartäische Festung Teischebani durch Skythen und Meder zerstört.

Zwischen dem 6. und 4. Jh. v. Chr. war Eriwan eines der Zentren der Satrapie Armenien im Achämenidenreich. Die erste Kirche in Eriwan war die St. Peter und Paul Kirche, die im 5. Jh. gegründet und 1931 beschädigt wurde.

Muslimische Herrschaft

Eine Illustration Eriwans von Jean Chardin aus dem Jahr 1673.
Eriwan wurde im Jahr 658 durch die Araber erobert. Seit dem war es strategisch wichtig als Schnittpunkt der Karawanenrouten zwischen Indien und Europa. Zwischen dem 9. und 11. Jh. war Eriwan ein Teil des Reiches der Bagratiden, bevor es von den Seldschuken überrannt worden ist. Im Jahre 1387 eroberten die Truppen des Timur Lenk Eriwan. Wegen seiner strategischen Wichtigkeit wurde Eriwan zu einem Zankapfel zwischen Persien und den Osmanen.

Auf dem Höhepunkt dieser Kämpfe wechselte Eriwan in den Jahren 1513 und 1737 14-mal zwischen den beiden Reichen hin und her. 1604 wurden zehntausende Armenier und somit auch Einwohner Eriwans auf Befehl des persischen Schahs Abbas I. nach Persien deportiert. Als Konsequenz machten die Armenier später im Khanat Eriwan nur noch 20 % aus, während 80 % Muslime (Perser, Türken, Kurden) waren. Die Muslime waren entweder sesshaft oder nomadisch. Die Armenier lebten in Eriwan oder den Dörfern. Sie dominierten in der Region verschiedene Berufe und den Handel, so dass sie ökonomisch gesehen für die Perser wichtig waren. (George A. Bournoutian and Robert H. Hewsen, Erevan) Die Osmanen, Safawiden und Ilchane hatten Münzprägestätte in Eriwan. In den 1670ern besuchte der französische Reisende Jean Chardin die Stadt.
Das Wappen des russischen Gouvernements Eriwan.
Am 7. Juni 1679 zerstörte ein verheerendes Erdbeben die Stadt. Während der Safawiden waren Eriwan und die umliegenden Gebiete Teil des "Chukhursaad Beglerbegs". Seit 1747 war es Teil des Khanat Eriwans, das ein muslimisches Fürstentum unter persischer Oberherrschaft war. Dies blieb so, bis General Graf Iwan Fjodorowitsch Paskewitsch am 13. Oktober 1827 die Stadt für das Zarenreich Russland einnahm. Mit dem Frieden von Turkmantschai ging es in russischen Besitz über.

Russische Herrschaft

Die russische Regierung unterstützte armenische Siedler aus der Türkei und Persien, sodass die Bevölkerung Anfang des 20. Jh. auf 29.000 anstieg, wobei 49 % Aserbaidschaner/Tataren, 48 % Armenier und 2 % Russen waren. in the Brockhaus and Efron Encyclopedic Dictionary, St. Petersburg, Russland, 1890–1907. Eriwan war der Sitz des neu gegründeten Oblast Armeniens und nachher des Gouvernements Eriwan.

Die ökonomische und politische Bedeutung der Stadt wuchs und alte Häuser wurden durch neue Gebäude im europäischen Stil ersetzt. 1829 wurden armenische Rückkehrer aus Persien in einem neuen Stadtviertel angesiedelt. Als der Zar Nikolaus I. 1837 Eriwan besuchte, wurde die Stadt zu einem Ujesd erhoben.

1854 wurden die beiden Frauenhochschulen St. Hripsime and St. Gayane eröffnet und 1874 eröffnete Zacharia Gevorkian die erste Druckerei. Das erste Theater der Stadt wurde 1879 eröffnet. Anfang des 20. Jh. verband eine Bahnlinie Eriwan mit Alexandropol, Tiflis und Dschulfa. Gleichzeitig war die erste öffentliche Bücherei in Eriwan eröffnet. 1913 ging ein Telefonnetz mit 80 Teilnehmern in Betrieb. Ein Großneffe des Napoléons I. namens Louis Joseph Jérôme Napoléon war im frühen 20. Jh. Gouverneur der Provinz Eriwan.

Kurze Unabhängigkeit
1917 ging das Zarenreich mit der Oktoberrevolution unter. Die Völker des Kaukasus" erklärten sich für unabhängig und gründeten die Transkaukasische Demokratisch-Föderative Republik. Doch nach nur einem Monat zerbrach die Föderative Republik und Eriwan wurde Hauptstadt der Demokratischen Republik Armenien. Am 29. November 1920 besetzte die 11. Rote Armee Eriwan während des russischen Bürgerkrieges. Nachdem die Nationalisten die im Februar 1921 zurück eroberten, ging sie am 2. April 1921 wieder verloren.

Sowjetunion
Eriwan wurde zur Hauptstadt der Armenischen SSR und machte eine große Entwicklung durch. Unter dem Architekten Alexander Tamanian wurde das Stadtbild radikal geändert. Viele historische Gebäude, wie Kirchen, Moscheen, die persische Festung, Bäder, Bazare und Karawansereien wurden abgerissen. Viele Stadtdistrikte wurden nach den alten armenischen Heimatorten des osmanischen Reiches benannt. So wurden die Distrikte Arabkir, Malatya-Sebastia und Nork Marash nach den heute türkischen Städten Arapgir, Malatya, Sivas und Marasch benannt. In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager "115" für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Maschke, Erich (Hrsg.): "Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges." Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977. Die Kriegsgefangenen wurden beim Bau von Gebäuden und Brücken eingesetzt.
Katholikos Karekin II. Nersissian und Erzbischof Rowan Williams am Denkmal des Völkermordes in Eriwan.
Zum 50. Jahrestag des Armenischen Völkermordes fanden 1965 in Eriwan antisowjetische Proteste statt, die darauf zielten, die Sowjetunion zu Anerkennung des Völkermordes zu bewegen.Ronald Grigor Suny: "The Revenge of the Past: Nationalism, Revolution, and the Collapse of the Soviet Union", Stanford University Press 1993, ISBN 0-8047-2247-1 1968 wurde der 2750. Jahrestag der Stadt begangen.

Eriwan spielte eine Schlüsselrolle in der armenischen nationalen demokratischen Bewegung, die in der Regierungszeit des Michail Gorbatschows entstand. Die Reformen im Zuge der Glasnost und Perestroika ermöglichten es über Fragen und Themen wie den Status Bergkarabachs, Umwelt, Russifizierung, Korruption, Demokratie und eine eventuelle Unabhängigkeit.

Seit 1991
Seit 1991 ist Eriwan die Hauptstadt des unabhängigen Armeniens.

Blick vom Berg Nork auf Eriwan mit Kathedrale
Geografie
Mit dem Berg Ararat
Eriwan liegt 950 bis 1.300 Meter über dem Meeresspiegel an den Ufern des Hrasdan, einem Zufluss des Arax, in einem pittoresken hufeisenförmigen Talkessel, der von drei Seiten von Bergen umgeben ist.

Klima
Klimadiagramm von EriwanGeoklima 2.1
Das Klima Eriwans ist ausgeprägt kontinental mit einem trockenen, heißen Sommer und einem verhältnismäßig kalten kurzen Winter. Das Temperaturmittel beträgt 11,6 °C und die Niederschlagsmenge ist gering und beträgt jährlich etwa 304 Millimeter.


Gliederung
Eriwan besteht aus zwölf Distrikten oder auch Nachbarschaftsgemeinschaften (), die wiederum in Nachbarschaften () eingeteilt sind. Viele der Distrikte tragen die Namen heutiger türkischer Städte wie Malatia, Arabkir oder Sebastia. Dies ist damit zu erklären, dass es viele armenische Flüchtlinge und Zuwanderer aus jener Städten nach Eriwan gab. Diese Flüchtlingen gaben den Distrikten die Namen ihrer alten Heimat. Im Einzelnen sind die Distrikte:
Die zwölf Distrikte Eriwans


Wirtschaft und Verkehr
Eriwan, Anfang des 20. Jahrhunderts noch ein Provinznest des zaristischen Russland, ist die Hauptstadt Armeniens geworden, wo neben einer Entwicklung der Industrie ein Aufschwung des Bildungswesens, der Forschung und der Nationalkultur zu verzeichnen war. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich die Einwohnerzahl beinahe verdreizehnfacht.

In der Stadt entstanden Betriebe der elektrotechnischen, chemischen, Metall-, Textil-, Maschinenbau-, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie (unter anderem die Yerevan Brandy Company). Eriwan ist zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt des Landes mit Straßen, Eisenbahn, der Metro Eriwan und dem Flughafen Eriwan geworden. Ergänzt wird die Metro durch den Oberleitungsbus Eriwan. In der Stadt sitzt die Staatliche Universität Eriwan sowie eine Anzahl weiterer Forschungsstätten, Hoch- und Fachschulen. Eriwan ist Mittelpunkt des armenischen Finanzsektors, alle kommerziellen Banken, die Zentralbank der Republik Armenien und die Armenische Börse haben hier ihren Sitz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die Nationaloper
Von den mittelalterlichen Bauwerken sind von besonderem Interesse die im 13. Jahrhundert entstandene Kreuzkuppelkirche Katogike aus Tuff und die zwischen 1691 und 1705 erbaute Sorawar-Kirche mit acht Apsiden. Auf dem Hügel Arin-Berd befinden sich Reste der Urartu-Festung Erebuni, die König Argischti I. 782 v. Chr. erbauen ließ.

Im Historischen Museum, im Museum für Volkskunst und in der Gemäldegalerie, die über 14.000 Werke zählt, sowie in den vielen anderen Museen der Stadt gewinnt man einen Einblick in die Geschichte, Literatur und Kunst des armenischen Volkes.
Platz der Republik (Hraparak)

In Eriwan befindet sich auch die berühmte Aufbewahrungsstätte alter Handschriften und Miniaturen Armeniens und anderer Länder: Matenadaran, wo etwa 13.000 einmalige armenische Handschriften auf Pergament und Papier, über 100.000 alte Archivalien sowie umfangreiche Sammlungen von Wiegendrucken aus verschiedenen Wissensbereichen aufbewahrt werden.

In der armenischen Hauptstadt befindet sich außerdem der Ort Tsitsernakaberd; dort sind dunkelgraue Basaltquader schützend um eine ewige Flamme errichtet in Gedenken an die rund 1,5 Millionen Armenier, welche in den Jahren 1915 und 1916 auf Befehl der jungtürkischen Regierung des Osmanischen Reiches umgebracht wurden (siehe Völkermord an den Armeniern).

Seit 2004 findet jährlich das Filmfestival „Goldene Aprikose“ statt. Die meisten Filme werden im Lichtspielhaus „Moskau“ gezeigt, das in den 1930ern gebaut wurde.

Höchstes Bauwerk ist der Fernsehturm.

Städtepartnerschaften


Persönlichkeiten
Hier geboren
* Haro Stepanjan (1897–1967), armenischer Komponist
* Alexander Arutjunjan (* 1920), armenischer Komponist
* Arno Babadschanjan (1921–1983), armenischer Komponist
* Elvina Makarian (1947–2007), armenische Jazzsängerin
* Andranik Markarjan (1951–2007), Premierminister Armeniens
* Armen Sarkissjan (* 1953), armenischer Physiker, Informatiker, Unternehmer, Diplomat und Politiker
* Edward Nalbandjan (* 1956), Außenminister Armeniens
* Smbat Lputjan (* 1958), armenischer Schachgroßmeister
* Hasmik Papian (* 1961), armenische Sopranistin
* Michel Der Zakarian (* 1963), französisch-armenischer Fußballspieler und -trainer
* Artasches Minassjan (* 1967), armenischer Schachgroßmeister
* Arthur Baghdassarjan (* 1968), armenischer Politiker
* Ruben Gazarian (* 1971), armenischer Dirigent
* Shavo Odadjian (* 1974), Bassist der Metal-Band System of a Down
* Arthur Abraham (* 1980), armenischer Boxer
* Karen Asrjan (1980–2008), armenischer Schachgroßmeister
* Geworg Kasparow (* 1980), armenischer Fußballspieler
* Nelli Aghinjan (* 1981), armenische Schachspielerin
* Alexander Abraham (* 1981), armenischer Boxer
* Lilit Mkrttschjan (* 1982), armenische Schachspielerin
* Anna Wladimirowna Tschitscherowa (* 1982), russische Hochspringerin
* Varuzhan Akobian (* 1983), armenisch-amerikanischer Schachgroßmeister
* Gabriel Sarkissjan (* 1983), armenischer Schachgroßmeister
* Wahe Tadewosjan (* 1983), armenischer Fußballspieler
* Sergei Chatschatrjan (* 1985), armenischer Violinist
* Susianna Kentikian (* 1987), armenisch-deutsche Boxerin
* Meri Voskanian (* 1987), deutsch-armenische Sängerin

Siehe auch
* Radio Eriwan


Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 21.10.2020 17:46 von den Wikipedia-Autoren.
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Gjumri"Gjumri" (; ; engl. und frz. Transkription "Gyumri") ist mit etwa 130.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Armeniens und Hauptstadt der Provinz Schirak. Früher hieß die Stadt "Leninakan" und davor "Alexandropol". Die Einwohner von Gjumri
"Wanadsor" (armenisch , russisch ) ist die Hauptstadt der Provinz Lori. Mit 107.394 (2001) Einwohnern ist es die drittgrößte Stadt Armeniens, nach Eriwan und Gjumri. In Wanadsor ist vor allem chemische Industrie und der Maschinenbau
"Etschmiadsin" - bis 1945 Wagarschapat - (, in englischer Transkription "Echmiadzin," in wissenschaftliche Transliteration "Ēǰmiajin)" oder "Vagharschapat" (in wissenschaftlicher Transliteration "Vałaršapat," der selten genutzte offizielle Name
"Hrasdan" (armenisch , wissenschaftliche Transliteration und englische Transkription "Hrazdan", IPA ) ist die Hauptstadt der armenischen Provinz Kotajk. Hrasdan ist die fünftgrößte Stadt Armeniens und hat rund 40.000 Einwohner (Stand 2005).
"Abowjan" (, in wissenschaftlicher Transliteration Abovyan; ) ist die sechstgrößte Stadt Armeniens.Abowjan hat 36.021 Einwohner gehört zu der Provinz Kotajk, liegt aber nur rund 10 km nordöstlich von Eriwan auf einer Höhe von 1360 m über dem
 
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