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Automann mit Leidenschaft - Bernd Pischetsrieder wird 70

Deutschland
14.02.2018
Von unserem dpa-Korrespondenten und Europe Online    auf Facebook posten  Auf Twitter posten  
München, Wolfsburg, Stuttgart - eine ungewöhnliche Karriere hat Bernd Pischetsrieder in gleich drei deutsche Autokonzerne geführt. Inzwischen kümmert er sich auch um Katastrophen und Königsschlösser.

München (dpa) - Bernd Pischetsrieder ist in der Autoindustrie ein gefragter Mann. Der Ingenieur war zuerst BMW-Chef, dann VW-Chef, inzwischen sitzt er im Aufsichtsrat von Daimler. Aber nicht nur als Manager, auch mit seiner Begeisterung für Oldtimer und schnelle Wagen hat er Schlagzeilen gemacht. Am 15. Februar wird er 70 Jahre alt.

Die Leidenschaft für Autos ist Pischetsrieder vielleicht schon in die Wiege gelegt worden: Sein Großonkel Sir Alec Issigonis hatte als Autokonstrukteur bei British Motors den Mini entwickelt. Der junge Bernd heuerte nach dem Maschinenbau-Studium in seiner Heimatstadt München bei BMW an und schaffte es über Dingolfing und Südafrika bald nach ganz oben. 1993 wurde er Vorstandschef - und kaufte ein Jahr später den britischen Autobauer Rover.

«Im Nachhinein stellte sich das als falsche Entscheidung heraus. Aber er hat souverän und in Würde die Verantwortung übernommen - das ist etwas, was nicht viele machen», sagt Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Nach Milliardenverlusten mit Rover zog BMW 1999 die Reißleine und feuerte Pischetsrieder. Nur Mini und Rolls-Royce blieben bei BMW.

Zu seinen Erfolgen gehören auch das BMW-Werk Spartanburg in den Vereinigten Staaten und der Ausbau des US-Geschäfts. «Bernd Pischetsrieder hat BMW in eine andere Liga geführt», meint Bergdolt.

Zwei Jahre später holte der damalige VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch Pischetsrieder als Seat-Chef nach Wolfsburg und erkor ihn 2002 zu seinem Nachfolger an der Spitze des Konzerns. Es war ein schweres Erbe: Volkswagen kämpfte mit Kosten- und Qualitätsproblemen. Veruntreuungen und Sexreisen für Betriebsräte flogen auf.

Pischetsrieder brachte VW mit besserer Qualität, neuen Modellen wie dem Touran und dem Touareg sowie längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich wieder auf Kurs und bremste das teure Phaeton-Modell - ein Lieblingsprojekt des Großaktionärs und inzwischen Aufsichtsratsvorsitzenden Piëch. Das hieß Ärger von mehreren Seiten. Ende 2006 musste Pischetsrieder abtreten, immerhin mit vollen Bezügen für weitere fünf Jahre. «Das einzige Problem war, dass der Herr Piëch den Herrn Pischetsrieder nicht mag», schätzt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Der Volkswagen-Patriarch hatte den frisch Gefeuerten auf der Hauptversammlung 2007 noch einmal öffentlich abgewatscht: «Zu spät habe ich erkannt, den Falschen gewählt zu haben.» Das habe er jetzt korrigiert. Viele Aktionäre sahen das anders. Den größten Beifall gab es, als Piëch Pischetsrieder für die geleistete Arbeit dankte.

«Besonnen, ruhig, sachlich - mit seinem Management-Stil hat er die Unternehmen und die Autowelt beeinflusst», sagt Dudenhöffer heute. Auch andere, die mit Pischetsrieder zu tun hatten, loben seine «Haltung auch in schwierigen Zeiten», beschreiben ihn als Gentleman, der nie die Bodenhaftung verloren habe. Hier erinnert man sich an einen humorvollen Gesprächspartner, dort an den Zigarrenraucher, dort an den Weißwein von Pischetsrieders eigenem Weingut.

Er lebt am Chiemsee, vis-à-vis der Herreninsel mit König Ludwigs Schloss. Dort war er mit seiner Frau im Sommer 1995 einmal zu schnell unterwegs auf einer Spritztour, einen McLaren F1 fuhr er zu Schrott. Von seiner generellen Leidenschaft für Autos spricht auch seine Begeisterung für Oldtimer - er hat sogar in einen namhaften Händler für die Liebhaber-Fahrzeuge investiert.

Seit 2013 hat Pischetsrieder als Aufsichtsratschef der Münchener Rückversicherung auch Erdbeben, Wirbelstürme und Kapitalanlagen von gut 200 Milliarden Euro im Blick. Seit 2014 gehört er zudem dem Daimler-Aufsichtsrat an - «da schätzt man seine hohe Fachkompetenz», meint Dudenhöffer. Und für die Erben der bayerischen Könige kümmert sich der bärtige Oberbayer auch noch um deren Vermögen: im Verwaltungsrat des Wittelsbacher-Fonds.

 

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