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Dimension der Buddenbrooks

Deutschland
Von Jürgen Herda   auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
Schöngeist-Autor Siegfried Schröpf zur Tragik einer Gründerpersönlichkeit
Was kommt dabei heraus, wenn ein Psychologe und Volkswirt Krimis schreibt? Ein Wirtschaftskrimi mit psychologisch ausgearbeiteten Charakteren, könnte man vordergründig antworten. Siefried Schröpf geht es allerdings um mehr, als nur einen gut recherchierten Heuschrecken-Thriller. „Mich interessiert die Tragik, wie das Lebenswerk einer Gründerpersönlichkeit über Nacht vernichtet wird.“
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Siegfried Schröpf, Autor von „Schöngeist“ und „Dicht dran“, leidenschaftlicher Läufer und "Sonnenmacher".

Herr Schröpf, Sie haben einen vielseitigen Bildungshintergrund, studierten Psychologie und Volkswirtschaft. Wann haben Sie beschlossen, mehr als nur Sachberichte schreiben zu wollen?


Schröpf: Ich fürchte, das erfüllt alle Klischees, aber ich wollte schon als Jugendlicher einen Roman schreiben. Nur dass ich damals nicht das Durchaltevermögen hatte, und mehr als ein paar kleine Geschichten mit Alltagsszenen sind dabei nicht heraus gekommen. Die habe ich dann der jeweiligen Angebeteten geschenkt. Nach dem Studium war ich erst einmal vom Berufseinstieg in Beschlag genommen. Als ich dann hautnah das Unternehmerschicksal einer mir nahestehenden Familie miterlebte …

Sie meinen die Übernahme der Firma Grammer durch einen Finanzinvestor …

Schröpf: Ja, das hatte ja Buddenbrooks’sche Dimensionen. Mir ging’s bei „Schöngeist“, dem Wirtschaftsanwalt, der die Geschichte dahinter aufklärt, nicht um eine Enthüllungsstory oder einen Schlüsselroman. Es ist tragisch, wenn das gesamte Lebenswerk einer Gründerpersönlichkeit durch die Machenschaften von skrupellosen Heuschrecken über Nacht zerstört wird.

Sie erzählen also nicht den konkreten Ablauf eines regionalen Wirtschaftskrimis?
Siegfried Schröpfs Erstlinswerk: "Schöngeist".

Schröpf: Nein, überhaupt nicht, auch wenn die Versuchung da ist, nach Stellen zu suchen, die Parallelen vermuten lassen. Sehen Sie, natürlich ist die Kenntnis, wie sie so etwa abläuft, nützlich, um eine plausible Geschichte zu erzählen. Aber das dient nur als Gerüst, die Figuren sind Fiktion und die im Roman beschriebenen Akteure und Firmen sind Projektionsflächen, die sich pars pro toto mit vielen Unternehmen füllen ließen, die ein ähnliches Schicksal durchlitten. Und wenn ich Schicksal sage, meine ich, dass es ja immer auch um die Menschen geht, deren Existenz an so einer Firma hängt.

Haben Sie die Nähe zu Ihrem Sujet bereut?

Schröpf: Lassen Sie es mich so sagen: Ich habe daraus gelernt und bin bei „Dicht dran“ noch distanzierter rangegangen. Ich denke – und die Reaktionen bei meinen Lesungen bestätigen diesen Eindruck –, dass man beim zweiten Roman noch viel weniger danach fragt, ob Bezüge zur Realität bestehen. Letztere finden Sie jeden Tag im Wirtschaftsteil der Tageszeitung. Korruptionsfälle gab es in der Automobilindustrie nachweislich, seit dem es sie gibt. Es sind Fälle in den 1920er Jahren zur Zeit der Weltwirtschaftskrise belegt. Mercedes-Benz hat nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich Geld in Südamerika sauber gewaschen. Ich beziehe mich da auf die Recherchen der Journalistin Gaby Weber zu Ihrem Buch „Daimler Benz und die Argentinien-Connection“.

Ihr Protagonist ist kein grüblerischer Kommissar, kein zynischer Detektiv, sondern ein schöngeistiger Anwalt. Gibt es da auch biographische Bezüge oder haben Sie sich auf Vorbilder wie Grisham bezogen?
John Grishams "Der Anwalt".

Schröpf: Ich habe keinen näheren Kontakt zu einem Anwalt, das war’s also sicher nicht. Und eine bewusste Entscheidung für ein Vorbild gab’s auch nicht. Die Figur des Anwalts war einfach da, eine Notwendigkeit, die sich aus der Geschichte ergibt. Ich brauchte eine Person, die die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rechtlich begleitet. Das war Thomas Schöngeist, den ich nicht als juristischen Langweiler sah, sondern als einen kompetenten Juristen, der sich nicht auf die graue Theorie reduzieren lässt.

Mit einem Faible für die schönen Seiten des Lebens …

Schröpf: (lacht) … ja, was sich jetzt aber nicht nur auf schöne Frauen bezieht.

Kann man sagen: Der Plot stand mit dem erwähnten Hintergrund fest, Anwalt Thomas Schöngeist war bereits in Ihrem Kopf, da hat sich der Roman gewissermaßen von selbst geschrieben?

Schröpf: Der Kern der Geschichte, der Korruptionsfall, stand in einem Bericht der Amberger Zeitung. Ich habe kürzlich dem Journalisten nachträglich gedankt und ihm eine Flasche Cognac geschenkt. Ich fand schon, dass mir große Teile der Geschichte leicht von der Hand gingen. Nach Feierabend saß ich jeden Tag eine Stunde auf der Terrasse und habe geschrieben. Wenn es mal an einer Stelle hakte, ist mir beim Laufen oft eine Lösung eingefallen, wie etwa das offene Ende. Das ist überhaupt so ein Phänomen: Wenn ich am Abend vorher geschrieben habe, ging es beim Joggen im Kopf weiter.

Deshalb spielt das Laufen auch eine tragende Rolle im Buch …
Siegfried Schröpfs demokratisches Geschäftsfeld "Sonnenenergie".

Schröpf: Naja, tragend vielleicht nicht gerade, aber eine atmosphärische schon. Mir gefällt es, dass wir hier so eine Firmenkultur entwickelt haben, wo Geschäfte nicht beim Golf, sondern beim Laufen besprochen werden …

… sie meinen bei Grammer Solar, wo Sie Geschäftsführer sind.

Schröpf: Genau. Das ist gewissermaßen die Parallele zu unserer Philosophie. Wir wollen eine Dezentralisierung der Energieversorgung und daraus ergibt sich für uns auch eine Demokratisierung der Unternehmenshierarchie. Laufen kann wirklich jeder, dazu braucht man nur Turnschuhe und ein paar bequeme Klamotten.

… und vielleicht ein wenig Ausdauer.

Schröpf: (lacht) Ich kann mich gut auf die Kondition meines Laufpartners einstellen.

Dieser Artikel ist Teil der Tour "LiteraTouren an der Goldenen Straße"
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