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Cagliari

Italien, Cagliari
Von Birgit Kohl   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Quirlige Hauptstadt des Mikrokontinents Sardinien
Hafen und Flughafen von Cagliari auf Sardinien sind nicht nur Tor zu einem traumhaften Strandurlaub. Die wie Rom und Istanbul auf 7 Hügeln erbaute Stadt war von jeher ein beliebtes Reiseziel. Schon Phönizier und Römer hatten diese Stadt für sich entdeckt!
Galerie
Via Roma und Cagliari
Heute ist Cagliari mit seinen circa 157.000 Einwohnern Hauptstadt der Autonomen Region Sardinien und ein quirliges Zentrum für Einheimische und Reisende. Besonders Frühjahr und Herbst eignen sich für den „nordischeren“ Besucher zur Entdeckung aller Geheimnisse der Stadt.

Beschnuppern des Zentrums am Golfo degli Angeli, dem Engelsgolf
Wollen Sie sich in das bunte Treiben dieser fast afrikanisch anmutenden Stadt mischen? Dann sollten Sie Ihren Tag gegen 9 Uhr morgens in einer der Bars von Via Roma anfangen. Cappuccino und „Paste“, die herrlichen Süßigkeiten Sardiniens warten bereits auf Sie.

Danach können Sie sich bei einer circa 45-minütigen Rundfahrt mit dem „Trenino Cagliaritano“ (www.trenino.it) ab Piazza Carmine oder mit einem der Stadtrundfahrtbusse einen ersten Überblick über diese vielschichtige Stadt verschaffen.

Sie können aber auch zu Fuß von Via Roma über den im Frühjahr von blaublühenden Jacarandas gesäumten Largo Carlo Felice und die Via Manno, Teil der boutiquenreichen Fußgängerzone, die Bastione S. Remy aus dem 19. Jahrhundert erklimmen und das unglaubliche Panorama dieser Stadt genießen, das über das Dächergewirr auch einen Blick auf Hafenanlagen, umliegende Berge und Lagunen mit Flamingos freigibt.

Im Castelloviertel mit seiner allgegenwärtigen Vergangenheit
Nicht umsonst hatten die Phönizier die Stadt als Kar Baalis, d. h. „città di Dio” bezeichnet. Die Reise durch Cagliaris Altstadt und Vergangenheit durchläuft nun das Viertel „Casteddu“, das das von den Pisanern im 13. Jahrhundert erbaute „Castello“ beherbergt. Diese Befestigungsanlage wurde bis zum 2. Weltkrieg in erster Linie von Adel, Klerikern und Verwaltungsbeamten bewohnt. Heute ist wenig vom damaligen Glanz übrig und, auch wenn inzwischen ein Teil der Gebäude renoviert wurden, so findet man doch auch traurig-vernachlässigte Fassaden und ärmliche Gassen.
Zum Castello


Auch der Dom pisanischen Ursprungs Santa Maria di Castello befindet sich im Inneren der Befestigungsanlage. Er wurde im Laufe der Geschichte immer wieder den „Strömungen der Zeit“ angepasst und wird heute durch eine pseudo-romanische Fassade geziert, die erst 1933 entstand.

Das Museo Archeologico Nazionale hütet einzigartige Schätze aus der Nuraghenzeit, aber auch viele Fundstücke aus der Epoche von Phöniziern und Puniern, die diesen Bereich der Insel einst besiedelten.

Auch das Wahrzeichen Cagliaris, der Elefantenturm aus dem 14. Jahrhundert und die bereits im 17. Jahrhundert entstandene Universität befinden sich in „Casteddu“.

Nach einer Besichtigung des leider durch Bestuhlung für sommerliche Konzerte ziemlich entfremdeten römischen Amphitheaters aus dem 2. Jahrhundert, können Sie nun wieder in das Cagliari der Aktualität eintauchen.

Kulinarische Genüsse im Marinaviertel
Wie wäre es nun mit einer Ruhepause in einer der Trattorien des Marinaviertels hinter Via Roma? Hier tischt zum Beispiel die „Trattoria Lillicu“ in Via Sardegna 78 jedes „ben di Dio“, Gottesgut, auf, das aus dem sardischen Meer kommt. Wie auch in vielen anderen sardischen Restaurants müssen Sie sich hier nicht die Mühe machen, ein „Menü“ zu entziffern. Der Küchenchef liefert zunächst Vorspeisen, dann Nudelgerichte und Fischgerichte, die jeden Gast zum Schwärmen bringen. Die Anwesenheit vieler Einheimischer ist ebenfalls Zeichen für die Güte der Küche. Einen gebührenden Abschluss bilden dann „dolci sardi“ und ein „Mirto“, ein Myrtenlikör und natürlich ein „caffè“.

Wenn Sie im Rhythmus der Stadt weiterschwingen wollen, sollten Sie sich nun bis 16 Uhr eine Ruhepause gönnen. Ab 16.30 öffnen dann wieder Geschäfte und Boutiquen und der zweite Tagesabschnitt beginnt.

Archäologische Funde gleich um die Ecke
Archäologisches Museum von S. Eulalia
Sollten Sie jetzt Lust haben, Neues zu entdecken, so bietet sich die „Area Archeologica di S. Eulalia“ zwischen 17 und 20 Uhr (aber auch von 10 bis 13 Uhr) zu einem Besuch an. Bei Renovierungsarbeiten der Kirche S. Eulalia wurde 1990 ein Areal von unglaublichem archäologischem Interesse freigelegt. Man fand einen 16 Meter tiefen Brunnen, der die Wissenschaftler bis zum Jahr 2008 beschäftigte. Es wurden Fundstücke von der römischen Republik bis zur Moderne ans Tageslicht befördert.

Auch wenn es in Cagliari Hinweise auf sardisch-nuragische Besiedlung aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. gibt, so zeigen die Funde von S. Eulalia natürlich auch die Bedeutung Cagliaris und seines Hafens bereits zur Römerzeit und danach. U. a. wurde eine 4 m breite und 13 m lange befestigte Römerstraße aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. freigelegt. Ebenso kamen römische Münzen aus dem 2. oder 3. Jahrhundert v. Chr., sowie ein kleiner Tempel ans Tageslicht.

Die Fundamente eines Turmes aus dem 5. Jahrhundert zum Ausspionieren von Vandalen und Sarazenen und die Krypte aus dem 6. Jahrhundert sind weitere Zeitdokumente dieser umfangreichen Fundstelle.

Weißer Sandstrand gefällig?
Ein Ausflug zum 8 Kilometer langen Stadtstrand mit herrlich weißem Sand, mit Bars und Kneipen, ist nicht nur nachmittags, sondern natürlich auch abends angesagt, wenn sich Cagliari dort trifft. Zum Ausklang für diesen sardischen Tag können Sie dort am besten erst nach 21 Uhr, um nicht zu sehr als Tourist aufzufallen, „due spaghetti al riccio“, ein paar Spaghetti mit Seeigel verspeisen und ein kühles Glas Vermentino, fruchtig-leichten Weißwein trinken. Wenn es die Windverhältnisse zulassen, ist Kitesurfing der Sport der Stunde.

Sant’Efisio und ganz Sardinien ist auf den Beinen
Zwischen dem 1. und 4. Mai jedes Jahres treffen sich Vertreter aus ganz Sardinien in Cagliari zur Prozession des Sant’Efisio. Diese Prozession, die seit 1656, nach der Überwindung der Pest, jährlich stattfindet, gehört zu den wichtigsten im ganzen Mittelmeerraum. Tatsächlich nehmen daran 5.000 bis 6.000 Personen in Trachten aus 60 bis 70 Orten Sardiniens teil.
Die „traccas“, von Ochsen gezogene, mit Blumen, Bändern und Teppichen geschmückte Wägen werden von Männern und Frauen mit traditionellen Trachten und Schmuck begleitet. Hierzu gesellen sich dann Lautenspieler und Reiter, die die immerhin 40 Kilometer von der Kirche in S. Efisio di Stampace in Cagliari in Begleitung der Statue des Hl. Efisio bis nach Nora zur dortigen Kirche von S. Efisio und zurück laufen.

Ausgangspunkt zum Mikrokontinent Sardinien
Cagliari kann man sicher als Ausgangspunkt zu Reisen ins bergige Landesinnere, z. B. mit dem „Trenino Verde“ (www.treninoverde.com) oder zu den herrlichen Stränden, Grotten und Höhlen des ganzen Eilandes nehmen. Monumente aus allen Epochen, Nuraghen, Tempel, Kirchen und Festungsanlagen befinden sich überall in traumhaften Landschaften. Allerdings verdient diese Stadt, die von alters her mit Fremden von überall konfrontiert war und sich dadurch eine große Kuriosität gegenüber dem „straniero“ bewahrt hat, deutlich mehr. Auf Ihrem Weg durch Cagliari werden Sie viele Kuriositäten und nette Bars und Trattorien finden, die Ihren Aufenthalt unvergessen machen.

Sollte Ihnen die herzhafte deutsche Küche in Cagliari aber doch zu sehr fehlen, so können Sie beim Stammtisch von Karl-Heinz (tel.: 070-666 138) in Piazza G. Galilei, 13 ab 21 Uhr Bier, Strammer Max, Kartoffelsalat und weitere kulinarische Genüsse zu sich nehmen.

Cagliari ist heute im übrigen per Ryanair von Düsseldorf (Weeze), Frankfurt-Hahn, Karlsruhe-Baden, Paris-Beauvais und Brüssel (Charleroi) leicht und günstig erreichbar.
Flamingos im Stagno von Molentargius


Typisch
 

 

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