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Belfast

Großbritannien, Belfast
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"Belfast" (irisch: "Béal Feirste" ) ist die Hauptstadt von Nordirland und die zweitgrößte Stadt der irischen Insel nach Dublin.

Belfast hat 277.000 Einwohner (2003) und liegt an der Mündung des Flusses Lagan in der Bucht von Belfast (engl. "Belfast Lough").

Es ist Sitz eines katholischen und eines anglikanischen Bischofs, Universitätsstadt und besitzt einen Seehafen. Belfast ist Sitz von Regierung und Parlament von Nordirland. Die Randviertel Belfasts gehörten v. a. in den 1970er Jahren zu den Schauplätzen des Nordirlandkonflikts.

Allgemeines zu Namen und Wahlspruch

Das irische "Béal Feirste" bedeutet "Mündung des Farset" (ir. "An Fhearsaid"). Dieser Fluss ist heute nicht mehr sichtbar und verläuft unterhalb der Bridge Street.

Die Stadt hat den Wahlspruch "Pro Tanto, Quid Retribuamus?" („Für all das, was sollen wir dafür zurückzahlen?“), ein Spruch, der bereits bei vielen Gelegenheiten als Aufruf zum Kampf interpretiert und als Schlachtruf verwendet wurde, obwohl er eigentlich aus dem Bereich der Universität stammte und die Dankbarkeit gegenüber der Alma Mater ausdrücken sollte.

Sehenswürdigkeiten
City Hall Belfast und Royal Avenue
Queens University Belfast
Wandmalerei im Westen Belfasts
Crown Liquor Saloon
Klimadiagramm von Belfast
Am zentralen "Donegall-Square" befinden sich das Rathaus (engl. "City Hall", 1906, im Rahmen von Führungen zu besichtigen) und die "Linen Hall Library", eine öffentliche Bibliothek, gegründet 1788. Hier findet der Interessierte alles zum bewaffneten Kampf der IRA und zum Friedensprozess.

In der Innenstadt befindet sich das Theater (engl. "Grand Opera House"), erbaut 1894 durch Frank Matcham. Gegenüber liegt der bekannteste Pub, der "Crown Liquor Saloon", welcher auch der älteste Pub Nordirlands ist. An der Donegall Street, einen kurzen Fußmarsch von der City Hall entfernt liegt die Kathedrale St. Ann der anglikanischen Church of Ireland.

Das Schloss auf dem Cave Hill (engl. "Belfast Castle") geht auf eine Normannenburg des 12. Jahrhunderts zurück.

Die Queen’s University mit Gebäuden aus der Tudor-Zeit hat einen besonders schönen Botanischen Garten.

Das Ulster-Museum (1890) bietet spektakuläre Funde des 1588 gesunkenen Schiffs „Girona“, das zur spanischen Armada gehörte.

Auf den Spuren der vergangenen Unruhen kann sich der Besucher zur "Peace Line" begeben: In West Belfast (westlich der Schnellstraße „West Link“) trennt diese Mauer die Gebiete der "Falls Road" (Wohngebiet katholischer Nordiren) von der "Shankill Road" (Protestanten). Die regulären Stadtrundfahrtprogramme zeigen die propagandistischen Wandgemälde ("murals") sowohl im Falls- wie im Shankill-Viertel.

Etwa 5 km östlich der Innenstadt, in East Belfast, befindet sich das Gelände von "Stormont Castle" mit Sitz der Regierung von Nordirland.

Im vergangenen Jahrzehnt wurde das Flussufer neu gestaltet: Hotels und das Konferenzzentrum "Waterfront Hall" sind dort entstanden.
Auf der östlichen Seite des Lagan befindet sich das "Odyssey Center" mit großem Saal für Eishockey und Konzerte, einem IMAX-Kino und einem großen interaktiven Museum, W5 genannt

Geschichte

1177 entstand im heutigen Stadtgebiet eine normannische Burg.
1603 wurde Belfast gegründet. Angesichts der fortdauernden Aufstände im katholisch gebliebenen Irland wurde die Ansiedlung loyaler schottischer Presbyterianer speziell im Bereich Belfasts durch die "Krone" gefördert.
Im 17. Jahrhundert bauten aus Frankreich geflohene Hugenotten die Leinenindustrie auf.

Im 18. Jahrhundert erfolgte eine Erweiterung des Hafens. 1912 lief die in einer Belfaster Werft gebaute Titanic von hier zu ihrer ersten Fahrt aus. Im April und Mai 1941 kam es zu starken Schäden in Hafen und Stadt durch Bombardements der deutschen Luftwaffe. 1969 begannen die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen militanten Gruppen der Katholiken und Protestanten (man spricht heute meist euphemistisch von „troubles“). Offiziell beendet wurden sie 1998 durch das so genannte Karfreitagsabkommen.

Am 16./17. Juni 2009 kam es in Belfast zu Ausschreitungen gegen in Belfast ansässige Rumänen. Nach Aussagen der Betroffenen verließen sie ihre Wohnungen, nachdem es mehrere Nächte in Folge zu Angriffen gegen sie gekommen war, bei denen rassistische Parolen gerufen worden waren und Fenster eingeschlagen und Türen eingetreten worden waren. Die Polizei evakuierte daraufhin am 17. Juni über 100 Rumänen zum Ozone-Komplex in Belfast, nachdem sie eine Nacht in der City Church in der University Avenue verbracht hatten. In: "Belfast Telegraph" vom 17. Juni 2009

Wirtschaft

Seit Ende des 17. Jahrhunderts wuchs Belfast vor allem durch die Leinenindustrie zu einem bedeutenden industriellen Standort heran.

Erst mit der Erweiterung des Hafens Ende des 18. Jahrhunderts gewann auch der Schiffbau an größerer Bedeutung. Die Stadt verfügt über das größte Trockendock der Welt der Werft Harland and Wolff. Die "Titanic" wurde hier gebaut.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Harland & Wolff Werft, befinden sich in East Belfast die ausgedehnten Werkshallen des 1909 gegründeten Flugzeugherstellers Short Brothers, der sich zunächst für die Herstellung des im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Flugbootes S.25 Sunderland einen Namen machte. Ab den sechziger Jahren spezialisierte man sich auf den Bau von zivilen und militärischen Transportmaschinen und schrieb mit der Herstellung der „Short Belfast“, dem drittgrößten von Propellerturbinen angetriebenen Transportflugzeug der Welt, Luftfahrtgeschichte. 1989 wurde das Werk für 30 Millionen Pfund Sterling an die Firma Bombardier verkauft.

Im Jahre 1979 errichtete die De Lorean Motor Company (DMC), das Unternehmen des amerikanischen Sportwagenbauers John De Lorean, eine Fabrik im Belfaster Vorort Dunmurry. Hier wurde bis 1983 der legendäre De Lorean DMC-12 produziert.

Sport

Belfast hat einen der bekanntesten Eishockey-Clubs des Vereinigten Königreichs, die "Belfast Giants", welcher in der 8.700 Besucher fassenden "Odyssey Arena" beheimatet ist.

Des Weiteren erfreuen sich die traditionellen irischen Sportarten Gaelic Football und Hurling besonders im katholisch-irischen Bevölkerungsteil hoher Beliebtheit. Die Spiele der Auswahl der Grafschaft Antrim in der jeweiligen Sportart werden im Roger-Casement-Park ausgetragen, ein 21.000 Zuschauer fassendes Stadion im Belfaster Stadtteil Andersonstown.

In der IFA Premiership, der höchsten Fußball-Spielklasse in Nordirland, sind derzeit vier Belfaster Mannschaften vertreten. Dies sind neben dem 1879 gegründeten Cliftonville FC, des ältesten Fußballvereins in Irland, die wegen ihrer Dominanz in der Liga als „"Big Two"“ bekannten Glentoran FC und Linfield FC sowie der im Norden der Stadt ansässige Verein Crusaders FC. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebte die nordirische Fußball-Liga von der Rivalität zwischen Linfield FC und dem in West-Belfast spielenden Belfast Celtic FC. 1949 zog sich der erfolgreiche katholische Verein zurück, nachdem in einem Spiel gegen Linfield Zuschauer das Spielfeld stürmten und Spieler tätlich angriffen. Bereits zwischen 1920 und 1924 sah sich Belfast Celtic gezwungen, sich wegen politischer Unruhen vom Spielbetrieb zurückzuziehen.

Internationale Begegnungen der Auswahl des nord-irischen Fußballverbands IFA (Irish Football Association) finden in aller Regel im rund 20.000 Besucher fassenden Windsor Park in South Belfast statt, der gleichzeitig auch dem Linfield FC als Heimkulisse dient.

Die Spiele des Clubs Ulster Rugby, der als Unterverband der Irish Rugby Football Union (IRFU) die Provinz Ulster repräsentiert, finden im Ravenhill Stadium statt, das ein Fassungsvermögen von 12.500 Zuschauern besitzt. Der bisher größte Erfolg gelang Ulster Rugby im Januar 1999 mit dem Gewinn des Rugby-Europapokalwettbewerbs Heineken Cup.

Seit 2005 wird in der Waterfront Hall von Belfast das Snookerturnier um die Northern Ireland Trophy ausgetragen.

Verkehr
Es gibt keine Straßen- oder U-Bahn. Der öffentliche Personennahverkehr erfolgt über Busse, die sich im Zentrum der Stadt treffen. Das System ist sternförmig angelegt. Es gibt keine durchgehende Verbindungen von Nord nach Süd. Der Umsteigepunkt im Zentrum hat verschiedene Namen: City Centre, Donegal Square, Howard Street. Sie alle befinden sich aber am selben Platz oder in unmittelbarer Nähe des Platzes.

Es gibt zwei Eisenbahnstrecken, die in der Nähe von Belfast abzweigen. Eine führt Richtung Süden nach Dublin in Irland und eine weitere Richtung Norden nach Derry.

Belfast verfügt über zwei Flughäfen, den International Airport im Westen der Stadt (mit der Buslinie 300 verbunden; 10 min Takt tagsüber; Fahrtdauer ca. 35–40 min) und den City Airport George Best, der über die Buslinie 600 mit der Innenstadt verbunden ist.

Fährverbindungen bestehen vom Belfaster Fährhafen (Belfast Ferry Port) aus nach Liverpool (Norfolkline) sowie nach Stranraer (Stena). Im Sommer bedient die Isle of Man Steam Packet Company darüber hinaus noch die Route nach Douglas auf der Insel Man.

Wahlkreise und Stadtteile
Ausgehend vom Zentrum (City Center) spricht man in Belfast geografisch von Nord-, Süd-, Ost- und West-Belfast. Dies entspricht auch den vier Wahlkreisen zum britischen Parlament. Eine Autobahn sowie der Fluss Lagan mit seiner Mündung in die Bucht von Belfast sind hierbei gebaute bzw. natürliche Grenzen. Für die lokalen Wahlen gibt es folgende Kreise, die auch den ortsüblichen Bezeichnungen der Stadtteile entsprechen:
*Nord-Belfast: Ardoyne, Ballysillan, Bellevue, Castleview, Cavehill, Chichester Park, Cliftonville, Crumlin, Duncairn, Fortwilliam, Legoniel, Newlodge, Water Works, Whiteabbey, Woodvale
*Süd-Belfast: Ballynafeigh, Botanic, Blackstaff, Finaghy, Malone, Musgrave, Ravenhill, Rosetta, Shaftesbury, Stranmillis, Upper Malone, Windsor
*Ost-Belfast: Ballyhackamore, Ballymacarrett, Belmont, Bloomfield, Cherryvalley, Island, Knock, Orangefield, Stormont, Sydenham, The Mount, Woodstock
*West-Belfast: Andersonstown, Beechmount, Collin Glen, Clonard, Falls, Falls Park, Glencairn, Glen Road, Highfield, Kilwee, Ladybrook, Poleglass, Shankill, Twinbrook, Upper Springfield, Whiterock

Söhne und Töchter der Stadt
Siehe: Liste der Söhne und Töchter der Stadt Belfast

Siehe auch

* Nordirlandkonflikt


Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 22.10.2017 01:12 von den Wikipedia-Autoren.
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