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Edirne

Türkei, Edirne
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"Edirne", /"Odrin", griechisch "Adrianoúpolis"/"Αδριανούπολις" ist das Verwaltungszentrum der gleichnamigen Provinz im europäischen Teil der Türkei in Ostthrakien. Es trug in seiner Geschichte noch die Namen: thrakisch "Odrysai", altgriechisch "Orestia", lateinisch "Hadrianopulis" oder "Hadrianopel". Später verschliff sich der Name zu "Adrianopel" und unter den Osmanen weiter zur heutigen Form "Edirne".

In Adrianopel schlossen die Sultane des Osmanischen Reiches dreimal einen Frieden, 1568 mit dem Heiligen Römischen Reich sowie 1713 und 1829 mit Russland.

Lage
Edirne befindet sich etwa 220 km westlich von Istanbul nahe dem Dreiländereck Bulgarien, Griechenland und Türkei am türkisch-bulgarisch-griechischen Grenzfluss Meriç (griech. "Evros," bulgar. "Maritza)". Der Nebenfluss Tunca (griechisch "Tonzos," bulgarisch "Tundscha)" mündet südlich vom Zentrum in den Meriç Nehri. Die Stadt liegt in der fruchtbaren thrakischen Ebene.

Infrastruktur
Straße
Edirne ist durch den mautpflichtigen Trans European Motorway (E 80) erschlossen, der vom bulgarisch-türkischen Grenzübergang Kapitan Andrejewo-Kapıkule bei Swilengrad/Kapıkule über Istanbul und die Bosporus-Br%C3%BCcke bis nach Ankara führt.

Schiene
Durch die Stadt führt auch die bereits im 19. Jahrhundert erbaute Eisenbahnlinie Sofia–Istanbul. Nach den Grenzkorrekturen durch den Vertrag von Lausanne 1923 verlief ein kurzer Abschnitt der Strecke auf griechischem Gebiet, erreichte aber noch vor der bulgarischen Grenze wieder türkisches Territorium. Drogenschmuggler nutzten diese Route ab Ende der 1960er Jahre zur illegalen Einreise nach Griechenland (sog. Midnight Express).

Nach den Spannungen mit Griechenland im Zuge der Zypernkrise bauten die Türkischen Staatsbahnen (TCDD) eine neue Nebenstrecke, die nur noch auf türkischem Gebiet verlief. Die alte Strecke wurde aufgegeben.

Der alte osmanische Bahnhof ist restauriert worden und wird nunmehr als Rektorat und Verwaltungsgebäude der Thrakischen Universität genutzt. Edirne erhielt einen neuen Bahnhof, der auch über eine Verladestelle für Autoreisezüge verfügt. Dort werden Autoreisezüge der ÖBB von und nach Wien sowie der Agentur Optima Tours von und nach Villach und Niš (Serbien) abgefertigt.

Wirtschaft

Edirne dient vor allem als Handelsplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse, hauptsächlich Weintrauben. Haupterzeugnisse der Stadt sind Textilien und Textilrohwaren, Lederwaren und Teppiche, außerdem Rosenwasser und Rosenöl.

Bildungseinrichtungen

Mit der Thrakien-Universität "(Trakya Üniversitesi)" ist Edirne seit 1982 auch Universitätsstadt mit mehr als 17 000 Studenten. Es besteht ein Universitätsklinikum. Internationale Kooperationen bestehen u.a. auf der Basis des Erasmusprogramm der EU mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach, dem Goethe-Institut und der Robert-Bosch-Stiftung in Deutschland.

Geschichte

Edirne ist eine alte Stadt, erste Siedlungen soll es bereits im 5. Jahrtausend v. Chr. gegeben haben. Die Stadt hatte in ihrer Geschichte verschiedene Namen. In ihrer vorrömischen Zeit war sie unter den Namen "Odrysia" bekannt, vermutlich in Anlehnung an den thrakischen Stamm der Odrysen, oder "Uscudama" und gehörte zu Thrakien. "Odrysia" war vom 5. bis 3. Jh. v. Ch. die Hauptstadt des Odrysenreiches.

Antike
Simeon der Große erobert 914 Andrianopol
Zwischen 171 v. Chr. und 168 v. Chr. wurde das Gebiet von den Römern besetzt.
Augustus verzichtete während seiner Herrschaft auf die Eroberung Thrakiens und somit auch der Stadt. Thrakien wurde erst unter Kaiser Claudius erobert. Hadrian befahl um 125 n. Chr., die Stadt wieder aufzubauen und zu erweitern, und gab ihr den Namen "Stadt Hadrians (Hadrianopolis)". 378 wurden hier die Römer unter Kaiser Valens von den Goten geschlagen (Schlacht von Adrianopel).

395 wurde die Stadt Zentrum der römischen Provinz Haemimontus. Die Stadt war der Sitz des Erzbistums "Hadrianopolis in Haemimonto," das heute noch als Titularbistum der Römisch-Katholischen Kirche weiterlebt.

Mittelalter
Balkan um 1045
Um 790-800 wurde die Stadt Zentrum des neu geschaffenen, byzantinischen militärisch-administrativen Distrikts (Thema) Makedonien. In den nachfolgenden Jahrhunderten wechselte die Herrschaft über die Stadt und das Thema zwischen dem Bulgarischen und dem Byzantinischen Reich. Im Jahre 813 siegten die Bulgaren unter Khan Krum über den Kaiser Michael I. in der Schlacht von Adrianopel. Zar Simeon I. gliederte die Provinz 914 erneut in das Bulgarische Reich ein. 927 nach dem 50-jährigen Friedensabschluss zwischen Bulgaren und Byzantinern geriet ein Großteil des Themas erneut unter byzantinische Herrschaft.

1204 wurde Adrianopel von den Kreuzfahrern erobert, fiel jedoch nach der Schlacht von Adrianopel von 1205 erneut in bulgarische Hände. Nach 1250 folgte noch eine letzte byzantinische Periode, 1361 eroberten schließlich die Osmanen die Stadt. Von 1368 bis 1453 war Edirne sogar die Hauptstadt des Osmanischen Reiches.

Neuzeit

Im Jahre 1745 wurde Edirne von einem großen Brand heimgesucht. 1751 folgte ein verheerendes Erdbeben. Die Stadt verlor dadurch an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung, blieb jedoch Zentrum eines Vilayets (Großprovinz innerhalb des Osmanischen Reiches).

In den russisch-türkischen Kriegen von 1828–1829 und 1877–1878 sowie während der Balkankriege von 1912–1913 wurde Edirne mehrfach angegriffen und erobert. Der Friede von Adrianopel beendete 1829 den ersten russisch-türkischen Krieg. Am 26. März 1913 nahmen die Bulgaren die Stadt nach viermonatiger Belagerung ein. Im zweiten Balkankrieg konnten die Türken Edirne kurz darauf zurückerobern. Nach dem ersten Weltkrieg fiel die Stadt 1920 durch den Vertrag von Sèvres an Griechenland, mit dem Vertrag von Lausanne kam sie wieder zur Türkei. Seit dem Jahr 1993 leiten Baskan Hamdi Sedefci als Oberbürgermeister und Cemil Erdogan (bis 2008) bzw. Namik Döleneken (seit 2009) als Bürgermeister die Stadt. Im Jahr 2006 wurde zwischen den Städten Edirne und Lörrach in Deutschland eine Kulturpartnerschaft begründet. Ziel ist der Austausch von Studenten, Schülern, Praktikanten, Lehrern und Professoren zwecks Erwerbs und Ausbaus gegenseitiger sprachlicher und kultureller Kompetenz.

Sehenswürdigkeiten
Selimiye-Moschee
Die ältesten Bauten sind die Ruinen der römischen Stadtmauern mit einem byzantinischen Turm, der "Makedonischer Turm" (türk. Makedon Kulesi).

Die 1575 vom Architekten Mimar Sinanerbaute Selimiye-Moschee und die Rüstem-Paşa-Karawanserei (1554) sind die bekanntesten Bauwerke. Weitere sehenswerte Moscheen sind die "Eski Cami" (Alte Moschee; 1414), "Üç Şerefeli Cami" (Moschee mit drei Galerien; 1447) sowie der im Nordwesten außerhalb des Zentrums gelegene, 1488 fertiggestellte Gebäudekomplex von Sultan Beyazıd II., "Sultan Bayezit II Külliyesi," der um eine zentrale Moschee eine Medizinfachschule, ein Krankenhaus "(Darüşşifa)", Gästehäuser "(Tabhane)", ein "Hammām," Verwaltungsgebäude und eine Grundschule enthielt.

Diese vorbildliche Anlage für medizinische Behandlung beherbergt heute das 2004 mit dem Museumspreis des Europarats ausgezeichnete "Türkische Museum für die Geschichte der Psychiatrie". Die "Muradiye Moschee" verfügt über sehr gut bearbeitete, typisch osmanische Fliesen und Ornamente aus dem Jahre 1426.

Edirne verfügt über drei historische Basare, den "Ali Pascha Basar" (1569) und den "Arasta Basar," beide von Sinan erbaut, sowie den ältesten von allen, den "Bedesten Basar" (1418).

Die Ruinen des alten Sultanspalasts in Edirne beherbergen einen gut erhaltenen osmanischen Turm (Adalet Kasrı) und ein Jagdhaus. Brücken gibt es am Tunca (1615), am Meriç (1842). Ferner Brücken von Gazimihal (1420) sowie von Beyazıd II. (1488). Weiterhin sehenswert sind noch die typischen alten osmanischen Häuser aus Holz in der Altstadt "Kaleiçi".

In Edirne befinden sich auch ein archäologisches und ein ethnographisches Museum mit Funden aus Thrakien sowie ein Museum für türkische und islamische Kunst. In einem architektonisch reizvollen alten Bahnhof an der stillgelegten Strecke ist heute eine Gedenkstätte zur Erinnerung an den Vertrag von Lausanne untergebracht. Vor dem Gebäude befindet sich ein an den Unabhängigkeitskrieg und den Lausanner Vertrag als "Geburtsurkunde der Republik" erinnerndes, mehrere Meter hohes stählernes Mahnmal im Stil der klassischen Moderne.

Zwischen den Flüssen laden Grünanlagen mit Imbissen bei gutem Wetter zum Verweilen ein.

Küche

Eine kulinarische Spezialität der Stadt ist frittierte Rinderleber, deren Herstellungsverfahren patentiert ist. Viele kleine Imbisse im Zentrum der Stadt bieten dieses Gericht bzw. die in der gesamten südosteuropäischen Küche verbreiteten – Köfte an.

Öl-Ringkampf

Edirne ist das Zentrum der alten türkischen Nationalsportart Öl-Ringkampf (Kırkpınar). Der Austragungsort des bedeutendsten Turniers im ganzen Land ist eine Arena am Stadtrand.

Bekannte Persönlichkeiten

*Esmahan Aykol, Journalistin und Krimiautorin
*Rupen Binemeciyan, Schauspieler
*Enver Duran, türkischer Mediziner und Rektor der Trakya Universität
*Abdurrahman Hibri, osmanischer Dichter und Historiograph


Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 23.08.2019 17:14 von den Wikipedia-Autoren.
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