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Derbent

Russland, Derbent
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"Derbent" (; pers.: دربند / "Darband"; in alten arab. Quellen: "Bâb al-Abwâb" / „Tor der Tore“) ist die südlichste und zugleich älteste Großstadt Russlands. Sie liegt am südlichen Rand der russischen Teilrepublik Dagestan und hat rund 107.700 Einwohner (Stand 2007).

Der Name der Stadt kommt aus dem Persischen und bedeutet „verschlossenes Tor“.

Geografie
Der Ort liegt am Kaspischen Meer nahe der Grenze zu Aserbaidschan. Er besitzt einen Seehafen und liegt entlang der Verkehrsverbindung von Russland nach Aserbaidschan und weiter in den Iran.

Als das „Tor von Derbent“ (oft auch als „Flaschenhals“ bezeichnet) ist seit der Antike der Küstenstreifen zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer bekannt. Dieser ist seit jeher eine bequeme Handelsroute vom Nordkaukasus nach Vorderasien. Mehrmals war es auch das Einfallstor für russische Armeen nach Persien. An der mit drei Kilometern schmalsten Stelle liegt Derbent.

Das natürliche Bodenrelief bot der Siedlung sicheren Schutz. Der Hügel, auf dem Derbent errichtet wurde, wird im Osten vom Meer und im Südwesten von einer tiefen Schlucht und dem Steilhang des Hügels begrenzt.

Geschichte
In der Gegend um Derbent ließen sich bronzezeitliche Siedlungen nachweisen (Kajakent und Dschemikent), in der Stadt selbst gehen die Spuren nur bis ins 1. Jahrtausend v. Chr. zurück. Die erste befestigte Siedlung entstand Ende des 8. und Anfang des 7. Jahrhundert v. Chr. auf der Kuppe des Hügels. Diese war bereits mehr als vier Hektar groß und kontrollierte den Durchgang zwischen Gebirge und Meer. Die Entstehung von Befestigungen hängt vermutlich mit den zunehmenden Raubzügen der Skythen über den Kaukasus nach Vorderasien zusammen.

Reste der Derbenter Festung im Winter
Obwohl die Stadt häufig überfallen wurde, wie archäologische Funde nahelegen, konnte Derbent gedeihen und sich ausdehnen. In der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. hatte die Stadt eine Fläche von immerhin 15 ha. Damals gehört sie zum Kaukasischen Albanien, ein Staat der im 8. Jahrhundert v. Chr. im Ostkaukasus entstand. Mit den Kriegszügen des Pompeius in Kleinasien gegen den pontischen König Mithridates VI. stieg bei den Römern die Kenntnis und auch das Interesse an Derbent. Kaiser Nero plante im 1. Jahrhundert einen Feldzug nach Derbent, der dann aber wegen innenpolitischen Ereignissen abgesagt werden musste.

In den ersten Jahrhunderten des 1. Jahrtausends n. Chr. stieg Derbent zum wichtigsten Handelszentrum des Kaukasischen Albaniens auf. Strabon berichtet von Kamel-Karawanen, die mit indischen und babylonischen Waren über Derbent nach Sarmatien ziehen. Mit der beginnenden Völkerwanderung ließen sich Sarmaten und Alanen in der Region von Derbent nieder. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts wurden nördlich von Derbent auch die Hunnen sesshaft.

Währenddessen war im 3. Jahrhundert n. Chr. in Vorderasien ein neuer mächtiger Staat, das Sassanidenreich, entstanden. Dieser dehnte nach Siegen über Römer und Armenier seine Macht auf Transkaukasus aus. Erste Versuche, die Region von Derbent zu unterwerfen (insbesondere unter Schapur I., 242 bis 277) schlugen jedoch fehl. In der Mitte des 4. Jahrhunderts konnten die Sassaniden ihren Einfluss auf den Kaukasus jedoch verstärken, so dass sie Ende des Jahrhunderts auch Derbent kontrollierten.

Mitte des 5. Jahrhunderts bauten die Sassaniden die Befestigungen Derbents aus. Die teilweise 4 m dicken und 18 m hohen Steinmauern sind bis heute erhalten geblieben. Insgesamt betrug die ummauerte Fläche 150 ha, und obwohl in sassanidischer Zeit nicht das gesamte Areal besiedelt war, war Derbent eine für das Frühmittelalter ungewöhnlich große Stadt. Zudem war sie nach Plan ausgebaut und verfügt über eine Wasserleitung. Handel und Handwerk florierten in der Stadt.

Im Jahr 642 versuchten die Araber erstmals Derbent zu erobern, wurden jedoch von den Chasaren abgewehrt. Der Krieg zwischen den Chasaren und Arabern zog sich lange hin, doch zu Beginn des 8. Jahrhunderts konnten die Araber Derbent einnehmen und halten. Die Einheimischen nahmen den Islam an, und Derbent entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum des Islam im Kaukasus. Die Araber bauten die Stadt weiter aus, erneuerten beschädigte Gebäude und schufen neue, u. a. Gebetshäuser. Unter dem arabischen Feldherrn Maslama wurde die Hauptmoschee errichtet. Im 10. Jahrhundert übertraf Derbent bereits Tiflis und Ardabil in der Größe.

Blick auf Derbent
Mit dem Zerfall des Kalifats ließ die Macht der Araber im Kaukasus nach, eine einheimische Dynastie übernahm Ende des 10. Jahrhunderts die Macht und begründete das Emirat von Derbent, welches bestand, bis Anfang des 13. Jahrhunderts die Mongolen im Kaukasus einfielen. 1222 eroberten sie Derbent, besetzten es jedoch erst 1239. Viele Denkmäler der Stadt wurden zerstört. 1395 ließ Timur Lenk Derbent verwüsten und niederbrennen. Auch in den folgenden Jahrhunderten hatte Derbent unter ständiger Eroberung und Zerstörung zu leiden. Die mongolischen Nachfolgereiche wurden von den Persern abgelöst, deren Herrschaft aber wiederum 1578–1606 durch die Osmanen und 1723–35 durch die Russen unterbrochen.

1735 wurde es Hauptstadt des Khanats Derbent, eines Khanats unter persischer Oberhoheit, 1796 wurde es von den Russen besetzt und kam im Vertrag von Gulistan 1813 endgültig zum Russischen Reich.

Wirtschaft
Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind heute der Maschinenbau und die Textilindustrie, eine wichtige Rolle spielt der Fischfang.

Sehenswürdigkeiten
Derbent steht seit 2003 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes, sehenswert ist seine Festung sowie die von Stadtmauern umgebene Altstadt mit der Zitadelle, Bädern, Zisternen und Moscheen.

Bildung
In der Stadt vorhandene weiterführende Bildungseinrichtungen sind:
* Derbenter Geisteswissenschaftliches Institut
* Derbenter Institut für Kunst und Kultur
* Filiale der Dagestanischen Staatlichen Universität
* Filiale der Moskauer Staatlichen Universität für Ökonomie, Statistik und Informatik Derbent
* Filiale der Staatlichen Pädagogischen Universität Dagestan
* Filiale des Moskauer Instituts für Unternehmertum und Recht

Söhne und Töchter der Stadt
*Sulejman Abusaidowitsch Kerimow (* 1966), Politiker und Unternehmer

Literatur
* Wladimir I. Markowin und Rauf M. Muntschajew: "Kunst und Kultur im Nordkaukasus", Leipzig 1988, ISBN 3-363-00361-7


Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 15.10.2019 11:20 von den Wikipedia-Autoren.
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