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Baryssau

Weißrussland, Baryssau
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Blick auf Baryssau vom Fluss aus.
"Baryssau" (, , auch "Borissow", "Borisov") ist eine weißrussische Stadt an der Bjaresina in der Woblast Minsk mit 149.700 Einwohnern (2007) und das Verwaltungszentrums des Rajons Baryssau.

Wappen

Das Stadtwappen wurde offiziell am 22. Januar 1796 bestätigt (Gesetz Nr. 17435). In der oberen Hälfte des Schildes ist das Minsker Wappen abgebildet, in der unteren jenes Wappen, welches vom polnischen König Stanisław August stammt: zwei Kriegstürme mit dazwischen auf einem silbernen Feld gestellten Toren und darüber der auf einer Wolke stehende Apostel Petrus, der in den Händen den Schlüssel zur Stadt hält. Das Wappen symbolisiert die Hartnäckigkeit, Stärke und den offenen Weg für eine gute Nachbarschaft und für einen friedlichen Handel..

Geschichte

Die erste Erwähnung findet die Stadt in weißrussisch-litauischen Chroniken im Jahr 1102. Laut dieser Chroniken besiegte im Jahre 1102 Fürst Boris Wseslawitsch die Jatwinger und errichtete nach seiner Rückkehr eine Stadt mit seinem Namen. So ist nach der weißrussisch-litauischen Geschichtsschreibung an der Mündung des Flusses Scha in die Beresina eine Stadt entstanden, die nach dem Polazker Fürsten Boris Wseslawitsch benannt ist. Die erste Erwähnung der Stadt in den Laurentius-Chroniken jedoch ist auf das Jahr 1127 datiert, und in der Hypatiuschronik auf das Jahr 1128, als Festung des Fürstentums Polazk. Archäologische Funde bezeugen, dass die erste Ansiedlung bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist. Eine neue Stadt ist weiter südlich entstanden an der Stelle, an der die Scha in die Beresina mündet. An dieser Stelle wurde im 12. Jahrhundert eine Holzfestung errichtet.

Frühe Stadtentwicklung

Aufgrund seiner günstigen geographischen Lage zählt die Stadt bereits Mitte des 13. Jahrhunderts zu den bekanntesten Handels- und Handwerkszentren. Ende des 13. Jahrhunderts ging Baryssau an das Großfürstentum Litauen, ab 1569 gehörte die Stadt infolge der Lubliner Union bis Ende des 18. Jahrhunderts der Rzeczpospolita an und befand sich dort in unmittelbarer Nähe zur russischen Grenze.

Die Stadt war Schauplatz zahlreicher Kriege. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde sie durch den Kampf zwischen den Fürsten Jogajla, Sigismund und Švitrigaila fast vollständig zerstört. Im Russisch-polnischen Krieg (1654-1667) war die Stadt zeitweilig von Russen bzw. Polen besetzt. Im Großen Nordischen Krieg (1700-1721) wurde die Stadt und ihre Bevölkerung schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Nach der zweiten polnischen Teilung 1793 ging die Stadt zusammen mit Minsk und weiteren weißrussischen Gebieten an das Russische Imperium. Baryssau wurde zur Kreisstadt.

Der Vaterländische Krieg des Jahres 1812 gegen Napoleon hinterließ in der Stadtgeschichte tiefe Spuren. Den napoleonischen Truppen gelang es nicht, die Stadtbevölkerung zu unterwerfen. Die "Beresinskaja pereprawa" (Übergang über die Beresina) wurde nach Meinung von Historikern das dunkelste Kapitel in der Geschichte der Napoleonischen Kriege.

Heute erinnern Denkmäler nahe dem Dorf Studenka und auf dem "Brilewskoe-Feld" an die Ereignisse. In Baryssau selbst sind noch Rest von Artilleriestellungen der Russischen Armee zu sehen, die am Vorabend des napoleonischen Angriffs am rechten Ufer der Beresina errichtet wurden. Diese wurden als historisches Denkmal 1926 unter den Schutz des Staates gestellt. 15 km nördlich von Baryssau, nahe dem Dorf Studenka, wurden die napoleonischen Truppen endgültig in die Flucht geschlagen. Zur Erinnerung an diesen Sieg wurde 1967 ein Denkmal errichtet.

Im November 1917 ergriffen die Bolschewiki die Macht in ganz Weißrussland und nahmen auch Baryssau ein. Ab 1918 war die Stadt von den Deutschen besetzt, von 1919-1920 von polnischen Truppen. Seit 1924 ist die Stadt Kreisstadt, erst als Verwaltungszentrum eines Rajons in der Sowjetunion und später in der unabhängigen Republik Belarus (Weißrussland).

Zweiter Weltkrieg

Anfang Juli 1941 erfolgten in Baryssau erbitterte Kämpfe zwischen der ersten Moskauer Division der Roten Armee und Panzereinheiten der deutschen Wehrmacht. In der Zeit vom 2. Juli 1941 bis 1. Juli 1944 betrieben die Deutschen in der Stadt und Umgebung sechs Todeslager, in denen mehr als 33.000 Menschen ermordet wurden.

Um die Befreiung der Stadt kämpften im Jahre 1944 die Truppen der 3. Weißrussischen Front, 13 Kampfeinheiten wurden mit dem Orden „Borisowskie“ ausgezeichnet. 29 Personen aus der Region Baryssau wurden als Helden der Sowjetunion ausgezeichnet. Die Stadt erhielt den Orden des Vaterländischen Krieges erster Ordnung.

In Baryssau bestand das Kriegsgefangenenlager "183", "Borisow", für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Maschke, Erich (Hrsg.): "Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges." Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977. Schwer Erkrankte wurden im Kriegsgefangenenhospital "1673" versorgt.

Bevölkerungsentwicklung

In der unmittelbaren Nachkriegszeit kam es zu explosionsartigen demographischen Schüben:

* 1959 — 59.300 Einwohner
* 1970 — 84.000 Einwohner
* 1997 — 154.300 Einwohner

Entwicklung der letzten Jahre:

* 2005 — 150.000 Einwohner
* 2006 — 149.900 Einwohner
* 2007 — 149.700 Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke und Architektur

Denkmal für Prinz Boris Wseslawowitsch vor einer orthodoxen Kirche in Baryssau, Belarus.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Gebäude aus Stein in Baryssau errichted. Mit der Fertigstellung des "Baryssauer Wassersystems" 1806, welches durch die Beresina den Dnepr mit der Westlichen Dwina verband und somit für den einzigen Verkehrsweg sorgte, erhielt die Stadt einen Hafen und wurde zum Zentrum im Schiffbau an der Beresina. Somit spielte die Stadt eine Schlüsselrolle in den Handelsbeziehungen zwischen weißrussischen Städten.

1823 wurde der Bau einer katholischen Kirche fertiggestellt, des ältesten erhaltenen religiösen Bauwerkes in der Stadt. Der alte Marktplatz hat die charakteristischen Züge von Bauten des 19. Jahrhunderts und stellt ein interessantes Beispiel provinzieller bürgerlicher Architektur dar. Zweimal jährlich findet hier ein Jahrmarkt statt.

In Baryssau befindet sich eines der ersten hyperboloiden Bauten der Welt, ein stählerner Wasserturm, der nach den Plänen des Ingenieurs Wladimir Grigorjewitsch Schuchow errichtet worden ist.

Ein heute nicht mehr existentes Bauwerk ist das Schloss Baryssau, eine Befestigungsanlage die unweit der Siedlung Baryssau am linken Ufer der Beresina in der Nähe des Zusammenflusses mit der Prilja mutmaßlich Ende des 12. - Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet wurde.

Sport

In der Stadt ist der FK BATE Baryssau beheimatet, der 2008 zum dritten Mal in Folge und zum fünften Mal insgesamt weißrussischer Fußballmeister wurde und sich im selben Jahr als erste weißrussische Mannschaft der Geschichte für die Gruppenphase der UEFA Champions League qualifizierte.

Wirtschaft und Infrastruktur

Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Moskau-Brest 1871 erhielt Baryssau einen Bahnhof, was mit zu einem allgemeinen Aufschwung der Wirtschaft führte. So entstand immer mehr Industrie am rechten Ufer der Beresina. Heute befinden sich hier das Verwaltungs- und das Industriezentrum der Stadt sowie die wesentlichen Wohnviertel der Stadt.

Baryssau ist die zweitwichtigste Industriestadt im Minsker Gebiet. Hier sind 42 Fabriken und 613 Handelsunternehmen und Betriebe der Nahrungsmittelbranche ansässig.

Bildung

In Baryssau ist eine Zweigstelle des Institutes für Verwaltung und Unternehmensführung, einer privaten Hochschule mit Sitz in Minsk, angesiedelt. Außerdem hat die Stadt 24 Mittelschulen, drei Gymnasien, ein polytechnisches Lyzeum, drei Fachschulen, drei Berufsschulen, eine Musik-, eine Kunst- und eine Choreographieschule.

Presse

Neben der staatlichen Zeitung „Adsintsva“ ("Einheit") gibt es in Baryssau die oppositionell ausgerichtete Zeitung „Borissowskie nowosti“ ("Borisower Nachrichten"), die offiziell nicht mehr verkauft wird und im Untergrund tätig ist.

Söhne und Töchter der Stadt

* Anatoli Borissowitsch Tschubais, Politiker und Unternehmer
* Chaim Laskow, israelischer General und Generalstabschef der israelischen Streitkräfte

Quellen



Dieser Artikel stammt aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und kann dort bearbeitet werden. Der Text ist unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike verfügbar. Fassung vom 15.11.2018 10:14 von den Wikipedia-Autoren.
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